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               Fauna im Vormarsch                    A. Preusser Herbst 2003

                               

 

     

Zu Winterszeiten herrscht in unseren Breitengraden für schon etwas ältere Menschen meist eine niederdrückende Stimmung; der Wind fegt über die Dächer,  die Tage sind dunkel, einer wie der andere, und die Gedanken trübe. Der Himmel hat so eine merkwürdige Farbe, und wenn man ihm einen Gefallen erweisen wollte, dann würde man unterstellen, dass er uns an die Bilder der Worpsweder Maler erinnern kann. Das scheint mir fast eher geschmeichelt. Die Sonne scheint im Sterben zu liegen, und da fragt man sich schon mal, wie weit wir eigentlich vom Polarkreis entfernt sind. Nur fehlt die eigentlich polare Kälte.

Und so sinkt es ins Gemüt in den dunklen Tagen des Winters; und nur der Gedanke an das friedliche Weihnachtsfest inmitten dieser Jahreszeit kann Trost spenden und alles erscheint in einem wärmeren Licht. Wenn die Leute ihre Häuser mit kleinen elektrischen Lichtern schmücken, lässt das Bild der Stadt eine Gemeinsamkeit der Menschen erkennen.

Und irgendwann kommt der Frühling, das ist die Hoffnung.

 

In früheren Tagen habe ich auf solche Erscheinungen des Winters garnicht geachtet. War das damals auch schon so? Liegt eine Klimaänderung vor, oder empfindet man im reiferen Alter anders? Es liegt etwas Eigenartiges in der Luft, die Stürme warten, und der alte Wotan sinnt und lauert, bevor es an die große Wilde Jagd geht. Und wenn man dann einige verwunderliche Nachrichten in der Zeitung liest, fällt das auf empfänglichen Boden.

Die Tierwelt meldet sich verstärkt. Sie greift sich in wilder oder auch kurioser Weise Raum in Bereichen, die bislang unsere zivilisatorische Domäne waren. Die geschützte und domestizierte Welt erlebt eine Erweiterung der faunischen Gegebenheiten bis in die privaten Sphären hinein, die in gewohnter Weise den Ausschluss oder die Kontrolle des Tierischen als Errungenschaft unserer Kultur angesehen haben.

Der Mensch reagiert und gebraucht in der Verteidigung seines Lebensraumes auch Gewalt. Doch die humane Zivilisation hat in ihrer Entwicklung auch einen Willen zur Verteidigung der Natur und zum Schutz der Tiere entwickelt; die Anwendung von Gewalt unterliegt der strengen Kontrolle von Tierschutzvereinen.

 

Da gibt es immer wieder erstaunliche Neuigkeiten. Im Norden unserer Stadt kommen jetzt die Füchse an die Häuser heran. Sie können von Spaziergängern gesehen werden und sie laufen nicht weg. Einige der Passanten sind sogar von einem Fuchs gebissen worden. Vier Personen mussten sich im Krankenhaus behandeln lassen. Man holte die Polizei. Sie hat den verantwortlichen und unbelehrbaren Meister Reinecke erschossen.

Mich hat es nachdenklich gemacht, dass es in unserem Schaumburger Land noch bis ins Jahr 1780 Wolfsjagden gegeben hat. Nun, diese Tiere gibt es wirklich nicht mehr in den Wäldern der Umgebung.

Doch mancherorten in Deutschland macht man sich Sorgen wegen neu ausgesetzter Wölfe, und es ist ein Streit entbrannt, ob diese Tiere eine Daseinsberechtigung haben und unsere Wälder benutzen dürfen, wie es Tierschützer und Bio-Fans vertreten - letztere leben meist in der sicheren Großstadt -, oder ob durch die Tiere eine Gefährdung der Bauern und Landleute gegeben ist.

Im Sommer 2002 entwich die Wölfin Bärbel aus einem Gehege bei Klingenthal in Sachsen. Ein Jäger im Raum Hildesheim stieß auf die Wölfin und erschoss sie, in Notwehr, wie er sagte. Ein Verfahren gegen den  Todesschützen durch die Staatsanwaltschaft Hildesheim wurde schließlich eingestellt. Doch dies erweckte den Unmut einer Naturschutzorganisation in Sachsen, die nicht einsehen konnte, dass Bärbel auf diese Weise ums Leben kommen musste. Sie erhob Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Hildesheim; das Verfahren läuft noch.

Dass die Marder zunehmend auch in Stadthäuser kommen und dann auf dem Dachboden ein Chaos anrichten, und dass sie in die Autos, ob diese in der Garage stehen oder im Freien, hineinklettern und dann Gummischläuche durchbeißen, zum Beispiel die Bremsleitungen, weiß man ja schon seit einigen Jahren. Und das tun sie über alle Jahreszeiten hinweg.

