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Zwiebeln

 

                                

                                   

 

                                                             ÖKO-HOF DRAGA

                                               .    Jurlinovi Dvori

                                                           (Georgshof)

 

 

 

UKD 908 (497.5-37 Primošten Burnji) (036)

Alle Rechte beim Verlag ISKON

EKO-SELO DRAGA –  JURLINOVI DVORI

Burnji Primošten -  Hrvatska

 

Internet-Adresse

www.jurlinovidvori.org/nje/default.htm

                  

Text:  Don Stipe Perkov

Fotographie: Davor Šaric

 

ISBN 953-99178-0-8

Übersetzung aus dem Kroatischen:

Dr. med. Albrecht Preusser

Seetorstr. 5             D-31737 Rinteln

 

 

 

 

 

 

In einer Zeit, wo die planetarischen, globalen Ideen alle Formen der besonderen Eigenheit  verdrängen, und so auch jene, die auf Tradition beruhen, sind die Orte selten, an denen sich die uranfängliche Verbundenheit von Mensch und Land gehalten hat. Einer der Orte mit   kräftigen Abdrücken hundertjähriger Wechselbeziehung von Mensch und Natur ist Primošten Burnji, im mittleren Teil der kroatischen Adria gelegen, wo ein mediterranes Gebiet grimmiger  Karstlandschaft, gegliederter Talsenken und malerischer Felsklippen veredelt wurde durch die Jahrhunderte währende Bemühung menschlicher Hände. Schutzmerkmal, Wappenzeichen und  Symbol des Gebiets von Primošten sind die Weingärten, die sich über die sanften Hügel hinuntersenken bis hin zum Meer. Mit Steinbrocken eingefasst in einem regelrechten  geometrischen Raster, sind sie eine Hymne aus Trockenmauern auf die menschliche  Hartnäckigkeit und die tägliche Mühsal, denn, wie der Reiseschriftsteller anmerkt, „mehr Schweiß ist geflossen beim Roden der Hänge für die Weingärten als bei der Errichtung der Pyramiden“.

 

 

Der jahrhundertelange Kampf für das physische und geistige Bestehen der Menschen von Primošten Burnji atmete den Geist des arbeitsamen, rechtschaffenden und beherzten  Landmanns unerschütterlichen Glaubens und heimatliebender Gesinnung. Auch wenn das zeitgenössische Leben einigermaßen die Lebensweise und das alte Antlitz von Primošten  Burnji verändert hat, sind dennoch viele Formen der Kulturtradition und des Alltags lebendig in  den steinernen Hütten der Taglöhner mit der Konoba, in der Lebensfreude des  Volkes und dem Segen des Feldes, im „Brot unter dem pekar“ und dem Öl der Oliven, diesem grünen Gold, das in alten Steingefäßen aufbewahrt wird. Die kleinen lieblichen Dörfer  von Primošten Burnji sind Oasen einer pastoralen Atmosphäre, einer schwermütigen und  idyllischen Ruhe, deren  Einsiedler lediglich ein Lied zirpen zur Mittagshitze, und das Echo bringt den Widerhall der Erinnerung an alte Legenden und Mythen.     konoba = Weinkeller; pekar,  vgl. Bäcker, Glocke aus Gusseisen zum Backen

 

 Der Georgshof (Jurlinovi dvori), in der Draga gelegen, eins der Einzelgehöfte in Primošten Burnji, ist ein einzigartiges Beispiel für den gedanklichen Umgang des Volkes mit der Lebensweise in Übereinstimmung mit der natürlichen und kulturellen Umgebung. In ihr kehrt die Seele des heutigen Gastes nach der anfänglichen Begeisterung zur inneren Sammlung und der arkadischen Hingabe an die elementare Kraft und Schönheit der Natur zurück, damit die nostalgische Erwägung der Zeiten durchdrungen wird vom starken Geist der wechselseitigen Verbindung und Allvertrautheit mit dem göttlichen Segen.

Die salzige Sardine und das Öl der Oliven, die getrocknete Feige und der Babiċ-Wein, die gastfreundlichen Hausherren, die den Geist ihrer tüchtigen Vorfahren verkörpern, sind für die zeitgenössischen Nomaden das Pfand der Heimkehr in die einzigartige, ziemlich außerzeitliche Welt der Draga in Primošten Burnji.

 

Die Lage - hier sind wir !

Burnji Primošten befindet sich im Innern Dalmatiens, nicht weit von Šibenik entfernt. Es erstreckt sich von der Meeresküste nach Westen und reicht zehn Kilometer ins Innere gegen Osten auf einer Fläche von 50 km², während sich der ganze Bereich Primošten über 120 km² ausbreitet. Der Bereich Burnji Primošten ist eine hügelige Hochfläche mit einer Meereshöhe von 200 m. Auf der Nordseite wird er begrenzt von den Höhen des Jelinjak (295 m) und des Verciser, auf der Ostseite vom Stražar (403 m) und vom Gnjojince, von Süden von den Grba und von Westen von der Adria.

Plinius der Ältere (1.Jhd.n.Chr.) schrieb in seinem Buch „Über die Natur“: Die Gegend Liburnia und der Anfang Dalmatiens liegen bei Scardone (Skradina), welches sich bei diesem Fluss (Krka) befindet, vom Meer 12 Meilen entfernt. Darauf folgt der alte Bereich Tariota und die Festung Tariona, und die Landzunge des Diomedes oder wie es andere nennen, die Halbinsel Hilis mit einem Umfang von 100 Meilen ...

Burnji Primošten ist vor allem ein bergiges Gelände auf fünfzehn Hügeln, mit zwei größeren Karstfeldern (Prhonski-Felder und Tribeški-Felder) und mit der gegliederten  Meeresküste, vor der zwei Inseln liegen (Tmara und Krbela) im Angesicht der mächtigen adriatischen Hochsee bis hin nach Italien.

Auf den Sonnenseiten, geschützt vor dem kalten Nordwind Bura und der Sonne zugewendet, sind 16 Einzelhöfe angelegt, die sich über die Steinhalden von Primošten verteilen wie schwarz-silberne Medaillen. In ihrer Mitte liegt das ewige Wasser, der Lebensbrunnen dieses Gebietes, der Teich Bojana, welcher Anlass war für die Besiedlung von Burnji Primošten. Dieser Teich war die Quelle des Lebens für alle diese erwähnten Gehöfte bis heute ...

Das Klima im Bereich Primošten ist angenehm mediterran mit milden Wintern und warmen Sommern. Der Südwind in diesem Gebiet, der jugo, trägt Regen heran, und die bura von Nord bringt Kälte bei klarem Wetter. Sommerliche Schwüle wird gemildert durch den maestral, dem Wind vom Meer, und von den ständigen Luftströmen zwischen den Bergen und Lichtungen, was das drückend heiße Land auch in den hochtemperierten Sommermonaten erfrischt und abkühlt. Das ist die klimatische Besonderheit des Primošten-Gebiets und des rauhen Charakters der Landzunge Ploča, die weit ins Meer hinaus, in die Hochsee ragt. Auf dieser Landzunge ist der kleine Ort Primošten der am meisten in das Adriatische Meer hinausragende Punkt an der dalmatinischen Festlandküste, was die Besiedlung und den Anbau landwirtschaftlicher Kulturen besonders begünstigt hat, als da sind Wein, Feigen, Sauerkirschen, und das Krummholz der Oliven mit einer Spitzenqualität des Öls.

Die Gegend von Primošten ist sehr berühmt, hier, wo Olivenhaine und Weingärten dominieren, kunstvolle Werke aus Stein in Stein (ähnlich jenem, dessen Photographie sich im Gebäude der Vereinten Nationen befindet, welches den Weingarten Bucavac im Gebiet von Primošten darstellt in der Senke von Kremik).

Auf den Weideplätzen über die Hügel wachsen verschiedene aromatische und heilkräftige Pflanzen, deren Duft sich über das ganze Gebiet von Primošten verbreitet. Frei über die Gegend fliegen die Vögel, zwitschern auf den Ästen, und nicht selten trifft man auf Wild (Hasen, Füchse, Wildhunde, Wildschweine, Eichhörnchen), was diesem Gebiet einen besonderen Reiz verleiht.

Des Nachts kommt der kristallklare bestirnte Himmel zum Ausdruck, vollgedrängt von Sternen und anderen Himmelskörpern, voller Anziehungskraft für das menschliche Auge und für die Neugier auf die Unendlichkeit. Als ob die harten Steine bei Mondenschein weich werden, gleichsam wie weiße Runen; die Trockenmauern, die kleinen Steinzelte (bunja) auf den Feldern, die Hütten, die steingefügten Häuschen inmitten der Gehöfte, das alles rührt uns an und trifft uns im Inneren wie ein Märchen. Der verstorbene Bischof von Šibenik, Josip Arneriċ, ehemaliger langjähriger Pfarrer von Primošten und geschätzter Gast in Primošten Burnji, nannte dieses Gebiet aus lauter Entzücken – Bethlehem.

Burnji Primošten grenzt an die Orte Grebaštica, an Süd-Primošten (Primošten-Dorf) und an das Zlarinski Akvatorij. Es ist von Sibenik 20 km entfernt, von Split 60 km, von Primošten 8 km. Das Innere von Burnji Primošten bildet der Weiler Draga, welcher seit dem Jahre 2001 durch Verpachtung der Grundstücke zu einem Öko-Dorf und zu einem Ort des völkischen Brauchtums geworden ist. In seiner Mitte liegt der bekannte Georgshof (Jurlinovi dvori), die Perle ursprünglicher rustikaler Architektur.

