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                                Urota Zrinsko-Frankopanska

                                Die Verschwörung Zrinski-Frankopan

 

 

            Rechte bei

Prof. Dr. Andelko Mijatović

alpha Verlag Zagreb

 

 

                              Gatalica - altes Bildwerk zur Erstellung des Horoskops

 

 

Übersetzung aus dem Kroatischen
 
Dr. Albrecht Preusser
Seetorstr. 5
D - 31737 Rinteln   

 

 

           Auszüge

 

 

 

 

 

                    

ANĐELKO MIJATOVIĆ

      Historiker

Geboren wurde er  am 27. Januar in Tihaljina, Gemeinde Grude, in der Herzegowina. Die achtjährige Volksschule be-  suchte  er in Ružići, Ti- haljina und in Klobuk, dann das Gymnasium in Split, Sinj, Visoko und in Zagreb. Er stu- studierte  Geschichte und schloß dieses Studium an der Zagreber Universität ab. An dieser Universität lieferte er seine Dissertation ab unter dem Titel: „Geschichtliche Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts – bildhafte epische Volksgedichte“. Er lebt und arbeitet in Zagreb.  Er veröffentlichte literatur- historische und geschicht- tliche Abhandlungen, Artikel, Darstellungen und Rezensi- onen. Er verfasste und er- läuterte mit überarbeiteten Texten die Sammlungen: Volkslieder über Mijat Tomić, Zagreb, 1969; Volkslieder über Mijat Tomić, Sinj-Duvno, 1985; Ganga, Duvno, 1973; Volkslieder aus der Herzego- wina aus dem Bereich Duvno- Livno, Zagreb-Duvno, 1975.

 

Werke:

Uskoken und Grenzer, Zagreb, 1974; Die Uskoken von Senj in Volkslied und Geschichte, Za- greb, 1983; Die Verteidigung Szigets, zum 420.Gedenktag (1566-1986), Split, 1987; Ban Jelačić, Zagreb, 1990; u.a.

 

 

                         Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung.........................................................................................7

 

Die politischen Verhältnisse in Europa im 17.Jahrhundert......................11

 

Unzufriedenheit mit der habsburgischen Politik gegenüber

   den Kroaten................................................................................. 13

Frankopani und Zrinski - Träger und Verteidiger der Staatlichkeit                         Kroatiens.........................................................................................16

Die Brüder Nikola und Petar Zrinski.....................................................23

 

Nikola Zrinski - kroatischer Ban..........................................................39

 

Die Verbindungen Petar Zrinski´s mit den Bürgern von Dubrovnik

   und Perast.....................................................................................41

 

Die Teilnahme der Gebrüder Zrinski am sogenannten Ersten

   Türkischen Krieg (1663-1664).........................................................46

 

Der Frieden von Vásvar – Anlass der Verschwörung kroatischer

   und ungarischer Adliger..................................................................56

 

Der Versuch eines Bündnisses mit Frankreich ......................................57

 

Der Tod des Nikola Zrinski.................................................................59

 

Die Bewegung gegen den Wiener Hof besteht weiter ............................63

 

Petar Zrinski wird kroatischer Ban........................................................67

 

Die Verhandlungen mit den Franzosen werden fortgesetzt......................67

 

Petar wendet sich abermals an die Franzosen........................................68

 

Die ungarischen Magnaten verhandeln mit der türkischen Hohen    Pforte...............................................................................................69

 

Missglückter Versuch der Kontaktaufnahme mit der türkischen

Hohen Pforte.....................................................................................70

 

Auf der Suche nach Verbündeten; Vorbereitungen zum    Aufstand...........................................................................................70

 

Die Versammlung von Szendrö............................................................72

 

Auf erneuter Suche nach Kontakten mit den Franzosen...........................73 

 

Petar strebt den Oberbefehl über die kroatischen Grenztruppen an .........74  

  

Das Eingeständnis der Verschwörung...................................................74

 

Annäherung an den polnischen König Michael Wisniowecki.....................74

 

Enttäuschung von der französischen Politik...........................................76

 

Neue Verschärfung im Verhältnis zum Wiener Hof.................................77

 

Die ungarischen Magnaten verhandeln zum dritten Mal mit der    Pforte...............................................................................................77

 

Unterhandlungen mit der türkischen Hohen Pforte ...............................77

 

Der Stand der Bewegung in Ungarn....................................................78

 

Bukovački in Verhandlungen mit der türkischen Regierung.....................78

 

Wien ist unterrichtet über die Verhandlungen mit der Pforte...................79

 

Vorbereitungen zum Aufstand.............................................................80

 

Die Entschlossenheit Frankopans.........................................................80

 

Zrinski ruft die Leibeigenen zu den Waffen...........................................82

 

Der militärische Plan der Verschwörer.................................................82

 

Letzte Vorbereitungen zum Aufstand...................................................82

 

Angst in der Steiermark und in der Krain.............................................83

 

Letzte militärische Anweisungen Zrinski´s............................................83

 

Zrinski sucht eine friedliche Lösung.....................................................84

 

Der Wiener Hof verstärkt die Schuldvorwürfe gegen Zrinski...................84

 

Bedingungen Zrinski´s für den Frieden................................................84

 

Richtlinien und Befehle des Wiener Geheimrates...................................85

 

Forstall´s Vermittlung.......................................................................86

 

Frankopans Aktivität zur Sammlung der Bewegung...............................87

 

Die ersten bewaffneten Aktionen........................................................87

 

Gegenaktionen des Grenzgererals Herberstein......................................88

 

Hilfegesuch an den Pascha von Kanizsa...............................................89

 

Zrinski für eine Aussöhnung mit dem Wiener Hof................................89

 

Gefahr durch militärische Kräfte.........................................................90

 

Die letzte Nacht in Đakovec...............................................................92

 

Letzte Reise nach Wien......................................................................93

 

Die kaiserlichen Streitkräfte nehmen Kroatien ein..................................93

 

Plünderung und Pfändung der Zrinski-Frankopan´schen   Besitztümer.....................................................................................94

 

Die politischen Verhältnisse in Oberungarn im Frühling 1670................97

 

Zrinski und Frankopan unter Hausarrest in Wien..................................97

 

Das Untersuchungsverfahren.............................................................99

 

In Wiener Neustadt.........................................................................102

 

Verurteilt zum Tode........................................................................105

 

Die Bestätigung der Todesstrafe für Zrinski und Frankopan..................105

 

Der Brief Frankopans an seine Gattin Julia.........................................106

 

Die letzten Wünsche Zrinski´s..........................................................107

 

Letztes Treffen und Abschiednehmen von Zrinski und Franko-   pan...............................................................................................107

 

Der letzte Brief Petar Zrinski´s an seine Gattin Katarina.......................108

 

Die Hinrichtung Zrinski´s und Frankopans.........................................109

 

Abrechnung mit den anderen Verschwörern und ihren    Parteigängern.................................................................................115

 

Das Grab der sterblichen Überreste Zrinski´s und Frankopans..............115

 

Abrechnung mit den Familien Petar Zrinski´s und Krsto Franko-

   pans; Leidensweg der Gräfin  Katarina Zrinski.................................116 

 

Der Leidensweg Ivan Antun Zrinski´s ..............................................119

 

Jelena Zrinski.................................................................................122

 

Judita Petronila Zrinski....................................................................123

 

Zora Veronika Zrinski......................................................................124

 

Adam Zrinski.................................................................................124

 

Das Schicksal der Julia Fürstin Frankopan und des Orfei Gra-

   fen Frankopan.............................................................................125

 

Besuche der Kroaten bei den Gräbern der Märtyrer..............................127

 

Die Überführung der sterblichen Reste Zrinski´s und Franko-

pans in die Heimat im April 1919.....................................................131

 

Überführung der sterblichen Überreste Ivan Antun Zrinski´s...............135

 

Das Echo auf die Zrinski-Frankopan´sche Bewegung..........................136

 

Der Kult um Zrinski und Frankopan..................................................140

 

Die Zrinski-Frankopan´schen Verschwörer in der Literatur..................145

 

Die Beteiligten der Zrinski-Frankopan´schen Bewegung in der dar-

stellenden Kunst............................................................................146

 

Der dreihundertste (1671-1971) und der dreihundertzwanzig-

ste (1671-1991) Gedenktag der Hinrichtung Petar Zrinski´s

und Fran Krsto Frankopans.............................................................148

 

Die Zrinski-Frankopan´sche Bewegung im Rahmen der Ereig-

nisse des XVII.Jahrhunderts in Europa............................................154

 

Literatur.......................................................................................161

 

Personenregister...........................................................................167

 

 

 

 

       -----------------

 

 

 

 

                                Petar Zrinski - - Fran Krsto Frankopan

 

 

Einleitung

 

Unter den geschichtlichen Ereignissen Kroatiens kommt der Zrinski-Frankopan’ schen Bewegung (1664-1670) eine besondere Rolle zu; in der Historiografie, der Literatur und im allgemeinen besser bekannt unter dem Namen Zrinski-Frankopan’ sche Verschwörung. Die Bezeichnungen Verschwörung, Aufrührer und Rebellen entsprechen dem feudalkonstitutionellen Standpunkt der Habsburgermonarchie, innerhalb der sich kroatische und ungarische Magnaten gegen den Herrscher, König Leopold I. von Habsburg (1657-1705), auflehnten, weil er sich nicht an die Gesetze hielt, zu deren Einhaltung er sich aus Anlass seiner Krönung zum kroatisch-ungarischen König verpflichtet hatte. Diese Bezeichnungen, mit denen der Wiener Hegemonialismus und sein absolutistisch-zentralistisches System die Beteiligten an der gegen den Kaiser aus dem Hause Habsburg gerichteten Bewegung im XVIII. Jahrhundert belegte, können heute nicht geändert werden in solche, die passender erschienen und, wie auch immer, am ehesten erwünscht wären. Nicht nur, dass mit dem Scheitern dieser kroatischen Bewegung 1671 zwei der ältesten kroatischen Fürstengeschlechter ausgerottet wurden, deren Mitglieder in Jahrhunderten zum politischen, militärischen, kulturellen und sonstigen Wirken Kroatiens beigetragen hatten, sondern es wurde auch beinahe jede Erwähnung dieser Mitglieder im positiven Sinne getilgt. Das Jahr 1861 war der Wendepunkt in der öffentlichen kroatischen Meinungsbildung gegenüber Petar Zrinski und Fran Krsto Frankopan und ihres Bemühens um eine Änderung der kroatischen Politik. In diesem Jahr brachte der Bischof von Đakovo und Führer der Volkspartei Josip Juraj Strossmayer (1815-1905) am 16.Januar in einem Brief an Julijo Grafen Janković in einer Analyse der Beziehung des Wiener Hofes zu den Südslawen seine Überzeugung zu Papier, die Vernichtung der Zrinski und Frankopani sei das größte Verbrechen gewesen, sodass kein einziger Jugoslawe „das tragische Ende der Familien Zrinski und Frankopan“ je verschmerzen könne. Etwas später, am 26. Juni 1861, erklärte der Gründer und Ideologe der Rechtspartei, Ante Starčević (1823-1896) im Sabor, dass Zrinski und Frankopan „zu Rebellen erklärt wurden und verurteilt nur deshalb, weil dem Deutschen der Sinn nach kroatischen Besitzungen stand“. Mit dieser und einer anderen Äußerung vom 27.Februar 1866 im Sabor: „Zrinski und Frankopan wurden erwürgt, und ihre ganze Sünde bestand darin, das sie reich waren, ihre Heimat liebten und deren Freiheit“ begründete Starčević den Mythos der Rechtspartei von der Vernichtung der kroatischen Souveränität durch den Wiener Hof. Im Jahre 1861 veröffentlichte auch Radoslav Lopašić seine Arbeit: „Graf Petar Zrinski und Graf Franjo Frankopan“ - der erste historiografische Beitrag zur kroatischen Bewegung (1664-1670) in kroatischer Sprache.

 

Die wissenschaftliche Grundlage des von der Rechtspartei gepflogenen Zrinski-Frankopan’schen Kultes stellte, wie Professor Jaroslav Šidak am 24.April 1971 auf dem wissenschaftlichen Kongress in Čakovec in seinem Referat „Die Zrinski-Frankopan’sche Verschwörung als Problem der wissenschaftlichen Forschung“ bemerkte, Franjo Rački her, und damit auch die Grundlage dieser historiografischen Fragestellung, indem er aus Anlass des 200.Jahrestages „des Ereignisses vom 30.April 1671“ eine Sammlung von 648 Dokumenten zur Zrinski-Frankopan’schen Bewegung zusammenbrachte über den Zeitraum vom 1.Januar 1665 bis zum 5.September 1671. Diese Sammlung veröffentlichte die Jugoslawische Akademie der Wissenschaft und der Kunst im Jahre 1873 unter dem Titel: „Urkunden zur Verschwörung des Bans P. Zrinski und des F. Fürsten Frankopan“. Dieses Material wurde vervollständigt durch neue Dokumente, die Lopašić veröffentlicht hatte in der Reihe „Starina (Alte Zeiten)“ unter den Titeln „Einige Beiträge zur Geschichte der Zrinski-Frankopan’schen Verschwörung“ (1883) und „Neue Beiträge zur Geschichte der Verschwörung von Ban Petar Zrinski und Franjo Krsto Fürst Frankopan“ (1891). Im Jahre 1888 wurde auch Material aus Pariser Archiven veröffentlicht, das Valtazar Bogišić zusammengestellt hatte unter dem Titel „Acta coniurationem Petri Zrinyi e Francisci de Frankopan nec non Francisci Nádasdy illustrantia, e tabulariis gallicis desumpta“.

 

Im Jahre 1876 wurde in einer Ausgabe der Ungarischen Akademie ein bedeutender historischer Beitrag veröffentlicht zur Verschwörung des Palatins Franjo Wesselény und anderer Beteiligter. In Kroatien kam 1892 der Beitrag von Šišić - „Ein Abschnitt aus der kroatischen Geschichte: Graf Petar Zrinski und Fr. Krsto Fürst Frankopan auf dem Blutgerüst“ - heraus, zusammengestellt auf der Grundlage von Quellen und zeitgenössischer Literatur, und 1898 wurde die Dissertation Josip Bösendorfers „Die Verschwörung Petar Šubić Zrinski’s, des kroatischen Bans (1664-1671)“ veröffentlicht. Auf die zweite Auflage eines Pamphlet-Büchleins von Dr. Aleksandar Lj. Mitrović „Zwei kroatische Märtyrer - der 30.April (Abschnitte aus der kroatischen Historie)“, Zadar 1899, in der er die geschichtliche Bedeutung der Zrinski-Frankopan’schen Bewegung negativ und herabmindernd darstellte und Zrinski und Frankopan als eitel und ruhmsüchtig, antwortete im selben Jahr Eugen Kumičić in Zagreb mit der polemischen Schrift „Petar Zrinski und Fran Krsto Frankopan und ihre Verleumder“, in der er alle Behauptungen Mitrović‘s widerlegte. Schon vor der Erwiderung Kumičić‘s verurteilten dieses Pamphlet ein gewisser N. in der Zeitschrift „Brankovo kolo“, ein Unbekannter in der „Zastav“ (Fahne), und Jovan Hranilović im „Vienac“ (Kranz) und einige mehr. Der Beitrag Šišić‘s „Die letzten Zrinski und Frankopani auf der Bastei der Heimat“, veröffentlicht in dem Sammelwerk „Die letzten Zrinski und Frankopani“ im Jahre 1908, ist noch immer der bedeutendste Beitrag zu dieser historiografischen Fragestellung. In diesem Sammelwerk wurden auch die Beiträge von Vjekoslav Klaić (Die Zrinski und Frankopani), Rudolf Horvat (Die Vernichtung der Zrinski und Frankopani), Cherubin Šegvić und Ferdo Rožić (Das verbliebene Erbe), Velimir Deželić (Die Gräber in der Fremde), Cherubin Šegvić, Jovan Hranilović und Fran Ilešić (Auferstandener Ruhm), Emilio Laszowski und Oton Iveković (Die letzten Zrinski und Frankopani in der Kunst) veröffentlicht, Beiträge, an denen man auch heute nicht vorbeikommt, noch immer gegenwärtig in allen Formen der geistigen Schaffenskraft unter Kroaten bei der forschenden Fragestellung zur Zrinski-Frankopan’schen Geschichte und ihrer Hinterlassenschaft.

 

Der Arbeit von Šišić, mit unbedeutenden Änderungen bei uns schon viermal veröffentlicht (1918, 1922, 1926 und 1991), hat sich besonders A. M. Lukjanenko von der Kiewer Universität gewidmet, der auf der Grundlage seiner Forschungen ein umfangreiches Werk von 850 Seiten zusammenstellte und im Jahre 1911 in Kiew veröffentlichte unter dem Titel „Politčeskaja i literaturnaja dejatelnost, brat‘,ev Zrinskih i Franca Frankopana“. Lukjanenko war unter anderem der erste unter den Forschern, der vom geschichtlich-dynastischen Standpunkt die bewegliche und unbewegliche Habe der Brüder Zrinski und Krsto Frankopans untersuchte. Der slowenische Historiker Emilijan Lilek unterzog, in Unkenntnis der Arbeit Lukjanenko’s, das Werk Šišić‘s einer Kritik und veröffentlichte auf der Grundlage von Originalmaterialien und seiner Forschungen 1928 und 1930 das Werk „Kritische Darstellung der ungarisch-kroatischen Verschwörung und Rebellion“ (Originaltitel), in dem er Fehler Šišić‘s aufspürte und selbst genügend Fehler machte. Beinahe zwei Jahrzehnte später, im Jahre 1948, widersetzte sich Arpad Lebel in seinem Beitrag „Historische Probleme mit Auswirkungen auf die Vojvodina“ der damals vorrangigen materialistischen Anschauung der Zrinski-Frankopan’schen Bewegung und ihrer Beteiligten. Vaso Bogdanov beurteilte 1957 in seinem Artikel „Die historische Bedeutung der Verschwörung der Zrinski und Frankopani“ diese Bewegung als eine nationale Befreiungsbewegung, und Nada Klaić schätzte in Bestätigung dieser Auffassung im Jahre 1958 in einem Beitrag „Über die historische Bedeutung der Zrinski-Frankopan’schen Verschwörung“ die geschichtliche Rolle der Zrinski und Frankopani als eine positive ein unter Berücksichtigung ihrer militärischen und schriftstellerischen Leistungen, während sie die Zrinski-Frankopan’sche Bewegung in Hinblick auf ihre Folgen negativ beurteilte. In der „Historie des Jugoslawischen Volkes“, Bd.II, 1959, findet sich der Beitrag „Die Verschwörung der kroatischen und ungarischen Magnaten“, eine Arbeit Nada Klaić‘s und Bogo Grafenauers, in der die Bewertung von Prof. Klaić aus den vorhergehenden Jahren enthalten ist. Šidak legte 1960 in der Arbeit „Beitrag zur Fragestellung der Beziehung Petar Zrinski’s zu den Leibeigenen zur Zeit der Verschwörung (1670)“ auf der Grundlage von Dokumenten aus Wiener Archiven dar, dass Zrinski gegenüber den Pfarrern der Leibeigenen in der Herrschaft Ozalj die Befreiung von Steuer und Joch versprochen hatte, wenn sie sich mit ihren Pferden seinem Aufstand anschließen würden, und widerlegte so die Vermutung Šišić‘s eines generellen Versprechens Zrinski’s gegenüber den Leibeigenen. Die Diskussion zu dieser Frage setzte sich fort in einer Abhandlung in der „Jugoslawischen historischen Zeitschrift“ (I-IV, 1962-1965), an der sich Bogo Grafenauer, Jaroslav Šidak und Nada Klaić beteiligt hatten. Im Jahre 1962 wurde ein Beitrag von Ivan Erceg „Die Konfiszierung der Zrinski-Frankopan’schen Besitzungen“ veröffentlicht, die zweite Arbeit zu diesem Thema nach der Arbeit Horvat’s aus dem Jahre 1908.

 

Aus Anlass des 300.Gedenktages der Hinrichtung Zrinski’s und Frankopans (1671-1971) wurde in Čakovec ein wissenschaftlicher Kongress vom 24. bis 26.April abgehalten. Dieser Kongress ergab keine neuen Resultate, aber er wies dennoch darauf hin, wie Šidak angemerkt hatte, dass es noch historiografische Fragestellungen gibt, deren Beantwortung von neuem Archivmaterial abhängt, und dass die Zrinski-Frankopan’sche Bewegung nicht gedeutet werden kann ohne den Zusammenhang mit einer ähnlichen Bewegung in Ungarn. Im Jahre 1974 wurden die „Geschichtlichen Denkmäler der Familien der Zrinski und Frankopani, Bd.1, Listen und Schätzung der Güter (1672-1673)“ veröffentlicht, welche Rajka Modrić gesammelt und mit einem Vorwort sowie einem Register eingeleitet hatte, und teilweise hatte Franjo Rački dieses Material schon 1873 veröffentlicht in der Dokumentensammlung „Urkunden zur Verschwörung des Bans P. Zrinski und des F. Fürsten Frankopan“. Zwei Jahre später stellte Nada Klaić in ihrem Werk „Gesellschaftliche Gärung und Empörung im Kroatien des XVI. und XVII.Jahrhunderts“ auch die Zrinski-Frankopan’sche Bewegung dar. Indem sie bei ihrer eigenen Beurteilung dieser Bewegung aus dem Jahre 1958 blieb, kam sie zu dem Schluss, dass man Zrinski und Frankopan im Rahmen ihrer Zeit betrachten müsse „mit allen positiven und negativen Eigenarten – dann können wir ihre historische Rolle im ganzen nicht anders als positiv bewerten. Im Gegensatz dazu:  ihren letzten unüberlegten Schritt – also Verschwörung und Aufstand – müssen wir wegen der schweren Folgen für Kroatien negativ bewerten“. 

Mit dem Auftreten der Bewegung der Rechtspartei in Kroatien in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts breitete sich, als ihr wesentlicher Teil, der Zrinski-Frankopan’sche Kult aus, wobei diese beiden Eigennamen in Kroatien Hilfe und ausgedehnte Unterstützung leisteten beim Widerstand gegen die Habsburger. Aus Anlass des zweihundertsten Jahrestages der Hinrichtung Zrinski’s und Frankopans wandelte sich dieser Kult vom Symbol der habsburgischen Vernichtung des kroatischen Volkes zum Symbol des Widerstandes gegen jeden Hegemonialismus über das kroatische Volkswesen und zum Symbol der Aufopferung für die Heimat. Zum Zrinski-Frankopan’schen Kult trug besonders der Schriftsteller und Politiker Eugen Kumičić (1850-1904) bei, indem er im Geist der Ideologie der Rechtspartei den geschichtlichen Roman „Die Zrinski-Frankopan’sche Verschwörung“ schrieb, veröffentlicht 1893, der die Ideologie der Rechtspartei besonders der gewöhnlichen Mitgliedschaft dieser Partei nahebrachte sowie der allgemeinen Leserschaft. Die Beschäftigung mit Zrinski und Frankopan verschwand auch im zwanzigsten Jahrhundert keineswegs. Als die politischen Verhältnisse es zuließen, wurden auch aus Anlass des 300.Jahrestages der Zrinski-Frankopan’schen Katastrophe, 1971, und des 320. Jahrestages, 1991, auch im Jahre 1996, unter anderem wissenschaftliche Seminare veranstaltet und es entstanden zahlreiche neue historiografische Beiträge und andere Texte zu diesem sehr entscheidenden Ereignis, eines der tragischsten unter den Kroaten.

Im Unterschied dazu, dass man in der Literatur beinahe zwei Jahrhunderte bis zum Beginn der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Angaben zu dieser äußerst folgenreichen Begebenheit, diesem Wendepunkt der kroatischen Geschichte, einfach verschwieg, gab es im selben Zeitraum eine starke Präsenz Zrinski’s und Frankopans in der darstellenden Bearbeitung, wovon zahlreiche erhaltene zeitgenössische Portraits jedes der einzelnen Mitglieder dieser zwei Familien Zeugnis ablegen sowie bildliche Darstellungen zum Thema der Zrinski-Frankopan’schen Bewegung: Kupferstiche, Drucke, Grafiken, Lithografien. Am Ende dieses einleitenden Teils kann man zu dem Ergebnis kommen, dass es wenige bekannte historische und schriftstellerische Kritiker gibt, die sich nicht mit der Zrinski-Frankopan‘schen Bewegung beschäftigt haben. Auch haben sich viele bekannte und weniger bekannte kroatische Dichter bemüht, die Tragödie von Zrinski und Frankopan zu verewigen, und in den Lehrbüchern und in der Literatur für die Schuljugend wurden regelmäßig aus Gründen der Bildung geistige Manifestationen zu diesem Thema eingereiht. Auch wenn die politischen Verhältnisse bei uns in den Jahren 1945-1990 ungünstig waren und alle nationalen Werte systematisch vernichtet wurden, haben in Kroatien die demokratischen Veränderungen des Jahres 1990 zur Republik Kroatien eine gewisse Anerkennung und Aufklärung der ehrenhaften Opfer der Zrinski-Frankopan`schen Bewegung der Jahre 1664 - 1670 von verschiedenen Seiten her ermöglicht, und im vergangenen Jahr haben die politischen Gefangenen Kroatiens den 30.April als ihren besonderen Tag gewählt – den Tag, an dem Petar Zrinski und Fran Krsto Frankopan im Jahre 1671 in Wiener Neustadt ihr Leben verloren für die nationale Unabhängigkeit ihres kroatischen Volkes. Ehre zu erweisen diesen kroatischen Opfern ist von Tag zu Tag mehr angezeigt.

                                                        Zagreb, 21.April 1999

                                                       Dr. Anđelko Mijatović

 

   

 

Die politischen Verhältnisse in Europa im 17.Jahrhundert

Das Europa im Zeitraum von der Mitte des 17.Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, durchdrungen von den Grundsätzen des Merkantilismus, Schritt für Schritt dem mittelalterlichen Feudalsystem entwachsen, erlebte die Erstarkung einer ganzen Reihe völlig neuer Arten der kapitalistischen Wirtschaft. Deren Tempo in bezug auf die erste bürgerliche Revolution und auf die erste Entwicklung neuer Formen der Staatsmacht war unterschiedlich. Nach dem Vorbild der französischen absolutistischen Monarchie des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1643 - 1715) erstarkten auf der einen Seite absolutistische Monarchien, auf der anderen Seite Staaten mit den ersten europäischen Parlamenten bei den Engländern und den Niederländern. In diesem Abschnitt europäischer Geschichte trat auch der Prozess des Niedergangs bisheriger europäischer Großmächte zutage: der der Spanier, der Türkei und Schwedens; sowie die Entstehung neuer mächtiger Staaten: die Habsburgermonarchie, Preußen und Russland.

In der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts umfasste die Habsburgermonarchie als Kern folgende österreichischen Erblande: Vorderösterreich (Tirol mit Vorarlberg), Niederösterreich (Gebiet beidseits der Enns) und Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und die Krain), dazu jene Kronländer, die in diesen Staatsverband eingetreten waren nach der Schlacht von Mohács am 29.August 1526: Tschechei (23.10.1526), Ungarn (10. 11.1526) und Kroatien (1526). Die Habsburgermonarchie umfasste mehr als 12 Millionen Einwohner, die verschiedenen Völkern zugehörten, verschiedenen Zungen und verschiedenen Traditionen, mit einer militärischen Kraft von etwa 80.000 Soldaten und mit einem Staatseinkommen von etwa 6 Millionen Forinten. Außer den Deutschen, die die österreichischen Länder besiedelten, lebten in diesem Staatenverband unter anderen auch Tschechen, Kroaten und Ungarn, unter denen es besonders ein starkes Bewusstsein und die Tradition einer berechtigten staatlichen Eigenständigkeit gab sowie die Tendenz, sie immer wieder zu beleben. Gegenüber diesen autonomen Tendenzen besetzten die Deutschen, die ethnische Grundlage der Monarchie, gemäß den Zielrichtungen des absolutistischen Dienstverhältnisses zur Macht, alle Schlüsselstellungen des Staates und alle militärischen Dienstgrade; es behauptete sich die Vorherrschaft des Zentralismus und die der Deutschen in der gesamten Monarchie, was Unzufriedenheit und Widerstand hervorrief.