 

Aber bei uns gibt es reichlich Wildschweine!

In einem Dorf in der Nähe unserer Stadt hat sich im Winter vorigen Jahres ein Rudel Wildschweine – etwa zwanzig Tiere! – über ein nobles Grundstück, garnicht mal am Dorfrand gelegen, hergemacht und lief dort wild durch den Garten und einige hinein in den Swimmingpool. Eines von ihnen schaffte es nicht mehr heraus, und wieder musste die Polizei her; sie hat das Tier erschossen.

Nicht nur im Winter leckt das wilde Tier an unsere Siedlungen.

Ein gern frequentierter Golfplatz im Schaumburgerland litt erheblich unter dem Unwesen einfallender Wildschweine. Diese fügten der Anlage beträchtlichen Schaden zu. Eine Jagdgesellschaft spendete zum Zwecke eines Elektrozauns eine beachtliche Summe, um den Golfbereich zu schützen, und ihr Vorsitzender konnte nach einem Jahr erfreut vermelden, dass es keine neuen Schäden durch Schwarzkittel gegeben habe. So wurde es in der Lokalzeitung vom 30. April 2003 vermeldet.

In Espelkamp, der kleinen Stadt nördlich von Minden, rannte am 17. April 2003 ein Wildschwein mit Gewalt mitten durch eine verschlossene Haustür und anschließend brach es noch durch die Wohnungstür; dabei verletzte es sich an den Glassplittern und zog eine Blutspur nach sich. Nachdem es sich in der Wohnung umgesehen hatte, rannte es ins Schlafzimmer. Dort hatte sich ein älteres Ehepaar zum Mittagsschlaf niedergelegt; und die Sau sprang mitten ins Bett zwischen die beiden Eheleute und gedachte dort zu ruhen. Der Mann versuchte, das Tier aus dem Bett zu werfen, dabei verletzte er sich am Hauer des Tieres die rechte Hand. Schließlich gelang es ihm, das Wildschwein aus dem Bett zu bugsieren; dieses hatte aber seinen Lauf noch nicht beendet und rannte jetzt erstmal in den Keller. Anschließend lief es durch die aus dem Schloss gesprungene Wohnungstür wieder aus dem Haus.

Die herbeigerufene Mindener Polizei konnte das verletzte Tier nicht finden.

 

Doch nicht nur in unseren ländlichen Gebieten macht sich das wilde Tier bemerkbar. So war Ende Mai 2003 zu lesen, dass sogar in der Bundeshauptstadt Berlin, und auch noch im Zentrum, zwei Wildschweine fachmännisch erschossen werden mussten. Früh morgens um sechse meldete ein Passant der Polizei, er könne sehen, wie diese beiden Tiere entlang der Fahrbahn Richtung Brandenburger Tor trabten. Wildschweine auf dem Kurfürstendamm! Eine Viertelstunde später rief die Leiterin eines Kindergartens bei der Polizei an. Jetzt tummelte sich das Borstenvieh auf dem Gelände einer Kindertagesstätte. Die herbeigeeilten Polizisten drängten die Tiere auf die Rückseite des Kindergartengebäudes. Bemerkenswert an diesem Fall ist, dass sich die Polizei zur Tötung von Tieren nicht kompetent bzw. befugt hielt und einen Fachmann bestellte. Erst um acht Uhr konnte ein Förster erreicht werden, der dann gegen neun erschien. „Die Kinder wurden in einen Raum gebracht, von dem aus sie nicht in den Hof sehen konnten. Um neun Uhr fielen dann die tödlichen Schüsse.“

 Anfang Juni hieß es in unserer Lokalzeitung, die Wildschweine im Landkreis würden nun stärker bejagt. So erklärte es der Kreisjägermeister, der auf die Gefahr durch die Schweinepest hinwies, die durch das Schwarzwild verbreitet werden könnte. Im Kreis würden zur Zeit etwa 1000 Wildschweine jährlich erlegt. Nun sollen die Schonzeiten aufgehoben und die jagdliche Infrastruktur durch Landwirte und Waldbesitzer verbessert werden. Die Schäden in der Landwirtschaft seien zum Teil erheblich und brächte den zuständigen Jagdpächter in Schwierigkeiten, da er den Landwirten voll ersatzpflichtig sei. Die Zusammenarbeit mit den Bauern sei aber gut: „Die Landwirte helfen mir beim Hochsitzbau und achten bei der Fruchtfolge auf eventuelle Wildschäden. Das begrüßen wir sehr“, so ein Jagdpächter.