Nach Draga kann man aus fünf Richtungen gelangen: von der Šibeniker Seite in Richtung Jelinjak (Abzweigung in Grebaštica); von Primošten über die Diskothek „Aurora“, und links bei der Kreuzung bei Šaričeva kapela; dann kann man dorthin gelangen aus Doc (nahe des Autokamps Huljert); aus Richtung Split von Zečevo oder Rogoznica über Primošten; und vom Landesinneren (der Zagora) über das Engtal von Barine (nicht weit von Seget) über Primošten-Süd.

Aus welcher Richtung auch immer Sie hierher finden, in Burnji Primošten sind Sie allzeit willkommen.

Bei der Anfahrt von der Šibenik-Seite sollten Sie im Fichtenwald auf dem Jelinjak anhalten, wo sich einer der schönsten Aussichtspunkte Mitteldalmatiens befindet: der Blick reicht bis zu den Kornaten, zum Aquatorium von Šibenik, zur Insel Krapanj, zum Tal von Grebaštica, und in der Ferne zu den Städten Šibenik und Vodice. Und wenn Sie den höchsten Gipfel in Burnji Primošten, den Drvenik (364 m) ersteigen (es gibt auch eine Straße), werden Sie das gesamte Gebiet Burnji Primošten übersehen können mit der ganzen Umgebung, wie auf einem Teller, und wenn optimale Sicht herrscht, reicht Ihr Blick über die Adria bis hin nach Italien.

Der andere Aussichtspunkt ist das Gebiet Supljak, von wo der Blick auf die Hochsee des Adriatischen Meeres, auf Primošten, die Weinberge dieses Gebiets bei Bucavac, das Fischerdorf Zečevo, die Inseln Svilan, Grbavac, Barilo, Zelenjak und Smokvica möglich ist.

Die Feldwege von Burnji Primošten laden ein, zwischen Ölbäumen, Weinbergen und Weiden in der unberührten, ursprünglichen Natur spazieren zu gehen.

Die Fahrradfahrer können 20 km Wegstrecke nutzen, mit Start von der Draga oder der Bojana, um sich in der Natur zu erholen, und sie müssen dabei nicht über unbesiedeltes Gebiet oder Asphaltstraßen fahren.

 

Die Bezeichnung – der Name

Die große Halbinsel zwischen Marina und Grebaštica trug in grauen Vorzeiten die Bezeichnung hilis, danach die lateinische Bezeichnung peninsula Diomedis (Halbinsel des Diomedes). Das gleiche Gebiet bezeichneten einige als palathalassia (Küstengebiet), danach als Bosoljina, und am Ende erhielt ein größerer Teil dieses Bereichs, um ihn abzutrennen von Rogoznica und Marina, die Bezeichnung Primošten-Gebiet gemäß dem gleichnamigen Ort.

Das älteste Dorf dieses gesamten Bereichs ist Prhovo, gelegen bei dem gleichnamigen Karstfeld, unweit des nie versiegenden Gewässers, des Teiches Bojana. Im Jahre 1298, als das Bistum Šibenik gegründet wurde, war Prhovo die einzige Pfarrei im ganzen Raum Bosoljina, und im erwähnten Jahr fiel es an das Bistum Trogir.

Prhovo, der älteste Weiler von Burnji Primošten, besteht heute noch, und in ihm leben 12 Hauswirtschaften, während im Jahre 1298 hier 56 Hauswirtschaften mit 376 Einwohnern existierten.

In der Zeit der türkischen Eroberungskriege (vom 15. bis zum 18.Jhd) versteckten sich die Einwohner von Prhovo und die der anderen Gehöfte des Primošten-Gebietes auf den nahe gelegenen Inseln, einige sind auch geflohen über das Meer nach Italien (Apulien), während sich die Mehrheit in der Wüstenei der Insel mit dem Namen caput cista (nacktes Haupt), drei Kilometer von Prhovo entfernt, niedergelassen hat. Dort errichtete man neue Siedlungen, geeignet zur Verteidigung gegen die Türken, zumal sie von allen Seiten vom Meer umgeben waren. Im Jahre 1485 begründet man an diesem Ort eine Pfarrei mit dem gleichen Namen, wie sie ihn vor der türkischen Eroberung in Prhovo gehabt hatte, die Pfarrei zum Hl. Georg. Es ist dasselbe Volk, und aus demselben Ort, gleichen Glaubens und gleicher Volkszugehörigkeit!

Die Bezeichnung Primošten kommt von dem Wort „überbrücken“ (most = Brücke). Die Ortsbewohner errichteten zur Zeit des Šibeniker Fürsten Jakov Boldo eine Landbrücke vom Festland zur Insel, d.h. sie überbrückten das Meer. So sollte später der gesamte Bereich von Primošten-Dorf bis zum Dorf Kruševo (etwa 12 km²) die neue Bezeichnung erhalten – Primošten-Gebiet. Später, im 19.Jhd, teilte man den Bereich Primošten in drei Einheiten: Burnji Primošten (burnja, d.h. burna = wild, stürmisch, d.i. die wilde, nördliche Seite), Süd-Primošten (Südseite des Gebiets) und Primošten-Dorf (der heutige Ort am Meer, Halbinsel gola glava = Nacktkopf).

Oben wurde erwähnt, welche Gehöfte Primošten Burnji bilden mit Sitz in der Draga; und die Gehöfte Süd-Primoštens sind: Krč Dolac, Vadalj, Stavor, Vesac Donj und Vesac Gornji, Siroke, Bratski Dolac (Mitte), Ložnice und Kruševo. Die Bewohner von Burnji Primošten und Süd-Primošten nennen sich mit dem gemeinsamen Namen Stanari (vom Wort stan, Wohnung, und stanovi, Einwohner), und die Bewohner von Primošten-Dorf nennt man Seljari (vom Wort selo, Dorf). Primošten-Dorf hat keine eigenen Gehöfte, seit 1976 die Pfarrei Primošten mit ihrer Einwohnerschaft zusammengelegt wurde, in deren Jurisdiktion alle Gehöfte von Burnji Primošten und Primošten-Süd fallen (insgesamt 25 Weiler).

Die Draga, eine von den Weilern im Primošten-Gebiet, nennt sich vom Beginn des 19. Jhds an die Marinčiċa Draga, vielleicht weil die Leute der Draga zur Zeit der türkischen Verfolgung auf Besitzungen des Šibeniker Adligen Marinčiċ gekommen waren; er besaß Land in der Draga, und hier wurden neu angekommene Siedler als Leibeigene und Pächter beschäftigt. In der Zeit vorher waren diese Leute vorübergehend in Gnjojinca (zwischen Široke und Krčulj) untergebracht, und hier haben die Hauswirtschaften der Draga bis heute ihre Namen. Angeblich haben sie sich dort Pitešiċ genannt, und dann hat einer aus ihrem Stamm mit Namen Pere aus unbekannten Gründen seinen Namen geändert in Perkov, wie sich auch heute alle Leute der Draga nennen außer einer Familie (Gracin).

 

Geschichte – unsere Vergangenheit

Die fernere Vergangenheit von Burnji Primošten kennen wir nicht ausreichend, denn man hat in diesem Gebiet wenig erforscht. Die Historiker und Archäologen sind diesem Bereich ausgewichen. Erst in den letzten zehn Jahren haben Archäologen aus Šibenik die Tumuli (Grabhügel) und Ruinen (Mali Jelinjak, Vesak gornji) ausgegraben und untersucht, und man stellt auch gewisse Untersuchungen an um die Kirche des Hl. Georg in Prhovo. Die Spuren menschlicher Anwesenheit reichen hier, wie auch in anderen Bereichen der Županie (Grafschaft) Šibenik, z.B. die Grotten in der Schlucht des Flusses Čikola, zurück bis zu einer Zeit vor achtzehntausend Jahren.

Über das, was man auf der Grundlage von Ausgrabungen und Forschungen von Burnji Primošten weiß, beginnt seine Geschichte um das 13.Jhd vor Christus. Die Funde von Krčuli (mehrere bronzene Beispiele von Werkzeug und Waffen, Teile gebogener Schnallen und mehrere amorphe Bruchstücke) führen in den geschichtlichen Zeitraum der älteren Eisenzeit, die man um 800 vor Christus unterbringt. Neben der Kirche zum Hl. Georg in Prhovo (13.Jhd) wurde das Bruchstück einer römischen tegula (Ziegel) gefunden, mit dem Siegel der Werkstatt versehen (PANSIANA), was darauf schließen lässt, dass hier eine villa rusticana existierte. Man hat festgestellt, dass eine Römerstraße über den Jelinjak, über Prodolje und die Bojana und weiter über Rogoznica führte, die sich zum Teil bis heute erhalten hat, auch wenn über sie hinweg die Napoleonische Straße errichtet und sie dabei erweitert wurde; später kam dann die Straße der Österreicher und am Ende die Touristenstraße (1935).

Prhovo als Sitz der Pfarrei, zu der die Dörfer Široke und Rogoznica gehören, besteht seit der Gründung des Bistums Šibenik im Jahre 1298. In der Zeit der türkischen Eroberungen (15. und Anfang 16.Jhd) mussten die Einwohner von Prhovo, wie schon erwähnt, und die anderer Siedlungen fliehen und Schutz suchen an Orten mit größerer Sicherheit.