Die Eroberung kroatischer und ungarischer Gebiete durch die Türken, die auch eine Bedrohung des habsburgischen Kerngebietes darstellte, diente den Habsburgern als Vorwand zur Umgestaltung Kroatiens und Ungarns in abhängige Königreiche und in einen Verteidigungsgürtel der Kernländer, was die grundlegende Unzufriedenheit der kroatischen Stände darstellte. Diese Zentralisation und diese Politik der Vorherrschaft betrieb besonders der deutsche Kaiser und tschechisch-kroatisch-ungarische König Matthias II. (1608 - 1619). Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), entstanden durch die Gegensätze zwischen Protestanten und Katholiken und um die Frage der Vorherrschaft in den deutschen Gebieten, einem Krieg, an dem fast alle größeren europäischen Mächte teilnahmen, widersetzten sich die protestantischen tschechischen Adligen dem Zentralismus und der Germanisierung von seiten des Königtums. In dem einleitenden Aufstand wurden am 23.Mai 1618 zwei hohe königliche Beamte umgebracht; dann kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen in diesem Rechtsstreit, bei denen zu Anfang die tschechischen Anführer sogar überlegen waren und in einigen Schlachten die kaiserlichen Streitkräfte besiegten, sogar zu Beginn des Jahres 1619 auch Wien selbst bedrohten. Obwohl sich Mähren und Schlesien den Tschechen anschlossen, wurde schließlich der tschechische Aufstand in einer Gegenoffensive der kaiserlichen Streitmacht in der zweiten Hälfte des Jahres 1620 nach zweijährigen Kriegshandlungen in der entscheidenden Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8.November 1620 niedergeworfen; vom März 1620 an wurde die tschechische Empörung vollständig erstickt; im Verlauf der weiteren Repression wurden zehntausende Tschechen umgebracht (z.T. hingerichtet). Der tschechische Adel wurde durch Enteignung politisch und wirtschaftlich vernichtet und die Tschechei umgestaltet in eine einfache Provinz. Da im weiteren Verlauf dieser Kriegsgeschehnisse die Habsburgermonarchie, deren Ziel es war, die deutschen Lande zu beherrschen, besiegt wurde, versuchten die Habsburger nach dem Westfälischen Frieden, während sie wieder das Amt des Kaisers – allerdings ohne jede Macht – innehatten, umso mehr, sich in den östlichen Gebieten und Kronländern ihrer Besitzungen stark zu machen.

Bei den Kroaten und Ungarn, mit gesonderter Herrschaftsstruktur und eingebunden in eine Personalunion (eine Herrscherpersönlichkeit), war die Macht organisiert über eine Bezirksaufteilung des Adels mit weitgehender Autonomie. In den ersten Jahren der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts war Kroatien noch immer reduziert auf die „Reste der Reste (reliquiae reliquiarum olim inclyti Regni Croatiae)“, auf den schmalen Gürtel von der Adria bis zur Mur. Diese seine Grenzen waren festgelegt im Frieden von 1606 nach dem sogenannten Zweiten Türkenkrieg (1593 - 1606) und sollten aufrechterhalten werden für fast acht Jahrzehnte; die Grenze gegenüber der Türkei verlief vom Dorf Vranjak nahe Jablanac (südl. von Senj, an der Küste; A.d.Ü.) im Bergvorland durch die Lika über Pazarišta (in türkischem Besitz) zum Ort Ćanak, von dort nach Norden,die Korana überschreitend, über Klokoč (in türkischem Besitz), und weiter über den Fluss Kupa von Brkiševina in der Pokuplje (Flussgebiet der Kupa) abschwenkend etwa zwei Wegstunden unterhalb Petrinja zur Sava bei Sisak; von dort führte sie nordöstlich weiter, wobei sie Časma westlich umging, nach Rača und kam östlich von Pitomača zur Drau. Dieses Kroatien war zweigeteilt. Das Zivil- oder Ban-Kroatien wurde gebildet durch den Bereich von der Mur bis zur Adria – die Međimurje, der Bereich von der Drau bis Turopolje, im großen und ganzen die Županien Varašdin und Zagreb; die Pokupska- oder Ban-Kraina am westlichen Ufer der Kupa sowie der schmale Gürtel zum Meer hin; und die Primorje (Küstenland) von Trsat zum  Vinodol; im großen und ganzen war dieser gesamte Bereich im Besitz der Zrinski und Frankopani. Obwohl dieses Kroatien über militärische und wirtschaftliche Machtmittel verfügte und mit den übrigen habsburgischen Kronländern und Besitzungen verbunden war nur über die Personalunion - durch die Person des Herrschers -, war es im großen und ganzen nicht souverän; seine Selbstständigkeit war vor allem eingeschränkt durch die innere Abtrennung großer Teile zur sog. Militär-Kraina (Militärgrenze), in der zu einem guten Teil auch ortsfremdes Militär untergebracht war, das unter volksfremdem Befehl stand. Die Primorska-Kraina, das Grenzgebiet im Küstenland (vom Bergzug Kapela zum Meer mit den militärisch befestigten Wohnorten Senj und Otočac), die kroatische Kraina (zwischen dem Fluss Kupa und dem Bergzug Kapela mit dem Sitz Karlovac) und die Varaždin-Kraina oder slawonische Militär-Kraina (mit den Kapetanien von Ivanićgrad, Križevci und Koprivnica und mit den starken Befestigungen Križevci, Koprivnica und Đurđevac als auch mit der starken Besatzung und dem Magazin für militärischen Bedarf in Varaždin) bildeten diese Militär-Kraina. Der Grenzteil Kroatiens stand bis 1578 unter der Gerichtsbarkeit der Wiener Burg beziehungsweise unter der unmittelbaren Befehlsgewalt des Erzherzogs in Graz. Obwohl die Kroaten sich für den Herrscher entschieden haben, indem sie sich erfolgreich gegen das türkische Vordringen verteidigten, haben die Habsburger sehr schnell ihre Versprechungen vergessen, haben Kroatien umgestaltet in einen Verteidigungsgürtel ihrer Erblande und aus dem politischen Subjekt Kroatien ein Objekt gemacht. Auch ein großer Teil Ungarns befand sich unter türkischer Macht. Als die Türken nach der Schlacht von Mohács Besitz ergriffen von dem Bereich zwischen Donau und Theiß, wählte der östliche Adel Ungarns Johann Zapolya zum König, einen transsilvanischen Fürsten; währenddessen wählte der westliche und nördliche Adel Ungarns in Bratislava (Požun) am 16.Dezember des Jahres 1526 den Habsburger Ferdinand zum König. Diese Teilung führte auch zu einem Bürgerkrieg, aus dem besonders die Türken Nutzen zogen, unter deren Schutz sich Zapolya befand. Zum Ende des 16.Jahrhunderts nahmen die Habsburger, um die Kirchenbesitzungen, die der protestantische Adel sich im nördlichen Ungarn angeeignet hatte, zurückzugewinnen und um die königliche Macht zu festigen, diese Besitzungen in einem Pogrom gegen die Protestanten selbst in Besitz, was im Jahre 1604 zu einem Aufstand führte unter Führung des Edelmanns István Bocskai, der mit türkischer Hilfe im Frieden des Jahres 1606 mit Erfolg den freien Glauben der Protestanten in Ungarn verteidigte. Inzwischen blieb das nördliche Ungarn wegen der Abwehr auch anderer Freiheitsbestrebungen ein Bereich ständiger Unruhen gegen die zentralistischen königlichen Kräfte und gegen die Politik des Wiener Hofes. Im Widerstand gegen die Kaisermacht stützte sich der protestantische ungarische Adel auf das Fürstentum Erdelj (Transsilvanien, Siebenbürgen). Dieser Widerstand erstarkte besonders nach dem Jahr 1651, als auch in die ungarischen Grenzbefestigungen deutsche Besatzungen gelegt wurden. Außer der Unzufriedenheit des ungarischen Adels bestanden zusätzlich zwei weitere Brennpunkte der gegen Wien gerichteten Unzufriedenheit - die des niederen Adels der nordungarischen Županien, und die der protestantischen Stände.

 

Gegenüber den Neigungen der Tschechen, Kroaten und Ungarn mit starker Tradition einer eigenen Staatshoheit, die sich bemühten, ihre alten Verfassungsrechte bzw. die Rechte ihrer Königreiche zu bewahren oder wiederherzustellen, unterzog  sich die Habsburgermonarchie wegen der Möglichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Franzosen um die Niederlande und wegen der anhaltenden kriegerischen Bedrohung von Seiten der Türken mit dem Amtsantritt Leopolds I. (1657-1705) umso einzigartigeren auch militärischen Anstrengungen, die sich immer wieder über alle autonomen Bestrebungen nichtdeutscher Völker im Rahmen ihres Staatsverbandes hinwegsetzten. Und das war eine der Ursachen neuer Unzufriedenheit und neuer Auseinandersetzungen.

 

Nordgrenze des Osmanenreiches in der 2.Hälfte des 17.Jhds in Projektion 
auf das heutige Kroatien
 
 

Unzufriedenheit mit der habsburgischen Politik gegenüber den Kroaten

Man kann frei sprechen über die kroatische Unzufriedenheit mit der Politik des Wiener Hofes und der Habsburger, wenn auch eine Verbindung mit diesem Herrscherhaus bestehen blieb. Nach der Schlacht von Mohács am 29.August 1526, in der der kroatisch-ungarische Herrscher Ludwig II. Jagelović (1516-1526) im Kampf mit den überlegenen türkischen Streitkräften umkam, wählten die Stände des kroatischen Königreichs „völlig frei und ohne irgendwelche Beeinflussung“ in Cetinje (Cetingrad) am 1.Januar 1527 Ferdinand Habsburg zum König. Was das Nichteinhalten der Versprechungen betrifft, die anlässlich der Wahl zum König Kroatiens gegenüber den Bevollmächtigten Nikola Jurisić, Ivan Kacijaner, Pavel Oberstein und Ivan Pichler abgegeben wurden - dass er sich beständig kümmern werde um die Verteidigung Kroatiens, dass er alle Privilegien, dass er Rechtlichkeit, Freiheit und Gesetze des kroatischen Königreichs und seiner Einwohner, vom ursprünglichen König verliehen, sowie ihre alten Gebräuche und Gewohnheiten respektieren werde - , so bestand zusätzliche Unzufriedenheit mit dem Verhältnis der Habsburger zu Kroatien und zu der kroatischen Verteidigung gegenüber dem übermächtigen türkischen Eroberer. Unmittelbar nach der Wahl Ferdinands I. zum Herrscher bezweifelten die kroatischen Wahlstände, ob er alle Versprechen einhalten werde. Schon am 3.Januar stellten sie in einer besonderen Audienz das Ansinnen, dass der König seine Versprechen halte. Und auf einem weiteren Sabor in Cetinje, der seine Arbeit am 27.April desselben Jahres aufnahm, brachten die Wahlstände, nachdem Ferdinand I. die Eröffnung vorgenommen hatte, ihre Unzufriedenheit mit seinem Verhalten zum Ausdruck.

 

Folgendes brachten sie in Erinnerung:

„Damit Ihre Hochwohlgeboren wissen, dass Ihre Hochwohlgeboren, welche bei uns darum angesucht haben, dass wir uns als dero Untertanen unterstellen, versprochen haben, dass sie uns dero anderen Erbländern eingliedern als auch uns bewahren werden in unserer Freiheit und unseren Rechtsgewohnheiten und es halten werden im wahren christlichen Glauben, dass Ihre Hochwohlgeboren halten und bewahren werden bei uns in Kroatien tausend Reiter und zweihundert Fußsoldaten, die Martholosen genannt werden, für die immer und beständig bezahlt wird; außerdem dass die Grenzburgen ausgestattet und verwaltet sein werden von Militär, bewaffnet mit Gewehren und versorgt mit dem laufenden Lebensbedarf, und dass manche Festungen, wo die Notwendigkeit angezeigt ist, mit mächtiger Hand übernommen werden, und fernerhin, dass Ihre Hochwohlgeboren im Grenzgebiet der Militärkraina die Stellung halten werden, für die Sie uns Stütze und Hilfe geben werden. Alle diese Versprechungen, erlauchter König, haben wir nicht verwirklicht gesehen... Wie  Ihre Hochwohlgeboren wissen, kann nicht gefunden werden, dass irgendein Herr sich Kroatiens bemächtigen würde mit Hilfe der Gewalt. Denn durch den Tod unseres letzten Königs Zvonimir seligen Gedenkens haben wir uns aus freiem Willen der Heiligen Krone des Königreichs Ungarn angeschlossen und nach diesem jetzt  Ihrer Hochwohlgeboren.“

 

Wie weit sich schon damals die Kroaten bewusst waren, dass sie betrogen wurden, mag aus folgender Feststellung geschlossen werden: „Weit besser wäre es für das Heil Ihrer Hochwohlgeboren gewesen, wenn Sie uns niemals in ihren Machtbereich aufgenommen hätten“. Auf der Zusammenkunft des Sabor in Topusko am 9.September 1535 haben die „Barone, Junker, Edlen und Ritter des Königreichs Kroatien“ dem König Ferdinand einen Brief auf den Weg gegeben, in dem sie unter anderem darum ansuchten, dass der König Sorge trage um die Verteidigung des Landes und dass er einen Ban benenne; sie haben ihm geraten, wenn er sie vergessen und vernachlässigen werde, dann solle er ihnen den Brief zurückgeben, in  welchem sie ihm durch ihre Vertreter in Cetinje am 1.Januar 1527, nachdem sie ihn zum Herrscher erwählt, die Treue geschworen haben, und sie würden ihm seine verbrieften Versprechungen zurückgeben. Die Unzufriedenheit mit den Habsburgern und mit dem Verhältnis des Wiener Hofes zum kroatischen Land bestand weiterhin im politischen Leben Kroatiens. Von daher verlangte der gemeinsame Sabor, als er im September 1608 in Požun (Bratislava, Preßburg) abgehalten wurde, von seinen Vertretern, sie sollten fordern, dass „aus allen kroatischen Städten, besonders aus Varaždin als dem Sitz des Župans, alle ausländischen und übergeordneten Militärs und fremden Kompanien beseitigt würden und dass dem Ban wiederum seine althergebrachte Macht zurückgegeben werde von der Drau bis zum Meer.“ Des weiteren baten sie, dass die Offiziersposten aufgefüllt würden mit Söhnen der Heimat; sie äußerten sich, es würde „lieber einer sterben als dass fortan irgendwelche herrschten als Fremde über sie oder aber sie bei ihnen zum niedrigsten Dienst einteilen würden zum Schaden der  Freiheit.“ Im März 1618 ersuchten aus Anlass der Krönung Ferdinands II. (1619-1637) in Požun die kroatischen Vertreter um eine Erneuerung der Ban-Macht und der Militär-Krajina. Zwischenzeitlich blieben alle Versprechungen des Herrschers, ein rechtliches und freiheitliches Kroatien zu respektieren, abgegeben bei der Inthronisation oder zu anderen Gelegenheiten, unerfüllt.

 

 

 

Frankopani und Zrinski - Träger und Verteidiger der Staatlichkeit Kroatiens

 

Unter den typischsten und bekanntesten kroatischen Adelsfamilien sind die Frankopani und die Zrinski in ihrer Geschichte und ihrem Schicksal über mehrere Jahrhunderte, in Wahrheit schon seit dem 11.Jhd., eng verbunden mit Vergangenheit, Geschichte und Schicksal Kroatiens. Auch im 17. Jhd. waren die Clan-Mitglieder dieser Geschlechter Träger und Verteidiger der kroatischen Staatlichkeit gegenüber den überlegeneren türkischen Eroberern, aber auch entschlossene Gegner jeglichen bedrohlichen habsburgisch-kaiserlichen Absolutismus und jeglicher deutschen Hegemonie, die im Geist des europäischen Merkantilismus bestrebt waren, sich in der gesamten Habsburgermonarchie zu etablieren. Die Geschichte dieser beiden Geschlechter ist auch wechselseitig verflochten durch eheliche Beziehungen, durch Freundschaften und die Teilnahme an allen letztlich kennzeichnenden Vorkommnissen Kroatien betreffend, besonders auf den Schauplätzen im Rahmen der über mehrere Jahrhunderte währenden Verteidigung, aber auch im Rahmen der wechselseitigen Streitereien um Besitzungen. Im 17. Jhd. deckten sich die politischen und auch anderen Interessen der Zrinski und Frankopani, die sich immer mehr bemühten, sich gegenüber der habsburgischen Macht zu verselbstständigen, mit den kroatischen nationalen und staatlichen Interessen. Im Bemühen, Kroatien herrschaftlich umzugestalten und stark zu machen, arbeiteten sie hin auf eine Belebung ihrer wirtschaftlich-industriellen Grundlage. Zu diesem Zweck nutzten sie alte Kupfer-, Eisen- und Salzbergwerke, gründeten Schmelzhütten in Čabar und Kostajnica, und Sägemühlen in Bosiljevo und Lič, sowie Produktionsstätten von Eisenwaren; sie trieben Handel mit Getreide, Glaswaren, Baumaterialien, Ruderhölzern, Schiffsmastbäumen, mit Honig, Wachs, Leder und ähnlichen Erzeugnissen und kümmerten sich des weiteren um die Verkehrswege zu Lande und zur See.

 

Das kroatische Adelsgeschlecht der Zrinski reicht von der Abstammung her bis zu den Šubić-Bribirski, die seit 1069 in den Urkunden als Župane (Grafen) erwähnt werden. Die Nachkommen des Grafen Miroslav, der von König Bela III. die Grafschaft Bribir im Jahre 1180 erhielt, nannten sich Fürsten Bribirski; sie wurden besonders mächtig in der Zeit des dalmatinisch-kroatischen Bans Pavel I. Bribirski (1273-1312), des Herren im Bereich von Modruš bis zur Neretva, und in der Zeit des Mladen II., des Bans von ganz Dalmatien, Kroatien und Bosnien (1312-1322). Von 1347 an, als dessen Erbe Juraj III. Bribirski im Streit mit dem kroatisch-ungarischen König Ludwig I. Anjou diesem die Festung Ostrovica herausgab, der König ihm dafür die Großgrundbesitzungen Zrin, Pedalj und Stupnica im Königreich Slawonien überließ, nannte sich diese Adelsfamilie Zrinski und unterschrieben einfach mit „comites de Zrin“, “a Zrin“, “de Zrino“, “a Zrino“, “Zriniensis“ oder mit dem Genitiv „Zrinii“, wobei sie manchmal statt des letzten Buchstabens i den Buchstaben j schrieben. In den Dokumenten in kroatischer Sprache wurde der Nachname Zrinski ohne Rücksicht darauf, ob die kroatische Schrift verwendet wurde oder die „Bosančica“, immer in dieser Form geschrieben, außer dass manchmal der Buchstabe i gegen j ausgetauscht wurde. Die Brüder Nikola und Petar Zrinski unterschrieben im Kroatischen mit dem Nachnamen „Zrinski“ und im Lateinischen „a Zrin“ oder „a Zrinio“, niemals mit der Unterschrift „Zriny“ oder „Zreny“, wie der Name von den Ungarn geschrieben wurde. Die Zrinski dehnten im 15.Jhd. ihre Macht aus. Einer von ihnen, Petar, kam auf dem Schlachtfeld von Krbava am 9.September 1493 ums Leben. In der zweiten Hälfte des 15.Jhds. besaßen die Zrinski die Herrschaftsgüter Zrin, Pedalj, Gvozdanstvo, die Burgen Pastuški grad, Završki grad und Stupnički grad, Semidraž, Jamnički grad, Dobrljin und Podmilanski grad, zu welchen Besitzungen zu Beginn des 16.Jhds um die 150 Dörfer gehörten. Nikola der Ältere (1489-1534) kaufte die Güter Boûjakovina, Pakrac, Kamensko, Gradište, Sloboština, Rasošje und den Herrschaftsbesitz Kostajnica, doch er erbte auch im Jahre 1531 per Vertrag den Besitz seines Schwiegervaters Ivan Karlović und damit Rakovec, Vrbovec, Lukavec, Mutnica und Novi. Nikola der Ältere prägte auch seit 1529 in Gvosdanstvo Silbermünzen. Sein Sohn Mihajlo kam  in der Schlacht von Mohács um; andererseits starb auch Nikola Sigetski (1506-1566) in der Schlacht bei Sziget (Szigetvár); seinem Heldenmut galt die Bewunderung des gesamten Europa. Die Zrinski waren besonders berühmt für ihren Kampfgeist gegen die türkischen Eroberer. Im Jahre 1671 errechnete ein Chronist, dass die Zrinski etwa fünfzig größere Feldzüge gegen die Türken geführt hatten. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht, in der Zeit des Nikola Sigetski, des kroatischen Bans (1542-1557), der seit 1546 Herrscher der Međimurje (Gebiet zwischen Mur und Drau) mit Sitz in Čakovec war, stellten die Zrinski den Befehlshaber der Stadt Sziget und den obersten Befehlshaber der habsburgischen Militärkräfte auf der rechten Seite der Donau, wo sie selbst Eigentümer mehrerer Großgrundbesitzungen waren. Gegenüber dem Durchbruch der Türken auf Mitteleuropa im Jahre 1566 bedeuteten die Zrinski in Sziget eine Barriere und mit etwa 2300 Mann leisteten sie über Monate Widerstand gegen die türkischen Streitkräfte von etwa 100.000 Mann. Durch einen Familienvertrag erbten die Söhne des Nikola im Jahre 1577 auch größere frankopanische Besitzungen: Ozalj, Ribnik, Dubovac, Brod an der Kupa, Bakar, Gobnik, Hreljin, Grižane, Bribir und Drivenik in der Primorje (dem Küstengebiet). So breiteten sich die Besitzungen der Zrinski in der zweiten Hälfte des 16. Jhds. aus von der linken Seite der Mur und der Međimurje über das Gebiet der Banschaft Kroatien bis an die Adria heran. Die Söhne des Nikola traten eine Zeit lang für den Protestantismus ein und in Nedelišče wurden mehrere protestantische Autoren gedruckt. Im 17.Jhd. war der Enkel des Nikola Sigetski und Vater der Brüder Nikola und Petar Zrinski, der Fürst Juraj, kroatischer Ban (1622-1626), der berühmt wurde durch die Teilnahme am Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) mit 1200 Reitern. Gestorben ist er in Požun - nach einem Gerücht an einer Vergiftung - am 18.Dezember 1626. Er wurde in der Familiengruft im Kloster der Hl. Helena bei Čakovec beigesetzt.

 

Die Frankopani sind als Fürsten der Insel Krk erwähnt zu Anfang des 12.Jhds. Diesen Nachnamen, den Namen der römischen Adelsfamilie der Frangipani, benutzten sie zu Beginn des 15.Jhds. nach dem Beispiel, das im damaligen feudalen Europa in Gebrauch war, um die Nachkommen aufzuwerten. Der erste bekannte Vertreter dieser Familie ist Dujam (1118-1163), der Fürst der Insel Krk. Seine Söhne Bartol und Vid anerkannten im Jahre 1163 die venetianische Oberhoheit, und seit dem Jahre 1193, als ihm der kroatisch-ungarische König Bela III. die Grafschaft (Županija) Modruš schenkte, reichte ihre Macht und ihr Besitz bis aufs Festland. Seit 1225 sind sie Besitzer der Grafschaft Vinodol, seit 1271 Oberhäupter und seit 1302 Fürsten (Knezovi) der Stadt Senj. Von der Mitte des 15.Jhds. an wurden sie Eigentümer der Grafschaft Gacka mit Otočac, Dreûnik, Slunj und Cetin, ebenso Eigentümer der feudalen Gemeinden um Klokoč, Bihać, Sokol, Ripač, Rmanj, Knin, Vrlika, Ostrovica, Skradin; Herren der Grafschaft Luka und aller sogenannten Königsgüter im Königreich Kroatien. Im Jahre 1449 wurde der frankopanische Besitz aufgeteilt auf sieben Söhne und einen Enkel des Fürsten Nikola (gestorben 1432), somit acht Teile - lediglich die Insel Krk und die Stadt Senj blieben gemeinsamer, ungeteilter Besitz. In der zweiten Hälfte des 15.Jhds. gerieten die Frankopani in einen Streit mit dem kroatisch-ungarischen König Matthias Corvinus. In einer langgeführten kriegerischen Auseinandersetzung nahm Matthias den Frankopani einen größeren Teil ihrer Herrschaftsgebiete ab, im Jahre 1496 auch Besitzungen von Trsat bis Senj und zum Vinodol. Knapp vor dem Versuch des Königs Matthias, die Insel Krk zu erobern, übergab Fürst Ivan diese letzte kroatische Insel den Venetianern. Von acht Geschlechtern der Frankopani haben folgende besondere Bedeutung im politischen und wirtschaftlichen Leben Kroatiens: die Frankopani Ozaljski, die Frankopani Brinjski, die Frankopani Slunjski und die Frankopani Tržački.  Zu Ende des 16.Jhds. sind von allen diesen Familienzweigen nur übriggeblieben die Frankopani Tržački, die den Beinamen von dem Ort Tržac an der Korana erworben hatten, auf der bosnischen Seite gelegen; diese waren von den ehemaligen frankopanischen Besitzungen, die zum guten Teil in den Kriegen mit den Türken verloren gingen, noch im Besitz der Herrschaftsbereiche Bosiljevo, Severin an der Kupa, Novigrad an der Dobra, Zvečaj und Novi im Vinodol.

 

„All die Unseren sinken und zerfallen, nur der Ruhm der Frankopani ist in diesen Gebieten Zeuge des Aufloderns der Energie Kroatiens. In Kraljevica sind zwei prächtige Schlösser erhalten von dieser über einen so langen Zeitraum herrschenden Familie, auf gut Glauben verleitet und auf gut Glauben zusammen mit den Šubić, den anderen Herrschern des kroatischen Heldentums, abgeschlachtet. Krk, die Insel mit dem bedeutendsten glagolitischen Zeugnis, war das Stammgut dieser Familie mit dem Stern und dem gebrochenen Brot zwischen zwei Leoparden, die unser Vj. Klaić so gewissenhaft beschrieben (und Kumičić besungen) hat. Der Glagolita Clozianus war ein Frankopan’sches Buch. Allein in der Primorje und im westlichen Ungarn hielten die mächtigen Frankopani die Festungen Krk, Omišalj, Vrbnik, Modruš, Trsat, Novi, Grobnik, Grižane, Kraljevica, Drivenik, Senj, Bakar, Obrovac, Tržan, Otočac, um nicht zu erwähnen Ozalj, Slunj, Ogulin, die sie gegründet hatten, die Inseln Hvar und Rab, aber auch alle ihre Ländereien bis zur bosnischen Vrbas in der Zeit des Fürsten Martin, um nicht zu erwähnen den Verlust Krk‘s, den zeitweiligen Absturz der Familie, ihren Aufstieg unter Bernardin, dem Mann, „unbezwingbar an Tapferkeit und Mut" (indomitae fortitudinis et audaciae), ihren Ruhm unter dem fatalen Ban Krsto, und ihren Fall mit dem Dichter, seinem Namensvetter. Kroatien, das kroatische Bewusstsein, fiel ins Grab mit dem letzten Frankopan, um mit Mühe und Not erst mit dem Illyrismus wieder ins Leben gerufen zu werden."

        A.G. Matoš, Gedanken und Ansichten, Zagreb, 1955, 134

 

Unter den vielen Frankopani ragen heraus: Bernardin Ozaljski (1453-1529), der  mächtigste kroatische Edelmann zum Ende des 15.Jhds., Teilehmer der Schlacht bei Krbava 1493, bekannt als Verteidiger Kroatiens und besonders bekannt durch seine Rede, die er als alter Mann in Nürnberg  gegen die  Türken gehalten hat; Krsto Brinjski, kroatischer Ban (1482-1527), bekannter Streiter gegen Türken und Venetianer, besonders bekannt durch die Versorgung des Stützpunkts der Stadt Jajce am Fluß Vrbas im Jahre 1525, “Vormund und Beschützer des Königtums“, mit dessen geschichtlicher Persönlichkeit sich zwei Literaten beschäftigten: Milutin Cihlar Nehajev im Roman „Vuci“ („Wölfe“), und Henry Thode im Roman „Der Ring des Frankopan“; Franjo Slunjski, kroatischer Ban (1536-1572), der für seine Verdienste um die Verteidigung Kroatiens schon zu Lebzeiten den Beinamen „Verteidiger der Heimat“ und „Schwert und Schild der Überreste von Illyrien“ (vom kroatischen Sabor) erhielt; Gašpar Tržački (? -1578), der Kapetan von Ogulin; seine Söhne Nikola Tržački (1586-1647), kroatischer Ban (1617-1622), der eine große Stiftung hinterließ für die Gründung einer Anstalt oder eines Seminars für „die Kinder des Volks, besonders kroatische oder illyrische“, und der bestimmte, dass in Bosiljevo eine Schule gegründet wurde für die Kinder von Leibeigenen; Vuk Krsto, der General von Karlovac (1626-1652), und Juraj, die beide 1610 von Porpetto bei Udine (Friaul) emigrierten; die Söhne von Vuk Krsto Tržački: die Kraina-Kapitane Gašpar und Juraj (x-1653); der Dichter, Übersetzer und Kapetan von Senj Fran Krsto Frankopan (1643-1671); und die Tochter Katarina, Schriftstellerin; des weiteren Orfej, der Sohn des Juraj, des Gründers der friulischen Linie. Mit der Vernichtung der Zrinsko-Frankopan‘schen Bewegung, an der Fran Krsto Frankopan, Orfej und Katarina, die Gattin des Petar Zrinski, die Schriftstellerin, beteiligt waren, ist auch das Geschlecht der Frankopani ausgetilgt worden.

 

 

 

                          Fra Andrija Kačić Miošić (1704 - 1760)

über die Frankopani und die Zrinski in dem Gedicht
„aus dem Frankopan’schen Hause, als Auszug einer 
Lobrede von Frater Fran Glavinić, einem Istrier, für 
den Herrn des besagten Hauses im Jahre 1628.“

 

Die Lika, die Krbava waren voll Staunen,
was Bugarin Sava zu sagen wusste:
er schmäht den Frankopanischen Adel
und schilt den Banus, Zrinski, den Ritter.
 
Von ihnen die Namen, so weiß er zu werten,
erst im Vorjahr hätten den Anfang genommen,
auf solche Art kränkt er die alten Ritter,
er schmäht alle slawischen Bane und Fürsten:
 
„Ob stolzer die Burg der Prinzen, Kraljevica,
wohl gar eine Schmiede, ein Pferdekoben,
als mein eigener Stamm und Adel von Rittern
und stets im Rufe der Heldentaten?
 