Im August desselben Jahres boten die Tiere wiederum Anlass zu einer Berichterstattung. Seit zwei bis drei Jahren hätten die Wildschweine durch die reichliche Eichel- und Buchenmast ideale Lebensbedingungen. Die zunehmende Zahl der Frischlinge sei bereits nach einem Jahr geschlechtsreif und trächtig. Die Landwirtschaft mit ihrer Fruchtfolge Raps, Mais, Weizen und Futterrüben böten den Tieren zusätzliche Nahrung. Die Anzahl der Bachen (Weibchen) sei deutlich gestiegen. Und nun wurde, so ist zu lesen, die Anzahl der Hochsitze nochmals erhöht. Angesessen würde in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung, denn nachts darf nicht geschossen werden. Wochenlang tummeln sich die Tiere auf den Feldern und richten hier erhebliche Schäden an, und es gibt eine regelrechte Hatz, wenn der Mähdrescher kommt und die Wildschweine aufscheucht und in Bewegung versetzt, sodass die Jäger sie abschießen können. Die Landwirte bauen den Mais, die Lieblingsnahrung der Schwarzröcke, in den Grenzbereichen zum Wald nicht mehr an. Man hofft nun, dass sich die Wildschweine wieder in die Wälder zurückziehen.

Genugtuung bereitet das Fleisch der geschossenen Tiere. Die Wildschweine sind, heißt es, gesund, und wenn die Jäger auch keinen Handel mit dem Fleisch treiben dürfen, so freut sich doch mancher aus dem Bekanntenkreis über einen saftigen Braten. 

Nicht nur in die lokale Presse, nein, auch in die aktuellen Mitteilungen des NDR dringt die Kunde von Wildschweinen, die eine Gefahr darstellen können. Im August 03 wurde im Anschluss an die Nachrichten von NDR 2 eine Warnung aus-gesprochen. Im Raum Garbsen (bei Hannover), so war im Radio zu hören, würden sich etliche Wildschweine in der Nähe eines Wohngebietes aufhalten. Die Warnung endete mit den Worten: „Die Bürger möchten ihre Häuser nicht verlassen“.

 

Haben wir es mit Kriegsverhältnissen zu tun?

 

Auch die Rabenvögel machen sich zunehmend bemerkbar bis in die Innenstädte. In Hamburg wurden Passanten von Aaskrähen attackiert in der Weise, dass man sich an Hitchcocks „Die Vögel“ erinnert fühlte. Die Bild-Zeitung sprach bereits von „Killerkrähen“. Im Bundesland Schleswig-Holstein töteten die Krähen fünf Lämmer; der Bauer wolle, so berichtete der SPIEGEL 23/2003, den Landwirtschaftsminister verklagen auf Schadensersatz. Eine heftige Diskussion ist entbrannt, welche Maßnahmen erforderlich seien. Tierschützer neigen zur Zurückhaltung, dagegen spricht sich der Präsident des Deutschen Jagdschutzverbandes für eine Abschuss-Erlaubnis aus. Dies findet auch Anklang bei den Landwirten.

 Nebenbei sei erwähnt, dass uns auch Nachrichten aus England erreichen, aus seinen Küstenstädten, wo sich die Möwen nicht mehr mit den Felsklippen am Meer begnügen, sondern ins Landesinnere vorstoßen. Hier wird ihr rabaukenartiges Benehmen beklagt, das sich nicht nur in aggressivem Verhalten gegen andere Vögel, etwa Schwäne, Enten und Tauben äußert, um ihnen Nahrung abzujagen, sondern auch gegen Menschen, die sie von hinten anfliegen und gezielt mit ihrem Kot beschmutzen. Sie hätten sogar ahnungslosen Passanten den Bissen Brot oder Kuchen aus den Fingern entrissen.

 

Ist es das Verhalten der Bevölkerung, das in der gewachsenen Tradition des Tierschutzes und der Toleranz gegenüber der Fauna, aus einer gesicherten Umwelt heraus, keine genügende Abschreckung mehr aufbauen kann? Haben die Tiere für so etwas eine Nase?

 

Anfang Juni 03 war im Fernsehen ein Bericht über einen Storch zu sehen, der im Bereich Dithmarschen (Schleswig-Holstein) durchs Dorf watschelte und gelegentlich auf parkende Autos lospickte, wobei er mit seinem Schnabel deutlich sichtbare Lackschäden verursachte. Das Tier – Fridolin genannt – ist im Dorf bekannt und wird von einigen Einwohnern milde geduldet und sogar gefüttert. Doch die Zahl der Lackschäden durch Fridolins Attacken nimmt zu.

Die Haustiere möchten irritiert sein durch die völlig ambivalente Einstellung des Menschen. Die Tiere hegen und pflegen, liebevoll, „menschlich“, das ist eine Sache, sie dann aber verspeisen und sonstwie ausnutzen – das ist etwas anderes.