Die venetianische Herrschaft existierte auch in Burnji Primošten (in ganz Dalmatien 400 Jahre), später auch eine türkische Herrschaft in Verbindung mit der venetianischen, und die Grenze zwischen beiden lag am Teich Bojana, wo sich die Türken gehalten haben bis hin zum 18. Jahrhundert.

In der langen Geschichte von Burnji Primošten haben sich Fremdherrschaften abgelöst: Venezianer, Türken, Österreicher, Franzosen, Italiener und Jugoslawen; das Gebiet hat die zwei blutigen Weltkriege erlebt und überlebt. Allein im 2. Weltkrieg sind 125 Menschen aus Burnji Primošten umgekommen.

Schließlich erlangte Kroatien in freien und demokratischen Wahlen 1990 seine Freiheit und Unabhängigkeit, seinen Staat, den alle Kroaten ersehnt haben, auch die Menschen in Burnji Primošten, in den letzten 80 Jahren besonders von der kroatischen Bauernpartei angeführt, d.h. von Stjepan Radiċ und Vlado Maček. - Erst Dr. Franjo Tuđman, dem ersten kroatischen Präsidenten, gelang es, trotz der serbischen Aggression (1991-1995), den Traum aller Kroaten nach 900 Jahren zu verwirklichen – den kroatischen Staat.

 

Einwohnerschaft – die Leute von Primošten

Das Primošten-Gebiet wurde nach dem, was man weiß, seit dem 13.Jhd v.Chr. besiedelt. Seine Bewohner im Laufe der Geschichte waren die Hiler, die Illyrer, und in Meeresnähe die Griechen, Römer, und dann ab dem 7. Jahrhundert nach Christus die Kroaten. Soviel die Wissenschaft bis jetzt festgestellt hat, kann man darauf schließen, dass die Vorfahren der heutigen Bewohner ċakavische Kroaten waren, und erst später Kroaten, die aus dem Hinterland kamen auf der Flucht vor dem Einbruch der Türken.

Im Jahre 1298, zur Zeit der Gründung des Bistums Šibenik, hatte Prhovo 376 Einwohner, im Jahre 1845 die ganze Pfarrei Primošten mit allen Siedlungen 1412 Seelen, und 1928 lebten in den Gehöften von Burnji Primošten 1129 Einwohner (in der Draga 14 Haushalte mit 81 Bewohnern). 1931 hatte die Pfarrei Primošten 637 Haushalte mit 3531 Einwohnern, und 1939 lebten hier (Primošten Burnji, P. Süd und Primošten-Dorf) 4344 Einwohner.

                Jahr      1948       1971       1981       1991       2001

   Einwohnerzahl      1267       1005        809         688         654

           Statistik der Einwohnerschaft in Burnji Primošten in den letzten 50 Jahren

Im Jahre 2001 gab es in der gesamten Gemeinde Primošten 2850 hier ständig lebende Einwohner.

In der Draga leben augenblicklich 50 Bewohner in 19 Haushalten, und außerhalb der Draga im In- und Ausland um die 250 Draga-Leute. Die Draga hat genügend fortschrittliche Lohnarbeiter hervorgebracht, leitende Persönlichkeiten in der Politik, Intellektuelle, den Vorsteher der Gemeinde Primošten (Josip Perkov Jurin) und den ersten Pfarrer der Pfarrei Primošten Einwohner (Don Stipe Perkov).

Die Einwohner aus dem Bereich Primošten haben sich zu allererst herauskristallisiert in der Pfarrkirche St. Georg in Prhovo (seit dem Jahre 1500), danach in der Kirche zum Hl. Georg in Primošten-Dorf (dem heutigen Küstenort). Seitdem ist die Pfarrei Primošten-Einwohner eingerichtet worden (1976). Die Menschen von Burnji Primošten werden getauft in den Kirchen Hl. Georg in Prhovo und Hl. Jeronimo (Hieronymus) in Široke. Erhalten sind die Pfarr-Register der Getauften in der Pfarre Primošten aus dem Jahre 1622, und dieses wird aufbewahrt im Archiv in Visovac.

Die Familie ist für jeden im Gebiet Primošten ein Heiligtum. In ihr wird geboren, wird Sicherheit gewährleistet, hier laufen die ersten Erfahrungen und die Erziehung zum Glauben zusammen. Die Familien von Primošten, wenn auch arm, haben Kinder in Hülle und Fülle, und oft waren sie zahlreich mit bis zu zwanzig Familienmitgliedern. Grundlegend war das Familiengesetz der Wertschätzung der Älteren. Die Familie von Primošten war streng patriarchalisch, und an ihrer Spitze stand regelmäßig ein Männerkopf, Großvater oder Vater. Dessen Anordnungen mussten ausgeführt werden, und in seinem Besitz hielt er den gesamten Haushalt und alle Immobilien, welche er im Testament hinterlassen konnte, wem er wollte. Der Besitz ging gewöhnlich an die Söhne zu gleichen Teilen, und die Töchter erhielten ein Viertel, das sogenannte „Frauenteil“.

Damit sich die Leute hier in diesem Gebiet in ihren Unternehmungen und ihrer Entwicklung wirkungsvoll entfalten konnten, haben sie es schon früh verstanden, sich zu einer Gemeinschaft zusammenzuschließen, zu einer Sippe, einer Bruderschaft, und in neuerer Zeit zu Genossenschaften, Zünften oder Vereinen. Heute noch ist in Burnji Primošten eine landwirtschaftliche Genossenschaft, die Trägerin der Entwicklung dieses Gebietes, erfolgreich, gegründet zwischen den beiden Weltkriegen, und sie bezog im Jahre 1946 ein neu errichtetes Gebäude, wo sie sich heute noch befindet. In dem restaurierten, nun zeitgenössischen Gebäude, in dem auch ein moderner Selbstbedienungsladen untergebracht ist, kann man landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Primošten kaufen (Trauben, Feigen, Mandeln, Sauerkirschen).

Die Einwohnerschaft von Burnji Primošten hat sich in den letzten zwanzig Jahren halbiert. Im Jahre 1948 lebten hier 1267 Seelen, und 2001 die Hälfte weniger – 654 Einwohner. Die Mehrheit der Leute von Burnji Primošten migrierte in die nahegelegenen Städte (Split, Šibenik, Zadar), und einige ins Ausland. Die größte Migration fand zwischen den sechziger und achziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts statt. Die Ursachen der Auswanderung waren die ungeregelte Infrastruktur (Straßen, Wasserversorgung, Telephon), politische Depression, die Entfernung vom Arbeitsplatz mit Rücksicht darauf, dass sich hier nie ein Betrieb niedergelassen hat, und die Tatsache, dass der Tourismus nicht in Gang kam (das war dafür die Voraussetzung).

Bettler kann man in der Einwohnerschaft von Primošten kaum finden, es gibt davon nur sehr wenige in diesem  Gebiet; viele jedoch gibt es in den benachbarten Gebieten, wie Blizna, Bistrivica, Ljubitovica, Vrsnoge und Boraja. Gebettelt wurde über das ganze Jahr, einzeln und in Gruppen, und am meisten wurde um Olivenöl gebettelt. Es wurde als Sünde betrachtet, wenn man den Bettler nicht aufnahm und ihm wenigstens „eine Kanne Öl uns eine Kruste Brot“ abgab. Zum Ausgleich betete der Bettler für die Hausgenossen, ihre Verstorbenen und um den Segen für die Mühe. In der Draga haben sie regelmäßig übernachtet in Jurlinovi Dvori, dem Georgshof, bei der verstorbenen Antica Perkov-Galjenica, von der sie gespeist und untergebracht wurden auf dem Stroh in ihrer alten Küche.

 

Beruf und Gewerbe in Primošten

In früheren Zeiten, sogar bis zum Jahre 1952, haben sich die Leute von Burnji Primošten ausschließlich mit Viehzucht und Ackerbau beschäftigt, und dies auf eine Weise, wie schon ihre Vorfahren im Mittelalter und sogar davor gearbeitet haben: mit der motika (der Spitzhacke), dem Pflug, dem lašun, dem Hebebalken (Brecheisen) und mit den bloßen Händen. Nur der hartnäckige, eigensinnige und fleißige Lohnarbeiter aus Primošten konnte die Wildnis des harten Felsgebietes von Primošten bändigen und zähmen. Um zu überleben und um zu Nahrung zu kommen, haben ihre schwieligen Hände Wunder vollbracht; der unfruchtbare steinige Boden wurde zur fruchtbaren Oase. Die einzige Quelle des Erwerbs und der Nahrung waren die geizigen Erträge der steinigen Böden von Primošten. Keinen anderen Beruf noch Erwerb gab es außer einigen Arbeitsstellen in der Landwirtschaftlichen Genossenschaft in der Draga. Erst nach 1952, als das Leichtmetallwerk in Ražine bei Šibenik aufmachte, begannen unsere Leute, eine Stelle anzunehmen und auf verschiedene Weise zu verdienen – durch Arbeit in staatlichen Unternehmen.