Wo immer, rühmt man den Banus Zrinski,
auch Frankopan, den jungen Fürsten,
wie wenn sie vom Himmel geflogen wären
und zuhaus seit Äonen in den Höhen gewesen.
 
Man weiß nicht, haben von Bauersleuten
sie Herkunft, von Hirten, oder gar Bettlern:
sie haben noch gestern die Schafe geschlagen
und bedienten in schnöder Welt die Händler,
 
und jetzt nennen stolz sie sich hehre Bane
und wollen herab zu Bauern nicht kommen,
und keinerlei Geld ist in ihren Taschen,
als allenfalls irgendein Bakschisch vom Händler.“
 
Dies hörte Bariša, der Mann aus der Lika,
und sprach zu ihm auf ruhige Weise:
 „Nun aber,  welch Unsinn, mein Sava, Bulgare!
Was hast du denn Grund zu solchem Wüten?
 
Es sind nicht Monde oder nur Jahre,
dass blühen konnte der Stamm der Zrinski:
wohl eher tausend Jahre und mehr noch,
dass von der Nadina sie nennen sich Fürsten.
 
Von ihnen alle sind so große Herren
des slawischen Volkes in unserem Lande:
niemand kann wissen, seit wann sie hier sind,
auch nicht, seit wann sie die Herrschaft erlangten.
 
Nun höre wohl auch von den Frankopanen,
den mächtigen Edelleuten und Banen,
von wo deren Stamm kommt und ihr Adel
und aus welchen Zeiten ist deren Herkommen.
 
Der Jahresläufte zweitausend sind über,
seitdem man nennt diesen Stamm von Adel.
Dabei schon waren sie in der Stadt Troja,
an welche die ganze Welt sich erinnert,
 
und zwar von Geburt aus wackere Ritter,
stets edle, mutige Bane und Fürsten.
Auch schreibt ihnen zu man heilige Väter,
und erst andere, ebenso aus ihren Reihen.
 
Anicier nannten sie sich in der Urzeit,
sie kommen her von Aeneas, dem Banus,
und vom lateinischen König Turnus,
im alten Rom der Edlen der größte.
 
Es stammten ab von ihnen die Häupter,
die Kardinäle des Herrn und Vikare:
sowohl Alexander und Gregor der Neunte,
auch Innozenz, und Gregor, der Heilige Vater.
 
Der heiligen Männer und Frauen sind´s mehr noch,
Benedetta und viele fromme Jungfrauen,
der Märtyrer viele in Jesu Namen,
auch selige Frauen, Büßerinnen.
 
Und alte Ritter stammen ab von ihnen,
auch hehre Bane, Könige, Kaiser,
von Kaisern und Banen junge Gattinnen,
und Leute mit Geltung auf allerlei Weise.
 
In diesem Glanz ist auch Dante zu nennen,
der in der Wissenschaft überaus stolze,
der Florentiner, der wohl sich bekannte,
von Frankopan‘schen Lenden zu stammen
 
und aus dem Hause wohl ruhmreicher Ritter,
der Aldiger, welches sind große Fürsten
aus selbiger Stadt Florenz, der weißen,
wo auch heute sie sich noch finden lassen.
                                                                                                               
Von diesem glänzenden Adelsstamme,
wohl ist es geschehen in alten Zeiten,
da gabs auch einen beim Dogen Venedigs,
Mihovio war er mit Namen geheißen.
 
Als die wilden Tataren jäh überfielen
und plünderten grausam Ungarns Lande,
verfolgten sie zäh den König der Ungarn
bis hin zum lateinischen graublauen Meere.
 
Zu dieser Zeit herrschte der Ban der Kroaten,
den Nikola man mit Namen nannte;
aus Frankopanischem Hause er stammte,
das Herz eines Prinzen war ihm zueigen;
 
und er sammelte da die kroatischen Helden
zu den Waffen mit all ihrer Ritterstärke,
mit dem Heer schlug er der Tataren Kaiser,
befreite so den König der Ungarn.
 
Es leiten sich her von ihm unsre Bane,
von ihnen sind Stiftungen angelegt worden:
zu Ehren der Kirche und Gottes Hirten
ließen bauen sie etliche fromme Abteien.
 
Und diesen Stamm, dies Geschlecht und den Adel
voll Ruhm nennest du die Namen vom Vorjahr !
Nicht doch den Eimer, Bruder, zerschlagen,
und schelte nicht so die slawischen Edlen!
 
Das Schwert war´s, das ihnen die Herrschaft errungen,
das Amt, die Ehr‘ hat das Geld nicht erworben,
noch auf dem Berge die Schafe geweidet,
schon garnicht bedient die schnöden Händler!
 
Bedenke jetzt nochmals, Bugarin Sava,
ob die Bane der Vorzeit du schelten möchtest,
dass etwas wohl möchte größer noch sein
als die Zrinski-Edlen und die Frankopan-Fürsten“.

 

 

 

 

Die Brüder Nikola und Petar Zrinski

 

Die Anführer des Widerstandes unter den Kroaten gegen Zentralismus und Absolutismus waren die Brüder Zrinski - Nikola, geboren am 1.Mai 1620 in Čakovec, und Petar, geboren am 6.Juni 1621 in Vrbovec. In Anbetracht der Tatsache, dass ihr Vater Juraj, der bekannte Kämpfer, im Jahre 1626 im Alter von 28 Jahren verstarb, und die Mutter Magdalena, eine geborene Széchy, sich wieder vermählte, wurden die Brüder Zrinski von einem Vormund betreut. Die Knaben wuchsen auf in einer kriegerischen Umwelt. Nikola beobachtete als Dreijähriger im Jahre 1623 nahe Kotoriba ein Scharmützel mit den Türken, ihre Flucht und ihren Tod durch Ertrinken im Fluss Mur. Das ganze, vom Krieg geprägte Umfeld,die Tradition und das Bewusstsein um die Vorfahren sowie die Pflicht zum Verteidigungskampf für die Heimat fanden ihren Niederschlag in Erziehung und Mentalität der Brüder Zrinski. Erzogen und ausgebildet im Geist ihrer Zeit, traten sie im Jahre 1630 in die Erziehungsanstalt der Jesuiten in Graz ein. Dort schlossen sie ihre humanistische Schulung ab und 1634 wechselten sie nach Trnava bei Preßburg (Bratislava). Hier beendeten sie 1636 das Studium der Sprachen. In dieser sechsjährigen Ausbildung lernten die Brüder, abgesehen von der Kenntnis der kroatischen und ungarischen Sprache, auch noch die lateinische, deutsche und italienische Sprache. Nach dem Studium in Trnava reisten die Brüder in Begleitung des Kanonikus Matija Senkviczy nach Italien. In Rom empfing sie Papst Urban VIII. und schenkte ihnen seine Sammlung von Gedichten. Nikola war eher der Beschäftigung mit Büchern und theoretischen Fragen zugeneigt; besonders interessierten ihn die Werke des italienischen Literaten Torquato Tasso (1544-1595) und des Theoretikers Nicolo Machiavelli (1469-1527). Petar hingegen war interessiert an den Kriegswissenschaften, vor allem an der Artillerie. Im Februar 1637 kehrten die Brüder zurück  in die Heimat und wurden hier für volljährig erklärt. Eigentlich traten die Brüder zu früh ins öffentliche Leben. Infolge des Erbrechts wurden sie Kapetane von Legrad und von der Međimurje (die ‚Halbinsel‘ zwischen Mur und Drau), und Nikola zusätzlich 1628 zum großen Župan von Zaláta, zum Šomođski Župan sowie zum obersten königlichen Rittmeister ernannt - zum Fahnenträger des Reichs. Seine Anwesenheit und seine Unterschrift waren erforderlich zur Legalisierung der Beschlüsse des Sabor. Bei der Rückkehr von ihrer Ausbildung in die Heimat erlebten sie 1637 bei der Verteidigung der Međimurje und ihrer Besitzungen in Ungarn ihre Feuertaufe im Gefecht gegen die Türken aus Kanizsa. Seitdem blieb die Kriegsführung ihre Hauptbeschäftigung. Nikola lebte in Čakovec und kümmerte sich um das nordöstliche Kroatien, und Petar saß auf der Burg Ozalj und befasste sich mit dem südwestlichen Teil des Landes.

 

In diesem Bereich lebte auch der Freund Petars und sein Mitstreiter gegen die Türken, der Fürst und General von Karlovac Vuk Krsto Frankopan Tržački. Mit seiner sechzehnjährigen Tochter Katarina vermählte sich der zwanzigjährige Petar am 27. Oktober 1641 in Karlovac. Petar geriet sehr früh in Streit mit den deutschen Offizieren. Im Auftrag des Königs Ferdinand III. (1637-1657) versuchte am 22. August 1642 der Kapetan von Senj, Johann Herberstein, ihm eine Mühle samt Grundstück bei Martinčići, nahe Rijeka, mit Gewalt zu entreißen, doch er musste sich zurückziehen. Wegen dieser Angelegenheit wurde Petar Ende 1642 wegen Hochverrats angeklagt. Inzwischen geriet dieses Ereignis, indem der König die Zrinski für den Dreißigjährigen Krieg benötigte, in Vergessenheit. In Kürze wurde Petar zum Kapetan von Slunj und Velemerić ernannt.

 

Nikola Zrinski ehelichte am 17.September 1645 Eusebia, die Tochter des Gašpar Grafen Drašković. Als ihm diese Frau 1651 starb, ohne Kinder zu hinterlassen, heiratete Nikola zum zweiten Mal, diesmal Maria Sophia Baronin Löbl, und er feierte die Hochzeit mit ihr am 30.April 1652 in Wien.

 

Am Dreißigjährigen Krieg nahm Nikola auf den Ruf des Königs hin teil von 1646 an mit dreihundert eigenen Untertanen aus der Međimurje, gekleidet in Samt und Seide; er schloss sich dem König in Scalice im nordwestlichen Ungarn an. Schon bald zeichnete er sich aus im Kampf mit den Schweden, zusammen mit seinem Verbündeten Georg Rákóczy (1593-1648), einem ungarischen Edelmann und Fürsten von Erdelj. Für seine Verdienste im Krieg ernannte der König den fünfundzwanzigjährigen Nikola zum Befehlshaber aller kroatischer Truppen (Croatorum omnium generalis). Während Nikola auf dem tschechischen Kriegsschauplatz kämpfte, hielt Petar die Stellung in der Međimurje. Laut der Zeugenaussage eines Zeitgenossen,des Zagreber Kanonikus und Historikers Juraj Ratkoj (1612-1666), verteidigte Petar die Međimurje und "er wurde gerufen wegen des Eintreffens der Feinde. In der finsteren und stürmischen Nacht, während er ein ums andere Mal in einen Hinterhalt gelockt wurde, ließen sie sich mit Begeisterung ein auf einen unsicheren Kampf. Petar, vom Kampfgeist beseelt, zwang einen Türken zur Flucht und verfolgte ihn standhaft, ohne abzulassen, bis zum Fluss Mur. Und der Türke, unentschlossen, wie er sich retten könne, fand keine andere Möglichkeit zur Flucht als sich der Not gehorchend in die Strudel der Mur zu stürzen. Damit, dass der Feind in die Fluten sprang, vollzog der Fürst an ihm ein Opfer in den nackten Wirbeln des Flusses, wie ein Opfer für Neptun".

 

Anfang 1647 wurde Petar Zrinski zum Kapetan der Freischärler von Žumberak ernannt unter der Bedingung, dass er sich volle drei Monate mit sechs Kompanien, die auf seine Kosten aufgestellt werden sollten, den kaiserlichen Streitkräften anschließe“. Schon bald traf Petar auf dem tschechischen Kriegsschauplatz ein, nach Zeugenaussage von Ratkojnoch jung, aber mit männlichem Herzen, von herkulischer Kraft, mit viel Geschick in der Kriegskunst, dessen sich die Befehlshaber der Artillerie besonders bedienten“.

 

 

Nach derselben Zeugenaussage bot Petar gegenüber dem König Ferdinand (1637-1657) einennicht alltäglichen Beweis seiner Tapferkeit zu der Zeit, als sich der Sabor in Požun versammelte, und das vor den Augen des Kaisers. Denn während sich Ferdinand dem Freizeitvergnügen der Jagd hingab, kam es zu einer Begegnung mit einem Wildschwein von sieben Jahren. Auf Befehl des Kaisers, das Tier anzugreifen, stieg Zrinski vom Pferd, zog den Säbel und hieb auf das Untier mit einem einzigen, aber so fürchterlichen Schlag nieder, das es sofort zu Boden stürzte und verendete, die Stirn vom Schwert gespalten und die Hirnmasse verspritzt. Der Kaiser erstaunte, dann nahm er das Schwert von Zrinski, schwang es ein wenig herum und gab es dem Zrinski zurück mit der Bemerkung, dieses Schwert sei nichts für seine eigene Hand“. Auf dem tschechischen Kriegschauplatz stritt Petar unter der unmittelbaren Befehlsgewalt des Königs, und besonders tat er sich hervor bei Buđejovice, als er König Ferdinand aus schwedischer Gefangenschaft befreite. Im weiteren Verlauf des Krieges zeichnete er sich auch aus bei Erfurt in Thüringen.

 

       Das Schwert Petar Zrinski’s

Es wurd´ in Požun der Sabor gehalten,

dort saß im Rat die Blüte der Herren,

der König selbst kam zu diesem Sabor,

der dritte Ferdinand, das war sein Name.

 

Dort wirbelten stolz die Federbüsche,

man war in Samt geworfen, in Seide,

es glänzten Gold und Edelsteine,

das war wohl lieblich anzusehen.

 

Dort strahlten die Herren, allesamt glänzend,

sie taten ihr Werk mit Verstand für das Volk,

man machte Ehr‘, sprach mit goldener Zunge

und wahrte dabei das Recht und die Freiheit.

 

Doch rief der König zum Krieg gegen Schweden,

und  die Männer des Sabor, er flehte sie an,

auftreiben sollten sie und ihm übergeben

die Kriegsauslagen und die Soldaten.

 

Als sie nun alle ihm zugesagt dieses,

da lobte und ehrte der König die Herren,

um sie zu erfreuen nach Stellung und Amt,

mit fröhlichem Tanzen, und mit der Jagd.

Zu solchener Jagd nach Art des Königs

war vorgeladen auch Petar Zrinski,

da kam er heran auf seinem Schimmel,

stark wie der Hirsch, geschwind gleich dem Winde.

 

Dort lebte Bolonjski als Schüler des Königs,

der so geistreich dem Wissen war zugewendet,

doch mehr noch der Mut und seine Stärke,

die waren an ihm die Freude des Königs.

 

Es entstand ein Geschrei: sieh da, ein Wildschwein!

Schon war das Jaulen der Hunde zu hören,

das Wildschwein kam, aus dem Eichenwald steigend,

es rannte und war jetzt im Blickfeld des Königs.

 

Der wütende Eber, die Lichtung erreichend,

gestellt von der Meute der keuchenden Hunde,

er fauchte mit Wut auf das kläffende Rudel,

und dem jungen Zrinski winkte der König.

 

Sofort sah Zrinski das Zeichen des Fürsten,

er spornte den Schimmel und zog den Säbel,

mit einem Satze zum wütenden Wildschwein,

im Augenblick war der Reiter zur Stelle.

 

Mit grobem Schwert holte aus er mit Stärke,

und spaltete machtvoll den Kopf des Ebers,

da brach in die Knie das rasende Untier,

der Rumpf sank blutend und fiel auf den Rasen.

 

Das Horn erschallte, vom Pferd saß der König,

auch die anderen Herren, sie stiegen vom Pferde,

zu Zrinski’ s Schwerte griff da der König

und dies gab ihm der Spross aus Zrinski’ schem Hause.

 

Der König hielt inne, das Schwert bestaunend,

er schwang es herum und hieb als zur Probe,

doch zog sich die Röte schon über sein Antlitz,

es so zu gebrauchen ihm fehlte die Stärke.

 

„Wie ungeschlacht ist es, überaus gröblich!“

so tät der König den Säbel schelten,

doch Zrinski beugte alsbald den Rücken

und hub an zu sprechen die folgenden Worte:

 

„Dem adligen Mann aus kroatischem Lande,

mag dies Schwert, hehre Krone, nur allzu schwach sein,

für all die Unsren bräuchte die Rechte

erhebliches mehr als nur meine Stärke.

 

Vor den Türken, auch vor den Männern Venedigs

das Königreich hat es für uns verteidigt,

wo immer Kroaten geboren wurden,

zum Leben kaum, schon eher zum Sterben.

 

Wohl über die Una bis hin zur Vrbas,

sie haben uns alles genommen und mehr noch,

der Räuber doch wird wohl geraubte Güter

zurückgeben niemalen dem, der schwach ist.

 

Deswegen, nicht doch, mein leuchtender König,

vor diesem Schwerte sollst nicht du zurückscheun,

nichts aus den Händen von diesen Kroaten

ist stärker als dies, was immer es sein mag.

 

Nicht sollst du, mein König, vor freien Worten,

die zwanglos gesprochen, dich wenden zur Seite,

die Wahrheit zu sagen dir allenthalben

und jederzeit, das ist Brauch der Kroaten.“

 

Wie solchermaßen als Held er sich darbot,

so zeigte gewandt sich des Königs Runde:

zum Amte des Postens von Žumberak wurde

als Kapetan damals Zrinski erhoben!

                        I. T.

             „Kranz“, 1898, Nr. 21, 311

 

 

Bald darauf machten sich die Brüder selbstständig und teilten ihre Besitzungen in zwei Hälften. Nach dem Zagreber Teilungsdokument vom 19.Juli 1649 fiel an Nikola die Međimurje mit Čakovec, die Besitzungen der Županie von Zaláta sowie der Baranja und die Šomođski-Županie ebenso wie Vrbovec und Rakovec in der Županie Križevci sowie ein Haus in Wien. Dem Petar wurden die übrigen Familienbesitzungen in Kroatien zuteil: Božjakovina, Ribnik, Ozalj und alle Besitzungen in der Primorje (dem Küstenland) und im Vinodol, wo er sich besonders bemühte, seine Macht zu festigen und sich auf das Meer auszurichten. Zur Residenz seiner Besitzungen wählte Nikola die Festung Čakovec, und Petar die Burg Ozalj. Die Brüder verpflichteten sich zu gegenseitiger Verteidigung und Hilfe. Nikola verkehrte in Čakovec mehr mit ungarischen Adligen, denn er besaß auch Güter in Ungarn, und Petar lebte in Ozalj, er hatte Umgang mit dem kroatischen Adel und den Grenzoffizieren. Petar bemühte sich besonders um die Entwicklung der Schifffahrt, und über mehr als zwanzig Jahre wirkte er im Küstenland vom Vinodol in unabhängiger Eigenständigkeit und in rechtmäßig souveränem Sinn. In einem Brief bemerkte der französische König Ludwig XIV., dass Zrinski den Hafen Bakar besitzein eigener und vollständiger Souveränität auf dem adriatischen Meer“. An der Verwirklichung der Orientierung auf das Meer arbeitete Petar nach 1657, als er Großkapetan von Senj wurde, und unter seiner Regierung gehörte das gesamte kroatische Küstenland zu seinem Besitz; dabei verfügte er über eine beträchtliche Handelsflotte, er besaß eine Werft in Bakar, er erbaute den Hafen und das Schloss in Kraljevica, und er stellte die freundschaftlichen Beziehungen zu den Venetianern wieder her, denen er im Krieg um Kreta (Kandischer Krieg 1645-1669) Unterstützung und anderes mehr anbot. Petar setzte 1660 auf eigenem Schiff in der Uniform eines Marinekapitäns König Leopold I. von Devine nach Trsat über. Die Brüder verkehrten und korrespondierten unter anderen mit mehreren kroatischen Schriftstellern und mit anderen bedeutenden Männern ihrer Zeit: Križanić, Belostenec, Levaković, Menčetić und Lučić; und Dr. Ivan Lucius Lučić erforschte besonders die Geschichte des Hauses Zrinski,wozu ihn Petar Zrinski immer wieder anregte ebenso wie sein Sohn Ivan Antun. Lučić widmete dem Ban Petar Zrinski auch seine Landkarte in seiner Veröffentlichung „De regno Dalmatiae et Croatiae“, Amsterdam 1668, die man vom damaligen Status aus beurteilen muss - die Karte der gegenüber der türkischen Eroberung freien kroatischen Landgebiete.

 

Die Brüder Zrinski warentypische Adlige des 17.Jahrhunderts, verliebt in den Glanz, in die Jagd und in den Krieg, aber auch in die Kunst und die Literatur“ (Kombol), die zu beurteilen uns zum Teil die Beschreibung von Čakovec ermöglicht, das der holländische Wissenschaftler Jakob Tollius im Jahre 1660 besuchte und im Jahre 1671 anlässlich des Todes von Petar Zrinski seinem Freund Nikolaus Vitsen beschrieb:

Bei unserem Aufenthalt in Graz haben wir gehört über Nikola Zrinski. Seine häufigen und erfolgreichen Angriffe auf die Türken gelten als freudige Nachrichten für die gesamte christliche Welt; sie haben hingegen bei den Türken den Namen Zrinski zum Gegenstand des Entsetzens gemacht. Die Bekanntschaft mit diesem in der ganzen Welt bekannten Helden habe ich dem Grafen Pottinga zu verdanken. Er wollte seinen lieben Verwandten besuchen, und mich lud er liebenswürdigerweise ein, mit ihm nach Čakovec zu kommen. Sehr gerne nahm ich diese günstige Gelegenheit wahr, und so waren wir schon in drei Tagen am Tor von Čakovec, der Residenz des Zrinski.

Zrinski führte uns durch die Militärwachen, die überall umher postiert waren, zum Schloss. Dieses war erhaben und herrlich, und es war in bewehrter Form ausgeführt gegen die türkischen Streitkräfte. Von allen Seiten war die Festung von Gräben umgeben, die einen Vorstoß des Feindes hindern konnten. Nur eine Seite - die dem Dorf zugewandte - war auf nacktem Boden gegründet, allerdings umgab diesen Bereich eine umso befestigtere Einzäunung durch Palisaden. Die Menschen vermittelten einen angenehmen Eindruck -  inmitten einer solchen öden Umgebung - als endlich der herrliche Palast zum Vorschein kam, die wunderbare Hauseinrichtung, die prächtige Gemütlichkeit, die überaus große Pracht der gebildeten und gelehrten Familie.

In den Hallen war beschlagnahmtes türkisches Waffenwerk ausgehängt: Bogen, Köcher, Eisenkeulen, Schilde und andere Waffen dieser Art. Aber alle diese wurden übertroffen von Klingen aus Damaskus (Damaszenerklingen). Einige von ihnen hatten Griffe, die mit Gold oder Silber verziert waren; sogar die Säbelscheiden schimmerten vor den Augen mit kunstvoll gearbeiteten Edelsteinen. In den Vorhallen konnte man ausgehängte Standarten sehen, die von den Türken erbeutet worden waren; getränkt waren die Fahnen mit Blut, das die unzähligen erkämpften Siege bezeugte. Hier waren immer wieder Bilder ausgestellt, auf denen die heldenhaften Taten des Grafen dargestellt waren. Ich erinnere mich eines Bildes, auf dem der Kopf eines Türken herabfiel; der Türke - der gerade seinen Kriegsmantel zusammenraffte - holte zum Schlag aus mit der Rechten und drohte dem Nikola mit dem Tod. Das war des Jünglings früher Anfang seiner Jugendjahre; von diesem einen Ereignis lernte er das andere.

Am dritten oder vierten Tag - seitdem vergangen - führte uns Zrinski beiseite in die Bibliothek, die wundervoll beschaffen war, ausgestattet mit allem Überfluss an Büchern. Von hier führte er uns in die Waffenkammer, in der sich Mauerbrecher aus Messing sowie Kanonenkugeln, Lanzen, Säbel und anderes Kriegsgerät befanden. An diese Schönheiten und diesen Reichtum schloss sich ein riesiges Vorratslager an. Die Schatzkammer war geöffnet und in dieser siehst du - unter anderen Wertgegenständen - eine Sammlung altertümlicher Münzen. Reichlich vertreten waren Münzen von Alexander dem Großen, von Otto und von Vitelj. Es gab auf dem Schloss Bilder von Königen, Fürsten und berühmten Männern - in kleiner rundlicher Form - von wunderbarer Darstellungskunst. Von den übrigen erschienen mir die Bilder Martin Luthers und seiner Gattin Katharina als Darstellungen von prachtvoller Kunst. Dann begaben wir uns in den gräflichen Garten. Seine Schönheit und seine Pracht vermag ich nicht mit Worten auszudrücken. Vielleicht kannst du ihn dir in Gedanken vorstellen, wenn du dir im Geist den uralten Garten des Alkinoos vor Augen führst“.

Zrinski sprach damals mit Tollius auch über die politischen Gegebenheiten Kroatiens:

Die Türken können für unseren Bestand keinerlei Gefahr darstellen, und nach dem Rückzug der Türken bleiben Wien und Venedig als ein Gürtel der Macht, ungleich wirkungsvoller als Stambul. Die italienischen Mächte nehmen auf uns keine Rücksicht, die französische Politik des Königs Ludwig XIV. ist unaufrichtig und selbstsüchtig, und den englischen König interessiert die Donau nicht. Außer auf uns selbst können wir uns auf niemanden verlassen“.

Čakovec und die Zrinski besuchte auch auf Befehl des Achmed-Pascha Melek der bekannte türkische Reiseschriftsteller Evlija Đebelija zu Anfang November 1660 anlässlich des Freikaufs des Kapetan von Bihač, Mustaj-Beg Hasumović, und das war für ihn Anlass zu einer Beschreibung von Čakovec und des Treibens in dieser Stadt auf seine typisch orientalische Art:

Denn als sich die Stadt zeigte, kam die ganze Bevölkerung heraus in einem Haufen wie wilde Schweine, angeblich zu unserer Begrüßung, aber tatsächlich, um uns die Masse der Streitkräfte und die Menge der Schönheiten der Stadt zu zeigen. Sie schlugen auf Trommeln und bliesen auf Trompeten. Als wir bei der Stadt eintrafen, zündeten sie eine Lunte für zweitausend Mörser, deren Knall in der ganzen Umgebung widerhallte. Nachher stiegen wir ab beim Palast nahe der Kirche des Bans Zrinski. Am nächsten Tag kamen etwa fünfhundert junge uniformierte Bedienstete, mit verschiedenen Pelzmützen aus Zobelfell, und luden mich Unwürdigen zum ‚König‘. Wir stiegen auf unsere Pferde, schnell wie der Wind, und dann stellten sich vor uns all unsere Begleitmannschaften in Reih’ und Glied,  alle sechshundert Krieger zusammen mit all unseren Bediensteten. Wir zogen Seite an Seite auf unseren Pferden durch die Stadt und sahen sie uns an.

Als wir, indem wir so daherzogen, beim Hof des Schlosses von Zrinski ankamen, kam der Ban aus seinem Saal zu Fuß heraus ins Freie, und auch ich Unwürdiger stieg frei herab vom Pferd, tauschte mit dem Ban die Küsse und begrüßte ihn. Nachher gingen wir in den Saal und setzten uns auf Stühle. In ihren Sälen haben sie keine Bodenbedeckung (Kelimteppiche), sondern die Böden waren bedeckt mit Mosaiken und herrlichem harten Marmor. Alle Angehörigen seines Staatsrates saßen auf ihren Stühlen. Ich Unwürdiger bewahrte meinen moslemischen Mut. Würdevoll trat ich auf und übergab der unreinen Hand des tapferen Ban den Brief und blieb stehen. Der Ban nahm den Brief, und nachdem er ihn geküsst und an die Stirn gehalten hatte, übergab er ihn dem Pelman, d.h. dem Dolmetscher, damit er ihn übersetze ...

Erscheinung und Charakter des Zrinski. - Er war gescheit, sachlich und intelligent.

Anblick und Lage der Stadt Čakovec. - Diese feste Stadt ist in fünfeckiger Form erbaut, errichtet nach Art der von unten unterstützten Uferbefestigungen. Gelegen war sie auf einem fruchtbaren Landstrich, das von Stechpalmen bewachsen war, vom Fluss Drau einen Tagesritt entfernt. Sie ist Gegenstand heftiger Eroberungsgelüste politischer Mächte. Im Innern der Stadt gibt es zehntausend schöne Häuser, die aus festem Material erbaut sind, und sie sind mit verschiedenfarbigen Dächern bedeckt. Besonders beeindruckend erschienen der herzogliche Hof und der Palast der sieben Kapetane. Alle Straßen waren weiträumig und gepflastert wie ein Schachbrett. Es gab zweitausend Geschäfte, und ich habe vierzig Klöster gezählt.

Die Plätze sind sehr geräumig und sauber. Von den Stadttoren führt eines nach Norden, das ist das Kanjiška-Tor (Sandschak-Tor), von wo die Straße zur Drau und nach Kečkivar führt, mit anderem Namen Novigrad, das auf der rechten Seite der Sava liegt, auf dem Gebiet von Kanjiška (dem Sandschak). Ein zweites Tor befindet sich auf der östlichen Seite, das ist das Moslavinska-Tor (das moslemische Tor), durch das wir (in die Stadt) gekommen sind...