Ein Schafsbock im Extertal griff zur Revolte, als er bemerkte, dass der Zaun, der ihn eingrenzte, seinen soliden Hörnern nachgab. Die neu gewonnene Freiheit nutzte das Vieh, um einen vorbeigehenden Einwohner des nahegelegenen Dorfes tätlich anzugreifen. Der Mensch wurde ernsthaft verletzt. Das Vieh stieß ihn heftig zu Boden, und er konnte sich nur mit Mühe über einen Drahtzaun retten. Vier Monate musste er krankgeschrieben werden. Er klagt nun gegen den Halter auf Schmerzensgeld.

Diese Episode fand im November 02 statt, war dann im Juli 03 in der Lokalpresse zu lesen unter der Überschrift: „Schafbock schlägt Polizei in die Flucht“. Tatsächlich – damals rückten Polizisten an, mussten aber dem wilden Tier weichen. Der Besitzer ließ schließlich das Tier verschwinden. Es ward nicht mehr gesehen. So manches tragische Schicksal des einen oder anderen Revoluzzers und Helden einer Freiheitsbewegung kommt uns da in den Sinn.

 

Ja wo leben wir denn? 

... es reißt die Fessel, es rennt der Wolf,
vieles weiß ich Fernes schau ich,
der Rater Schicksal, der Schlachtgötter Sturz.
Brüder kämpfen und bringen sich Tod,
Brudersöhne brechen die Sippe;
arg ist die Welt, Ehebruch furchtbar,
Schwertzeit, Beilzeit, Schilde bersten,
Windzeit, Wolfszeit, bis die Welt vergeht –
nicht einer will des andern schonen ...
Die Sonne verlischt, das Land sinkt ins Meer;
vom Himmel stürzen die heiteren Sterne,
Lohe umtost den Lebensernährer;
hohe Hitze steigt himmelan.

... so sinnt die Edda, so liegt es über dem Land, und solche Nachrichten mögen wohl in der Lage sein, im Leser, im Beobachter, im Zeitgenossen, der eine Antenne für die Wehen und Wogen der Zeit hat, eine Bereitschaft auszulösen, das Wilde, Ungezähmte der Fauna, den Einbruch der schrankenlosen Tierwelt in unsere beschaulichen, seit Jahrhunderten weitgehend gereinigten und geschützten Wohngebiete, fast schon zu antezipieren, sie vorauszusehen, sie vielleicht zu projizieren in die eigene Wahrnehmung.

So erging es vielleicht einem 44-Jährigen im Schaumburger Land, der an einem friedlichen Sonntag-Vormittag vor dem PC saß und zwischendurch aus dem Fenster ins Land hinausschaute. Haus und Grundstück liegen inmitten einer großen Wiese, und sonst erblickte er die Schafherde des Nachbarn; doch am 27. April 03 sah er einen großen schwarzen Panther, wie er geduckt schleichend sich über die Wiese bewegte. Der Mann holte den Feldstecher herbei, und was er sah, bestätigte ihn in seiner Meinung. „Groß und geschmeidig, wie man es von einer Raubkatze kennt“, sagte er der Polizei, als er sie anrief. Und das Tier habe sich seitlich ins Gebüsch verzogen, dort, wo angrenzend ein Truppenübungsplatz der Bundeswehr liegt.

Die Polizei findet die Angaben des Beobachters weitgehend glaubwürdig, und so werden aus den drei nächstgelegenen großen Städten mehrere Streifenwagen herbeigerufen; außerdem wird aus Hannover ein Polizeihubschrauber aktiviert. Jagdpächter der Umgebung mit ihren Hunden eilen herbei, um eine Spur aufzunehmen.

Doch die Suche, die sich über zweieinhalb Stunden hinzieht, ist erfolglos. Trotzdem warnt die Polizei die Menschen der Umgebung. „Panther sind extrem schlaue und gewiefte Katzen, vielleicht hat er uns ein Schnippchen geschlagen.“ So die fachkundige Stellungnahme der Polizei. Und die Presse berichtet am 28.4.03 von dem ganzen Ereignis.

 

Wenn auch das Thema Tierwelt und faunische Wildnis sicherlich immer schon die Gemüter bewegt hat, ist doch ein Bericht des Fernsehens im Februar 2003 aufschlussreich, der die Faszination zeigt, die ein nur kleiner Aspekt aus dem tierischen Leben in unseren Wäldern beim Menschen auslösen kann. Berichtet wird von einem etwa dreißigjährigen Arzt und Jäger aus Niedersachsen, der es sich zum Hobby gemacht hat, die Brunftschreie der Hirsche mit Leidenschaft und meisterhafter Kunstfertigkeit nachzuahmen. Er legt dabei strenge Maßstäbe an. Er benutzt ein Wisenthorn, dem er über eine ausgeklügelte Technik Laute entlockt, die den Rufen der Hirsche während der Brunftzeit entsprechen. In den Wäldern übt er seine Kunst und überprüft mittels Fernrohr den Effekt seiner Meisterschaft. Sei es, dass sich Hirschkühe nähern oder aber in einiger Entfernung andere, provozierte Hirsche antworten; der Brunftexperte erwartet jedenfalls eine Antwort, die die biologische Wirkung seiner Bemühungen belegt