Auf den Feldern von Tribežiċ und Prhovo mit ihrer kargen Erde sät man Getreide (Gerste und Roggen) und Hülsenfrüchte (Saubohnen, Linsen, Gartenbohnen), wovon es heute viel weniger gibt. Auf dem Feld oder neben ihm zieht man noch essbare weiße Feigen. Früher hat man die Feigen (paratuše) in Gefäßen getrocknet, das Getreide hat man gedroschen mit Mauleseln auf den Tennen (Dreschplätzen), und Hülsenfrüchte hat man in Mörsern zerstoßen, dass es zu Körnern wurde. Das Eine und das Andere hat man durchdrungen (als Korn gesondert vom Spreu).

Auf den Waldlichtungen der malerischen Hügel hat man die Weinberge ausgeholzt (gerodet), in denen der bekannte und renommierte Babiċ von Primošten gedeiht. Die gesamten Anhöhen und Hügel sind bedeckt von Weinreben, die man in kleinen Eggen (Halmen), mit steinernen Anbauten begrenzt, angepflanzt hat, was an die weißen Spitzen der Insel Pag erinnert. Die Weingärten wurden, wie auch heute, mit der motika (Dreieckshacke) bearbeitet, und die gesamte Last von Weinberg und Haus (Dünger in Säcken, Trauben-Most in Schweinsblasen) hat man auf Mauleseln und Eseln getragen. Die gepflückten Trauben hat man mit den  Füßen im  Weinberg oder  in der  Konaba zerstampft. Von der Traube des Babiċ, obwohl Rotwein, erhielt man die Sorte Opol (Rotwein, große Trauben) und den Desertwein Prošek. Der gewonnene Wein findet sich auch heute noch in den hölzernen Fässern, und diese in der kalten, steinernen Konaba.

In dem Führer „Weinstraße der Županie Šibenik“ schrieb der Agronom Davorin Pamiċ: Hier, im Šibenik-Gebiet, wo der „Gottesstern“ brennt, der „am gehörnten Mittag“ seine mörderischen Pfeile abschnellt auf Stein und Wein, wo Mensch und Pflanze schreien nach einem Tröpfchen Wasser, spendet die Weinrebe die allersüßeste Frucht, die Traube voll Lebenssaft, aus dem der höchste Rotwein gezogen wird, der Babiċ von Primošten.- Dieser Wein tritt in Erscheinung mit einer so rubinen Farbe, mit ausgezeichneter Blume, mit besonderem Geschmack und Bouquet. Er enthält 12 – 13,5 Prozent Alkohol. Man trinkt ihn zu Fisch und Fleisch vom Grill, Wild, Schinken und zu pikantem Käse.

Der Babiċ-Wein war das Hauptprodukt von Šibenik -  neben Insektenpulver (für Blattlaus, Erdfloh) - welches die Leute von Primošten verkauft haben, und von deren Verdienst sie das kaufen konnten, was ihre Felder nicht hergaben (Salz, Zucker, Teigwaren, Textilien oder ähnliches).

Neben den Wegen, in den Tälchen, an den Rändern der Felder und in den erschöpften, abgearbeiteten Weingärten hat man Olivenbäume gepflanzt, deren Öl von oberster Qualität ist. In jedem Haus hat man Olivenöl bewahrt in Steingefäßen, und ihm gegenüber hat man sich verhalten wie zu einem Heiligtum. Wer genügend Öl hatte, hielt sich für einen vermögenden Mann; in seinem Haus gab es keinen Hunger. Es diente zur Ernährung ebenso wie als Brennstoff für die Öllampen, und es brannte auch in den Leuchten für die Verstorbenen. In Primošten sagt man mit Recht, dass der Ölbaum ein heiliger Baum ist und dass man von ihm nichts wegwerfen soll, denn alles hat seinen Wert: Öl (für die Ernährung), Holz (für Feuer), Kerne (für die Schweine), Ästchen, d.h. kleine grüne Zweige (für Schafe oder Ziegen); und dem Ölblatt schreibt man Heilkraft zu - es wird immer mehr in Medizin und Kosmetik verwendet.

Damit ein junger Mann heiraten konnte, musste er vorher fünfundzwanzig Olivenbäume pflanzen. So war der Brauch im Gebiet von Primošten. Man rechnete damit, dass diese Bäume ihn und seine zukünftige Familie lebenslang ernähren würden.

Die Qualität des Öls von Primošten ist durch die besonders steinige Unterlage, die Nähe zum Meer (ideal sind 150 bis 200 m Meereshöhe), und die Olivensorte, genannt oblica, gegeben. Die Qualität des Öls hängt weiter ab vom Zeitpunkt der Olivenernte (wenn sie halb reif, schwarz sind), von der Lagerung, der Verarbeitung im  Kühlen, und der Aufbewahrung des Öls in einem dunklen, kühlen und sauberen Raum, wie auch in geeigneten Gefäßen. Das Lied sagt:

    Geiziges Land bewahrt seinen Segen,
    jedes Schwarze wie das Herz in der Mitte,
    wenig trägt es und gibt nicht zuviel, 
    doch was es gibt, ist dreifach mehr wertvoll

 

Wenig, was der Mann aus Primošten in jener älteren Zeit an Öl verkaufen konnte, und wenn er Öl, was Gott verhüten mochte, verschüttet hätte, wäre dies die Ankündigung eines Unglücks gewesen, so glaubte man damals; inzwischen, wenn einer Wein verschütten würde, wäre das ein Zeichen der Freude. Für den täglichen oder wöchentlichen Gebrauch wird das Öl aus dem Steingefäß des Hausherrn oder der Hausherrin genommen, und wenn sie das Steingefäß öffneten, sagten sie: Bože, blagoslovi!  Gott, segne es!  Darauf würde man mit einer kleinen Kelle zum Schöpfen das Öl durchstreichen, indem man auf seiner Oberfläche das Zeichen des Kreuzes machte.

In der Draga zieht heute jeder Haushalt Weinreben und Ölbäume, sodass die Draga-Leute heutzutage etwa um die 20.000 Stöcke Weinreben und um 3000 Ölbäume besitzen. Sie haben genügend Wein und Öl für ihre Familien und auch etwas zum Verkauf an die Touristen.

Auf den unbebauten Flächen, den Wiesen und eingezäunten Bereichen weiden die Herden der Schafe, einstens um die dreißig Herden, heute nur noch ein paar, höchstens zehn. Vom Schaf gewann man Wolle, aus der Männer- und Frauenkleidung hergestellt wurde; daneben gewann man Schafskäse, Milch und Fleisch (Hammel und Lamm).

In den Gärten, die sich seitlich des Hofes befinden, pflanzt man Gemüse, am meisten Spinat und Kohl, und auch Kartoffeln, Tomaten und anderes Gemüse. So ist auch heute der Garten der Gemüsemarkt der Familie. -

Das Gewerbe in Primošten begleitete die Arbeit und das Leben der hiesigen Tagelöhner.

Der Schmied ist in seinem Dorf willkommen, da er ihm die landwirtschaftlichen Geräte fertigestellt: die motika (Dreieckshacke), das lašun, die scharfen Messer, die Axt, und das Flicken, die Reparatur von Löchern in den Metallgefäßen.

Der Zimmermann (bezeichnet mit dem dalmatinischen Ausdruck marangun) konnte dem Primoštener Bauern die Tür richten und die Fenster im Haus, das Bett zum Schlafen (einfaches Bettgestell, kavaleta), den hölzernen Wassereimer, das Brett zum Wäschewaschen, den Behälter zur Beförderung des Wassers auf den Eseln, Bänke zum Sitzen, Regale und anderes. Der Korbflechter flocht aus Weidenzweigen die verschiedenen Behälter, Körbe, die bei der Ernte der Früchte (Kirschen, Feigen, Trauben, Oliven) benutzt wurden.

Der Meister im Stein baute die Häuser, meißelte den Stein für die Schwellen, die Tragebalken, die Dächer, und die einzäunenden Steinmauern; er meißelte die Steintische und Bänke, Steingefäße (Tröge, Stampfgefäße, Becher) und alles andere aus Stein, und das war nicht wenig, denn man arbeitete in vormaligen Zeiten unter Ermangelung anderer Materialien alles in Stein. Den Stein gewann man aus privaten Steinbrüchen, alles mit der Hand und mit primitivem Werkzeug (dem Fäustel, dem Brecheisen und dem Meißel, und mit „Minen“, Sprengkörpern, angewendet in ausgehöhlten Löchern und Gruben). Einige dieser Steinbrüche befanden sich auf der Berghöhe von Drvenik, von welchen das bekannteste der des Tome Skoriċ war, genannt Ive, aus Harambašini. In seinem Steinbruch findet man heute noch Steine von Qualität.

Die Platten (Schindeln)  für die Dächer von Primošten werden aus dem Steinbruch in Grbe gewonnen. Dort ist das Bergwerk der Steinplatten für die Dächer und für die Pflasterungen der Böden in Häusern und Höfen.

Der Sattler ist der Handwerker, in dessen Hausbetrieb die Tragesättel für die Mulis und Esel gefertigt werden, dem wichtigsten Transportmittel im Karstgebiet von Primošten. Die Sattel wurden meist aus dem überaus festen Holz des Zürgelbaums („Triester Holz“, Cestis) gefertigt, und sie bestehen aus der Kuppe, dem Kreuzgestell, den Behältern, Seitenstangen, Sattelgurt, der pova, der prača und dem Strick. Die bekanntesten Sattler waren die Iveškovi aus Vadlje.