                                                      

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   Beschreibung der Schlacht bei Otočac

        am 16.Oktober 1663

                                        (von einem unbekannten Zeitgenossen)

 

„Den Sommer 1663, am 15.Oktober, in der Klause von Drenovo, im Grenzgebiet der Primorje, nahm Ihre Exzellenz, der Herr Graf Petar Zrinski, wahr, dass Alibaša Čingić auf dem Wege war nach Brlog und weiter zum Grenzgebiet der Primorje, wobei er, wie gesagt wurde, an die 8.000 Mann mit sich führte, und daraufhin traf der Herr Zrinski mit seinem Grenzgebiet Vereinbarungen, und so zog er in jener Nacht zum Feld des Flusses Gačka, und nahe dem Ort Jurjeve stiene brachte er auf einem schönen Feld seine Truppen in Stellung, dass sie auf die Türken stoßen mussten.

 

Und von dort schickte er frische Fußsoldaten, ihrer 12, auf die Anhöhe, die Obacht zu geben hatten, wann die Hälfte der Türken im Feld gerade herunterkämen, dass sie ihnen dann mit den Musketen ein Zeichen gäben, damit der Herr die Türken mit den übrigen Rittern angreife. Und unterdessen ordnete der Herr Graf selbst schön die Kompanien, wie sie sich zu halten und wie sie sich zu schlagen hätten. Und der Herr befahl allen Reitern, dass sie auf keinen Fall auf Gewinn erpicht zu sein hätten, noch absitzen, sondern beim Glauben, bei Gott und dem Kaiser treu sich zu schlagen und  zu sterben hätten, wobei alle wüssten, dass auch er selbst umkommen könne; und daraufhin ermunterte der Herr die Ritter, dass es besser und ehrbarer sei, hier zu sterben. Und zuallererst entschied der Herr, dass Kapetan Andre Oberburgar mit seinem Vizekapetan Stipan Bogdanić  mit den Leuten aus Otočac auf die Türken schlage, mit ihnen dann aber auch der Porkulab Marko Mesić und der Wojwode Vičko Ukasović  mit den Leuten aus Senj und Brinj, dann Ivan Delinković, Vizekapetan der Husaren, und sein Fahnenträger Oršić  Baltazar mit seinen Husarenkompanien, dann aber seine Durchlaucht der Herr Graf Zriny Petar selbst mit den Arkebusieren und seinen Männern; deren Fahnenträger war der Arkebusier Janko Hranilović  und der Bochtmeister Miklouš Pokledić . Mit dem Herrn Grafen kam zum Kampf auch der Herr Marquez Ferenac Frankopan mit seinen Rittern und Husaren und mit dem Vizekapetan Ištvan Vojnović , die vor ihren Husaren mit dem Herrn Marquez und Kapetan Hranilović  gekommen waren, die Leute aus den Una-Niederungen. Vor ihnen war Graf Ernest Paradaiser, der Kapetan von Rukovica. Mit Paradaiser waren zum Kampf aufmarschiert alle Reiter aus der Kraijna des Gebiets Ogulin, deren Porkulab war Petar Puškarić  und der Woiwode Mikula Dokmanović. Mit allen diesen Reitern waren noch versammelt die Berittenen oder die Mozolski-Reiter. Zu Fuß aber waren dann die Musketiere, die Miliz der Geschäftsleute aus Karlovac und die Mazoli-Soldaten; das war alles entschieden - dass nach der einen und nach der anderen Seite es zu Reiterkämpfen käme - deren aller oberster Anführer war Kapetan Ferenac Fürst Oršić ; und den Kundschaftern aus der Primorje befahl Ihre Durchlaucht der Herr Graf, dass sie in der Mitte die Türken schlagen sollten, und deren Anführer war Andre Solaković. Und so waren es alle, die zum Kampf gingen, 1907 Mann und die übrigen blieben als Schutz und Reserve in der Klause von Drenovo zurück.

 

Und während der Herr so die Truppen aufgestellt hatte, standen wir auf diese Weise mit Ruhe auf dem Feld und warteten auf das Zeichen jener zwölf Helden, die auf die Anhöhe geschickt worden waren, und gerade wurde es Tag, das war der 16.Oktober 1663, als diese unsere Helden mit den Gewehren losschlugen und uns das Zeichen gaben, zu schießen.

 

Dann ging der Herr mit allen Kompanien auf die Türken los. Dort unterhalb von Jurjeve stiene zerstreuten wir die Türken, jagten sie, schlugen auf sie los, erschossen sie einer um den anderen und trieben die auseinander, die heruntergekommen waren. Und als diese verschwunden waren, marschierte der Herr Graf Zrinski herunter auf den Pascha zu, als dieser in Selce auf der Niederung bei Dundar zusammen mit viertausend Reitern wartete.

 

Und so schlug der Herr Zrinski allein als erstes mit den Arkebusieren und mit Janko Hranilović  auf jene gesamte Armee des Pascha ein, und bei ihm dann auch der Herr Marques Frankopan mit dem Kapetan Petar Hranilović  und dem Vizekapetan Vojvonić  und den übrigen Rittern. Und so zerschmetterte der Herr Graf dort den Pascha, trieb die Türken auseinander und brachte die Mehrheit der Türken um. Und es trieb sie der Herr selbst und die übrigen Ritter über Selce auf dem ganzen Feld Perušičko bis zur Stadt Turansko. Von dort befahl er den Rittern, dass sie ihn noch weiter treiben. Und sie trieben ihn und die Unseren zerfetzten die Türken bis zum türkischen Vorposten, bis zur Stadt Ternovac.

 

Und der Kampf dauerte vom Morgengrauen bis zwei Uhr nachmittags. Es blieb der Türke wie Garbenbündel, dass sie alle nahe beieinander als Tote gelegt zusammen vier Meilen in der Länge ergaben, auf soviel, dass selbst die Türken sahen, dass da von ihnen mehr als zwei Seen Tote waren. Und die Lebenden haben wir gefangen genommen, ohne die, die versteckt waren, 225. Welche ich alle selbst gezählt habe, indem ich selbst der Verteiler war; und an Pferden bekamen wir mehr als fünfhundert, unter denen waren viele schöne Herrenpferde mit beschlagenem Geschirr und schönem Zaumzeug und Sätteln. Und eine stattliche Zahl beschlagene Palasche und Säbel, soviel wir niemals gezählt, und was für einen Teil wir nie zuvor an Gewehren oder Säbeln bekommen hatten und nie übriggeblieben war. Einen großen Gewinn hatten wir gemacht, wie gar niemals, seit Karlovac gegründet worden war.

 

Als der Herr nach Karlovac kam, gab es große Fröhlichkeit und Schmauserei, und in der Kirche der Dreifaltigkeit dankte man zuallererst Gott; mit großen Gewehren schoss man um Karlovac herum, die Helden waren jeder fröhlich geblieben mit dem ausbezahlten Gewinn, und viele beschenkten sogar Ihre Durchlaucht.

 

Viele türkische Fahnen hatte man bekommen und unter ihnen wählte Ihre Durchlaucht der Herr Graf die 16 schönsten aus und nur selbige präsentierten sie in Wien seiner Heiligkeit dem Kaiser.

 

Von den unseren waren im Kampf nicht mehr als 16 umgekommen und vierzig verletzt, aber sie haben sie alle außer einem ausgeliefert ...“ 

 

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In der Erwartung, dass dieser Krieg die endgültige Abrechnung der Türken mit Mitteleuropa wäre, womit auch das Schicksal der Habsburgermonarchie verbunden gewesen wäre, rief Leopold I. den christlichen Westen zu Hilfe. Diesem Ruf für das deutsche Kaiserreich leistete besonders der französische König Ludwig XIV. Folge, indem er 6.000 Soldaten zu Hilfe schickte. Im Mai setzten die Türken den Krieg fort, und Anfang Juni umzingelten sie Novi Zrin, die Festung an der Mündung der Mur in die Drau, die Zrinski hatte erbauen lassen ohne Zustimmung des Wiener Hofes. Der oberste habsburgische Befehlshaber Montecuccoli entschied, Novi Zrin nicht zu verteidigen als einen „unnützen Platz“, und die Türken eroberten es, gegen den Willen der Kroaten und Ungarn am 30. desselben Monats und zerstörten es. Am selben Tag schrieb Nikola Zrinski dem Kriegsrat in Graz: Mit tiefer Trauer habe ich Euch, edle Herren, zu vermelden eine unerhörte Tat, für die es in der Geschichte kein Beispiel gibt. Heute morgen hat der Feind Novi Zrin eingenommen, dessen Fundament und Mauern unversehrt waren, vor den Augen unserer großen Armee, sozusagen mit nur einem Hieb des Säbels ... und Herr Montecuccoli hat zu seiner Verteidigung nicht einmal den Säbel gezogen.“ Wegen des solchermaßen gezeigten Verhaltens von Montecuccoli und wegen des Endes der Kampfhandlungen begab sich Nikola Zrinski auf den Weg zum König nach Wien, während sein Bruder Petar die Stellung in der Međimurje hielt. Und als der König unter dem Einfluss seiner Ratgeber zum Vorteil von Montecuccoli entschied, legte Zrinski als Zeichen des Protestes den Oberbefehl über die ihm anvertrauten Truppenteile nieder. In diesen Tagen, am 1. August, besiegte Montecuccoli mit ungefähr 65.000 Mann die Türken beim Übergang über den Fluss Raab nahe St.Gotthard (Szent-Gotthárd). Anstelle einer Verfolgung der Besiegten erschien der kaiserliche Gesandte Simon Reniger auf Anweisung des Vorsitzenden dieser Räte, Porcia, und ohne Wissen der Verbündeten in Vasvár (Eisenburg) vor dem Großwesir Achmed Köprülü und bot ihm den Frieden an, der am 10.August ausgehandelt und am folgenden Tag unterschrieben wurde. Nach diesem Friedensvertrag sollten die habsburgischen und türkischen Truppen das Fürstentum Erdelj (Siebenbürgen) verlassen, als Fürst sollte Michael Apafy eingesetzt , und nach dessen Tod ein neuer Fürst gewählt werden; die Türken sollten alle Gebiete, die sie zwischen 1660 und 1663 erobert hatten, behalten (Veliki Varadin [Großwardein] und Novi Zamke [Neuhäusl]). Auf ungarischer Seite sollte die Festung Sekeljhid (Sekelyhid) nahe Veliki Varadin geschleift werden und auf der kroatischen Seite war es den Kroaten nicht erlaubt, die zerstörte Festung Novi Zrin wiederaufzubauen. Zusätzlich sollte der Kaiser sogar innerhalb vier Monaten als Geschenk eine Geldanweisung von 200.000 Forint an den Sultan tätigen, und der Sultan sollte ihm dies zugute halten. Der Friede wurde für 20 Jahre vereinbart und sollte geheim bleiben, bis Leopold damit an die Öffentlichkeit treten würde. Mit der Übergabe des Vertrages durch Leopold an den Großwesir Köprülü am 27.September wurde  dieser Krieg beendet.

 

 

„Dem Deutschen trau – dass du’s weißt – wie
                    der Wintersonn´“
                           Auszug

Doch der Schwur muss dir gehalten werden,

des deutschen Kaisers, den euch man gegeben;

du weißt, dass nur Gott dich von ihm löset,

wenn er solch Undenkbarkeit verzeih´n kann.

 

Wenn du gar hoffst, Ban, auf deutsche Hilfe,

auf ihr zu bauen dein Glück der Zrinski:

dem Deuschen trau - dass du’s weißt - wie der Wintersonn´,

von ihr wird beschert dir das Dunkel des Todes.

 

Schon eher, nur das musst du besser verstehen,

würden gern sie dich unter der Erde sehen

als dir lebend zum Säbel folgen zu müssen:

so ist er, der Deutsche, so will recht er’ s dir machen.

 

Der ist schwach, der als freundlich den Deutschen verkennt erst

und den Ungarn als widrig und harten Gegner;

der Kroat‘, der wohl treu ist, doch viel Unrecht erlitten,

findt täglich und überall Beispiel für solches.

 

Glaubst du dem Deutschen, dass er dich versteht, Ban?

Du erwartest von ihm, dass Hilfe er sendet?

Mit denen du kämpfst, die will sehn er begraben,

bevor er, wie du hoffst, zur Hilfe bequemt sich.

 

Wo deutsche Freundlichkeit wär‘, konnt‘ nicht ich erkennen,

wie mit den Ungarn sie tückisch umzugehn wissen,

die Kapetane der Ungarn für nichts erachten;

von denen weiß ich tausend als wahrhaft zu nennen.

 

Doch auf dein Wort hin, dass der Deutsche herbeieilt,

und du weißt, dass er geht auf Beinen des Krebses?

Eure Seelen verlassen eher alle den toten Körper,

die Stadt Sziget sehn in ihrer Hand nie die Deutschen. 

 

                           Petar Zrinski

               Die Sirene des adriatischen Meeres,

                       Zagreb, 1957, 117-118

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Die kroatischen und ungarischen Würdenträger suchten ein Bündnis gegen den Wiener Hof und dachten dabei an Polen, Schweden, die Republik Venedig und an Frankreich. Über die kroatisch-ungarische Unzufriedenheit mit der Politik des Kaisers und Königs Leopold I. berichtete Pierre de Bonsy, der französische Gesandte in Venedig, seinem König Ludwig XIV. und beschwor ihn: „Euer Hochwohlgeboren möchten aus dieser Unzufriedenheit mehr Vorteil ziehen dahingehend, dass Österreich nicht mehr stören möge in den spanischen Angelegenheiten. Es wäre vonnöten, Leute zu finden, die es verstehen, die französischen Anweisungen genau auszuführen und ihre Interessen zu unterstützen.“ Dadurch zu weiteren Erkenntnissen angeregt, sandte Ludwig XIV. im Sommer 1664 eine Militärabteilung mit einer Stärke von 6.000 Mann zu Hilfe, um sich dem Wiener Hof als versöhnlich zu erweisen, nahm aber auch gleichzeitig Verbindung auf mit den Unzufriedenen. Als er von dem erfolgreichen Werdegang des Nikola Zrinski erfuhr, schickte er ihm über einem dem Nikola bekannten Vertrauensmann, dem Kaufmann Moro aus Venedig, eine Grußbotschaft und einen Geldbetrag, „damit er auch fürderhin den Dienst am Christentum versehe“.

 

Dieses Zeichen der Aufmerksamkeit erhielt Nikola Zrinski gerade vor der Belagerung der Stadt Kanizsa, bei der ihm die deutschen Einheiten nicht zu Hilfe kommen wollten. Von dieser Aufmerksamkeit war Zrinski überrascht, er bedankte sich und entschloss sich unter der Vorstellung, dass Ludwig XIV. auch von anderen Beweggründen motiviert war, mit ihm in engere Verbindung zu treten. Zu diesem Zweck schickte Petar Zrinski aus Graz am 12.Mai 1664 einen Brief an Ludwig, in dem er ihm zusammen mit seinem Bruder ein Geheimbündnis anbot. Auf dieses Angebot antwortete Ludwig am 25.Juli in allgemeiner Form: „Mit diesem Papier bin ich willens zu beweisen, dass ich Euch sehr dankbar bin und dass nichts von mir mehr geschätzt wird als die Dienste und die Heldentaten der Brüder Zrinski, die solche tapferen und berühmten Ritter sind; sie zeichnen sich jeden Tag aus durch die größte Liebe und die Opferbereitschaft zur Verteidigung des Christentums mit ihren Taten.“ Nikola kam nach der Schlacht bei St.Gotthard in näheren Kontakt mit Offizieren der französischen Hilfsstreitkräfte und bewirtete sie in seiner Residenz Čakovec. Damals erklärten die Franzosen, die viel des Lobes über Zrinski gehört hatten, ihm gegenüber: „Ihr hättet unser Führer sein sollen zum Sieg, denn gerade Euer Beispiel hat uns begeistert.“ Der Marquis Guiltry, einer der französischen Vornehmen, schlug vor, dass Kroaten und Ungarn als ihren Herrn Ludwig XIV. anerkennen sollten, dass der Statthalter des Königs Nikola Zrinski sein sollte und dass dann die Kroaten und Ungarn leicht ihre Gebiete von den Türken freikämpfen könnten.

 

Unter Anregung aller dieser Faktoren und Umstände, und auf jeden Fall in Übereinstimmung mit dem Bruder Nikola, schickte Petar Zrinski ungefähr Mitte September 1664 seine Gattin Katarina zum Gesandten Frankreichs in Venedig, Pierre de Bonsy. Zu diesen Gesprächen begleitete sie mit Rücksicht darauf, dass Katarina der französischen Sprache nicht mächtig war, als Dolmetscher ein französischer Mönch, der kroatischen Sprache mächtig. Katarina setzte de Bonsy darüber in Kenntnis, dass die Brüder Zrinski sich der Schutzherrschaft Ludwigs XIV. unterwerfen wollten, und wenn der König sie tatsächlich aufnehmen würde, dann würde sich unter den Kroaten und Ungarn der Aufstand gegen die Habsburger erheben. Damit die Verabredung zu einem Abschluss käme, boten die Brüder an, sich aus Gründen der Geheimhaltung mit einem königlichen Bevollmächtigten in Bakar zu treffen, oder ihren Vertrauensmann nach Venedig zu schicken. Sie waren willens, ihre Söhne als Geiseln nach Paris zu schicken unter dem Vorwand, dortige Studien zu betreiben. Die Verhandlungen der Zrinski mit Ludwig XIV., begonnen in Venedig, fanden nach der Abreise des Pierre de Bonsy nach Polen ihre Fortsetzung in Wien mit dem dortigen französischen Gesandten Jaques Brethel, Ritter von Gremonville.

 

 

 

 

Ana Katarina Zrinski spricht in Venedig mit dem Botschafter König Ludwigs XIV.im September 1664

 

 

 

Im Herbst 1664 nahm Nikola Zrinski in Čakovec Verbindung auf mit dem Erzbischof Ðure Lippay von Ostrog und mit dem Ödenburger Rechtsanwalt Stjepan Vitnyedy und mit anderen, die unzufrieden waren mit dem Frieden von Vasvár; diese alle stellten den Antrag, dass möglichst bald ein gemeinsamer Sabor in Požun (Bratislava) abgehalten werde, und dass die dort belassenen deutschen Militäreinheiten aus Ungarn abgezogen würden. Damit die Unzufriedenheit beschwichtigt würde, entschloss sich der Wiener Hof, für den 25.November in Wien eine Konferenz der bedeutenderen Fürsten aus Ungarn und Kroatien einzuberufen. In diesen Tagen trat auch Gremonville über den Fürsten von Erdelj Nikola Bethlen in Verbindung mit Nikola Zrinski. Ihre Begegnung sollte sich in Wien abspielen anlässlich der Konferenz der kroatischen und ungarischen Würdenträger. Diese Begegnung, zu der Zrinski von Čakovec am 20.November aufzubrechen gedachte, wurde zunichte gemacht durch seinen unerwarteten Tod.

 

 

 

 

Der Tod des Nikola Zrinski

 

Im November 1664 versammelte Nikola Zrinski eine Schar der Großen des Landes um sich in Čakovec, darunter war auch der kroatische Adlige Nikola Gusić, der Fürst aus Erdelj Nikola Bethlen, der ungarische Adlige Pavao Zichy und der Ödenburger Rechtsanwalt Stjepan Vitnyedy. Zur Unterhaltung sind die Herrschaften jeden Nachmittag zur Jagd ausgezogen. Am 18.November schlugen sie mit der Kutsche den Weg zum Wäldchen von Kuršanec ein, Was sich dort im Hain von Kuršanec abgespielt hat, das schilderte Nikola Bethlen und hat es uns als Zeugnis hinterlassen:Wir gingen auf die Jagd. Zrinski, der große Stiefel angezogen hatte, kam mit einem Gewehr in den Wald, spürte den Spuren der Bestien auf und erlegte ein großes Wildschwein, und dasselbe tat auch seine Dienerschaft, zu Fuß; für sie war die Jagd an diesem Tag damit beendet. Schon hatten wir uns bei der Kutsche getroffen, und als auch der Ban herbeikam, wollten wir nach Hause fahren. Es war schon bald Abend. Indessen wollte es das Schicksal, dass dort ein Jäger auftauchte mit Namen Stjepan Paka, der in kroatischer Sprache sagte: ‚Ich habe ein Wildschwein angeschossen und bin seiner Blutspur nachgegangen; wenn ihr hinterher kommt, könnt ihr es erlegen.‘ Als Zrinski das hörte und bemerkte, dass wir uns bereitmachten, sagte er zu uns: ‚Unterhaltet Euch nur mit den Herren, während ich sehe, was dieser Einfaltspinsel sagt – sofort bin ich zurück‘. Er schwang sich aufs Pferd mit dem Kurzgewehr in der Hand und prompt setzte er dem Paka nach; den Ban begleiteten noch zwei Höflinge, einer mit Namen Mailani, der andere sein Günstling Angelini, damals Rittmeister. Wir blieben bei der Kutsche zurück und sprachen miteinander. Plötzlich ritt hastig ein Begleiter des Ban herbei und sagte: ‚Schnell in die Kutsche, dorthin, dort ist der Ban‘. Wir rannten, so schnell wir konnten, in diese Richtung und ich lief damals zu Fuß ins Dickicht, wo ich den Ban dort liegen sah, und wie es uns schien, schlug der Puls der linken Hand schon sehr schwach, auch hatte er die Augen geschlossen und sprach kein Wort. Mailani erzählte dann, wie der Ban über die Blutspur im Wald zu Paka gekommen sei, und als sie die Pferde angebunden hätten, sei plötzlich ein Hilfeschrei zu hören gewesen, dies sei aber die Stimme des Paka gewesen. Mailani war zuerst eingetroffen und er sah, wie Paka sich auf einen Baum flüchtete, während Nikola Zrinski mit dem Gesicht nach unten auf der Erde lag, auf seinem Rücken ein Wildschwein. Mailani schoss daraufhin auf das Untier, das sich jedoch aus dem Staube machte. Jetzt trafen auch Gusić und Angelini ein, während der Ban aufstand und sagte: ‚Übel hat mir das Wildschwein mitgespielt, aber hier ist ein Hölzchen (das ich auch im Kampf bei mir in der Tasche getragen habe), damit werdet ihr die Blutung aus der Wunde zum Stehen bringen, das ist sehr gut.‘ Allein vergebens waren alle Versuche: das Blut strömte nur so heraus. Zuerst setzte sich der Ban, dann legte er sich hin, endlich musste er sterben, denn er hatte am Kopf drei Wunden: Eine Wunde ging oberhalb des linken Ohrs zum Schädelknochen, und der widerliche Zahn des Wildschweins hatte die Haut der halben Stirn zerrissen; die zweite Wunde führte vom Bereich unterhalb des linken Ohrs übers Gesicht zum Auge hin, und dieses wurde ebenso ekelhaft zerfleischt; aber das war noch garnichts: die dritte Wunde ging vom rechten Ohr unter die Halswirbelsäule und sie breitete sich aus nach vorn zur Kehle, wobei sie die Halssehnen zerrissen hatte. Diese Wunde hat den Ban umgebracht, denn aus ihr floss am meisten Blut. Darüber hinaus hatte er an der Hand eine Schramme ohne größere Bedeutung. Als der Ban seine Seele aushauchte, erhob sich im Wald ein entsetzliches Wimmern, wie von Kindern. Sie wollten, dass ich die Nachricht der Gattin des Ban überbringe, doch als ein neuer und unbekannter Mann nahm ich das nicht auf mich, und das sagte ich gerade dem Pavao Zichy. Daraufhin nahm ich den Leichnam und lagerte ihn in der Kutsche, nachdem ich die Sitze herausgenommen hatte, damit er sich ausstrecken könne. Ich war am Fenster, und auf der Fahrt bis nach Hause hielt ich seinen Kopf und seine Brust. Zu Hause wurde er gekleidet in einen samtenen Waffenrock, und dann ließen sie die Gattin des Bans zu ihm, die fast den Verstand verlor vor Gram. So kam Nikola Zrinski ums Leben. Verwunderlich ist, dass dieser Held nicht schoss und nicht zuschlug, obwohl er Gewehr und Säbel bei sich trug.“

 

 

Gemäß der Anweisung des Testaments des Nikola wurde sein Leichnam auf dem Katafalk einen Monat aufgebahrt, anschließend in einen Sarg aus Messing gelegt und am 21.Dezember beigesetzt in der Familiengruft der Zrinski im Paulinerkloster St.Jelena. Die Bestattungszeremonie leitete der Zagreber Bischof Petar Petretić. In der Abschiedsrede am Grab sprach der schöngeistige Paulinermönch Ivan Kery und nannte Zrinskiden Trost Ungarns, die Leuchte Slawoniens, das Augenlicht Kroatiens, die Stütze Dalmatiens, das Herz Europas, das Sinnbild des Staates, den Ruhm der Christenheit, den Schild des Kaisers, die Wonne des Papstes und den stärksten Schutz des Allgemeinwohls sowie das Beispiel jeglichen menschlichen Strebens.“ Für den Verstorbenen wurden feierliche Totenmessen abgehalten in Wien, München, Paris, Madrid und in Rom, und er wurde verherrlicht in aus diesem Anlass gedruckten Gedichten und in Bildwerken. Den Tod des Nikola Zrinski kommentierte der Historiker Šišić mit den Worten: „Der Tod des Nikola Zrinski war der erste, und man kann sagen, der schwerste Schlag gegen die kroatischen und ungarischen Unzufriedenen, denn alle Optionen wurden schon im Keim mit demjenigen genommen, der am ehesten alle Möglichkeiten in sich  vereinigte. Die Kroaten und Ungarn beklagten in ihm nicht nur den ritterlichen Ban und den ersten ihrer Soldaten, den ausgezeichneten Literaten und besonders den volkstümlichen Patrioten, eher noch hatten sie mit ihm einen Mann verloren, der in der Lage war, trotz gesellschaftlicher, weltanschaulicher und staatlicher Unterschiede wenigstens einen großen Teil Kroatiens um sich zu versammeln und im besonderen auch die (bis dahin) verfeindeten Magyaren. Mit seinem Tod endete der erste Akt der Tragödie der kroatisch-ungarischen Bewegung gegen Wien.  

 

Schon wurden die Zeitgenossen bestärkt in der Annahme, dass Zrinski hinterhältig umgebracht worden sei von seinem Diener auf Betreiben des Wiener Hofes. In Hinblick auf dieses Ereignis ist für uns ein Vermächtnis besonders interessant, das uns der Geheimsekretär der Brüder, der Fürsten Nikola und Petar Zrinski, hinterlassen hat, der Augustinervater Marko Forstall in seiner Schrift „Stemmatographia (Geschlechterforschung)“, in der er jenen Tag so zusammenfasste:...Zrinski machte sich auf von seiner Halbinsel (Međimurje) zur Wildschweinjagd, er trennte sich von seinen Genossen und den Begleitern, oder besser gesagt, er verließ sie mit Absicht, und er bezog Stellung in einem struppigen Dickicht, wo er auf irgendein Wildschwein zu stoßen gedachte. Mit einem Mal hörte man drei Gewehrschüsse knallen; die Diener eilten herbei; sie fanden ihren Herrn auf dem Boden liegend und er verlor viel Blut. Bald danach erhob er sich selbst ohne irgendwelche fremde Hilfe, so als ob er garnicht in Gefahr wäre; bald ermahnten ihn die Anwesenden, und er begann zu beten, und ernsthaft schlug er sich an die Brust, seine Seele dem Herrn und der Muttergottes empfehlend. Schnell verließen ihn die Kräfte; gegen halb vier Uhr hauchte er seine Seele aus. Man sagt, es habe keiner den Kampf mit dem Wildschwein und das, was sich im übrigen zugetragen habe, selbst gesehen. Aus den Wunden und Striemen ließ sich schließen, dass das Wildschwein, als er just seine Aufmerksamkeit auf die andere Seite richtete, wo sich seine Begleiter befanden und wo Hundegebell zu vernehmen war, unvermittelt von rückwärts herbeigestürmt sei, ihn zu Boden gerissen und ihm dabei den Hals zerrissen habe. Die Erfahreneren argwöhnten, dass eine Wunde im Gesicht von einem Gewehrschuss mochte beigefügt worden sein, so fein war sie, vielleicht verursacht von jemandem, der auf das Untier, als es gerade angriff, gezielt und dabei das getroffen habe, was am wenigsten sein Ziel war. Auch wenn es sich so zugetragen hat, so ging doch alles mit rechten Dingen zu, außer dass wir das Schicksal nicht kennen und an dieser Jagd Menschen verschiedener Volkszugehörigkeit teilgenommen haben.

 

Sein Leichnam wurde am 21. Dezember mit feierlichem Pomp in einer Begräbniszeremonie mit zahlreichen dem Feind abgerungenen Kriegsstandarten und anderen Beutestücken bestattet in einem Sarkophag aus Messing, in der Gruft seiner Väter in St.Jelena.

 

   Das ist das Ende des Priamos, das ist der Tod,

   den ihm das Schicksal bereitet hat ...

 

Kaum lässt sich vorstellen, welche Trauer sein Tod in den europäischen Ländern ausgelöst hat. Es hieß, dass mit gemeinsamen Tränen um einen zweiten Titus Vespasian geweint wurde, so als wenn nun alle Gestade verwaist sind, während die christliche Welt, die ihres beständigen Beschützers beraubt ist, in Klagen ausbricht ...