Es gibt aber Differenzierungen; Brunftschrei ist nicht Brunftschrei. Wenn der Hirsch am Abend abgekämpft, nachdem er seine Kühe mit Liebe versorgt hat,  die Ruhe sucht und sich in ihrer Mitte niederlässt, klingt sein Schrei etwas modifiziert. Nun kann er nicht mehr – das ist das Signal. Der Experte verwendet zur perfekten Imitation dieses Schreis eine siamesische Muschelart, deren Bearbeitung exakt den Ruf des männlich erschöpften Hirsches wiedergibt.

Aber dies alles geschieht nicht ohne gesellschaftliche Kontrolle: Man unterwirft sich einem Gremium von erfahrenen Jägern, die diese Imitationen fachgerecht beurteilen. Es gibt nämlich Meisterschaften im Brunftschrei der Hirsche, und unser Arzt und Jäger ist Niedersachsenmeister. So konnte man im Fernsehen einen solchen Wettbewerb bestaunen, wie vor der Jury ein Kandidat nach dem anderen professionell brunftete und nach der Goldmedaille trachtete.

 

Und das Repertoire der in Erscheinung tretenden Tierarten nimmt zu. Wenn auch nicht immer aggressiv, doch gewissermaßen vorlaut und geltungssüchtig drängen sie sich in unser Bewusstsein.

So gelang in unserer Stadt im Juli 03 einem Känguruh die Flucht aus dem Zoo. Spaziergänger entdeckten das hüpfende Tier auf den Wiesen an der Weser und verständigten die Polizei. Diese bewaffnete sich mit Leine, Tüchern und mit Lockspeisen (Äpfel, Aprikosen, Keksen) und schritt auf die Wiese. Bei Ansicht des Tieres erfolgte zunächst eine Amtshandlung. „Halt, stehenbleiben, Polizei“, war zu hören, doch das Tier verstand kein Deutsch oder es pfiff auf das hiesige Grundgesetz und machte sich in großen Sprüngen auf die Seite. Die nachrückenden Beamten versuchten es jetzt mit freundlicher Zusprache und mit ihren Lockspeisen, doch als das alles nichts nutzte, schlich sich ein Polizist heran und packte das Tier. Doch der australische Ureinwohner setzte seinen muskulösen Schwanz und die kräftigen Hinterläufe ein, entwand sich der Staatsgewalt und entwich in Zick-Zack-Sprüngen, wendig wie ein Hase.

Nun musste die Feuerwehr als Verstärkung heran. Von ihnen wurden zwanzig Mann mobilisiert, und es gelang, das Känguruh einzukreisen und zu überwältigen, was nicht ohne eine Reihe von blauen Flecken seitens der Feuerwehrleute abging.

Das Tier kam in eines der roten Löschfahrzeuge, wobei es noch einen der Männer mit seinem exotischen Urin bedachte. Nun lernte das Känguruh eine deutsche Gewahrsamzelle im Polizeigebäude kennen, bis es die Zoo-Besitzer abholten.  

 

Als ein von Alters her gepflegter Aspekt der Beherrschung der Fauna gilt in gehobenen Kreisen die Haltung von Pferden und ihren Gebrauch zur Ausübung einer besonderen Form der Fortbewegung. Schon seit meiner Jugend traten die Pferdehalter und Reiter gesellschaftlich in Erscheinung und seit Jahren gelten sie als eine Art Elite, zumindest halten sie sich dafür, und das Symbol eines Reiters auf der Rückseite des Autos hat fast noch einen größeren standesgemäßen Wert als das Emblem der Insel Sylt.

Möchte es jetzt, im Zeichen der Progression der wilden Fauna, eine Reaktion sein, dass unter dem Aspekt einer verstärkten Beherrschung des Tierlebens das Auftreten von Reitern in zivilen Bereichen zugenommen hat. Will man jetzt erst recht beweisen, das die Fauna derart beherrscht werden kann, dass sie sich sogar in bislang tierfreien Zonen kontrolliert als berittene Pferde in den Innenstädten bewegt, ungeachtet des Autoverkehrs? Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, früher sovielen Pferdereitern in den Straßen unserer Kleinstadt begegnet zu sein. Und im Haus durch das Fenster das Getrampel von Pferdehufen zu hören – keine Seltenheit mehr.

 

Die Zeit verrinnt und die Nachrichten reißen nicht ab. Drei Problemzonen im Zusammenhang mit Wildtieren werden in den Medien mit Interesse verfolgt. Es handelt sich um Berlin, Kassel und Zürich.