Die Arbeit mit Wolle beherrscht jede Frau in Primošten: spinnen, stricken von Wollstrümpfen, Pullovern, sonstigen Strickereien; und einige verstanden es auch, auf dem Webstuhl zu arbeiten, wo sie Stoffe webten, aus denen dann Gardinen (gabani) geschneidert wurden, Frauenröcke, Männerhosen, Jacken, Wolldecken, Mützen und andere Kleidungsstücke. Etwas anspruchsvoller gestrickt waren die kanica und die Schulterstücke für die Kostüme in mehr lebhaften Farben.

 

Kultur und Brauchtum in Primošten

Die alten Leute in Primošten waren ohne Unterschied bis hin zur Mitte des vorigen Jahrhunderts Analphabeten. Einzelne Berührungen mit dem geschrieben Wort und dem Buch gab es in der Kirche, wenn die Leute die lotrina (die Glaubenslehre) aufsuchten, in der Messe, wo sie biblische Texte hörten, oder während sie von den Lebensläufen der Heiligen vernahmen, welche ihnen der kirchliche Vorleser (kantadur) vom Chor herab vortrug.

In der Pfarre Primošten wirkten bis 1831 volkstümliche glagolitisch lesende Priester. Diese hatten ihre parochiale Glaubenslehre gelernt, doch nicht nur das, sie verstanden sich auch darauf, wie man das Land bearbeitete, wie man den Obstbaum aufpfropfte, den Ölbaum beschnitt, den Weingarten düngte, die Trauben spritzte, und ähnliches.

Trotz des allgemeinen Analphabetentums lebte die Pfarrei Primošten - dank dem Geist einer großen Kultur - den Atem bekannter und großer Männer, wie etwa des bekannten Franziskaners, des Sprachkenners Josip Jurin aus dem 18.Jhd. Der Schriftsteller Frater Andrija Kačiċ Miošiċ schrieb in seinem Werk Angenehmes Gespräch des slawischen Volkes 1795 in einem Gedicht: In Primošten gibt es die Sippe Juriċ (Jurin), groß und herrschaftlich, aus der in der Vergangenheit Vojvoden hervorgegangen sind, Oberste, Generale, sogar Marschalle in der französischen Armee ...

Die erste Schule in Primošten wurde 1866 erbaut, und 1892 wurde es eine gemischte Schule für Jungen und Mädchen. Viel später, 1924, wurde die erste Schule für die Einwohnerschaft in Široke errichtet, in der als erster Lehrer der bekannte kroatische Schriftsteller Vjekoslav Kaleb wirkte. Kruševo erhielt seine Schule im Jahre 1935, und die erste Schule in Burnji Primošten wurde 1934 in Krčulj gebaut, in der als erste Lehrerin Frau Breziċ tätig war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwei Volksschulen im Bereich Burnji Primošten errichtet: in Tribežiċ und in Biline. In den Räumlichkeiten der Landwirtschaftlichen Genossenschaft in der Draga eröffnete der fortschrittlich gesonnene Lehrer Stjepan Guštak die für eine achtjährige Ausbildung angelegte Schule „Draga“, die von 1956 bis 1984 arbeitete. Von 2001 an hat man, sehr bedauerlich, keiner einzigen der Schulen in Burnji Primošten die Stange gehalten. Sie wurden geschlossen; die Schulkinder aus diesem Bereich müssen mit dem Autobus zur Grundschule nach Primošten fahren.

Im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg, in dem allgemein vorherrschenden Zustand der Armut, als die Familien ihre Kinder nicht mehr einschulen konnten, gingen viele Jugendliche aus der Pfarrei Primošten zum Priesterseminar in Šibenik, was in allererster Linie dem damaligen Pfarrer Don Josip Arneriċ, dem späteren Bischof von Šibenik, zu verdanken war. Einige dieser jungen Leute sind Geistliche geworden, und die Mehrheit hat nach Beendigung der Grundschule die Ausbildung fortgesetzt in höheren Schulen und in Fakultäten. Aus dieser Gruppierung sind die ersten Intellektuellen der neueren Zeit in Primošten hervorgegangen.

Zwischen den beiden Kriegen, in dem von der Politik beherrschten Leben, entwickelte sich eine kulturelle Gesellschaft, besonders unter den Fittichen der Kirche, bezeichnet als die „Kreuzfahrer“. Dieser Verein förderte dramatische, rezitatorische und musikalische Gruppierungen, etwa die Tambura-Gemeinschaften in Kruševo und in Široke.

Mit der Errichtung des kroatischen Staates 1990 bekam das kulturelle Leben in Burnji Primošten neuen Schwung. Schon 1992 begründete sich ein Zweig der Matica Hrvatska mit dem ersten Präsidenten Don Stipe Perkov. Zwei Jahre später (1994) eröffnete dieser Zweig eine Bücherei und einen Lesesaal in der Draga und in Primošten Dorf.

Im Jahre 1998 wurden in Zusammenarbeit mit dem Georgshof zwei ständige Sammlungen eingerichtet, eine ethnographische und eine sakrale. Sie bereicherten das Angebot für die Touristen im Bereich Primošten. Im Februar desselben Jahres wurde die Gesellschaft für Kunst und Kultur „Hl. Georg“ gegründet, deren Mitglieder das ehemalige Pfarrblatt „Glaube im Stein“ erneuerten, welches jetzt zweimal pro Jahr erscheint.

Der Gang des Lebens der Leute in Primošten wurde begleitet vom kirchlichen Jahreszyklus (der Liturgie des Jahres), welche sich aus den Bräuchen und Gepflogenheiten in Primošten herausgebildet hat. Diese Gebräuche waren besonders reich zu Weihnachten, bei Hochzeiten und bei Maskenfesten, wenn man Spiele betrieb, tanzte, sich zuprostete und Schaustücke veranstaltete. Die schöpferische Kraft des Volkes suchte seinen Ausdruck in allen gesellschaftlichen und kirchlichen Ereignissen und Festen von Primošten. Der Gesang der Männer von Primošten (ojkanje) wurde immer wieder begonnen mit der ojkalica: Wir freuen uns, Gott hat uns erfreut mit Gesundheit und Freude.

Ende Juli 1987 organisierte der Journalist Zdravko Gracin aus Krčulj die erste Veranstaltung „Brauchtum von Primošten“ in Vedlja in der Absicht, dass die Bräuche von Primošten, die Gepflogenheiten dieses Gebietes und das einheimische gastronomische Angebot Touristen anlocken mögen zu den Gehöften von Primošten, und dass sie dem Tourismus die Türen öffnen würden. Diese Veranstaltung „Brauchtum von Primošten“ wurde jedes Jahr in einem anderen Dorf abgehalten, und das am ersten Wochenende im August. Das „Brauchtum“ war nicht allzu erfolgreich, was ihre ursprüngliche Absicht betraf, nämlich eine größere Anzahl von Touristen anzulocken, es trug aber doch  genügend zum Selbstbewusstsein der Einwohnerschaft bei, zur Verschönerung seiner Dörfer, zum Ausbau etlicher Objekte der Infrastruktur und zur Präsentation der Folklore von Primošten.

Im Georgshof (Draga, Burnji Primošten) wurden zur Zeit der Touristensaison zeitlich begrenzte Ausstellungen organisiert, Konzerte, Auftritte von Folklore-Gruppen, Theaterstücke, Besichtigungen von ethnographischen und sakralen Sammlungen.

Die Veranstaltung „Brauchtum“ des Jahres 1988 in Draga Primošten hat zahlreiche Gäste zur Draga und zum Georgshof geführt. Zu dieser Gelegenheit wurden im Georgshof Ausstellungen (ethnographisch, sakral) veranstaltet, was damals der Beginn der heutigen Museumssammlung war; bei dieser Gelegenheit wurden Ansichtskarten von der Draga, vom Georgshof, der Kirche St. Georg in Prhovo und vom Bojana-Teich gedruckt. Herausgegeben wurde eine erste Anzahl der Zeitschrift „Stimme von Primošten“; das Theater von Šibenik gastierte mit dem Drama von Brešan „Die Aufführung von Hamlet im Dorf Nieder-Mrduša“; aufgeführt wurde das Rezital „Helligkeit leuchtet auf Stein“ von Don Stipe Perkov; der Zagreber Bildhauer Jozo Vila stellte seine künstlerischen Arbeiten im Hof von Baċul aus; in altertümlichen Höfen wurde die alte dalmatinische Gesangsart der Küstenregion (klapa) gesungen; und im Hof von Šaronji gab es eine Schaustellung des alten Gewerbes in Primošten. Von dieser Veranstaltung in der Draga an begann ein reicheres Programm des Brauchtums.

 

Glaube, Volkes Frömmigkeit und Aberglaube

Bekannt ist die sprichwörtliche Religiosität von Primošten. Das gesamte Leben der Einwohner dieses Gebietes ist, von der Geburt bis zum Tod, durchdrungen von Glauben, der sich in ihren Gebräuchen, der in Familie und Landvolk verbreiteten Religiosität, den zahlreichen Besuchen der kirchlichen Veranstaltungen zeigt sowie in der Erbauung von Weihkapellen neben den Wegen und an den Wegkreuzen; von diesen kleinen Kapellen gibt es allein im Bereich Primošten ihrer fünfundzwanzig.

Zwar haben sich die altertümlichen Einwohner des Gebiets von Primošten, die in der Zeit nach der Übernahme des Christentums, als sich die Kroaten auch in den anderen Gebieten des kroatischen Karstgebietes ausgebreitet haben (7. bis 10. Jahrhundert), der heidnischen slawischen Glaubensvorstellungen enthalten; aber etwas davon ist doch übriggeblieben und hat sich mit dem christlichen Glauben vermischt.