 

   Kroatien beweint den Vater der Heimat,

   die Steiermark ihren Verteidiger,

   Österreich seinen Wächter“.

 

Neueste Forschungen ungarischer Historiographen beweisen, dass die Witwe des Stjepan Paka nach dem Tod ihres Mannes finanzielle Zuwendungen vom Wiener Hof erhielt, was darauf hinweist, dass hier Hintergründe des Berichts über eine hinterhältige Ermordung Nikola Zrinski’s erforscht werden sollten.

 

 

 

Die Bewegung gegen den Wiener Hof besteht weiter

 

Die Bewegung gegen den kaiserlichen Absolutismus Wiens wurde fortgesetzt von Nikola’s Bruder Petar Zrinski von kroatischer Seite, und auf ungarischer Seite vom Erzbischof von Ostrog und Primas von Ungarn, Đuro Lippay, dem Palatin (Stellvertreter des ungarischen Königs, A.d.Ü) Franjo Wesselény, der schon zu Ende 1664 mit dem französischen Botschafter in Verbindung trat, ohne von den Brüdern Zrinski zu wissen, und vom obersten staatlichen Richter Ungarns Franjo Nádasdy. Lippay und Wesselény traten, ohne Kenntnis zu haben von den Verbindungen der Brüder Zrinski, und einer unabhängig vom anderen, am Ende des Jahres 1664 in Kontakt mit dem französischen Botschafter Gremonville in Wien. Anfang Januar kam Petar Zrinski in Wien an und setzte sich mit Gremonville in Verbindung, der ihn darauf hinwies, dass es unmöglich sei, den Plan auszuführen ohne Rücksicht auf die damaligen internationalen Gegebenheiten, und darauf, dass es nötig sei, abzuwarten, wer auf Petars Seite stünde; daraufhin bemühte er sich um Kontakte zu den Venezianern und zu den Rheinfürsten. Petar ersuchte um finanzielle Unterstützung von französischer Seite, um einen neuen Krieg gegen die Türken führen zu können.

 

 

 

Petar Zrinski wird kroatischer Ban

 

Während seines Aufenthaltes in Wien bemühte sich Petar darum, vom Wiener Hof die Würde des kroatischen Bans zu erlangen und auch die Ernennung zum obersten Befehlshaber der Militärgrenze Kroatiens, wobei ihn Gremonville und der venetianische Gesandte am Wiener Hof, Cornaro, unterstützten. Leopold ernannte wahrhaftig am 24. Januar 1665 Petar zum kroatischen Ban, legte sich aber noch nicht auf einen Tag der Einsetzung in dieses Amt fest. Im Dokument der Ernennung nannte Leopold Petar „den Schild der Christenheit und die Vogelscheuche für die Türken“. Überdies schmeichelte sogar der Vorsitzende des geheimen Rates, Fürst Porcia, Petar mit der Ankündigung, er wolle ihm, angesichts der türkischen Bedrohung, auch den Oberbefehl über die kroatische Militärgrenze anvertrauen. Petar teilte sich vertraulich dem venezianischen Botschafter in Wien folgendermaßen mit: „Ich weiß nicht, ob er damit nur will, dass ich mich ruhig verhalte, doch dieses ist sicher, dass die Kroaten und Ungarn sich niemals mit dem Frieden von Vasvár abfinden werden." Anfang Januar machte sich Petar auf den Weg nach Kroatien in der Absicht, die Türken zum Krieg herauszufordern. Inzwischen sah sich Kroatien der gefährlichen Bedrohung von 18.000 Türken ausgesetzt, die sich bei Radovica versammelt hatten mit dem Ziel, die Stadt Plaški anzugreifen, die Petar im März 1664 ausgebaut hatte. Als die Türken von Petars Vorbereitungen zur Verteidigung Kenntnis erlangten, zogen sie sich nach Bosnien zurück.

 

 

 

Die Verhandlungen mit den Franzosen werden fortgesetzt

 

Petar setzte die Verhandlungen mit Ludwig XIV. fort. Im Juni schickte er seine Gattin Katarina nach Wien. Sie suchte bei Gremonville die Verhandlungen schneller in Gang zu bringen. Obwohl Katarina gegenüber Gremonville die Bereitschaft Petars zur Unterwerfung unter Ludwig XIV. zum Ausdruck brachte mit einem Angebot, als Pfand der Treue den dreizehnjährigen Sohn Ivan als Geisel zu stellen, wies er sie nur auf die Notwendigkeit der Vorsicht hin und bat darum, abzuwarten; gleichzeitig erwirkte er für Petar eine jährliche finanzielle Zuwendung von 4.00 Talern, damit dieser nicht die Hoffnung auf die französische Unterstützung verliere. Im August stattete Petar selbst Gremonville in Wien einen Besuch ab. Der Tod des Erzbischofs Đuro Lippay am 3.Januar 1666 bedeutete für die Unzufriedenen aus Kroatien und Ungarn einen weiteren schweren Schlag. Nach der Rückkehr von der Hochzeit seiner Tochter Jelena mit Franjo Rákóczy am 1.März in Makovice, in Anwesenheit vieler prominenter Persönlichkeiten von Polen bis Spanien, nahm Petar in Stupničke Toplice Kontakt auf mit dem Palatin Franjo Wesselény; die Verschwörer wechselten bei Kontakten zur lateinischen Sprache mit Unterschriften und Petschaften (Siegeln), in denen sie sich verpflichteten, „im Sinne des Gesetzes und der Anliegen des Königreichs sowohl auch im Sinne der Bedingungen der königlichen Verschwörer“ sich zu bemühen, Gefahr abzuwenden „vom Königreich Ungarn, unserer geliebten Heimat, und von den ihm angeschlossenen Königreichen“ und sie schworen untereinander, dass „unter diesen traurigen Umständen im Königreich jeder den andern weder im Glück noch im Unglück im Stich lassen werde, sondern dass sie sich wechselseitig verteidigen werden bis zum letzten Blutstropfen“. Sie vereinbarten, dass sie sich unter den Schutz Ludwigs XIV. stellen würden. Der Palatin ermächtigte Petar Zrinski, den König Ludwig XIV. um eine Summe von 100.000 Forinten zu ersuchen als Unterstützung. Als Helfer teilte er ihm seinen vertrauenswürdigsten Mann, Ladislaus Fekete zu, und aus Gründen der Geheimhaltung einigten sie sich auf Decknamen:. Oswald (Wesselény) und Ferdinand (Zrinski).

 

Mit Rücksicht darauf, dass die Franzosen damals den Frieden mit der Habsburger Monarchie einhielten, äußerte sich Gremonville zu Zrinski und Fekete, als sie am 15. April in Wien eintrafen, dahingehend, dass Ludwig XIV. nichts für Kroaten und Magyaren ausrichten könne. Dem Petar riet er, nicht zuviel vom Palatin zu erwarten und ihm gegenüber nicht von seinen vorausgegangenen Verbindungen zu den Franzosen zu sprechen; er gestand ihnen keine finanzielle Unterstützung zu und ersuchte sie um eine Aufstellung der Pläne der Verschwörer. Dessenthalben kam auf Veranlassung Petars Stjepan Vitnyedy nach Wien und zeigte die Absichten und Forderungen der Verschwörer vor. In der zweiten Junihälfte des Jahres 1666 trat Franjo Nádasdy, der oberste staatliche Richter, an die Verschwörer heran, und er unterschrieb die Absichten der Verschwörer am 29.Juli zusammen mit dem Palatin Wesselény, der für die zweite Augusthälfte die Verschwörer zu einer Beratung in Murány einberief. Weil Petar Zrinski bei diesem Treffen nicht anwesend sein konnte, schrieb er am 15.August einen Brief an den Palatin, in dem er ihn zum wiederholten Mal zur Vorsicht ermahnte. In der Folge erklärte sich auf dieser Versammlung die Mehrheit der Verschworenen für die Aufnahme von Kontakten zu den Türken aus, und dies wurde untereinander durch Schwur bekräftigt; der Palatin verabredete am 27.August mit Nikola Bethlen und Ladislaus Fekete die Bedingungen, unter denen die Ungarn die Oberhoheit des Sultans anerkennen könnten; sie würden ihm 50.000 bis 100.000 Taler zahlen; auf der anderen Seite sollte er ihren Schutz übernehmen, er sollte sich auf keinen Fall in ihre inneren Angelegenheiten einmischen, und er sollte zulassen, dass sie frei einen König wählen könnten. Diesen Vertrag sollte endlich der Fürst von Erdelj (Siebenbürgen), Apafy, verabreden. Der Botschafter von Erdelj, Ladislaus Balló, ein guter Kenner der Verhältnisse an der Hohen Pforte, machte sich zum Erhalt finanzieller Unterstützung im November auf den Weg; er kam erst am 1.Dezember bei Sultan Mehmed IV. (1648-1682) in Drenopolje an.

 

 

 

Petar wendet sich abermals an die Franzosen

 

Gegen Ende 1665 ließ Petar Čakovec ausbauen und er suchte für seine Bewegung die wichtigen kroatischen Magnaten und auch die orthodoxen Walachen der Kraina auf seine Seite zu ziehen in der Hoffnung, dass er unter ihnen mit geringen Kosten einen Militärverband von 10.000 Soldaten auf die Beine stellen könne.

 

Um die Mitte des Monats August schrieb er darüber an Gremonville und ersuchte ihn um Geldmittel für diesen Zweck. Als ihm bekannt wurde, dass die Ungarn in Murany entgegen seinem Wunsch beschlossen hatten, den Sultan um Hilfe zu bitten, stürmte er im Zorn gegen Kanizsa als Zeichen der Vergeltung für die türkischen Verwüstungen auf dem Gebiet seiner Ländereien. Anfang September wandte sich Petar schriftlich an Ludwig XIV. mit der Bitte um Geld zur Unterhaltung der Streitmacht und für den Kauf von Gewehren, um 2.000 Soldaten einschließlich verschiedener Militärexperten, um Kanonen und um eine schriftliche Erklärung, dass Ludwig die kroatischen Privilegien, Freiheiten und die Verfassung respektieren würde. Des Weiteren ersuchte Petar für sich selbst um die Rückgewinnung aller Besitzungen, die einstens seinen Vorfahren gehörten, und um die Verwaltung der Krain (Slowenien) für sich und seine Erben. Wenn erforderlich, würde Zrinski mit seinen Streitkräften Ludwig XIV. zu Hilfe eilen, er würde ihm seine Besitzungen in der Primorje überlassen und seinen  einzigen Sohn als Geisel nach Paris senden. Um die Zeit, als Leopold in Wien seine Hochzeit feierte, im Dezember 1665, trafen sich die kroatischen und ungarischen Verschwörer und berieten sich mit Gremonville. Zuerst trafen sich nur Petar Zrinski und Franjo Nádasdy, und auf Vorschlag Petars stellte Wesselény aufs neue die Beziehungen zu Gremonville wieder her; er ersuchte ihn am 16.Dezember in einem gemeinsamen Brief, er möge Ludwig XIV. davon in Kenntnis setzen, dass Kroaten und Magyaren nicht länger warten könnten, und dass er ihnen mit wenigstens 60.000 bis 70.000 Talern unter die Arme greifen solle. Der Palatin übergab Gremonville einen Brief für Ludwig XIV., den auch Zrinski unterschrieben hatte, mit einem Treueschwur für den Fall eines Krieges. In Wien nahmen am 19.Dezember 1665 Wesselény, Nádasdy und Zrinski Verbindungen auf und verpflichteten sich durch Eid zur Treue, und in Požun tauschten sie sich aus, während sie den Palatin begleiteten, die Verschwörer Nádasdy und Zrinski, dann  Nádasdy und Maria Széchy.

 

Die Treffen und die Verbindungen der kroatischen und ungarischen Verschwörer setzten sich auch im folgenden Jahr fort. In der Schenke von Achau bei Laxenburg trafen sich am 14.Januar Zrinski, Nádasdy und Gremonville und auf Nachfrage des Botschafters, welches denn das Ziel ihrer Empörung sei, antworteten sie, das Ziel ihres Kampfes sei „die Wiederherstellung der mit Füßen getretenen Freiheit des Landes und die Zurückgewinnung der verlorengegangenen Festungen im Grenzbereich.“ Für dieses Werk allerdings würden Magyaren und Kroaten auch alleine stark genug sein, wenn irgendein auswärtiger Faktor zur gleichen Zeit die Aufmerksamkeit Leopolds auf sich ziehen könnte.

 

 

 

Die ungarischen Magnaten verhandeln mit der türkischen Hohen Pforte

 

Anläßlich eines Treffens wegen eines Gerichtstermins des Palatins in der zweiten Märzhälfte 1667 in Banska Bystrica entschieden sich die ungarischen Magnaten dafür, den Großwesir für eine Übereinkunft zwischen ihnen und den Türken zu gewinnen (Nádasdy hatte die Anwesenden nicht über die Unterhandlungen mit Gremonville in Kenntnis gesetzt). Ausgerechnet zu dieser Zeit, am 27.März, verstarb der Palatin, Franjo Wesselény, nach dem Tod des Nikola Zrinski und des Đuro Lippay der dritte unter den Häuptern des kroatisch-ungarischen Aufruhrs. Nádasdy deckte, um das Vertrauen des Wiener Hofs und die Würde des Palatins zu erhalten, dem Vorsitzenden des Hofrats Gonzaga und sogar dem Kaiser Leopold selbst die Unzufriedenheit der ungarischen Magnaten und die Verbindungen mit den Türken auf. Im Grunde genommen war Wien schon etwa Mitte 1666 vom Großwesir Köprülü darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie sich mit den Franzosen und Polen verbünden und den Vertrag von Vasvár unterlaufen wollten. Während er das ernsthafte Misstrauen Gremonville´s gegenüber Nádasdy nicht in Frage stellte, nahm Petar Zrinski am 29. Mai mit ihm zum wiederholten Male Verbindung auf in Pottendorf „mit Glauben und Buchstaben in den Angelegenheiten für die Freiheit der Heimat“, indem er ihn ermutigte, so zu leben und zu wirken, „dass den eigenen Kindern ein gutes Andenken von einem selbst bleiben möge.“ Mit Gremonville trafen sich Zrinski und Nádasdy in einem Wäldchen an der Preßburger Straße zwischen Hochau und Münckendorf am 13. Juni 1667. Auf diesem Treffen ersuchten sie darum, dass als Fürst von Erdelj Franjo Rákóczy ernannt werden möge, der Schwiegersohn Zrinski´s, damit für die Kroaten und Ungarn Freiheit und Verfassung unangetastet bleibe, und dass er ihm die Möglichkeit eröffne, 10.000 Reiter und 5.000 Fußsoldaten auszurüsten, und dass er zu den Ungarn und Kroaten mindestens 4.000 Franzosen mit Offizieren, Vermessungsingenieuren und Kanonen schicke und dass die französische Diplomatie auf die Türken einwirken möge im Sinne einer Schonung von Kroatien und Ungarn. Wegen des Krieges um Belgien mit dem spanischen König Karl II. ermächtigte Ludwig XIV. schon am 22. September 1667 Gremonville, mit Zrinski und Nádasdy einen Vertrag abzuschließen. In diesem Vertrag, so instruierte der König den Botschafter Gremonville, könne nur Geld versprochen werden, und in der Vereinbarung müsse alles ausgeklammert werden, was darüber hinausgehe.

 

Ende August 1667 fand Petar Zrinski einen neuen Verbündeten – den sechsunddreißigjährigen Erasmus Grafen von Tattenbach, einen steirischen Magnaten und Besitzer von Gütern in Schlesien und Deutschland

 

 

 

Missglückter Versuch der Kontaktaufnahme mit der türkischen Hohen Pforte

 

Der Versuch des Fürsten von Erdelj, Apafy, im Frühling 1667 für die Absicht der ungarischen und kroatischen Adligen, eine Loslösung vom absolutistischen Herrscherhaus der Habsburger zu erreichen, führte bei der Hohen Pforte nicht nur dazu, dass die Bemühungen erfolglos blieben, sondern auch dazu, dass der Dometscher beim Großwesir, Grk Atanasio Panajotti, am 24.Juni 1667 dem habsburgischen Gesandten, Giovanni Casanova, über ihn berichtete; und dieser erstattete Kaiser Leopold I. über ihn Bericht und empfahl ihm, dass er „gut aufpasse auf Magyaren und Kroaten“. Bald darauf, ganz und gar zufällig, ging Nádasdy in den Geheimen Rat just in dem Moment, als der Bericht Casanova´s verlesen wurde, und so waren die Unzufriedenen über diesen Verrat in Kenntnis gesetzt.

 

 

 

Auf der Suche nach Verbündeten; Vorbereitungen zum Aufstand

 

Petar Zrinski kam Ende Oktober 1667 in Pottendorf bei Nádasdy an, und am 1.November trafen sich Gremonville, Nádasdy und Zrinski im Wäldchen zwischen Hochau und Münckendorf. Auf diesem zweiten Treffen (das erste fand am 13.Juni statt), das den gesamten Nachmittag dauerte, erörterten sie den Vertrag zwischen Kroaten, Ungarn und Ludwig XIV. Die Beratungen über diesen Vertrag setzten sie am folgenden Tag in Pottendorf fort. Gremonville rief die Empörer zur Geduld auf für die Dauer von zwei Monaten und riet ihnen, zu den Türken keine Verbindungen aufzunehmen, und er sagte ihnen keine finanzielle Unterstützung zu. Am 10.November schickte er an König Ludwig XIV. nach Paris einen Bericht über diese Gespräche, indem er ihm gleichzeitig empfahl, keinen Vertrag abzuschließen, solange ein endgültiges Resultat der Unterhandlungen mit Kaiser Leopold I. über die spanische Erbfolge nicht abzusehen sei, noch den kroatisch-ungarischen Empörern mit Geld zu Hilfe zu kommen. Um die Dezembermitte machte sich Zrinski wiederum auf den Weg nach Nordungarn zur Aussöhnung der dortigen Katholiken und Protestanten. Ihm schwebte der Plan vor, die Gebiete Murány und Szendrö in der Grafschaft Boršody käuflich zu erwerben und damit auch die Möglickeit, die Stellung des Haupt-Kapetans von Oberungarn zu erlangen, welche ihm ermöglichen würde, die Jegarski-Türken gegen den Süden des Flusses Šaja zurückzudrängen; und er erhoffte sich, dass sich auch Polen, Erdelj, die Walachei und Moldavien einem Bündnis gegen die Türken anschließen würden. Damals beabsichtigte Zrinski, sich auch mit der profranzösischen Partei in Polen zu verbünden in gegenseitigem Interesse. Im neuen Jahr 1668 reiste Petar nach Sárospatak, wo er seinem Schwiegersohn Ferenc Rákóczy auf Eid ein wenig Mitteilung machte von der Bewegung gegen den kaiserlichen Absolutismus. Etwa Mitte Januar 1668 schloss er einen Vertrag in Murány über den Kauf von Murány und Szendrö ab und anschließend verhandelte er mit dem Krakauer Kanonikus Vojenski in Lupač über die wechselseitige Unterstützung der Bewegung mit der profranzösischen Partei in Polen. Danach bereiste Zrinski die nordungarischen Städte, wobei er sie von ihrer Einzigartigkeit zu überzeugen suchte und er sie ansprach auf ihre Bekanntschaft und ihre Verbindungen mit den deutschen Reichsfürsten, und er versicherte ihnen, dass sich ihnen im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung sogar die Steiermark, Kärnten und die Krain anschließen würden. Anfang Februar besuchte er auf der Rückkehr nach Kroatien in Wien den venetianischen Gesandten Alessandro Bernardi und suchte seine Absichten und Pläne in Erfahrung zu bringen. Ungeachtet dessen, dass ihm der venetianische Adel im Jahre 1667 die Besitzungen bestätigt hatte, die seine Ahnen, die Bribirski, seinerzeit schon im Jahre 1314 überschrieben bekommen hatten, erklärte Zrinski, dass er zum Kampf gegen die Türken bereitstehe, aber dass er Ausrüstung für seine Streitkräfte und Geldmittel benötige. Ihn interessierte die Einstellung Venedigs gegenüber seinen eigenen Vorhaben. Damals besuchte er mit Nádasdy auch Gremonville und mit Entschiedenheit ersuchte er um finanzielle Zuwendung von Seiten Ludwigs XIV. Gremonville rechtfertigte das Zögern Ludwigs mit den allgemeinen Bedingungen; Zrinski kam mit ihm überhaupt nicht zurecht, und er betonte, dass Kroaten und Magyaren nicht länger das deutsche Joch ertragen könnten. Gerade in diesen Tagen, am 19.Januar 1668, kam es unter dem Druck der öffentlichen Meinung zu einer Übereinkunft zwischen Ludwig XIV. und Leopold I. über die Teilung der spa-nischen Erbfolge und zu einer geheimen Absprache, die am 28.Februar unterschrieben wurde. Im Frühling 1668 berief sich Ludwig nach dem Tode des spanischen Königs Philip IV. auf die Erbrechte seiner Gattin, griff die spanischen Niederlande an und eroberte einige Gebiete. Ein Frieden wurde besiegelt in Aachen am 2. Mai 1668. Gremonville machte jetzt die kroatisch-ungarischen Empörer damit vertraut, dass sie al-lein auf sich gestellt handeln müssten, doch dass ihnen dereinst Ludwig XIV. Hilfe könne zuteil werden lassen. Auch die Vereinbarungen mit den Ungarn enthielten keinerlei Zusagen. Zum Misserfolg der Bewegung trugen ebenfalls die Unstimmigkeiten zwischen den ungarischen Adligen bei: die zwischen Nádasdy und der Witwe des Palatins, Maria Széchy, und die zwischen Nagy und Bory. Um sie zu beruhigen, reiste Zrinski Ende Juni nach Oberungarn. In Stubničke Toplice hielten Zrinski, Nádasdy, Nagy, Bory und die übrigen der nordungarischen „interesati“ ein Treffen ab, auf dem sie beschlossen, dass der Aufstand sich so schnell als möglich erheben solle. In Ausführung des Plans sollte der niedere Adel und die Leibeigenen einen Angriff gegen Mähren und Schlesien beginnen und damit den Hochadel zur Teilnahme am Kampf veranlassen, und auf jeden Fall sollte die Verbindung zu den Franzosen und den Polen aufrechterhalten bleiben. Damit Geldmittel herbeigeschaft würden, beschloss man, etwa 200.000 Forinten zu beschlagnahmen, die in diesen Tagen in Wien von der Münzprägestelle freigegeben würden. Auf der Heimreise besuchte Zrinski in Wien den venezianischen Gesandten, demgegenüber er sich beklagte „über die große Armut im Lande und dass viele kein Dach über dem Kopf haben, und dass die Not noch viel größer werden und mein König Leopold nicht irgendein Hilfsmittel finden wird“, und Gremonville vertraute ihm an, „dass nicht ein Monat vergehen wird, bis der Aufstand in Ungarn auflodert, und dann werden die Aufständischen vereint mit den Polen, vielleicht aber auch mit den Türken, in Mähren und Schlesien einbrechen.“ Während Petar diese Nachricht Gremonville´s nicht kommentierte, überredete dieser ihn, Ruhe zu bewahren, denn Ludwig XIV. könnte ihm andernfalls die jährliche finanzielle Zuwendung verweigern, und dass er auf keinen Fall mit seiner Unterstützung rechnen könne, „denn Ihre Majestät wünscht auf alle Fälle, in bester Freundschaft mit dem Kaiser zu leben.“

 

Die Uneinigkeit und der Streit unter den ungarischen Empörern kamen besonders zum Ausdruck zwischen dem Richter Nádasdy und Michael Bory, der sich, in der Absicht, Nádasdy zu schaden, am 11.August mit dem Grafen Rottal verabredete zu einem Treffen Mitte September auf dessen Landgut Holeševe in Mähren, um ihm Mitteilung zu machen von einem bestimmten geheimen Sachverhalt.

 

 

 

Die Versammlung von Szendrö

 

In der Zwischenzeit versammelten sich die ungarischen Empörer am 18.August in Szendrö. Auf dieser Zusammenkunft vertrat Ferenc Nagy den kroatischen Ban Petar Zrinski und den Reichsrichter Nádasdy. Bei der Beratung fand der Entschluss zum Losschlagen des Aufstandes, wie er in Stupničke Toplice gefasst worden war, keine Unterstützung; es wurde entschieden, dass der Fürst von Erdelj, Apafy, als Angehöriger der Bewegung der kroatischen und ungarischen Adligen gegen den Absolutismus anerkannt würde. Nagy erläuterte, dass Zrinski über 40.000 Soldaten verfüge und dass sich die Steiermark, Kärnten und die Krain Ungarn anschließen würden. Die Versammlung in Szendrö brachte auch die ersten größeren Unannehmlichkeiten für die Aufrührer. Einer von ihnen, Ladislav Feteke, ging, obwohl auch er die Geheimhaltung beschworen hatte, im September zu Erzbischof Szelepcsény von Požun und setzte ihn über alles in Kenntnis: über die Unterhandlungen Zrinskis und Gremonville´s, über die Verhandlungen Wesselény´s mit den Türken, über die Beschlüsse Zrinskis und Nádasdy´s in Stupničke Toplice zum Losschlagen des Aufstands, über die Kontakte mit den Polen und das übrige. Der Erzbischof machte sich mit Feteke auf zu König Leopold in Ebersdorf und klärte ihn über dies alles auf. Daraufhin wurde eine Untersuchung beschlossen, die dem ersten und obersten Minister, Večeslav Fürsten Lobkovic anvertraut wurde sowie dem Reichs-Hofrat Adolf Grafen Schwarzenberg, dem Vorsitzenden des Hofkriegsrates Raimund Grafen Montecuccoli und dem Erzbischof Szelepcsény. Obwohl strenge Maßnahmen gegen die Verschwörer befürwortet wurden, beschlossen die königlichen Räte in der Sitzung vom 30.September, da das aktuelle Problem nicht dringlich erschien, dass keine Gewaltmaßnahmen ergriffen werden sollten und dass diese Untersuchung auf diplomatischem Wege erfolgen sollte, dass Nádasdy in Kenntnis gesetzt würde von der Möglichkeit, das Amt des Palatins zu erwerben, der dann, wahrscheinlich, Einfluss nehmen würde auf die Verschwörer. Und Michael Bory verriet in Absprache mit der Witwe des Palatins Maria Széchy und mit Ferenc Nagy in Holeševe am 20.Oktober alles über die Vorbereitungen zum Aufstand, wobei er dies durch zahlreiche Dokumente untermauerte. Bory verabredete mit Rottal, mit Széchy und Nagy am 15.November nach Požun zu kommen und kündigte an, dass er vor dem Altar die Treue zum König beeiden werde. Bory, der schon in seiner Gesundheit beeinträchtigt war, erkrankte auf der Reise ernstlich und verstarb Anfang November in Bodnice (Bajinocze); er verließ „diese Welt ohne Belohnung für seinen Verrat“.

 

Als Zrinski auf dem Weg nach Polen Anfang September 1668 in Wien ankam, teilte ihm Gremonville – nach vier Jahren der Täuschung - mit, dass er, Zrinski, sich weiterhin keinerlei Hoffnung auf irgendeine Unterstützung von Seiten Ludwigs XIV. machen dürfe. Im Zusammenhang damit wird Šišić im Jahre 1908 das Fazit ziehen: „So endete die Komödie, die Gremonville ganze vier Jahre aufführte mit den ungarischen und kroatischen Verschwörern, zu seinem Vorteil, zu ihrem Verderben. Es muss betont werden, dass Petar zum großen Teil Opfer einer unaufrichtigen Politik war“.

 

Auf Anraten des Grafen Rottal, der in der Absicht, selbst das Palatinat zu erwerben, und im Werben um Kroaten und Magyaren eine milde und friedliche Art des Vorgehens gegenüber den Verschwörern befürwortete, sollte auf jeden Fall die Einberufung eines Sabors in die Tat umgesetzt werden. Indem der Hof sich seiner Meinung anschloss, berief er am 5.November 1668 in Zagreb, in der Kirche des Hl. Marco, Petar Zrinski in das Amt des Bans, und lud für den 6.Dezember alle kroatischen und ungarischen Reichswürdenträger nach Wien zur Ratssitzung über die Einberufung des Sabor, über die Wahl des Palatins und über weitere öffentliche Anliegen. Der Gedanke der Einberufung des Sabors wurde fallengelassen, nachdem sich Nádasdy widersetzte mit einer Erklärung von dreizehn nordungarischen Županien, dass sie nicht auf dem Sabor erscheinen würden, solange ihr Streit mit den Katholiken nicht beigelegt würde, ein Konflikt, in dem König Leopold nicht nachgeben wollte. Diskutiert wurde auch über die andauernden Plünderungen der Türken in Kroatien und Ungarn, doch im Zusammenhang damit kam es zu überhaupt keinem konkreten Ergebnis. Seine Unzufriedenheit mit dem Verlauf der Ratssitzung drückte Nádasdy aus in der Formulierung: „Österreich ist wie ein Palast, dessen Hallen - in Ungarn - an allen ihren Mauern Sprünge zeigen, doch statt dass sie diese ausbesserten, übertünchen sie just die Fugen, und so geht es jedesmal, wenn sich ein Riss zeigt, und so wird alles weitergehen, bis eines Tages der ganze Palast, d.h. Österreich, einstürzt“.