 

Die Wildschweine in den Berliner Stadtteilen Tegel und Spandau treten immer häufiger auf; ihr Erscheinen gerät langsam in die ruhigen Gewässer des Alltags; sie werden von den Bewohnern in ihrem Bewusstsein angenommen und entdramatisiert. Ärgerlich die Schäden in den Gärten, zureichende Zäune müssen her. Aber sonst hat man sich an die Tiere gewöhnt. Gefährliche Situationen werden nicht beschrieben. Manche Anwohner beklagen, dass andere die Tiere sogar füttern.

Einmal wollte eine ältere Dame abends in ihr Haus, als gerade an der Haustür die Wildschweine herankamen. Die Tür war schon offen und die Tiere zeigten entschlossene Neigung, ins Haus zu gelangen. Die alte Dame hielt die Tür halb zu und vermochte die drängelnden Tiere mit Mühe abzuwehren. Direkt angegriffen wurde sie nicht. Einem der Tiere schlug sie die Handtasche entgegen, worauf das Wildschwein in die Tasche hineinbiss und sie ihr zu entreißen versuchte. Doch die resolute Dame konnte die Tasche wieder an sich bringen. Dann gelang es ihr, durch den Türspalt zu schlüpfen, ohne eines der Tiere mit hineinzulassen, bevor sie die Tür hinter sich zuschlug.

Wer spät abends auf den leeren Straßen der Vororte Berlins nach Hause fährt, wird manchmal von einem Rudel Wildschweine, bis zu über zwanzig Stück, auf der anderen Straßenseite begleitet. Sie rasen dahin parallel zum Fahrzeug und wer weiß, was sie treibt.

Ältere Herren äußern schon die Besorgnis, dass durch die Tiere, die immerhin eine Masse von hundert Kilo darstellen können, jemand verletzt werden könnte. Das Forstamt Berlin erklärt sich nicht für zuständig. Ein Jäger ist von der Stadt beauftragt, sich um das Problem zu kümmern. Er sucht in seinem Lieferwagen, mit Flinte bewehrt, die gemeldeten Örtlichkeiten auf und erschießt das eine oder andere Tier. Dieses dann in den Lieferwagen zu schaffen, kostet ihn Schweiß und Mühe. Schießen darf er nur in Waldgebieten; in besiedelten Räumen ist es ihm versagt. Das Problem scheint damit auch nicht gelöst werden zu können.

 

Kassel ist die Hauptstadt der Waschbären. Im nahegelegenen Gebiet der Edertalsperre hatte man einen Versuch, welcher Art auch immer, mit den importierten Tieren unternommen und dabei kamen einige in die Freiheit. Sie haben sich die Randgebiete von Kassel ausgesucht als ihren neuen Lebensraum. Dort klettern sie in die Dachstühle, machen sich breit und gebären ihre Jungen. Die Gärten, stellenweise der Wald und besonders die Müllcontainer geben ihnen genügend Nahrung. Die Anwohner klagen, dass es kaum möglich ist, die Tiere von den Häusern, geschweige denn von den Gärten abzuhalten. Obst und Gemüse sind ihre Beute, und die Müllbehälter sehen morgens aus, als ob sie jemand ausgeleert hätte.

Die Dachstühle leiden stark unter diesen äußerst possierlichen Tieren, die kaum größer als Katzen werden. Hier oben zerkratzen sie die Isolierschichten, zerstören Glaswollmaterial, zerbeißen alles, was ihnen nicht standhält, und durch Urin und Kot werden die Holzbalken sehr schnell angegriffen und verfaulen. Stützende Holzträger müssen ersetzt werden. Die Schäden belaufen sich pro Familienhaus auf über tausend Euro innerhalb ein paar Monate.

Einige Firmen versuchen, das Problem kommerziell zu nutzen; sie haben sich schon darauf verlegt, Schutzmaßnahmen gegen die Waschbären anzubieten. Die Regenwasserrohre, die an den Wänden der Häuser zu den Dachrinnen hochführen, sind der klassische Weg der Tiere, um zu den Dachböden zu kommen. Hier werden verschiedene Blechkonstruktionen angebracht, um die Tiere abzuhalten. Das gelingt aber kaum. Ein Modell scheint effektiv zu sein: es ist eine quadratische etwa ein Meter breite und hohe Blechfläche, die über das senkrechte Rohr in eine Höhe von eineinhalb Metern angebracht wird. Die Fläche des Blechs muss völlig glatt sein und darf keine Löcher oder Schrauben haben. Die Waschbären kommen entlang des Rohrs kletternd zunächst bis zum Unterrand des Blechs, dann haben sie keinen Halt mehr für ihre Krallen. Sie versuchen hochzuspringen, erreichen aber das Rohr oberhalb des Blechs nicht. 