Von daher hat sich bis heute unter den Leuten von Primošten der Glaube an Feen und an den Werwolf gehalten; sie glauben, dass sich die Verstorbenen aus den Gräbern erheben und Schrecken verbreiten; sie glauben an verschiedene Hexereien und an Magie. Solche Anschauungen und Formen des Aberglaubens sind immerhin im Gebiet von Primošten verbreitet und werden überliefert von Generation zu Generation, ebenso wie das Vertrauen in eine christliche Glaubenswahrheit.

Der christliche Glaube hat sich an die christliche Initiative in der katholischen Kirche gehalten, zuallererst in Prhovo, dann in der Kirche zum Hl. Georg in Primošten-Dorf (während dieses der Sitz der gesamten Pfarrei Primošten war), und darauf auch in anderen Kirchen dieses Gebietes (Kruševo und Široke).

Jeder Mann und jede Frau in Primošten hat in der Kindheit die Glaubenslehre (Doktrin) durchlaufen, die ihnen der Pfarrer vermittelt hat, und nach dem Bekenntnis haben sie das Sakrament der Beichte, der Kommunion und der Firmung erhalten. Die kolinca (kurze Glaubenswahrheiten) die sie auswendig gelernt haben, waren Richtlinien für das ganze Leben. In der Übermittlung des Glaubens spielte die Familie eine besondere Rolle; in ihr hat man jeden Tag gemeinsam gelebt, man hat die persönliche Glaubenserfahrung in ihr weitergegeben und die jungen Familienmitglieder im Glauben begleitet in der Weise, dass sie verpflichtet waren, Sonntags und Feiertags in die Hl. Messe zu gehen. Aus einem solchermaßen gelebten Glauben ist die christliche Moral hervorgegangen: Gutes tun, Böses meiden. Die Gläubigen haben sich daran gehalten, und so gab es keinen Diebstahl, keinen  Streit, keine Prügelei oder unmoralische Lebensführung. Es galt der Sinnspruch: „Lebe in Furcht vor dem Göttlichen und in Demut vor dem Menschlichen“.

Die Leute von Primošten sind immerhin mit ihrer Pfarre verbunden, d. h. mit ihrer Pfarrkirche, wo sie sich oft einfinden, und so halten sie die Pfarrgemeinschaft aufrecht. Sie sind jeden Sonntag in der Kirche zusammen, an den größeren und kleineren Feiertagen, zu den Tagen des Schirmherrn ihrer Kirche; und aus diesen kirchlichen Feiern sind die Feste hervorgegangen, Volksfeierlichkeiten an ihrer Stelle.

Die Leute von Primošten zeigten besondere Ehrfurcht vor der Gesegneten Jungfrau Maria, der „Gospa“ (Herrin), die sie unter der Bezeichnung Gospa od Loreta (Herrin von Loreto) feiern. Einer aus dieser Gegend, der Seemann Marko Prgin, brachte im Jahre 1835 ein Bild aus dem Marienheiligtum in Loreto hierher, und er ahnte nicht, dass dieses Bild für alle Leute in Primošten das Zeichen der engsten Verbundenheit und Anhänglichkeit zur Gospa, der Mutter Jesu, werden würde, besonders nach ihrer wundertätigen Hilfe in der Zeit der Cholera-Epidemie (die verheerend wütete im Gebiet von Primošten); sie war es, die sie errettete vor dem sicheren Tod. Von damals her halten die Primoštener dieses Bild der Gospa für wundertätig und verehren es. Jure Zuban, ein Sohn Primoštens, hat dieses Bild in einem Gedicht von 132 Versen besungen; der Anfang lautet:

Im Jahre tausend und achthundert
und dreißig und fünf
half mir der Name der Herrin
und der Segen von Öl und Wein.  
Das war in vergangenen Zeiten,
aus denen die Jungfrau gefeiert wurde,
Marko Prgin brachte den Anlass,
die Freude unserer großen Mutter

Die Feiertage der Herrin von Loreto (10. Mai und 10. Dezember) werden in Primošten auf die allerfeierlichste Art und Weise zelebriert, nicht nur in der Kirche, wo sich der Marmor-Altar der gospa  mit ihrem Bild befindet, sondern im gesamten Ort Primošten, in jedem Gehöft, und in jeder katholischen Familie. Ein richtiges Fest für alle Primoštener! Die Leute von Primošten neigen zu Rivalitäten, sogar mit Streitigkeiten, besonders in Hinblick auf die Beziehung zwischen Bauern und Ortsbewohnern; inzwischen sind alle um die Herrin von Loreto versammelt - einzeln oder in Gemeinschaft, alle verehren und feiern sie. Sie ist die Einzige, die sie wahrhaftig noch verbindet !

Alle fünfzig Jahre feiern die Leute von Primošten ein großes Jubiläum zu Ehren der gospa von Loreto. Dann tragen sie das Bild der Herrin am 8.Mai in einer heiligen Prozession zur  alten  Pfarrkirche in Prhovo, wo sie von den Einwohnern in Empfang genommen wird; zwei Tage wird sie von ihnen verehrt mit Gebeten, Gelöbnissen und mit Messen. Bis jetzt gab es zwei solcher Jubiläen: 1935 und 1985. Nach der Verehrung des Bildes der gospa in Prhovo kehrt sie zurück in die Kirche von Primošten, wiederum in einer Prozession, am eigentlichen Feiertag der gospa, am 10. Mai, wo man unter dem Beisein einer großen Zahl von Gläubigen aus dem ganzen Gebiet von Primošten und der Umgebung die Heilige Messe feiert, die der Bischof mit zahlreichen Geistlichen zelebriert. Im Jubiläumsjahr 1985 las anlässlich der Feierlichkeiten in Primošten und Prhovo der damalige Zagreber Erzbischof Franjo Kuhariċ, der kroatische Kardinal, die Heilige Messe.

In der Draga feiert man das Dorffest am Tag des Hl. Antonius (des Abtes Ante) am 17. Januar. Als einstens die Leute der Draga in Not waren in einer Zeit, als die Seuche ihr Vieh heimsuchte, gelobten sie dem Hl. Ante, dass sie jedes Jahr zu seinem Tag eine Prozession mit seinem Heiligenstandbild abhalten würden mit Weihmesse in der Kirche zum Hl. Georg in Prhovo. Dieses Gelöbnis halten sie heute noch ein.

In die volkstümliche Frömmigkeit von Primošten reihen sich verschiedene ländliche Gebetchen ein und viele Brauchtümer aus Anlass der kirchlichen Feiertage, besonders zu Weihnachten, Ostern, zur Fastenzeit, und bei einer Primoštener Hochzeitsfeier.

Bei einem Unwetter, wenn es stark blitzt, donnert und die Einschläge krachen, würden die in Schrecken versetzten Leute die komoštra  (komoštra = gusseisernes Gestänge über der Feuerstelle zum Aufhängen der Töpfe) vor die kužina (Küche)  tragen (magische Handlung), und die anderen würden dieses volkstümliche Gebetchen sprechen:

Das Kreuz wandelt am Himmel,
nach ihm die Jungfrau Maria,
sie betete zu ihrem Sohn:
o mein Sohn, David,
wem gabst du den Schlüssel?
Ihn hab ich Gott gelobt.
Maria hat ihn gewebt,
vom Blatt der Beeren
von der Blüte des Mohns,
dünner, schön wie Gespinst;
befreie, Gott, uns vor Blitz,
Hagel und Donnerschlag
        und vor lebendigem Feuer

 

 

Der Georgshof in Draga - Öko- und Ethno-Dorf

Draga, das Primoštener Gehöft, entstanden zur Zeit der  Türkeneinfälle, befindet sich in der Mitte von Burnji Primošten auf einer Höhe von 200 m über dem Meeresspiegel, gelegen an der ehemaligen Touristenstraße Šibenik-Split am Fuße des Hügels Jagleš (292 m), auf welchem sich ein alter Tumulus befindet. Draga hat 19 Einwohner. In der Nähe der Draga (900 m entfernt) befindet sich das ewige Gewässer, die Bojana, der Ursprung, aus dem sich im durstigen Karstgebiet das Leben von Draga wachsend erhoben hat.

Seit kurzem führt die Draga die Liebhaber des Ursprünglichen zum Bewusstsein dessen, was es ist und immer war: ein Originaldorf! In ihm lebt man gesund, isst gesunde Nahrung, man erholt sich unter dem sommerlichen Lufthauch in der unangetasteten ländlichen Architektur mit dem Blick auf die Weingärten, die sonnenbeschienenen Hügel und die blauen Streifen, Meer und Himmel.

Draga bildet die Mitte von Burnji Primošten, und in ihr befindet sich die Landwirtschaftliche Genossenschaft „Primošten Burnji“, das Versorgungszentrum, des weiteren ein Postamt, eine Ambulanz, ein Café und der Georgshof, wo Sie die Museumssammlungen (ethnographische und sakrale)

 

besuchen können, wo Sie das Büchlein „Bischof Josip Arneriċ“ erwerben und einige originale Öko-Spezialitäten versuchen können (Käse, Schinken, Lammfleisch, Babiċ-Wein, Linsen ...)