 

In der zweiten Dezemberhälfte des Jahres 1668 kam auf Ruf des Grafen Rottal Maria Széchy in Požun an, die alle Dokumente im Zusammenhang mit den Aktivitäten der kroatisch-ungarischen Verschwörer mit sich führte, und von hier brachte diese Unterlagen, nachdem die Witwe Széchy erkrankt war, Ferenc Nagy Anfang 1669 nach Wien und übergab sie Rottal: zwei Dossiers, die Nádasdy an Wesselény und Zrinski weitergegeben hatte, ein Exemplar über die geheimen Wiener Paktierungen, ein Geheimpapier der Verschwörer vom 9.März 1666, ein Brief Petar Zrinskis, in dem er den (damaligen) Palatin ermächtigte, einen Vertrag mit dem Fürsten Apafy von Erdelj abzuschließen, und andere Dokumente, die einen eindrucksvollen Überblick über die Beteiligung der kroatisch-ungarischen Verschwörer lieferten. Alle diese Dokumente wurden in die deutsche Sprache übersetzt, und Rottal übergab diese Übersetzung am 30.Dezember dem Geheimrat.

 

Auch wenn der Wiener Hof genügend Beweise besaß über die Absichten der kroatischen und ungarischen Empörer, kam es nicht zu ihrer Verfolgung, sondern zu einem friedlichen Umgang mit ihnen, um sie in Sicherheit zu wiegen. Es wurden sogar einige Dokumente der Empörer der Witwe Széchy zurückgegeben, um über das Wissen und die Aufdeckung ihrer Absichten hinwegzutäuschen.

 

Um die Glaubensstreitigkeiten im nördlichen Ungarn zu beschwichtigen und einige Führer im Raum Ungarn und Erdelj zu beruhigen, berief Leopold in einer Kundmachung vom 14.März den Sabor für dreizehn oberungarische Županien für den 28.April nach Prešov ein. Zu Beauftragten des Königs wurden Graf Rottal, Kanzler Ferenc Szegedy, der oberungarische Sub-Kapetan Siegmund Pethö und der Ban Petar Zrinski ernannt. Bei dieser Aktion der Besänftigung wies Rottal Zrinski eine besondere Rolle zu, auch wenn er Kenntnis hatte von allen Fäden zur Bildung eines Bündnisses gegen die kaiserliche Zentralmacht.

 

Indem Zrinski niemals den Gedanken an den Kampf gegen die Türken aus den Augen verlor, griff er zu Anfang 1669 eine größere türkische Militäreinheit an und machte in diesem Gefecht 400 Gegner nieder. Zu einem weiteren Besuch seinerseits auf türkischem Boden im Frühling 1669 kam es nicht - der Wiener Hof unterband es in Hinblick auf den mit den Türken abgeschlossenen Frieden.

 

 

 

Erneut Suche nach Kontakten zu den Franzosen

 

Um nicht bei der Verwirklichung der kroatisch-ungarischen Erwartungen auf die Unterstützung des Wiener Hofes angewiesen zu sein, versuchte Zrinski wiederum, die Kontakte zu den Franzosen zu erneuern, und unter diesem Gesichtspunkt wandte er sich an seinen Bekannten aus Venedig, den Bischof Pierre Bonsy, den französischen Gesandten in Warschau. Auf der Reise von Wien nach Prešov besuchte Zrinski die Witwe Maria Széchy in Lupač, und von dort reiste er weiter mit Ferenc Nagy nach Sárospatak zu seinem Schwiegersohn Ferenc Rákóczy. Dort ermächtigten Zrinski und Rákóczy den polnischen Adligen Kasimir Gichy, einem Vertrauten aus den Reihen der Führer der profranzösischen Partei in Polen, sie bei König Ludwig XIV. zu vertreten. Auf ihre Weisung hin sollte der Bevollmächtigte König Ludwig über die Verhältnisse und Erwartungen in Kroatien und Ungarn in Kenntnis setzen mit der Bitte, sie zu unterstützen, wenn nicht mit offener Militärmacht, so doch wenigstens mit einer Summe von 60.000 bis 70.000 Talern. Sie machten darauf aufmerksam, dass, wenn Frankreich dieses Mal nicht Unterstützung leiste und es einmal zum Konflikt zwischen Frankreich und Österreich käme, er dann nicht mit ihnen rechnen könne. Die Reisespesen von Gichy übernahmen Rákóczy und Zrinski. Unter dem Einfluss seines Schwiegervaters Petar Zrinski schloss Rákóczy am 26.April ein Übereinkommen mit den Protestanten in Sárospatak ab und gewann so für sich „20.000 Säbel“.

 

 

 

Petar strebt den Oberbefehl über die kroatischen Grenztruppen an

 

Als Petar vom Tod des Generals Vuk Auersperg, des obersten Militärbefehlshaber der Grenzstreitkräfte am 29.April 1669 erfuhr, gewann er von Prešov aus Lobkovic für sich zur Ernennung in dieses Amt. Und seine Gattin Katarina reiste nach Wien, um ihren Mann zu unterstützen. Indem der Hof über Petars verschwörerische Pläne in Kenntnis gesetzt war, überging er seinen Anspruch; er ernannte zum Befehlshaber der Grenzstreitkräfte Josef Graf Herberstein, bis dahin Befehlshaber der Grenztruppen in Varaždin.

 

 

 

Das Eingeständnis der Verschwörung

 

Er kehrte mit Rottal aus Prešov nach Wien in der zweiten Junihälfte 1669 zurück. Rottal, der sich Mühe gab, Nádasdy in den Kerker zu bringen, gelang es mit List, Petar Zrinski ein Eingeständnis der Teilnahme an der Verschwörung zu entlocken. In Wien erwirkte er für ihn einen Freispruch vom Vorwurf des Ungehorsams. Zrinski legte sogar vor Leopold den Treueid ab. Rottal versuchte wiederum, Petar in eine weitere Aktion gegen Nádasdy hineinzuziehen, doch seinen Absichten war kein Erfolg beschieden.

 

 

 

Annäherung an den polnischen König Michael Wisniowecki

 

Die Kenntnis von der Wahl Michael Wisnioweckis zum polnischen König am 19.Juni - Polen war in jedem Krieg ein wichtiger Faktor - beeinflusste Zrinski dahingehend, dass er den gerade vor Leopold I. abgelegten Eid vergaß. Er bemühte sich, eine Annäherung zwischen dem Wiener Hof und dem neugewählten polnischen König zu vereiteln und gleichzeitig hoffte er, dass Michael Wisniowecki auch kroatisch-ungarischer König werden könnte. Eine Denkschrift Petars für König Wisniowecki, mit der er eine Heirat des Königs mit der Schwester Leopolds, der Erzherzogin Eleonore, zu verhindern suchte und in der er ihn zu einem Bündnis Polens mit Ungarn und Kroatien riet, aber auch mit Russland, diese Denkschrift übersetzte sein Schwager Franjo Krsto Frankopan in die italienische Sprache. Damals setzte er Frankopan, zu dem er bis dato wegen alter familiärer Zwistigkeiten nicht eben die allerbesten Beziehungen unterhielt, über die Bewegung in Kenntnis.

 

 

 

Enttäuschung von der französischen Politik

 

In Wien erhielt Petar einen Brief Ludwigs XIV., geschrieben am 7.Juli, die Antwort auf seinen und Rákóczy´s Brief vom 25.April. In diesem Brief teilte er ihm mit, dass er zu Leopold I. in einem guten Verhältnis zu stehen wünsche und riet ihm, sich seinem gesetzlichen Herrscher gegenüber loyal zu verhalten. Dieser Brief machte auf Zrinski einen sehr unangenehmen Eindruck in der Weise, dass ihm aus Angst wiederum der Gedanke einer Annäherung an den Wiener Hof kam; jedoch eine Erklärung Petars vom 23.Juli zu den Beratungen im Zusammenhang mit dem venetianisch-türkischen Konflikt im Kandischen (Kretischen) Krieg (1645-1669) kompromittierte ihn schwer. Indem er über die französische Truppeneinheit sprach, die in dieser kriegerischen Auseinandersetzung den Venetianern zur Verteidigung Kretas zu Hilfe kommen sollte, behauptete Petar: „Wenn diese Truppeneinheit, anstatt unmittelbar in Kreta an Land zu gehen, die Türken an der Flanke angreifen würde, von St.Mauro oder aus Dalmatien, könnte sie eine wirkungsvolle Sabotage ausrichten, weil sie mit wenigen finanziellen Mitteln leicht das gesamte Kroatentum an sich ziehen könnte, dessen gesetzlicher König, den es zu seiner Verteidigung gewählt hatte, es weder verteidigt noch ihm mit Geldmitteln aushilft. Von daher würden sich alle den Franzosen freudig anschließen, besonders im Kampf gegen die Türken; sogar ich würde mich ihnen - auch alleine - anschließen“.

 

 

 

Neue Verschärfung im Verhältnis zum Wiener Hof

 

Als der Hof ihn nicht zum obersten Befehlshaber Oberungarns ernennen wollte, erklärte Zrinski, dass einen der Hof nur dann benötige, wenn es sich um Pflichterfüllung und um reichliche Auslagen handele, doch wenn es dabei um gute und einträgliche Posten ginge, würde der Hof dafür wertlose und untaugliche Männer ernennen. Und als der Hof Anfang Juli 1669 eine bereits zugesagte Entschädigung nicht auf sein Begehren überwies, sondern den Betrag mit seinem Namen auf die zukünftige Rechnung setzte, rastete Petar aus. Zu Nagy sagte er: „Ich weiß nicht, ob mich der Hof für ein Kind oder einen Einfaltspinsel hält“, und die Hofdamen  König Leopolds brüllte er im Vorzimmer an: „Ihr werdet mich schon noch fürchten lernen!“. Danach reiste Petar nach Kroatien ab; Katarina versuchte den schlechten Eindruck, den ihr Mann am Wiener Hof hinterlassen hatte, abzumildern. Zum Teil gelang ihr das auch. Von Wien reiste sie ab nach Oberungarn zur Witwe Maria Széchy und zu ihrem Schwiegersohn Rákóczy, und von hier aus beabsichtigte sie, sich nach Krakau zu begeben zur Krönung König Michael Wisniowecki‘s, die für den 29.September 1669 vorgesehen war. Indem die Umstände nicht günstig waren, herrschte unter den Aufrührern in Ungarn Zwist: Man zweifelte an Nagy und Széchy, und die Nachrichten verdichteten sich über eine Heirat König Michaels mit der Wiener Erzherzogin. Katarina verlängerte die Zeit, die sie bei ihrer Tochter Jelena und ihrem Schwiegersohn Rákóczy verbrachte, und sie traf sich hier mit den wichtigsten der ungarischen Verschwörer.

 

 

 

Die ungarischen Magnaten verhandeln zum dritten Mal mit der Pforte

 

Im Juni ersuchten die ungarischen Magnaten wiederum den Fürsten Apafy von Erdelj, er solle noch einmal versuchen, mit der Pforte in Unterhandlungen zu treten, und dieser schickte im Oktober 1669 zum dritten Mal einen Abgesandten, der der türkischen Sprache mächtig war, in die Türkei mit 4.000 Talern als Geschenk. Als der türkische Würdenträger Kara Ibrahim aus Jegara von dieser Mission Kenntnis erhielt, berichtete er den ungarischen Verschwörern, dass der Großwesir mit deutschem Gold bestochen werde, und dass sie nicht mit Hilfe Apafy´s, den die Türken verachteten, Verbindung aufnehmen sollten, sondern mit Hilfe Petar Zrinski´s, der sich bei den Türken einiger Wertschätzung erfreute. Dieses Wissen überraschte die ungarischen Verschwörer, wo sie doch wussten, dass Zrinski großer Gegner eines Bündnisses mit den Türken war und seine Hoffnungen allein auf Franzosen und Polen richtete. Auf ihre Anregung hin schrieb Nagy an Petar Zrinski: „Was sucht Ihr in Polen, dort werdet Ihr entweder überhaupt nichts erreichen, oder nur sehr schwer, während viele dafürhalten, dass man dasselbe bei der Pforte versuchen sollte, wo viel mehr Aussichten dafür bestehen“. Und Katarina, die sich noch immer in Ungarn bei ihrer Tochter Jelena aufhielt, schrieb in diesen Tagen an Petar in gleichem Sinne.

 

 

 

Unterhandlungen mit der türkischen Hohen Pforte

 

Petar trat im Frühling 1669 in Kontakt mit den Türken. Solange er sich in Oberungarn und in Wien aufhielt, schickte ihm der Pascha von Bosnien dreimal Gesandte, und ein weiteres, viertes Mal im Oktober 1669, gerade als Zrinski wütend aus Wien zurückkehrte. Indem damals der Kandische Krieg (um Kreta) zuende ging und erwartet werden musste, dass die Türken ihn angreifen würden, und als er sah, dass von Franzosen und Polen nichts zu erwarten war, schickte Zrinski Kapetan Bukovački, einen Adligen aus Turopolje, und, auf dessen Anraten, zwei weitere Adlige aus Turopolje und zwei ihrer Kapetane, Franjo Pogledić und Franjo Berislavić, im November 1669 in die Türkei. Er schrieb sogar dem bosnischen Pascha, dass er willens sei, sich dem Sultan zu unterwerfen, wobei er gleichzeitig darum bat, ihm unter diesem Gesichtspunkt eine finanzielle Anerkennung zu vermitteln und ihm ein Visum für seinen Gesandten zu schicken. Bukovački machte sich, mit Vollmacht und Siegelring Zrinski`s ausgestattet, mit einigen Begleitern und sieben Pferden am 12.November 1669 auf den Weg; zu Dreikönig (6.Januar) 1670 sollte er zurückgekehrt sein. Über diese Mission des Bukovački und der anderen waren auch die Grenzkapetane Juraj Malenić und Gašpar Čolnić in Kenntnis gesetzt. Außerdem wurde in der Öffentlichkeit das Gerücht verbreitet, Bukovački mache sich auf den Weg nach Oberungarn. Bukovački reiste aus Bosnien ab mit noch einem Begleiter sowie einem Rittmeister des bosnischen Pascha´s in Richtung Saloniki. Sein Gesinde ließ er in Sarajevo zurück, sich selbst stellte er als venezianischen Kaufmann vor. Später gaben sie sich vor einigen Christenleuten beim Wein als Leute des Zrinski zu erkennen. Gleichwohl enthüllten sie den Zweck ihrer Mission nicht.

 

 

 

Der Stand der Bewegung in Ungarn

 

Zur gleichen Zeit durchlebte Nádasdy eine seelische Krise, und um sich gegenüber dem Hof in Wien abzusichern, übergab er einige Originalunterlagen an Lobkovic über den Zusammenschluss der Unzufriedenen. Als im Geheimrat beschlossen wurde, gegenüber Nádasdy versöhnlich aufzutreten, empfing ihn Lobkovic und versicherte ihm, dass sich ihm gegenüber König Leopold gnädig zeigen werde, wenn er in Zukunft Wohlverhalten an den Tag lege.

 

Durch Vermittlung Rákóczy’s wurde die Verbindung Petar Zrinski’s zu den oberungarischen Unzufriedenen, denen sich auch die Ungarn an der österreichischen Grenze anschlossen, wiederhergestellt, wobei am 28.November 1669 in Kremnica eine Versammlung abgehalten wurde, auf der man eine Gedenkschrift für den Kaiser abfasste. Die Abordnung, die diese Gedenkschrift dem Kaiser überbrachte, sollte am 28.Januar 1670 auf einer Zusammenkunft in Brezno Bericht erstatten über ihre Mission. Eine Versammlung der oberungarischen Županien (Grafschaften) verabredete man für den 24. Januar in Košice. Der Kaiser, der diese Entwicklung fürchtete, verbot beide Versammlungen. Eine gemeinsame Zusammenkunft wurde dennoch in Brezno abgehalten am  28.Januar, doch ohne bemerkenswertere Beschlüsse. Um die dortigen Verhältnisse zu beruhigen, berief der Hof eine Versammlung der ungarischen Županien für den 16. März nach Banska Bystrica ein. Auch diese Zusammenkunft ging am 28.März ohne irgendwelche Ergebnisse auseinander. Von der Stimmung gegenüber dem Wiener Hof legt das Wort eines protestantischen Pastors von der Kanzel Zeugnis ab: „Der Name Gottes sei gepriesen, dass Kandia in türkische Hände gefallen ist; möge der Herr auch fürderhin den Türken Sieg zuteil werden lassen; jetzt ist die entscheidende Stunde zur Befreiung Ungarns; auf den Frühling wird der Türke kommen und die Ketten der Sklaverei sprengen, er wird Freiheit, Frieden und Ordnung der fremden Heimat zurückgeben!

 

 

 

 

Bukovački in Verhandlungen mit der türkischen Regierung

 

Bukovački kam am 16.Dezember 1669 in Saloniki an, wo sich gerade der Sultan mit der türkischen Regierung aufhielt. Diesem unterbreitete er ziemlich kühn am Heiligen Abend (24.Dezember) im Namen Petar Zrinski’s folgendes Angebot:

 

1)Ungarn und Kroatien kommen unter die Schutzherrschaft des Sultans und entrichten einen jährlichen Tribut von 12.000 Talern, dessen Betrag niemals erhöht werden dürfe; im Namen des Sultans werde Petar Zrinski Ungarn und Kroatien regieren sowie seine Nachfolger. Für den Fall des Aussterbens seines Geschlechts würden Ungarn und Kroatien sich selbst eine neue Dynastie wählen, die der Sultan zu bestätigen habe.

2)Der Sultan habe Ungarn und Kroatien alte Freiheit und Verfassung zuzugestehen.

3)Der Pascha von Buda werde Zrinski mit 30.000 Mann Unterstützung geben, auch wenn er die gesamte türkische Armee benötige.

4)Die Städte, die die türkische Armee von den Deutschen erhalten, würden die Türken den Magyaren und Kroaten übergeben.

5)Der Posten Apafy’s würde besetzt werden mit dem Fürsten von Erdelj, Franjo Rákóczy, dem Schwiegersohn Zrinski’s.

 

Überrascht von diesem Angebot, war die Elite der Türken unentschlossen und voller Zweifel. Sie dachte, es handele sich um eine Falle oder doch um eine augenblickliche Laune Zrinski’s; einige rieten zur Vorsicht, andere dazu, dass eine solche Gelegenheit, soweit es sich um die Möglichkeit einer Erweiterung des Staatsgebietes handele, nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Diese Unentschlossenheit innerhalb der Führung beeinflusste auch den Sultan selbst, und er schickte Bukovački nach Kandia (Kreta, A.d.Ü) zum Großwesir. Im Hinblick darauf, dass man in Saloniki mit Bukovački freundlich umging, schickte er für Zrinski folgenden Brief auf den Weg:

 

Überaus gnädiger Herr! Ich vermelde Eurer Eminenz, dass ich heil und gesund bei diesem Hof angekommen bin, wo sie mich mit ausgesuchter Ehrerbietung und  Freundlichkeit aufgenommen haben. Als ich jedoch von ersten türkischen Würdenträgern in Erfahrung gebracht habe, dass man mit der gesamten türkischen Macht Eure Familie und unser gesamtes Volk zu vernichten beabsichtigt, hielt ich es für klug, dass wir unser Fortbestehen beizeiten absichern, und ich habe auch so gute Bedingungen für die Verherrlichung Eures erhabenen Hauses und zum Wohl der Heimat bekommen, dass ich es vor Freude nicht ausdrücken kann. Jetzt soll ich auf Vorschlag des Sultans nach Kandia zum Großwesir, und von dort werde ich zu Euch zurückkehren, dass ich alles endgültig festlege. Bis dahin möge Eure Eminenz frohen Sinnes sein, und ich werde in Kürze in der Heimat sein, sobald ich meinen Auftrag abgewickelt habe.“

 

Über alles dieses informierte der Dolmetscher Janiki Panajotti den kaiserlichen  Botschafter bei der Pforte, Casanova, noch am Abend desselben Tages, und Casanova erstattete sofort Bericht an den Wiener Hof.

 

Wegen starker Unwetter schiffte sich Bukovački erst Mitte Januar nach Kreta ein und unterbreitete das Angebot dem Großwesir, welcher mit der Antwort zögerte voller Zweifel an Zrinski, wobei ihm die Erschöpfung der türkischen Truppen während des langdauernden Krieges um Kreta im Sinn lag sowie die Möglichkeit eines Bündnisses der christlichen Staaten gegen die Türkei, falls es zu einem Krieg mit Österreich kommen sollte.

 

Der Großwesir schlug der Pforte vor, dass man von Zrinski Bürgschaften verlangen sollte – die Übergabe seines Sohnes als Geisel oder die Übergabe irgendeiner Stadt, wobei er die Möglichkeit eines Erfolges als Ergebnis seiner Überlegungen darlegte; dass der bosnische Pascha sowie jener von Kanizsa Zrinski von baldiger Hilfe überzeugen sollten und dass der Sultan selbst an Zrinski einen liebenswürdigen Brief schreibe und ihn bezeichne als „obersten Heerführer der christlichen Einheiten“, dass er ihn auszeichne mit militärischen Ehren, nach welchen immer es ihn gelüste, und dass er die baldige Errichtung von Brücken über Donau, Save und Drau ankündige zum Übersetzen von türkischen Truppen im Bedarfsfall. Indessen empfing der Großwesir Bukovački garnicht; zu Anfang Februar kehrte dieser nach Saloniki zurück, und von dort machte sich Bukovački am 17.Februar auf den Weg nach Kroatien ohne Antwort für Zrinski; diese sollte er über den bosnischen Pascha erhalten.

 

 

 

Wien ist unterrichtet über die Verhandlungen mit der Pforte

 

Indem der Wiener Gesandte an der Pforte, Casanova, über alles unterrichtet war, informierte er unverzüglich seine Regierung über den Misserfolg der Mission Bukovački’s und riet, es wäre das Beste, dass man sich Zrinski’s für alle Zeiten entledige, denn es bestünde die Möglichkeit, dass er mit seinem Vorsatz beim nächsten Mal Erfolg haben könne. Die Nachricht über die Verhandlungen Zrinski’s mit den Türken überbrachte ein kaiserlicher Bote am 15.Januar 1670 von Bátaszék aus nach Wien. In diesen Tagen entfloh aus türkischer Sklaverei ein deutscher Soldat, der in Zrin (unter türkischer Herrschaft) Bukovački gesehen hatte; er informierte darüber den Kapetan von Petrinja, Nikola Grafen Erdödy, im übrigen ein entschiedener Feind Zrinski’s und Bukovački’s, und dieser benachrichtigte den Kapetan von Koprivnica und Befehlshaber der Grenztruppen in Slawonien, Ferdinand Ernest Grafen Breiner. Breiner setzte davon den innerösterreichischen Kriegsrat in Graz in Kenntnis mit der Bemerkung:... dass Bukovački sich nicht mit guten Absichten in Zrin aufhalten könne, sondern dass man sich darum Sorgen machen soll, dass daraus nicht große Not entsteht, wenn man es nicht schon beizeiten verhindert“. Es verbreitete sich die Nachricht von einer baldigen Ankunft der Türken in Kroatien, und diese Nachricht löste Angst unter den Grenzoffizieren aus. So meldete der Befehlshaber der Grenztruppen, Herberstein, aus Karlovac nach Wien, dass der Sultan selbst im Frühling mit 200.000 Mann Karlovac angreifen werde; man erzählte sich, der Großwesir bereite sich auf eine Reise nach Belgrad vor und die Türken träfen Vorbereitungen für die Armee und organisierten sich zu kleineren Einheiten. In dieser Zeit begann man damit, Zrinski zu observieren: Herberstein befahl etwa Mitte Februar, besonders auf die Aktivitäten Zrinski’s und Frankopans zu achten. Unter diesen Umständen befand sich auch Zrinski in einer Situation der Unentschlossenheit. Als er von den türkischen Kriegsvorbereitungen hörte, dachte er an die Möglichkeit, seine Grundidee zu verwirklichen – die Monarchie auf den Weg zu bringen gegen den türkischen Eroberer. Darüber schrieb er am 16.Februar an Lobkovic und auch an andere.

 

 

 

Vorbereitungen zum Aufstand

 

Um den 7.März kam Bukovački in Zrin an beim dortigen Befehlshaber, Zrinulić Bei, seinem Freund. Vor Bukovački war ein Aga von Saloniki nach Banja Luka aufgebrochen, der den bosnischen Pascha darüber informierte, wie man sich gegenüber Bukovački verhalten solle. Im Gegensatz dazu war Bukovački überzeugt, dass mit den Türken alles im Reinen sei und dass sie im Frühling den Kroaten zu Hilfe kommen würden. Die Gerüchte, dass an der Grenze schon 22.000 Türken sowie 22.000 Tataren bereitstünden, einen Besuch abzustatten, unterstützten ihn nur noch in seiner Überzeugung. Bukovački benachrichtigte den Ban, dass der Sultan in Kürze ein feierliches Hatišerif, ihn betreffend, erlassen werde und dass er um den Sohn Petars als Geisel für zwei Jahre ersuche. Und weitere Anweisungen, die ihm Bukovački zusandte, sowie ein besonders höflicher Brief und schmeichelhafte Titel des bosnischen Pascha: „Dem Petar Zrinski ,Fürsten Kroatiens, Ungarns, von Erdelj und Moldawien, und dem obersten Befehlshaber der gesamten ottomanischen Streitkräfte“ bewirkten, dass Zrinski und Frankopan Schritte zu weiteren Unternehmungen einleiteten, die für die Entwicklung der Bewegung entscheidend waren.

 

 

 

Die Entschlossenheit Frankopans

 

Über die Unternehmungen und die Anteilnahme Frankopans gibt ein Brief vom 9. März 1670 aus Novigrad nahe Karlovac Zeugnis, geschrieben an den Kapetan Čolnić in Sredično in der Pokuplje (Flussgebiet der Kupa):

 

„Dem  edelmütigen und geschätzten Kapetan Čolnić, dass es in seine lieben und  ritterlichen Hände übergeben werde, zu Sredičko.

Schöne und liebe Grüße meinem Kapetan Fürsten Čolnić! Dank sei dem Herren Gott, dass unsere Leute in guter Verfassung angekommen sind. Vordem war ich auf die Nachricht unseres Anführers eingestellt, dass ich mich so darauf zu bewege, dass wir den Willen zum Aufstand haben; dafür würde ich mich zu Tage und zur Nacht bemühen, dass wir zuerst damit den Anfang machen. Ich bin zu allem bereit zusammen mit den Meinen, und nur mit Mühe warte ich darauf, dass wir unsere Mützen mit türkischen Turbanen vertauschen, und, so Gott will, die Flügel durch die Lüfte schwirren. In diesen Gegenden weiß man von der Hurtigkeit Bukovački´s, und vor Angst wissen sie nicht, wo sie stehen werden. Diese Nacht bringen sie zu Karlovac einen Kurier auf den Weg nach Gradac, denn sie brauchen Regimenter zu Hilfe; aber woher nehmen wenn nicht stehlen; damit gehen wir ihnen an den Hals. Mir graut: aber ich darf nicht schwach werden, und heute will ich an Karlovac vorbeigehen, nur zehn in meiner Begleitung; ich habe 300 gute Bewaffnete, mit denen fürchte ich nicht den Froschfänger von Karlovac; nämlich wertvolle Leute, mit denen ich nicht nur Spaß treiben will; jedoch Krämer und irgendwelche Ziffern werden nicht Bestand haben noch sich zeigen können. Dieses Mal wollen wir ausharren, wie und zu welcher Gelegenheit wir auch anzugreifen haben, und wenn es nötig wäre, will ich allein zum bosnischen Pascha gehen zu einer besseren Unterredung und zur Versicherung, dass wir in unserem Beginnen auch ausharren. Ich hoffe auf Gott, dass es für uns gut ausgehen wird; und zugleich, dass wir auf die Weise unserem Gegner aufs Haupt schlagen und ihm keinen Augenblick gewähren werden, sich aufs Plündern zu verlegen. Wenn der Anführer auf mich hören wollte, auf meinen Glauben, wäre das gut, und ich will auf mich alle Lasten nehmen, denn ich weiß, wie und auf welche Weise es nötig wäre, mit den Deutschen umzugehen. Ich wäre von Herzen bereit, mich mit dem Kapetan zu treffen, aber, im Falle eines solchen Treffens, wäre es gut, dass er sich anders orientierte. Ich zweifle nicht, dass Eure Liebenswürdigkeit reichlich gesprochen habt und von meiner Seite in Kenntnis gesetzt wart von der Treue und Dienstbarkeit zu unserem gesalbten Herrscher und wie emsig und beharrlich ich an unserer Beständigkeit festhielt, und dass ich mich gewisslich nicht seitwärts schleichen noch anderen Gelegenheit geben werde, sich davonzumachen. Für jetzt weiß ich nichts anderes als Instruktion für Eure Liebenswürdigkeit, bis wir nicht Gespräche geführt haben mit dem Anführer, als Euch in Gesundheit zu halten, und Euer Freund und zu Diensten bereit bin ich M. F. F. G. T. (Markes Ferenac Frankapan grof Tžački) zu Novigrad 9.März 1670.“ 

 

                                                             Fran Krsto Frankopan  

                    Ruf zum Heer (Navik on živi ki zgine pošteno)

 

Zum Heer, zum Heere, erwählte Ritter,

wen immer die Mutter der Helden nähret;

schon hört man Trommeln, Pauken von allseits,

und Pfiffe; trompetet, dass weit man es höret,

dass rühmliche Häupter zusammen sich finden.