Ein von der Stadt Kassel beauftragter Biologe ist damit beschäftigt, die Lebensgewohnheiten der Tiere zu studieren. Er fängt einige Exemplare und bringt an ihnen Sender an, um über Funk ihre Bewegungen verfolgen zu können. Er kennt die Tiere schon sehr genau. In ihrem Verhalten sucht der Biologe nach Ansätzen dafür, was die Tiere abhalten und vertreiben könnte.

Eine junge Frau hält in ihrer Wohnung zwei kleine niedliche Waschbären und trägt sie mit sich herum. Sie spricht das Hauptproblem an, das es mit Wildtieren auf sich hat. Durchaus sind ihr die netten kleinen flinken Bärchen ans Herz gewachsen, aber eine Domestizierung, sagt sie, gelingt nicht. Streicheln lassen sie sich nicht, das bereitet ihnen sichtlich Unbehagen; die Wohnung aufzuteilen in Bereiche, die von den Tieren respektiert werden, ist nicht möglich, und ihre Notdurft an gewissen dafür vorgesehenen Stellen zu verrichten, dazu kann man die Tiere nicht bewegen.

 

Hier ist das Problem angesprochen, das auch die Zürcher Bürger bewegt. Die Ränder ihrer Stadt werden zunehmend von Füchsen aufgesucht. Deren bevorzugte Stellen sind weniger die Gärten, als vielmehr die Flächen der Parks und Freianlagen, etwa Sportplätze oder Schwimmbäder. Dabei – und das ist das Entscheidende – verlieren sie manchmal die den Wildtieren eignende Angst vor den Menschen.

Füchse fressen liebend gerne Regenwürmer, und wenn es geregnet hat und die Würmer herauskommen, findet man Reinecke Fuchs über die Grünflächen der Stadtanlagen streifend auf der Suche. Mäuse und andere Kleintiere lieben sie, aber auch vegetarische Kost verachten sie nicht. Auch die Füchse werden normalerweise nicht gefährlich. Manchmal bilden sie aus dem, was sie bei ihren Streifzügen interessant finden und mitnehmen, an bestimmten Stellen Häufen, die bis zu einem Meter hoch werden können. Allerlei Unrat findet sich bei dem gesammelten Zeug, alte Turnschuhe und Holz- und Metallteile, Plastikmaterial und anderes.

Die Stellen der Stadt Zürich haben sich auf ein Vorgehen geeinigt: Den beunruhigten Bürgern wird erklärt, dass ein allgemeines Abschießen der Füchse keinen Sinn macht, da aus den Wäldern, dem unerschöpflichen Reservoir, endlos Nachschub kommt. Wenn aber ein Fuchs dadurch, dass ihn jemand gefüttert hat, ein halbdomestiziertes Verhalten angenommen hat, dann kommt ein Beauftragter der Stadt, um das Tier zu erschießen. Denn gerade von diesen Tieren kann Gefahr ausgehen. Die Scheu vor dem Menschen hat das gefütterte Tier teils überwunden, es kann sich Kindern nähern, und der Fuchs bleibt Wildtier, das bei unbedachten Reaktionen des Menschen zubeißt, weil er die Absicht dieser Reaktionen missdeutet und nicht einzuschätzen vermag.

 

„Ich bin ein Fuchs“, sagte der Fuchs.
„Komm und spiel mit mir“, schlug ihm der kleine Prinz vor.“ Ich bin so traurig ...“
„Ich kann nicht mit dir spielen“, sagte der Fuchs. „Ich bin noch nicht gezähmt!“   ...
„Was bedeutet das: zähmen?“
„Du bist nicht von hier“, sagte der Fuchs, „was suchst du?“
„Ich suche die Menschen“, sagte der kleine Prinz. „Was bedeutet zähmen?“
„Die Menschen“, sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig. Sie ziehen auch Hühner auf. Das ist ihr einziges Interesse. Du suchst Hühner?“
„Nein“, sagte der kleine Prinz, „ich suche Freunde. Was bedeutet zähmen?“
„Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache“, sagte der Fuchs. „Es bedeutet: sich vertraut machen.“
 „... wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen andern unterscheidet. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken ...“
 Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an: „Bitte ... zähme mich!“ sagte er.

 Und Antoine de Saint- Exupéry lässt den kleinen Prinzen zu dem Fuchs zurückkehren, der ihm zum Abschied ein Geheimnis versprochen hat. „Adieu“, sagte der Fuchs. „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ ... „Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen“, sagte der Fuchs. „Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. ...“

 Einige Tiere haben wir gezähmt. Sie waren und sind für uns von Nutzen. Neue Tierarten, seien sie uns auch noch so sympathisch und zum Verzicht auf einige aggressive Verhaltensweisen bereit, uns zu Freunden zu machen, zu zähmen, das scheint nicht zu gelingen, dazu fehlt die Zeit der Jahrtausende alten Assimilation, die zum Beispiel Hund und Katze, ursprünglich Wild- und Raubtiere, schon hinter sich haben.