Der Georgshof, Mittelpunkt und Focus des ursprünglichen Lebens und der ewigen Sehnsucht nach den wahren Werten, liegt im eigentlichen Herzen der Draga; er formiert sich nach und nach zu einer Sehenswürdigkeit. Der Georgshof hat seinen Namen vom Eigentümer Georg (Jure) Perkov, genannt Jurlija (1886 bis 1942), der Hof und Besitz von seinem Vater Mate geerbt hat.

Das Bauen ist eine der ältesten menschlichen Tätigkeiten. Wenn die Rede ist vom Bauen in Primošten, muss man zuerst die bunja erwähnen – das Feldhäuschen, errichtet in Trockenbauweise. Es ist dies im Übrigen ein archetypisches Bauwerk mediterraner Provenienz, es lässt sich im ganzen Küstengebiet Kroatiens finden, von Istrien bis nach Konavala (südlich Dubrovnik); die bunja diente dazu, dem Lohnarbeiter, dem Bauern Unterschlupf zu gewähren bei Unwetter.

Was die eigentlichen Häuser betrifft – die Heime der Bauern von Primošten -, so handelt es sich um die „Höfe“. Sie werden gebildet von einer Gruppe einfacher Steinhäuschen, und auf gleicher ebener Erde befindet sich als eingegrenzter Mittelpunkt der Hof. Alle Häuser und der Boden sind aus Steinen und Steinplatten gebaut, die es hier in diesem Gebiet in Hülle und Fülle gibt.

Der Georgshof setzt sich zusammen aus diesen steinernen Häuschen, die vollständig mit allem altertümlichen Mobiliar erhalten sind. Jurlinovi dvori = Georgshof, eigentlich Mehrzahl = Georgshöfe, weil aus mehreren Einzelgebäuden bestehend. Nach deutschen Vorstellungen ist das aber ein Hof, benannt nach einer Abwandlung des Namens Georg, die ins Deutsche so nicht übertragbar ist.

Die kužina (Küche), die Räumlichkeit mit der Feuerstelle, war der wichtigste Raum auf dem Hof. Der Herd, das Feuer, bildete die Stelle des Zusammenfindens, der Versammlung, besonders in der Zeit der kalten Wintertage. Der Kamin war das Symbol der familiären Wärme und der Gemeinsamkeit; um ihn waren Alte und Junge zu finden. Hier wurde gekocht, gespeist, hier wärmte man sich auf, und bis spät in die Nacht wurde erzählt und die Traditionen weitergegeben von Generation zu Generation. In den langen Herbst- und Winterabenden, während im Kamin das Holz prasselte, wärmte sich die Familie nicht nur mit der Kohlenpfanne, sondern auch mit dem Wörtchen, das aus dem Munde der Älteren floss: djeda (Opa), oca (Vater), baba (Oma), und majke (Mutter). Die jüngeren Mitglieder nahmen es in sich auf und empfanden es als ihre eigene Familiengeschichte. Die Georgsfamilie zählte 11 bis 17 Mitglieder.

Die tineja war der mehr feierliche Raum (in ärmeren Höfen gab es ihn nicht), in dem die Familie sich in den Zeiten der weihnachtlichen und österlichen Feiertage aufhielt und auch am Tag des Dragarski- Festes, wenn man Freunde und Gäste bewirtete. Hier war ein Schamotten-Peč (Ofen) gebaut, ein langer Tisch mit Bänken, eine Kredenz aufgestellt und Kerzenständer. An der Wand hing ein Kruzifix und ein Heiligenbild.

Auf dem Georgshof gab es zwei Häuser zum Schlafen. Heute ist eines davon ausgestattet mit dem altertümlichen Mobiliar: einem Ehebett, einer Wiege, einer Truhe, einem Schrank, mit der komistra und einer Nähmaschine (die „Singer“). Auf dem Bett eine aus Wolle gewebte Decke, eine bilica, Bettwäsche mit Stroh gefüllt. Die grob verputzten Wände sind geschmückt mit alten Heiligenbildern und mit Öllämpchen, der ältesten Beleuchtung im Gebiet Primošten.

Die konoba ist die ebenerdig gelegene Räumlichkeit, in der man Wein, Öl, Schinken, Käse und Trockenfeigen aufbewahrt. Den Schlüssel zur Konoba hält der Hausherr, das Haupt des Hauses. Er allein konnte den Schinken anschneiden, er konnte als erster aus dem noch nicht angezapften Fass eingießen, ein Stück des Trockenfleisches herausnehmen für die Mahlzeit. In die Konoba konnte nicht irgendwer hineingehen; sie stand unter der strengen Aufsicht des Familienoberhauptes, der auch dafür das Verständnis hatte, denn unter seiner Obhut standen die wertvollsten Lebensmittel zur Ernährung. Hier befand sich das Kostbarste, das Öl, gleichsam der goldene Hebel, und wer es besaß, der brauchte den Hunger nicht zu fürchten.

Der Stall (štala) befindet sich im Gehöft nahe neben dem Hof. Die Menschen und die Haustiere (Esel, Maulesel, Schafe, Ziegen, Geflügel) bildeten eine eigenartige Gemeinschaftlichkeit mit den Mitgliedern der Familie. Man wusste ganz genau, wer für welches Lebewesen verantwortlich war, um welches man sich kümmern musste.

Die kotlarica ist der uralte Raum, in dem der Dampfkessel zum Brennen von Rakija, dem überaus wertvollen Trester (Weinschnaps)  untergebracht ist. Im Georgshof ist ein Dampfkessel (Destille) vom Anfang des vorigen Jahrhunderts erhalten. Der Hauswirt Jure Jurlija hat im Herbst, von der Traubenernte und vom Abzapfen des Weins, den Rakija gebrannt auch für viele Mitbewohner, und diese Tradition hat sein Sohn Ivan geerbt.

Die gusterna (Zisterne) bildete einen Teil jeden Hofes. In der Zisterne floss das Regenwasser über besonders hergerichtete Kanäle über die Dächer zusammen, irgendwo auch über einen besonders aus Stein und Steinplatten eingemauerten Ablauf. Die Zisternen hielten (fassten) zwei Waggons (Tanktransporter), was nicht ausreichte, besonders in der Zeit der Sommertrockenheit; doch man holte Wasser vom Teich Bojana in Behältern auf Eseln oder Mauleseln. Wenn das Wasser austrocknete, und die Bojana ist tatsächlich 1935 ausgetrocknet, gingen die Leute zur Quelle Ribnik in Jadrtovac, von Burnji Primošten 18 km entfernt.

Außer auf dem Hof gab es in jedem größeren Weingarten eine Zisterne, aus der Wasser genutzt werden konnte zum Spritzen im Weingarten, aber auch zum Trinken, während man im Weinberg arbeitete.

Der Steintisch ist der Mittelpunkt im Hof, um den sich die Familie in der Zeit der warmen Tage versammelt, das ist hier von April bis Oktober. Am Tisch, um den wiederum Steinbänke angeordnet sind, erholte man sich, nahm die Mahlzeit ein, und pflegte Geselligkeit. Der Tisch ist der Altar der Familie, der Ort des gemeinsamen Versammelns; dafür ist er immer bereit und sauber. Auf ihm befindet sich regelmäßig eine Flasche Wein oder Saft und ein Fladen hausgemachten Brotes.

Der brunac (die Weinrebe) überschattet den Steintisch und spendet Kühle, in die sich die Hausgenossen zurückziehen in der Zeit der sommerlichen Glühhitze. Der Weinrebenbaum im Georgshof ist 97 Jahre alt, was eine Seltenheit ist für die Weinrebe, denn sie hat üblicherweise eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren. Der warme Ton der rötlich-gelblichen Steine des Bodens, der Mauer und des Dachs und die grünen Blätter der Weinrebe (also eigentlich zwei Elemente) bieten die Atmosphäre einer koloristischen Üppigkeit.

Die Kapelle im Gefüge des Georgshofes entstand 1972, als man eines der Schlafhäuser in diesen sakralen Raum umgewandelt hat, den Bischof Arneriċ der Mutter Kirche widmete.

Die deutsche Künstlerin Edith Maria Heinze hatte die Absicht, im Georgshof eine internationale Maler-Kolonie zu eröffnen, doch dies wurde ihr von der damaligen Regierung nicht genehmigt. Bei ihrer Abreise vermachte sie der Kapelle zwei Glasfenster-Bilder. Im ersten Bild ist die gospa von Primošten in der Primoštener Landschaft dargestellt, und im zweiten Christus am Kreuz, gesteinigt von den fahlen Steinen von Primošten.

In der Kapelle wird gelegentlich die Messe gelesen, es werden Hochzeiten und andere kirchliche Feiern abgehalten, und im Winter geistliche Übungen für die Jugend und verschiedene Gebete der Volksfrömmigkeit organisiert.

Die Bücherei „Bischof Josip Arneric“, die ein Teil des Ensemble des Georgshofes ist, beinhaltet mehr als tausend Titel. Unter den ältesten Büchern findet sich das „Römische Ritual“ (1640), Homers Odyssee in griechischer und lateinischer Sprache (1791), „Erzählung der christlichen Lehre“ (1750), „Christliche Lehre“ (1761), das Gebetbuch „Gärtlein des Herrn“ (1859) und noch einige wichtige Werke von kroatischen Franziskaner-Schriftstellern aus dem 18.Jahrhundert.

Seit 1999 stellt der Georgshof unter dem Schutz des Staates die Einmaligkeit des kulturellen Erbes des kroatischen Volkes zur Schau.