 

Auf die Beine, erhebt euch, ihr kläglichen Träumer,

zum Heer, zum Heere, tapfere Helden,

den Säbel, die Flinte im Nu habt bereitet,

euch selbst, die Pferde stellt auf zum Ritter,

die Mühe bringt ihr zu ruhmreicher Ehre.

 

Legt ab aus dem Herzen furchtsames Gewölke,

gebraucht die Tapferkeit euch zum Schilde

Euch lieber sei Ansehen, Ruhm und Name

als Augenblick, Mangel, schändliches Leben;

für ewig lebet, wer aufrichtig sterbet.

 

Nicht möglich zu denken belobteren Namen

als auf dem Kampfplatz sich rühmlich zu halten,

wo Flinten lärmen und wo Säbel wirbeln,

und viele der Herren ihr Blut vergießen

für die Heimat, und für den Christenglauben.

 

Den Gott ruft zu Hilfe, den Allerhöchsten,

den Ruf der Alten, die Namen erneuert,

greift feurig an eure Widersacher

behandelt jeder den andern mit Liebe,

ihr lebet brüderlich, sterbet ritterlich.

 

Wenn euch das Glück die Hand möchte reichen,

und dreht der Feind sich ab vom Platze,

oh, solche Ehre, ihr reichen Kameraden,

Palasche, Säbel und feurige Pferde,

Geschirr von Eisen, ihr erlauchten Herren!

  

Und so, liebe Brüder, auf die Beine, erhebt euch,

den türkischen Mond bei den Hörnern packen,

zum Christenglauben die Ritterschaft ehren

der Welt zum Nutzen, und uns zur Ehre,

dass  Leben nicht möcht‘ uns zum Überdruss werden.

 

                        Zrinski, Frankopan, Vitezovi

  PSHK, Buch 17, Zagreb, 1976, 279-280

 

 

Zrinski ruft die Leibeigenen zu den Waffen

 

Dieser Tage gab Zrinski seinen Offizieren auch den Befehl, mit Hilfe der Pfarrer in den Kirchen den Leibeigenen kundzutun, sie sollten sich bewaffnen und sich auf Befehl des Bans erheben, sei es zu Fuß oder zu Pferde, und als Belohnung würden sie sich von der Leibeigenschaft befreien können. Der Kastellan von Čakovec, Petar Ošvat, rief die Adligen der Međimurje zur Bewaffnung auf und führte mit ihnen militärische Übungen zu bewaffneten Aktionen durch. Außer Kapetan Pogledić und Krsto Fürst Frankopan stellten sich auch Orfej Graf Frankopan sowie die Grenzkapetane Ladislav Črnkoci, Đuro Gottal und Stjepan Ivanović an die Seite Zrinski´s.

 

 

 

Der militärische Plan der Verschwörer

 

Ihr erstes militärisches Ziel war es, in die (Süd-)Steiermark einzubrechen und Ptuj (Pettau) einzunehmen. Ban Zrinski sollte von Osten aus der Međimurje dort einfallen, und die Grenzkapetane von Süden. Sie gedachten auch, Koprivnica zu erobern, einen wichtigen Militärstützpunkt, wo der Oberstleutnand Ferdinand Loeberegg befehligte, ein Freund des Bans. Über den Wojwoden von Legrad, Géczy, und den Franziskaner-Abt von Koprivnica ließ Zrinski bei Loeberegg um die Übergabe der Stadt ansuchen, und dieser setzte über alles dieses den Kapetan Grafen Trautmannsdorf in Križevci in Kenntnis, der ihm befahl, sich auf die Verteidigung vorzubereiten. Um die slawonischen orthodoxen Walachen zu gewinnen, sandte Zrinski den Offizier Franjo Ivanović und den Franziskaner Gavro Tomasi zu deren Bischof Gavro Mijakić in Marča nahe Časma. Mijakić war schon eine längere Reihe von Jahren mit den Brüdern Zrinski befreundet; auf ihren Vorschlag hin wurde er auch als Bischof eingesetzt im Jahre 1662, und er war auch auf der Beerdigung Nikola Zrinski´s 1664. Zrinski wandte sich auch an den Pascha Mustafa von Kanizsa, und er unterrichtete ihn über seine Verhandlungen mit der Pforte. Diese Meldung erfreute den Pascha hinreichend und am 14.März schickte er eine Abordnung - Ahmed Aga mit einem Reiter - zu ihm und ließ ihm mitteilen, dass er noch keine Anweisung erhalten habe, mit ihm in Verbindung zu treten. Während Ahmed Aga die Begleitung in Legrad zurückließ, machte er sich, einen Brief des Pascha mit sich führend, auf den Weg nach Čakovec zusammen mit Petars Offizier, Franjo Ivanović, und sie stiegen in einem Gasthof ab. Zrinski empfing ihn und Ivanović im Beisein von Juraj Széchy, dem Groß-Župan der Gomorska und Vorsitzenden der Županie Zaláta. Ahmed Aga setzte Zrinski davon in Kenntnis, dass der Pascha Mustafa bedaure, dass Unterhandlungen mit der Pforte zu seiner Unterstützung nicht weiter in Gang gekommen, sondern dass sie schon wieder abgebrochen worden seien. Auf seine und Frankopan´s Forderung wurde ein Diener Frankopan´s, Tomo Severović, nach Banja Luka zum bosnischen Pascha geschickt, damit er dort die Dispositionen der Absichten des Pascha in Erfahrung bringen könne.

 

 

 

Letzte Vorbereitungen zum Aufstand

 

Krsto Frankopan machte sich am 18.März auf nach Zagreb, und Orfej Frankopan seinerseits in die Primorje, um dort den Aufstand vorzubereiten. Zur Unterstützung Orfej Frankopans stellte der Ban am 17.März den Kapetan Fran Frankulin ab. Schon am 15.März  vertraute er dem Verwalter der Zrinski´schen Besitzungen, Barigigli, den Auftrag an, nach Venedig abzureisen, wo er versuchen sollte, vom französischen Gesandten Geldmittel für den Aufstand zu erhalten; und Katarina Zrinski schickte den Ordensschwestern in Padua, mit denen sie befreundet war, hundert Taler, „damit sie beten mögen für das Glück und den erfolgreichen Fortschritt der Heimat und der Familie Zrinski“. Im Zuge der Rückkehr des Barigigli wurden die Kastellane der einzelnen Befestigungen von Grobnik bis Bribir, Lič, Brod an der Kupa, Delnice, Moravice und Gerovo in die Befehle eingeweiht, sie sollten sich dem Kapetan Frankulin unterordnen, der dieser Tage an die Kastellane des Vinodol von Hreljin bis Bribir den Aufruf ergehen ließ, dass sich alle gesunden Männer, „angefangen vom Hausherrn bis zum Kind von mindestens zwölf Sommern“, gut gekleidet und bewaffnet, auf dem Feld von Drivenik einfinden müssten. Die Bewohner Grobniks jedoch müssten sich in Bakar versammeln, und einbezogen in den Aufruf waren auch die männlichen Bewohner des Bezirks Gorski, vom zwölften bis fünfzigsten Lebensjahr, zur Bewaffnung und zu Truppenübungen. Auf dem Feld von Drivenik und in Bakar versammelten sich 2.000 Menschen, und auf diesen Erlass reagierten gewissenhaft auch die Bewohner des Bezirks Gorski. Hier tat sich besonders der Schiffspfarrer Jure Pipinić hervor, mit 800 Mann bereit, in die Krain (Slowenien) einzufallen, alle von der Kočevje (Gottschee) aus. In der Steiermark rechnete Zrinski mit der Hilfe des begüterten steirischen Adligen, des 36-jährigen Erasmus Grafen Tattenbach, mit dem er im Herbst 1667 Verbindung aufgenommen hatte.

 

 

 

Angst in der Steiermark und in der Krain

 

Das Wissen um die Möglichkeit, dass sich das slowenische Bauerntum Zrinski anschließen könnte, verbreitete Angst in der südlichen Steiermark, in der Krain im Gebiet von Ljubljana, und in der Primorje (Küstengebiet) im Gebiet um Gorica (Görz), Gebiete, in denen sich wenig Militär befand. Die Nachrichten, die die deutschen Offiziere aus Koprivnica, Križevci, Varaždin und Karlovac verbreiteten, waren unzuverlässig, was noch mehr Unruhe in die dortige Bevölkerung hineintrug. Tattenbach, unschlüssig über den Ausgang der Bewegung, versuchte Mitte März die Verbindungen zu Zrinski zu verstärken und überredete ihn, den Aufstand zu beschleunigen, aber gleichzeitig bemühte er sich, den Vorsitzenden der Festungskammer, Gottfried Grafen Breuner, von seiner Ergebenheit dem Wiener Hof gegenüber zu überzeugen.

 

 

 

Letzte militärische Anweisungen Zrinski´s

 

Zrinski schrieb am 21.März aus Čakovec an Frankopan, dass sich die kaiserliche Armee in Karlovac und Koprivnica in Vorbereitungen befinde. Er riet Frankopan, sich mit den Walachen zu verständigen, wie sie erfolgreich gegen die deutschen Obersten Widerstand leisten könnten, und er solle an Bukovački schreiben, dass die Türken sobald wie möglich gegen die Militärgrenze in Kroatien und Slawonien losschlagen sollten, und dass er 4000 bis 5000 Türken aus Kanizsa benötige, um Graz zu erobern, was in 14 Tagen erfolgen müsse, wie ihm Tattenbach geraten habe. Im Brief beklagt er sich: „O Gott, was sind die Türken langsam! Seht an, Schwager, beim Generalat von Karlovac ist der Befehl angekommen, Euch zu fangen. Seht  Euch dessen um Gottes willen vor und schreibt an Bukovački, dass er Euch zu Hilfe kommt und dass er die Türken in Kanizsa wissen lässt, dass sie sich mir möglichst bald anschließen sollen. Seid um Gottes willen vorsichtig und besonnen. Dieser Brief kann übrigens Bukovački den Kopf kosten, und wenn ich an Eurer und seiner Trägheit zugrunde gehe, seid auch Ihr mit mir zusammen verloren!“. Dieser Tage schrieb Petar Briefe an den französischen Gesandten in Venedig und an den Mainzer Erzbischof. Darin berichtete er über seine Unternehmungen und seine Verbindungen mit den Türken, wobei er sich im Dilemma zwischen zwei Übeln für das kleinere entschieden habe, denn der Sultan habe ihm freien Glauben und Freiheit für die Heimat zugesichert. Den Erzbischof ersuchte er, vom französischen König Geldmittel für den bevorstehenden Krieg zu erwirken. Sobald Petar eine Nachricht von Bukovački erhalten hatte, schrieb er den Anführern in Oberungarn, sie sollten an ihren Absichten festhalten und nicht den kaiserlichen Beauftragten Folge leisten zu einer Versammlung, die für den 16. März in Banska Bystrica einberufen worden sei; er schrieb des weiteren, dass der Sultan aus dem jährlichen Steueraufkommen von 12.000 Talern Mittel zum Schutz Ungarns und Kroatiens bereitgestellt habe; er ersuchte sie, ihm 100.000 Taler zu schicken, damit so eine Armee aufgestellt werden könne. Und an Rákóczy schrieb er dieser Tage zweimal – am 10. und am 20.März; er ermutigte ihn und erbat von ihm Geldmittel zur Unterstützung.

 

 

 

Zrinski sucht eine friedliche Lösung

 

Auch wenn  Zrinski sich auf intensive Weise vorbereitete auf eine bewaffnete Auseinandersetzung, wurde er doch zunehmend unsicher, offensichtlich an sich selbst zweifelnd und voller Gedanken darüber, ob sein Ziel etwa auf friedlichem Wege erreicht werden könnte.

 

Unter dem Einfluss solcher Erwägungen bat er die Witwe seines Bruders Nikola, Sofia Löbl, nach Wien zu reisen und sich dort, gerade in Hinblick darauf, dass eine schriftliche Übereinkunft mit dem Sultan nie getroffen worden war, darum zu bemühen, den Streit auf friedliche Weise beizulegen. In diesen Bestrebungen unterstützte ihn auch der Augustinerpater Marko Forstall, ein Ire, langjähriger Freund der Familie Zrinski und Erzieher von Petar´s Sohn Ivan. Von diesen Ideen angeregt, ersuchte Petar daraufhin den Zagreber Bischof Martin Borković um Vermittlung zwischen ihm und dem Hof. Borković kam am 17.März in Wien an und stellte dem Fürsten Lobkovic die Gründe für die Unzufriedenheit Zrinski´s mit dem Kaiser und dem Hof dar: dass der  Kaiser ihn nicht genügend Wert erachte, ihn nicht honoriere, ihn übergehe, dass er die kroatische Verfassung breche und die Gesetze des Landes, und dass der General von Karlovac, Herberstein, die kroatische Bevölkerung ausplündere, was Zrinski und andere kroatische Adlige nicht weiter hinnehmen könnten. Auch wenn er selbst Grund gehabt habe, sich darüber zu beschweren, habe er doch geschwiegen aus Ehrfurcht gegenüber dem König; und damit ihm bekannt werde, dass Zrinski freimütig diese Behandlung beklage, habe Borković vorgeschlagen, dass der Streit Zrinski´s mit dem König auf friedliche Weise beendet werde. Allerdings - zu diesem Zeitpunkt hatte der Hof schon Gewissheit über die Verbindungen Zrinski´s mit den Türken.

 

 

 

Der Wiener Hof verstärkt die Schuldvorwürfe gegen Zrinski

 

Auf dem Ministerrat vom 19.März unter dem Vorsitz des Fürsten Lobkovic wurden die Anschuldigungen gegen Zrinski verschärft: - Bereitschaft zum Aufstand gegen den Herrscher; - Bündnis mit dem Feind. In der Überzeugung, dass Zrinski in Verbindung stand mit den nordungarischen Unzufriedenen, und dass sich ihm Nádasdy anschließen würde, beschlossen die Räte, mit Zrinski abzurechnen, bevor die Türken sich in diese Auseinandersetzung einmischen würden. Um dieses in die Tat umzusetzen, beschlossen sie weiter, militärische Einheiten in Marsch zu setzen: die innerösterreichischen Regimenter zur kroatischen Grenze, die schlesische Kavallerie von den Übergängen von Jablonica aus, die tschechisch-mährischen und niederösterreichischen Kavallerie-Einheiten ins Tal der Voga, als auch von anderer Seite nach Unterstützung Umschau zu halten. Der Kaiser empfing alle Räte , und er bat vertrauensvoll den Bischof Borković, zu Zrinski zurückzukehren und ihn von der Liebe des Königs zu überzeugen, die ihn mit besonderer Gnade empfangen werde, wenn er Gehorsam leiste. An diesem Tag schrieb er sogar an Zrinski, er solle Vertrauen haben zu dem, was der Bischof Borković ihm sagen werde. Auf der anderen Seite vertraute hingegen gerade Lobkovic dem Bischof an: „Wir wissen hier Zrinski zu schätzen, allein dass er nur kommt“. Am folgenden Tag, den 22.März, brach der Bischof von Wien auf und erreichte am 26.März Čakovec.

 

 

 

Bedingungen Zrinski´s für den Frieden

 

Am Tag, bevor Borković in Čakovec ankam, schickte Zrinski (am 25.März) seinen Vermittler Marko Forstall nach Wien, damit er an den König das Ansinnen richte, 

 

- für die Verteidigung Kroatiens zu sorgen, 

- den Söhnen des Landes die Möglichkeit zu geben, General, Oberst, Kapetan zu werden, 

- außerdem Zrinski und seinem Sohn, wenn er denn dazu befähigt wäre, das Generalat von Varašdin zu geben

- sowie ihnen die Erbrechte auf Pazin (Pisino), Rijeka, Trsat und Kočevje zu überlassen, 

- ihm den Betrag von 4.500 Forinten, jährlich auszuzahlen an seine Schwägerin, Sofia Löbl, Witwe seines Bruders Nicola, freizugeben, 

- ihn zum Obersten zweier Regimenter zu ernennen - eines Dragonerregiments von 500 Mann sowie einer Einheit leicht bewaffneter Kavalleristen von 50 Mann,

- und wenn der Türke irgendwelche seiner Besitzungen erobern sollte, sollte ihm der König zum Ausgleich andere Besitzungen überlassen;

- dass die Gehälter der Kapetane des Banats und der Međimurje gewissenhafter ausbezahlt würden;

- dass er den Episkop (orthodoxen Bischof) Mijakić, auf dessen Entlassung der Großkapetan von Kriševci, Joseph Graf Herberstein, seit 1668 hinarbeite, indem er ihn als falschen Bischof hinstelle, zusammen mit anderen begnadige

als auch dass er diesen Vertrag alsogleich ratifiziere, bevor ein feierliches offizielles Diplom vom Sultan eintreffe.

 

Zu diesen Forderungen fügte Zrinski schriftlich noch hinzu, 

 

- dass unter jenen leichtbewaffneten Reitern eine Einheit sein solle, die seine Ehrenkompanie darstelle, mit einem Monatsgehalt von acht Forinten pro Reiter; 

- dass er ein Gehalt von 1.000 Talern für seinen Vertreter, dem er die Armee anvertrauen könne, verfüge;

- dass er ihm, Zrinski, zubillige, Unterstützung auch vom Papst und von anderen Herrschern zu erbitten, sobald es erforderlich wäre, wobei ihm Leopold mit seiner Empfehlung zu unterstützen habe,

- und dass den Türken endgültig der Krieg erklärt werde, in dem er nicht den Oberbefehl anstrebe, schon damit jeder untergeordnet wäre dem Mann, der nicht Feind des eigenen Volkes sei.

 

Während der Grazer Kriegsrat eher geneigt war, um des Friedens willen die Forderungen Petars einigermaßen zu billigen, dachte man in Wien vollkommen anders. An demselben Tag, als in Čakovec Bischof Borković ankam, traf in Wien Nikola Graf Erdödy ein, um über die Verhältnisse in Kroatien Bericht zu erstatten. Am Wiener Hof wurde Erdödy liebenswürdig empfangen und er erhielt 6.000 Forinten mit dem Auftrag, sogleich nach Kroatien zurückzukehren und eine Armee gegen Zrinski zu sammeln. Aufgrund der Informationen, über die der Kriegsrat verfügte, befahl Zrinski in Čakovec kaum über 2.000 Soldaten, und noch weniger bestand für ihn die Möglichkeit, sich mit seinen Militäreinheiten in der Primorje zu vereinigen.

 

In Wien angekommen, suchte Forstall Lobkovic auf und erläuterte ihm die Wünsche Petars: der Kaiser möge ihm verzeihen, dass  er ein Bündnis mit den Türken gesucht habe, da er, eines türkischen Überfalls gewärtig, zum Schutz seiner Familie und seiner Besitzungen, dazu gezwungen war. Von diesen Gründen abgesehen, hatte Zrinski - laut der Erklärung Forstalls - aus Verzweiflung eingewilligt in dieses Bündnis, da er sich im Dienste des Hauses Habsburg verschuldet habe in einer Situation, in der jede Anerkennung ausgeblieben sei. Indem er diesbezüglich keinerlei Verpflichtungen eingegangen sei, werde Zrinski, wenn der König ihm Verzeihung gewähre, ihm treu dienen, wie ihm bisher seine Vorfahren gedient hätten als auch er selbst. Damit der König von seiner Treue überzeugt sei, wäre Zrinski bereit, seinen Sohn als Geisel zu stellen, wobei er sich daran halte, zur Würdigung der Herrschaft beizutragen und seine Anerkennung dem Titel zu zollen in Übereinstimmung mit seiner Stellung, seinem Rittertum und seinen Verdiensten. Forstall fügte noch hinzu, dass Zrinski dies alles getan habe unter dem Einfluss seiner Gattin Katarina. Unter demselben Ge-sichtspunkt wich Forstall sowohl den anderen Ministern als auch dem päpstlichen Nuntius aus.

 

 

 

Richtlinien und Befehle des Wiener Geheimrates

 

Während der einzige Gedanke Zrinski´s den Verhandlungen mit dem Kaiser und König galten als einer gleichberechtigten Partei, Verhandlungen, die nach Meinung der Minister blasphemisch waren, lehnten diese auf der Sitzung des Geheimrats vom 27. März seine Forderungen ab, indem sie sie als Früchte seines Hochmuts und seiner Ruhmsucht auslegten. Sie waren der Meinung, dass Petar sich nur vorübergehend unterordnen würde, und dieses würde leider einwirken auf andere; und es würde jeder Unzufriedene bei ihm einen sicheren Zufluchtsort finden. Das derzeitige Benehmen Petars fassten sie nur als eine Gelegenheit auf, Zeit für sich zu gewinnen, und sie kamen zu dem Entschluss, dass sie gegen Zrinski, solange er auf Verteidigung noch nicht vorbereitet sei und solange die nordungarischen Protestanten sich noch nicht in Waffen erhoben hätten, mit militärischer Gewalt vorgehen, die Međimurje angreifen und sich Zrinski´s bemächtigen sollten, lebend oder tot, ehe es ihm gelingen könne, zu den Türken oder zu seinem Schwiegersohn Rákóczy zu fliehen. In Übereinstimmung mit dieser Entscheidung wurden noch mehrere Verordnungen herausgegeben. Eine von ihnen, beschlossen am 29. März, setzte die Einwohner des Königreichs Kroatien, Dalmatien und Slawonien darüber in Kenntnis, dass Zrinski ein Wortbrüchiger sei, ein Hochverräter und ein Rebell, dass er der Würde des Bans und anderer Ämter verlustig und dass an seiner Stelle für die Kriegsgeschäfte Nikola Erdödy und für die Verwaltungsangelegenheiten Bischof Borković ernannt worden sei. Da indessen diese Verordnung nicht zur Weiterleitung freigegeben wurde, ernannte man in einer neuen Verordnung vom 3. April provisorisch die Vertreter des Bans. In zwei weiteren Verordnungen, herausgegeben am 30.März in Form einer Verlautbarung in kroatischer Sprache, wurde bekanntgegeben, „dass Graf Zrinski ein Treuloser unserer Krone geworden ist; er hat sich über die Bestimmungen des Rebellengesetzes hinweggesetzt; unter seiner Verwaltung unseres kroatischen, slawonischen und dalmatinischen Königreichs und unserer engeren Gebiete hat er den Aufstand geplant, er hat versucht, die Treue zu uns mit seinen schmutzigen und untreuen Händen auszuwechseln“, als auch dass er der Würde des Bans entledigt, seine Besitzungen beschlagnahmt, sein Kopf für 50.000 Forinten feilgeboten sei. Vor allem wurde in diesen Verlautbarungen betont, dass alle seine Parteigänger Verräter und Treulose wären und dass alle jene, die sich zur Wahrheit bekehrten, vom Kaiser „Verzeihung aller ihrer Sünden“ erhalten würden.

 

Forstall´s Vermittlung

Zum obersten Befehlshaber der kaiserlichen Streitkräfte gegen Zrinski wurde der 62-jährige General Paris Spankau ernannt. Seine Aufgabe war es, bevor Zrinski zum Angriff übergehen würde, in die Međimurje einzufallen, Čakovec und Legrad zu erobern sowie Zrinski´s und seiner Frau Katarina habhaft zu werden, lebend oder tot. Dieser Befehl sollte geheimgehalten werden. Das wurde besonders der Grazer Regierung nahegelegt, denn „Zrinski hat in Graz viele Freunde, die ihm die ganze Sache sofort melden“. Indem schon am 22.März der Präsident der Grazer Regierung, Gottfried Breuner, Tattenbach in Graz verhaften und auf dem Schlossberg in den Kerker hatte werfen lassen, wurde Forstall aus Gründen der Vorsicht dahingehend belehrt, dass dieses geschehen sei wegen Tattenbachs ausschweifendem Lebenswandel. Auch wenn Forstall den guten Willen einiger Minister bezweifelte und an Petar schrieb, er solle seinen Sohn Ivan verstecken, dass er nicht einen Unfall erleide, versicherten Lobkovic und Hocher gegenüber Forstall, den sie übrigens nicht zum König vorließen, weil Untertanen angeblich nicht ihrem Herrscher Bedingungen zu stellen hätten, dass Zrinski sich absolut auf das Wort des Königs verlassen könne. Sie betonten, dass der König ihn nicht als einen Rebellen ansehen werde noch sein Leben oder seinen Besitz bedrohen werde, wenn er dem König als Zeichen der Ergebenheit seinen Sohn als Geisel übergeben und ein Blanko-Papier (carta biancha) mit seiner Unterschrift zusenden werde. Wenn er den Posten des Bans abgeben werde, solle er das Generalat von Varašdin oder Karlovac erhalten; er würde ihm die Schulden der Familie mit einem Betrag von 30.000 bis 40.000 Forinten ausbezahlen und seine Familie käme in den Genuss eines starken Schutzes bei Hofe, damit Zrinski die alten Verdienste seiner Familie wieder zum Leben erwecken könne; der König werde mit ihm verfahren „wie Gott verfährt mit dem Sünder, der aufrichtig bereut“.

Forstall brach am 3.April von Wien auf zu Petar Zrinski mit einem Brief Lobkovic´s, in dem dieser ihm schrieb:

Infolge meiner unerschütterlichen Zuneigung Euch gegenüber rate ich Euch, dass Ihr nicht zweifelt an der Gnade unseres Königs, die immer schon in seiner Natur liegt, dass Ihr Euer Schicksal seiner Gnade überlasst; doch Ihr werdet sehen, dass Ihr Euer Ziel glücklich erreicht. Aber das ist umso leichter, wenn Ihr nicht trachten würdet, Eure Wünsche auf dem Weg von Unterhandlungen und Bewaffnungen zu verwirklichen, derer sich zu bedienen gegenüber unserem naturgemäßem Herrn und angesichts eines solch erhabenen Herrschers den Anfang von Sünde und Skandal bedeutet, statt des Weges der würdigen Demut und des redlichen Bittens. Gerade aus der Kenntnis dieser Weisheit Eurer Exzellenz hoffe ich, dass Ihr meine Mahnungen nicht in den Wind schlagt, sondern dass Ihr sie so annehmt, wie das der Ernst der jetzigen Umstände erfordert. Ich werde mich an Eurer Seite - möge dies Eure Treue verdienen und möget Ihr die Unruhen (in Kroatien) alsbald schnell zum Schweigen bringen - für Eure Exzellenz einsetzen in solchem Maße, wie dies von mir auch nur erwartet werden kann

 

Frankopans Aktivität zur Sammlung der Bewegung

Solange Forstall sich in Wien aufhielt, unternahm Zrinski in Čakovec nichts, und auch Tattenbachs Verhaftung führte er nicht auf einen Zusammenhang mit der gemeinsamen Bewegung zurück noch fürchtete er, dass Tattenbach in der Untersuchungshaft darüber zufällig etwas preisgeben könnte. Im Unterschied zu Zrinski, der, dem Schicksal ergeben, die Entwicklung der Ereignisse abwartete, und im Unterschied zur Mehrheit des kroatischen Adels unter Führung von Erdödy und Drašković, beide Gegner Zrinski´s, die aus Gründen der Sicherheit eine friedlicher Lösung herbeiwünschten, waren Krsto Fürst Frankopan und Kapetan Franjo Bukovački äußerst aktiv. Während die Mehrheit der Varašdiner Bürger auf der Seite Zrinski´s stand, als Frankopan sich in der zweiten Märzhälfte aus Čakovec in die Primorje aufmachte, floh Ivan Graf Drašković aus Varašdin. Frankopan kam am 20.März mit dreißig Reitern in Zagreb an. Auf dem Markusplatz rief er mit gezogenem Säbel die Einwohner der Oberstadt (Gornji Grad) auf, sich in Ergebenheit für Zrinski zu entscheiden. Während der Rat der Oberstadt sich auf die Seite Zrinski´s schlug, indem sie erklärten, sie würden es machen „wie das übrige Land“, blieb der Stadtteil Kaptol dem König treu, einerseits wegen Streitigkeiten mit Zrinski im Zusammenhang mit seinen Besitzungen, andererseits aber auch aus Furcht vor den Türken, denn es gingen Gerüchte um von einem Bündnis Zrinski´s mit ihnen. Frankopan blieb hartnäckig, rief den Domprobst  vom Kaptol zur Vernunft auf und mahnte ihn, sich auf die Seite des übrigen Volkes zu stellen, seinen Besitz und seine Heimat zu retten. Am selben Tag reiste Frankopan weiter nach Brezovica, einem Kastell Zrinski´s, und bereitete die Adligen der Umgegend auf einen Sabor vor, der angesagt war für den 24.März in Zagreb. Auf diesem Sabor vom 24.März begründete und erläuterte Frankopan das Bündnis Zrinski´s mit den Türken und bekräftigte, dass es dazu gekommen sei unter Druck und Bedrohung der Türken und wegen der Gleichgültigkeit des Wiener Hofes gegenüber der Verteidigung des kroatischen Landes, und dass Zrinski sich mit diesem Bündnis unter zwei Übeln für das kleinere entschieden habe. Frankopan gab in eigener Person Bericht von der Vereinbarung über die Sicherheit des Glaubens sowie über Freiheit und Verfassung des Landes. Wenn die deutsche Herrschaft dieses Bündnis nicht anerkenne und Kroatien angreife, würden ihnen die türkischen Streitkräfte zu Hilfe kommen. Wenn der Kaiser und König bereit sei, Kroatien zu verteidigen „nicht nur mit dem Wort, sondern mit Brief und Tat“, dann würden auch die Kroaten „für Gott, König und Heimat“ zu den Waffen greifen. Wenn sie sich auch vor der Macht beugten, würden sie doch weiterhin Christen, Freunde und Nachbarn bleiben; niemand habe das Recht, sie deswegen Rebellen und Verräter zu nennen. Er erwähnte auch die Ausbeutung Kroatiens durch die deutschen Kompanien und die Gefahr, dass Kroatien zu einer Erbprovinz umgestaltet werde, sprach den Zuzug von Fremden in die militärischen Stellungen an und das Fernhalten von Kroaten bei der Ernennung der Grenzoffiziere, sowie die Möglichkeit, dass auch der kroatische Adel Steuern zahlen müsste, und dass die Walachen ohne ihre Privilegien bleiben könnten, ohne ihren Episkop und ihre Priesterschaft. Unter dem Eindruck dieser Ausführungen versprach die Mehrheit der Anwesenden die Treue zu Zrinski, im Unterschied zum Adel von Turopolje, der schon vorher im Streit mit Zrinski lag. Frankopan gestand ihnen acht Tage Bedenkzeit zu, und wenn sie sich in der Zwischenzeit nicht unterordnen würden, würde er sie mit Brand verfolgen. An diesem Tag, als der Sabor in Zagreb abgehalten wurde, ersuchte der Turopoljer Stjepan Graf (Comes) Svastović die Regierung der Krain um Hilfe in Form von Waffen und Munition.