 

Wie verhalten sich unsere bereits gezähmten Tiere gegenüber den Tieren aus der Wildnis, den neuen Gästen, die nicht einer ewiglangen Zähmung unterworfen waren und dies auch nicht innerhalb ein paar Jahre nachholen können?

 

Eine Nachtlichtaufnahme mit Infrarot beleuchtet eine kleine Parkszene in einem Außenbezirk der Stadt Zürich; am Rande einer mit Steinplatten ausgelegten Fläche sitzt eine Katze, in ruhiger Stellung, die Vorderpfoten steil aufrecht und den Schweif elegant um den Hinterlauf gelegt. Ein Fuchs nähert sich, unruhig, auf der Suche, und es dauert eine Weile, bis er die Katze entdeckt hat. Auch die Katze bedeutet mit der leicht veränderten Stellung ihrer Ohren, dass sie den Gast bemerkt hat. Ruhig bleibt sie sitzen in der für sitzende Katzen typischen Haltung.

Der Fuchs schnüffelt in Richtung Katze; dieses Gerät ist ihm nicht bekannt; aus seinem in der Wildnis gebildeten Instinkt weiß er, dass er es mit einem Tier zu tun hat, das keine Angst vor ihm verspürt. Er schweift ein wenig von der Stelle weg, schnuppert hie und da, unschlüssig, bis ihn die Neugier wieder zu der Katze treibt. Links geht er von ihr, sie wendet ihren Kopf leicht nach links, rechts geht er, und die Katze wendet den Kopf leicht nach rechts, ohne ihre Körperhaltung sonst zu verändern. Ruhig sitzt sie da, wie in Abrahams Schoß, nur das Endteil ihres Schwanzes zeigt durch ein leichtes, kaum merkbares Hin- und Herbewegen, dass ihr die Sache lästig wird.

Nun aber, da der Fuchs seine Neugier nicht mehr beherrschen kann, nähert er sich der Katze ein wenig aufdringlicher, worauf die Katze ihn tüchtig anfaucht; nach einem kurzen Rückzieher nähert sich der Fuchs, dessen schraubstockartiges Hundegebiss normalerweise aus einer Katze im Nu einen formlosen Fetzen Fleisch zu machen in der Lage wäre, erneut. Man hört gleichsam die Spannung knistern.

Und jetzt wird es der Katze zu dumm; mit einem Mal schnaubt sie ihn an, streicht mit der Pfote bei ausgefahrenen Krallen nach ihm und geht auf ihn, der sich schon zurückzieht, los und verfolgt den dann Fliehenden mit aggressiven Kreischtönen; ein paar Meter genügen, bis der Fuchs außer Reichweite gelangt ist.

Man sieht noch den Fuchs entlang der Flächenbegrenzung trotten, seine Kiefer machen eine mahlende Bewegung wie ein ärgerliches Nachmaulen, dann verzieht er sich ins Gebüsch.

Eine ganz unbiologische Situation; der kräftemäßig weit überlegene Fuchs streicht die Segel vor einer Hauskatze, die das ganze Repertoire der Domestikation und damit die Reserve der menschlichen Macht hinter sich weiß und die das mit dem Menschen gemeinsame Revier souverän verteidigt.

 

Vielleicht liegt es im Göttlichen Plan, dass in einer Zeit zunehmender Technisierung und Rationalisierung das Animalische als Ausdruck der freien Natur sein Haupt erhebt und Beachtung fordert. Demgegenüber könnte man das romantische Bestreben einiger weltweiter, um nicht zu sagen weltferner Biofanatiker, wildes Tierwerk wieder in den Landschaften heimisch zu machen, im Zusammenhang sehen mit den geistigen Vernetzungen einer eigenwilligen Vorstellung von Globalisierung.

Wie das kulturlos gewachsene Instinktgefüge der Wildtiere zu beurteilen und wie dem gegenüberzutreten sei, das ist – so scheint mir – für den Menschen keineswegs eine gelöste Frage. Die Welt ist nicht in globalisiertem Sinn domestiziert; ein überwiegend menschenloser Dschungel mit seinen Gesetzen lebt in jedem Wildtier, vielleicht sogar in uns selbst, und der Garten Eden bleibt in weiter Ferne. Einigen schwebt immer noch eine Arche Noah vor im Angesicht einer imaginär drohenden Sintflut. Unsere widersprüchliche Einstellung zum Tier tritt zu Tage und gibt mir zu denken. 

 

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