Im Georgshof hat man ununterbrochen gelebt und gewohnt bis zum Jahre 1966. Danach war der Georgshof nur zeitweise bewohnt; die Konoba, die Küche und die Kapelle wurden  genutzt.

Die organisierte Ankunft von Touristen im Georgshof hat im Jahre 1984 begonnen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Direktor des damaligen kroatischen Umfeldes von Šibenik „Atlas“, Marko Baljkas, den Georgshof entdeckt und bezeichnete ihn damals als „Salon aus Stein“. Er setzte ein Wanderangebot in Bewegung, dem sich auch andere touristische Agenturen der umliegenden Fremdenverkehrsorte anschlossen. Dieses touristische Angebot dauerte bis zum Heimatkrieg und wurde erneut eingerichtet, als der Krieg zuende war.

Der Führer „Weinstraße der Županie Šibenik-Knin“ führte im Jahre 2002 den Georgshof an der touristischen Weinroute der Županie Šibenik-Knin auf und setzte folgende Reihenfolge fest: Georgshof (Burnji Primošten), Petrovo polje bei Drniš (Weinhandel „Dalmacijavina“), Oklaj (Familie Džapo), Miljevci (Ante Iviċ) und Skradin (Familie Bedrica).

Die Georgs-Hauswirtschaft haben die Söhne und Enkel von Georg (genannt Jurlija) geerbt. Den größten Aufschwung erlebte der Georgshof am Vorabend des zweiten Weltkrieges, als der alte Jurlija noch lebte mit vieren seiner Söhne. Damals war der Georgs-Besitz der erste in Burnji Primošten und umfasste 300 Ölbäume, 10000 Rebstöcke, 150 Feigenbäume, 200 Kirschbäume, sechs Morgen Ackerland und eine Herde von 30 Schafen. Der älteste Sohn Jurlija´s eröffnete eine Gastwirtschaft in Perušiċ (in der Lika), wo man die Georgs-Produkte gebrauchen konnte: Wein, Rakija, Feigen und Öl. Im Tausch gegen diese Waren führte man Holzarbeiten für die Häuser in Primošten aus, womit sich ein erfolgreicher Handel eröffnete, nicht nur mit dem Georgshof, sondern auch mit anderen Stellen der Draga und mit den übrigen Gehöften. Zu diesem Zweck wurde schon 1937 von den Leuten des Georgshofes ein Lastkraftwagen angeschafft, dem ersten im gesamten Gebiet von Primošten; mit diesem LKW wurden die Waren aus Primošten in die Lika überführt und umgekehrt; für ihn wurde die erste Garage in unmittelbarer Nähe ihres Hofes gebaut.

Im Zweiten Weltkrieg musste der Georgshof eine Tragödie durchleben. Umgekommen sind der Vater Jurlija, das Familienoberhaupt, und drei seiner Söhne; von den Häusern auf dem Hof brannten zwei ab, das gesamte Hausinventar wurde vernichtet oder geplündert.

 

 

Tourismus und ländlicher Öko-Tourismus

Primošten, bekannt für seine geistigen Werte und seine Universalität, die es empfangen hat von der Offenheit der Hochsee, der Bläue des Himmels und dem Geist des Evangeliums, wurde als Perle des Tourismus an der kroatischen Küste bezeichnet. Es schmückt sich mit ländlicher Architektur und der Reinheit des weißen Steins mit Ausblick auf einen blauen Hintergrund. Die Menge der Steinhäuser auf dem Meeresfels mit Kirche und Glockenturm auf der Anhöhe sind anschaulicher Ausdruck der Seele und der Kultur von Primošten.

In diese jungfräuliche Gegend kam in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Tourismus, und mit ihm der Beginn einer ungestümen Entwicklung dieses kleinen Küstendorfes; und mit dieser Entwicklung kam auch so manches, was nicht in Einklang stand mit der Seele der Fischer und Landarbeiter von Primošten. Materiell reich (aus dem Tourismus), aber erheblich geistig und kulturell verarmt, verlieren sie allmählich ihre Identität.

Heute können die Gäste im touristischen Angebot Unterkünfte finden in Privathäusern, Restaurants, Gastwirtschaften, Konaba´s und Geschäften. Im Ort gibt es Post, Bank, Apotheke, Gesundheitsamt, Tankstelle, Hafen-Zweigstelle und Polizeistation. Auf der Halbinsel Raduča gibt es die Hotels Zora-Slava und Raduča sowie Marina-Lučica am Eingang zum Platz aus Richtung Split. Drei Kilometer von Primošten entfernt, in Richtung Šibenik, findet sich ein Autocamp mit einem ausreichenden Dienstleistungsbetrieb. In der Talsenke Kremik befindet sich die Marina (Segelschiffhafen) Kremik; dort erstrecken sich die Dienstangebote von Schiffen und Yachten über das ganze Jahr.

Gegenüber der Tourismus-Industrie, nicht weit von Primošten, im Gebiet Burnji Primošten, genauer in der Draga, entwickelte sich etwas Neues auf dem Tourismus-Markt: der Ethno- und Öko-Tourismus als Rückkehr zu den ursprünglichen, ziemlich verlorengegangenen Lebensformen: Geselligkeit mit den Primoštener Landarbeitern, in den Weingärten und unter den Ölbäumen, oder in den Höfen zu Tisch, den Menschen entdecken können, den Freund und Gastgeber, für den an erster Stelle nicht das Verdienst steht, sondern Mannhaftigkeit, Unteilbarkeit des Geistes und der Seele! In der Draga werden Sie sich erholen beim Frieden des Meeres, in der Natur, deren Angesicht rein ist vor dem Bild ihres Schöpfers. Hier sind die hundertjährigen Olivenbäume, die Weingärten auf den felsigen Anhöhen, der Wein in den Fässern, das Öl in den Steingefäßen, die Feigen in den Holzkästen, der Käse aus dem Öl und das Regenwasser aus der Zisterne.

Auf den Höfen, dem Georgshof oder einem anderen, haben Sie auf dem Steintisch die Möglichkeit, zu kosten, was köstlich ist, gesund und schmackhaft, alles, was aus dem Stein zuwege gebracht worden ist. Es sagt einer unserer Bauern: Erkennt und ihr habt die Steinbohrermuschel geschmeckt. Sie lebt im Stein des Meeres, und am allersüßesten ist sie ...  So ist es mit unseren landwirtschaftlichen Erzeugnissen: mit Wein, Öl, Kirschen, Feigen, Mandeln ...  sie gedeihen im Primoštener Steingebiet, unserem Stein, von dem man Nahrung schöpft, der ihr besonderen Geschmack gibt, die Süße und jede andere Qualität. Er stärkt die Seele und bereitet dem Herzen Genuss ...

Wollen Sie spazieren gehen oder mit dem Fahrrad fahren in der gepflegten Natur von Burnji Primošten, so können Sie wählen zwischen dem Pfad, der auf die Anhöhe führt, von wo Ihnen der Blick aufs Meer, auf die Felder und zum Gebirge ermöglicht wird, oder wenn Sie zu den Ölbäumen und Weingärten wollen - auch dorthin führen Pfade und Wege, ebenso wie zu den Karstfeldern in Prhovo, Tribežiċ, Široke und Kruževo.

Der Liebhaber von Altertümern und Denkmälern des kulturellen Erbes kann die romanische Kirche des Hl. Georg in Prhovo bewundern, neben der auf einer Grabplatte ein alter Pflug von vor 700 Jahren eingemeißelt ist. Etwa 300 m weiter hinauf, auf einer Anhöhe, befindet sich das urtümliche Gewässer, die Bojana, zu der alle Wege führen.

In den Gehöften, insbesondere in der Draga, stehen für Sie die Höfe offen, ein Teil der rustikalen, landläufigen Architektur, errichtet entsprechend dem Maße des Menschen. Die Steine des Hofes erheben uns, geben uns Anregung und sind heilsam. Man empfindet die Wärme der menschlichen Hand, und der Stein mit seiner Berührung und Nähe versetzt den Menschen in heitere Stimmung ...

Der Weiler Draga bietet auch andere Altertümlichkeiten in Hülle und Fülle: alte Zisternen mit steinernen Abflussvorrichtungen (naplovi); steinerne Erhebungen (balce), auf denen man die landwirtschaftlichen Produkte getrocknet hat (Feigen, Kirschen, Trauben); hier ist auch die uralte Mühle für Olivenöl, der torkul (Drehpresse) zum Herauszwingen des Olivenöls zu finden; der Dreschplatz; die Votivkapellchen; die kleinen steinernen Gässchen ...

Alte Gegenstände und die Originalität eines Primoštener Hofes können Sie sehen und im Detail betrachten im Georgshof. Dort befindet sich eine ethnographische Sammlung sowie eine Sammlung sakraler Werke und kirchlicher Gegenstände (13. bis 20. Jahrhundert) aus der alten Pfarrkirche des Hl. Georg in Prhovo.

 

      

       

 

 

Zur Erfrischung und zur Stärkung mit Öko-Nahrung empfehlen wir Schafskäse, hausgemachten Schinken, oder Salz-Sardellen, und wenn Sie mehr wollen, dann sei es Lamm-Goulasch, Tintenschnecken unter dem Pekar (Backglocke aus Gusseisen), oder Linsen (Gemüse von Gerste und Hülsenfrüchten), natürlich immer „begossen“ vom hausgemachten Babic-Wein.

 

 
 

 

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