 

Die ersten bewaffneten Aktionen

In diesen Tagen wurden die ersten Aktionen durchgeführt. Eine Kompanie Frankopans plünderte nahe der Furt von Kraljev brod (ungefähr die Stelle der heutigen Save-Brücke) von einem Floß vierzig Fässer Mehl, die die Grazer Regierung von Celje zur Grenzerbesatzung in Petrinja auf den Weg gebracht hatte. Das beschlagnahmte Mehl wurde nach Zagreb geschafft. Eine andere Kompanie Frankopans bewachte einen Übergang über die Save bei Susedgrad und nahm jeden Verdächtigen fest. Frankopan nahm Abstand von der Idee, mit zweihundert Mann Zagreb zu besetzen, er machte sich stattdessen auf in die Pokuplje (Flussgebiet der Kupa), um die dortigen Truppen zu inspizieren, die Bukovački gesammelt hatte, und brachte in der Ban-Kraina den Aufstand auf den Weg. Kapetan Bukovački verließ in der zweiten Märzhälfte Zrin zusammen mit Kapetan Berislavić und einigen türkischen Grenzern, geführt von Aga Zrinlić, überquerte den Fluss Kupa und setzte sich in seiner Burg Negoj fest, in der Ban-Kraina, zwischen Sisak und Karlovac gelegen. Ihm schlossen sich die Kapetane aus der Gegend der Ban-Kraina an, unter denen die Kapetane Čolnić, Kamenjan und Zupčić herausragten. Bukovački trat überall im Namen Zrinski´s auf, er vereidigte die Männer auf die Treue zu ihm, er erläuterte das Bündnis mit den Türken, und für den 18.März verkündete er in Lomnice das allgemeine Aufgebot. Bukovački führte von Negoj aus Unternehmungen in Guerilla-Manier durch, und um das herrschaftliche Petrinja, den wichtigen Grenzstützpunkt, zu verunsichern, brachte er einiges Vieh auf und zerstörte die dortigen Wassermühlen. Von dort marschierte er am 20. März mit seiner Kompanie zu der kleinen Festung Drenčina nahe Sisak.

 

Gegenaktionen des Grenz-Generals Herberstein

Die Auswirkungen der Tätigkeit Frankopans und Bukovački´s blieben nicht unbemerkt vom Grenz-Oberbefehlshaber Herberstein in Karlovac. Er war offensichtlich über die ihm einige Tage vorher gemeldeten Aktionen und darüber, was sich da zusammenbraute, informiert, und er suchte um Hilfe aus Graz an. Obwohl er weder Unterstützung noch Verhaltensmaßregeln erhielt, verließ Herberstein in der Nacht des 22.März mit 7.000 Mann Karlovac, und im Morgengrauen trieb er beim Wald von Draganić eine Kompanie Zrinski´s auseinander und anschließend befand er sich auf dem Marsch nach Turopolje, um auf Frankopan zu stoßen. Seinen Aufmarsch suchte Frankopan aufzuhalten, indem er ihm am 25.März einen Brief schrieb in deutscher Sprache, in dem er versuchte, ihn zur Vernunft zu bringen und ihn vom Risiko seiner Unternehmung zu überzeugen. Er schrieb ihm, er habe gehört, dass seine Leute nicht nur nicht in Karlovac hineingelassen würden, sondern auch, dass er den Befehl ausgegeben habe, ihn, wenn er ihn festnehme, pfählen zu lassen. Er versicherte, dass er Parteigänger des Königs sei und seine Handlungen sowohl vor Gott als auch vor der Welt rechtfertigen könne. Wenn er und Zrinski auch die Vereinbarungen mit den Türken getroffen hätten unter der Bedingung, dass Glaube und Freiheit garantiert sein würden, seien sie damit noch nicht Feinde der Erbländer geworden. Gegenüber dem Auftritt des allzu übermächtigen Feindes zog sich Frankopan nach Zagreb zurück, und alsbald nach seiner Abreise erreichte der Feind Bresović, plünderte und brandschatzte es und in Lomnice verbrannte er das Haus des Kapetans Bukovački.

Obwohl Kapetan Đuro Malenić in Zagreb Frankopan vorschlug, in die Ban-Kraina zurückzukehren, Grenzer-Soldaten zu sammeln und sich mit Bukovački zu vereinen, ließ dieser sich nicht auf dieses Risiko ein, sondern machte sich auf den Weg nach Čakovec. Herberstein nahm am 7.April Švarč ein, eine Befestigung Petar Zrinski´s, die ein Dorn im Auge des Generals von Karlovac war, denn von ihr aus konnte man die Bewegungen der deutschen Soldaten aus Karlovac überwachen.

Die Abreise Frankopans nach Čakovec hatte unter den Parteigängern des Bans die Folge, dass sich Angst verbreitete, während die Partei des Königs angesichts des erfolgreichen Vorgehens Herbersteins auflebte. Während die Mehrheit der Ban-Kapetane (Čolnić, Črnkoci, Gotal, Gerec, Kamenjan, Berislavić und Malenić) sich Herberstein ergab, blieb Bukovački seiner Idee treu. Er hielt sich am 3.April in Buzina auf. Von dort setzte er mit seiner Gattin und seiner Schwester sowie dreißig Reitern am 4.April über die Kupa in türkisches Gebiet über und marschierte nach Zrin. Bei seiner Ankunft in Zrin wurde Bukovački mit Böllerschüssen aus den Kanonen begrüßt. Er sprach dort mit dem türkischen Sula und schlug ihm vor, beim Sultan in der Weise zu vermitteln, dass die türkischen Streitkräfte so schnell wie möglich Zrinski zu Hilfe kommen möchten. Die dortigen „Türken“ hielten dafür, dass die türkischen Einheiten nicht vor der Getreideernte in Marsch gesetzt werden könnten, dass Zrinski sich allein gegen den Angriff der kaiserlichen Truppen verteidigen müsse; darauf veranlasste Bukovački die Belagerung der Festung Petrinja. – Bei der Verfolgung Bukovački´s postierte Herberstein an der Kupa Wacheinheiten und ließ alle dortigen Flussübergänge zerstören. Von Zrin aus schrieb Bukovački am 5.April an Zrinski. Auch wenn er gehört hatte, dass Zrinski sich dem König unterwerfe, ermutigte Bukovački ihn und überredete ihn zum Widerstand, indem er ihn beschwor, sich nicht mit den Deutschen zu versöhnen, dem Sultan treu zu bleiben als auch diesem seine Petschaft (Siegel) und als Geisel seinen Sohn zu senden. Im Zusammenhang damit, dass sein Haus in Lomnice verbrannt worden war, prophezeite Bukovački, dass Erdödy, dem König ergeben und der Feind Zrinski´s, alsbald zur Entschädigung einen prächtigen Palast erbauen werde. - Von der damaligen seelischen Verfassung Zrinski´s zeugt seine Antwort an Bukovački, in der er ihm berichtete, dass Herberstein sich in den Besitz seiner Güter gesetzt und ihm großen Schaden zugefügt habe, dass die Deutschen immer mehr die Međimurje bedrohten, dass er nicht den Kaiser verraten, sondern dass er unter ihm leben und sterben werde. Des weiteren riet Zrinski Bukovački, seinen Verstand zu gebrauchen, wenn Gott ihm schon einen solchen gegeben habe, und wenn er die irdischen Güter verliere, dass er sich bemühe, die Glückseligkeit für die Seele zu erlangen. Das war auch die letzte Verbindung zwischen dem Ban Zrinski und General Bukovački.

 

Hilfegesuch an den Pascha von Kanizsa

Als Frankopan am 1.April in Čakovec angekommen war und Bericht erstattet hatte über den erfolgreichen Vormarsch Herbersteins, und als Tomo Severović Zrinski eine Botschaft des bosnischen Paschas übergab, dass sie die Antwort des Sultans über den Pascha von Kanizsa erhalten würden, schickten Zrinski und Frankopans am 2. April Franjo Ivanović und den Franziskaner Tomasijo zum Pascha von Kanizsa mit einem Bericht über die Bewegungen der Streitkräfte Herbersteins und mit der Frage, was für sie zu tun wäre unter diesen Umständen in Hinblick auf das Versprechen des Sultans. Mustafa, der Pascha von Kanizsa, antwortete Zrinski, dass er ihre Widrigkeiten und ihre Notlage, in der sie sich befänden, bedaure und dass dies der Sultan schon bald wieder gutmachen werde, aber dass er selbst ohne Befehl nicht helfen dürfe. Im äußersten Fall der Not würde er ihm helfen, wenn er ihm den Sohn als Geisel schickte, wie das auch mit Kapetan Bukovački vereinbart worden war. Das Wissen darüber und über die Bewegungen der kaiserlichen Truppen in der Steiermark, die sich dort sammelten, um die Međimurje anzugreifen, und der Gedanke daran, dass sein Schwiegersohn Rákóczy sich zum Aufstand erheben und auf diese Weise eine Versöhnung mit dem Hof (in Wien) unmöglich gemacht werde, hatten auf Zrinski einen ganz negativen Effekt, indem sie ihn in die Verzweiflung trieben. In dieser üblen Stimmungslage entschloss er sich zum bewaffneten Widerstand, ließ die Kanonen auf den Mauern der Festung Čakovec in Stellung bringen und sagte zu Frankopan: „Bevor jedenfalls jemand seine Hand an mich legt, werde ich ein letztes Mittel versuchen. Ich habe meinen Besitz, meine Ehre und mein Ansehen verloren, doch noch habe ich allein meinen Kopf, aber den werde ich teuer verkaufen, dass man sich meiner immer erinnern wird. Ich werde dem Pascha meinen Sohn als Geisel schicken, und wenn ich selbst zum Türken werden sollte, dass ich mich rette und den Kampf gewinne“. Frankopan unterstützte ihn, er überredete ihn, die Steiermark anzugreifen, wo man sie ohnehin erwarte. Als sie indessen nüchtern über alles dieses gründlich nachdachten, kamen sie zu dem Ergebnis, dass für sie jeder Widerstand erfolglos bleiben müsse. Wiederum schickten sie, am 5.April, den Franziskaner Tomasi zum Pascha von Buda, ob er nicht dem Pascha von Kanizsa befehlen könne, ihnen beizustehen. Indessen trug diese Mission keine Früchte und jede Spur des Fraters Tomasi verlor sich auf der Straße zwischen Budapest und Kanizsa.

 

Zrinski für eine Aussöhnung mit dem Wiener Hof

In Übereinstimmung mit der Bestellung von König Leopld und der von Lobkovic, die Bischof Borković ihm überbracht hatte, kam Petar wiederum auf den Gedanken an eine Versöhnung mit dem Wiener Hof, und am 3.April bat er den Bischof, ihm zur Möglichkeit der Überprüfung jenes schriftlich zuzustellen, was sie ihm mitteilen lassen wollten. Borković antwortete Zrinski am 5.April, dass er seiner Meinung nach zwecks der Aussöhnung ruhig nach Wien kommen könne, und das zur Rettung des Glaubens und der Heimat so schnell wie möglich. An diesem Tag erreichte auch Forstall, aus Wien kommend, Čakovec und überzeugte Petar vom Erfolg einer Aussöhnung. Auf seine suggestive Zusprache hin waren endlich sowohl Zrinski als auch Frankopan entschlossen, sich Wien zu unterwerfen, und Zrinski war auch willens, seinen Sohn als Geisel zu schicken. Die Forderung nach einer uneingeschränkten Vollmacht - carta biancha - verunsicherte Petar, doch Forstall belehrte ihn und seine Zweifel eines besseren mit den Worten:Es taugt nicht, sich irgendwelche Gedanken zu machen, wenn man es mit einem so gnädigen Herrn zu tun hat“. Daraufhin stellten Zrinski und Frankopan noch zu selbigen Ostern, am 7.April, eine „carta biancha“ aus, brachten schriftlich ihre Ergebenheit zum Ausdruck, und in diesem Schriftstück schrieb Zrinski:Euer Hochwohlgeboren, gnädiger Herr, von Pater Forstall habe ich erfahren, was Fürst Lobkovic und der Hofkanzler Hocher ihm im Namen Eurer Hochwohlgeboren gesagt haben. Indem es in meiner Familie noch niemals jemanden gegeben hat, der bei den zahlreichen ungarischen Aufständen das strahlende österreichische Haus verraten hätte, sondern alle Treue bewiesen haben, indem sie oft ihr Blut dafür opferten, ist doch jeder Gedanke fern von mir, dass ich mich, ganz gegen die Art meiner Vorfahren, einem Treubruch hingebe. Niemals käme es mir in den Sinn, dass ich nach türkischem Schutz trachte, wenn mich dazu nicht die zahlreichen, Eurer Hochwohlgeboren bekannten Umstände der Not zwingen, und Gott ist mein Zeuge und ich schwöre feierlich, dass ich nicht auch  nur ein Bündnis oder einen Vertrag mit den Türken unterschrieben habe noch zugesagt; und obwohl mir große Hoffnungen gemacht und Erwartungen in Aussicht gestellt wurden und mich so mancherlei in Versuchung führen konnte, habe ich diese Angebote niemals angenommen, sondern vollständig und bedingungslos ausgeschlagen, und niemals hatte ich ernsthaft die Absicht, dem nachzugeben; und dieses war dadurch umso weniger der Fall, als ich damit gegen Euer Hochwohlgeboren zu den Waffen greifen müsste. Bei alldem will ich mich nicht entschuldigen, vielmehr bedaure ich, etwas davon auch nur erwähnt zu haben. Nun, nachdem mich der Brief des Fürsten Lobkovic und der Bericht Forstalls überzeugt haben von der Zuneigung Eurer Hochwohlgeboren mir gegenüber - dass deretwegen Eure Hoch-wohlgeboren niemals mir auch diesen Teil des Landes (das ist Kroatien) entziehen werden - bitte ich, indem ich mich vor Euer Hochwohlgeboren auf die Knie werfe, um Gnade, doch ich überlasse mich und all das Meine untertänigst und bedingungslos der Milde Eurer Hochwohlgeboren. Dem türkischen Schutz und den honigsüßen Versprechungen entsage ich, und als Pfand meiner Treue schicke ich meinen Sohn nach Wien, und das übrige wird Euer Hochwohlgeboren von Forstall hören, von dem ich überzeugt bin, dass er ein Mann ist voller Treue zu mir und zu Euch. Ich werde mich bei nächster Gelegenheit - und besonders im Kampf gegen die Türken - von dieser auf mir lastenden Schmach reinwaschen und mit meinem Blut beweisen, dass ich der treueste Untertan Eurer Hochwohlgeboren bin.“  Und Frankopan schrieb in seinem Brief ähnlich, indem er beteuerte, wie er in seinem Leben auch nicht das Geringste gegen Ihre Hochwohlgeboren unternommen habe, dass er bedrückt sei zu hören, dass Ihre Hochwohlgeboren sich über ihn beklage, als auch, dass er bereit sei, lieber tausendmal den Tod auf sich zu nehmen, als dass auch nur ein Splitter des königlichen Zweifels an ihm übrigbleibe. Er bat ihn um Verzeihung, er versprach, dass er sich niemals mehr gegen Ihre Hochwohlgeboren versündigen wolle, nicht in Gedanken, geschweige denn mit Wort oder Tat, und wenn er in den Genuss der alten Gnade käme, dass er dann bereit sei, im Dienst für den König auch sein Leben zu geben und all das Seine.

 

Gefährdung durch militärische Kräfte

Die Kenntnis der Tatsache, dass in der Gegend um Ptuj 8.000 Soldaten zusammengezogen wurden, um die Međimurje anzugreifen, etwa bevor seine Versöhnungsmission abgeschlossen wäre, brachten Forstall dazu, an Lobkovic in Wien zu schreiben, dass er mit Petars Sohn Ivan als Geisel und mit dem „Weißen Blatt“ kommen werde, und auf Anordnung Zrinski´s schrieb er auch an den Präsidenten der Grazer Regierung, an Maximilian Grafen Herberstein, „dass er den Marsch der deutschen Kompanien gegen die Međimurje aufhalten möchte, dass keine Zweifel aufkommen sollten an Zrinski´s friedlichem Ausgleich mit dem Hof, und dass man es nicht dazu kommen lasse, dass sich die Türken von Kanizsa, die aufmarschiert seien an der Mur auf Befehl Zrinski´s, nicht zu ihrem Standort zurückzögen, wenn ohnehin das Ende aller Not abzusehen und alles geregelt ist.“ An diesem Tag, dem 7.April, reiste Forstall ab nach Wien in Begleitung Ivan Zrinski´s und mit den Briefen von Zrinski und Frankopan. Am nächsten Tag, dem 8.April 1670, schickte Zrinski durch seine Leute, dem Rittmeister Đuro Caldi und dem Stallmeister Rudolf an General Spankau einen Brief, in dem er ihm schrieb, er habe gehört, ihm sei vom Kaiser befohlen worden, mit seinen Regimentern die Međimurje anzugreifen. Indem er ja schon dem Kaiser geschrieben und und seinen Vorschlag zur Versöhnung vorgelegt, wobei er seinen Sohn als Geisel geschickt habe, und da er keinesfalls die Absicht habe, etwas gegen den Kaiser zu unternehmen, erhoffe er für sich, dass auch die kaiserlichen Streitkräfte nicht aktiv würden. Zrinski lud General Spankau als Gast nach Čakovec und schickte ihm auch eine Kutsche mit sechs Pferden und mit seinen Leuten. Indessen hielt Spankau die Leute Zrinski´s bis zum 11.April hin, ebenso die Kutsche, bis er seine militärischen Vorbereitungen vollständig abgeschlossen hatte; und Zrinski ließ er mitteilen, dass die kaiserlichen Truppen Aufstellung nähmen gegen die Türken, und dass er ihn in Kürze besuchen werde. An diesem Tag setzte Karl Gottfried Graf Breuner, Ratsherr am innerösterreichischen Militärrat in Graz, Kaiser Leopold I. davon in Kenntnis, dass Kapetan Rovero ihn informiert habe, dass Petar Zrinski und Franjo Frankopan auf ihren Besitzungen aufrüsten und das gesamte Volk einexerzieren, auch dass davon die Rede sei, sie würden Rijeka und Trsat angreifen. Das Ratsmitglied schlug weiter vor, man solle hart gegen Zrinski und Frankopan vorgehen und sofort ihre Besitzungen in der Primorje (dem Küstenland) in Beschlag nehmen.

Die Habsburgischen Streitkräfte, in der Gegend von Ptuj zusammengezogen unter dem Oberbefehl des Generals Spankau, hatten folgende Aufgaben:

- von der Steiermark in die Međimurje einzubrechen,
- das Gebiet der Mur zu besetzen,
- Kotoriba zu erobern und
- Zrinski den Weg nach Kanizsa oder zu Rákóczy in Oberungarn abzuschneiden.

Der Grenzkapetan Breuner sollte Legrad erobern, und der Kommandant der Grenztruppen Herberstein sollte von Karlovac aus zuerst die Pokupska (das Kupatal) einnehmen, dann aber die Städte Zrinski´s und Frankopans in der Primorje. Man rechnete damit, dass diese drei Einheiten ausreichend waren, der Rebellen Herr zu werden, was auf jeden Fall zu geschehen habe, bevor die türkische Streitmacht in Aktion treten würde.

In Wien hielt man die Winkelzüge Zrinski´s nur für ein Mittel, Zeit zu gewinnen, und sie bereiteten sich hier - so hatten sie es im Sinn - auf die endgültige Abrechnung vor. Am 12.April kam Forstall mit Ivan Zrinski in Wien an. Zunächst kehrten sie im Augustinerkloster an der Landstraße ein, und daraufhin gingen sie hinüber in die Stadt zur Gaststätte „Wilder Mann“. Von dort drängte er jetzt zu Lobkovic und meldete ihm, dass Zrinski fügsam sei und willens, nach Wien an den Hof zu kommen, nur dass er ihm einen Passierschein gebe – ein „salvum conductum“. Lobkovic war sehr kurz angebunden. Er antwortete Forstall, dass es ihm lieb sei, „dass der Knabe gekommen ist“ und daraufhin ließ er Ivan heimlich in einer Kutsche wegbringen in seine Wohnung. Offensichtlich ahnte Ivan Zrinski, dass es sich hier um kein gutes Spiel handelte, denn mit Tränen in den Augen bat er um Gnade und er beteuerte, er habe nichts von den Verhandlungen des Vaters mit den Türken gewusst bis zum letzten Augenblick, und als er davon erfahren habe, habe er es nicht gutgeheißen. Ivan wurde in einer Wohnung untergebracht ohne Wachen, doch immerhin unter Aufsicht. Lobkovic erklärte Forstall, dass er Zrinski keine „Freie Passage“ gewähren könne, „denn das ziemt sich nicht“, und der Graf solle sich bedingungslos stellen. Überdies bemühte sich Lobkovic des weiteren, Forstall zu überreden, das „Weiße Blatt“ so auszufüllen, dass Zrinski und all die Seinen sich auf Gedeih und Verderb „Ihrer Hochwohlgeboren“ überlasse. Forstall willigte auf diese Forderung nicht ein, sondern versprach am 15. April, dass er alles tun werde, um Zrinski zur Annahme und zur Erfüllung aller Bedingungen zu überreden.

In Hinblick darauf, dass Herberstein den Brief, den Frankopan am 9.März an den Kapetan Čolnik geschrieben hatte, in die Hände bekommen und an den Wiener Hof überstellt hatte, betrachtete man in Wien Frankopan als den Haupt-Urheber der kroatischen, gegen Habsburg gerichteten Verschwörung, und man hielt dafür, dass er mit Hilfe seiner Schwester Katarina Einfluss auf Zrinski ausgeübt habe. Auch wenn Lobkovic einer der Hauptverantwortlichen war für all das, was in Verbindung mit dem Schicksal Zrinski´s und Frankopans ausgeheckt wurde, so schrieb er am 16.April doch einen sehr liebenswürdigen Brief an Frankopan, dass er froh sei über seine Treue und dass er sich bei der Beruhigung des Aufstands bewähren werde, und er versicherte ihm, dass „das Tor zur königlichen Gnade niemals für jemanden wenn nicht für ihn offensteht“. Ähnliches schrieb er auch an Zrinski, und den General Spankau wies er an, Forstall auf dem Weg nach Čakovec passieren zu lassen.

 

Die letzte Nacht in Čakovec

Nach der Planung sollte die Operation des Angriffs auf Zrinski in der Međimurje am 13.April beginnen. Spankau setzte mit 600 Reitern am 12.April über die Drau bei Sauriče. Man übernachtete in Ormuž und am Morgen des 13.April brach Spankau in die Međimurje ein und schlug - das Fußvolk zurücklassend - mit der Reiterei den Weg in Richtung Čakovec ein. Gleichzeitig marschierte Kapetan Breuner von Koprivnica aus mit 4.000 Mann gegen Legrad. Als Zrinski von den Bewegungen der kaiserlichen Einheiten erfuhr, erfüllte ihn eine Begeisterung für Kampf und für eine Abrechnung mit ihnen, doch er nahm davon Abstand auf den Zuspruch eines seiner Kapetane hin, der ihn davon überzeugte, dass der Kaiser selbst Spankau geschickt habe. Unter seinem Einfluss beauftragte Zrinski seinen Kapetan Caldi, sich auf den Weg zu machen, um Spankau zu treffen und ihn als Gast einzuladen nach Čakovec. Um einem Zusammentreffen mit dem General auszuweichen, ließen Zrinski und Frankopan die Pferde satteln und entschlossen sich, zu Forstall nach Wien zu reiten. In der Nacht des 13.April um 11 Uhr verließen sie Čakovec. Katarina Zrinski traf die Vorbereitungen zur Reise für Ehemann und Bruder. Beim Abschied grüßte Petar sie noch einmal mit den Worten: „Gott behüte dich“, und darauf schwang er sich aufs Pferd und verschwand in der Nacht. Mit Frankopan waren noch der Reiter Rudolf Lahn, der Diener Tomo Severović und weitere Begleitung, insgesamt an die zwanzig Leute, mit ihnen an die fünfundzwanzig Pferde. Keiner der damals Anwesenden ahnte die Tragik dieses Abschieds. Katarina mit ihren Lieben vergoss keine Träne, sie kehrte in die Wohnräume zurück und verbrannte einige Briefe, von denen sie glaubte, es wäre nicht empfehlenswert, sie in die Hände des Kaisers fallen zu lassen – ein Brief Frankopans, in dem er Zrinski aus Zagreb vertraulich einweihte, das Diplom von Mijakić, Briefe des bosnischen Paschas und des Pascha von Kanizsa, und solche des Verschwörers Tattenbach.

 

Letzte Reise nach Wien

Zrinski und Frankopan machten sich auf den Weg nach Norden und setzten mit drei Kähnen über die Mur nahe Turnišče, während die Pferde neben den Kähnen schwammen. Am Mittag des 14.April erreichten sie Sziget, im Besitz der Familie Széchy, und am selbigen Abend Körmend, im Besitz des Grafen Batthyány, und dort übernachteten sie. Als ob Zrinski auf dieser Reise vorausahnte, was sich noch zutragen würde, zweifelte er an der Richtigkeit dieser Reise. Zuerst beabsichtigte er, in Sziget zu bleiben; daraufhin in Körmend, hier verkleidet als Gefolgsmann Batthyány´s. Er schlug Frankopan vor, dieser solle nach Wien gehen und die Lage erkunden, wie sie sich für ihre Zukunft darstelle. Frankopan schloss sich diesem Gedanken nicht an, im Gegenteil, er tadelte die Unbeständigkeit Zrinski´s und drohte ihm mit der Aufkündigung seiner Freundschaft. Sie reisten weiter und übernachteten am 15. April im Jesuitenkloster in Keresztes in der Nähe des Flusses Pinka. Am 16.April kamen sie an Kireg vorbei, und hier gab ein protestantischer Senator Zrinski Auskunft über den Weg nach Wien, und er riet ihm, lieber zu seinem Schwiegersohn Rákóczy nach Oberungarn zu gehen. Am Abend stiegen sie dort in Kabolda (Kobersdorf) ab bei Franjo Graf Kéry, einem ergebenen Anhänger des Kaisers. In dieser Nacht schickte Kéry, während seine Gäste schliefen, eine Nachricht los, dass Zrinski und Frankopan bei ihm wären. Die Nachricht erreichte Wien am 17.April abends. Um acht Uhr morgens erhielt Kéry die Antwort, er solle Zrinski und Frankopan, wenn sie noch bei ihm wären, dazu überreden, nach Wien zu gehen; wenn sie die Absicht hätten, sich irgendwo andershin zu wenden, sie zu verhaften, und wenn sie schon in andere Richtung aufgebrochen seien, dies sofort nach Wien zu melden. Und falls sie sich erst Tags darauf nach Wien aufmachten, solle er sie begleiten. Am Morgen des 18.April kamen sie in Wien an und ließen sich im Augustinerkloster an der Landstraße nieder. Als Lobkovic von ihrer Ankunft erfuhr, schickte er ihnen seine Kutsche, und um die Mittagszeit fuhren sie damit hinüber in die Gastwirtschaft „Zum Weißen Schwan“ in der Kärntnerstraße, ohne Wachen. Gegen Abend trennten sie sich. Zrinski richtete sich ein beim Oberstleutnant der Stadtbesatzung, Baron Ugarte, Frankopan beim Major Graf Traun, und Rudolf Lahn beim Kapetan Arnold. In deren Wohnungen standen sie unter Bewachung. Dort in der Nähe wurde auch Ivan Zrinski festgehalten.

 

Die kaiserlichen Streitkräfte nehmen Kroatien ein

Spankau traf am 13.April in der Nähe von Čakovec ein, ohne auf Widerstand zu stoßen, und am Morgen des 14.April erschien er in militärischer Formation direkt vor dem Mauerwerk von Čakovec. Auf seine Aufforderung hin, dass sich die Besatzung ergeben solle, wurden die Tore von Čakovec geöffnet und ein Offizier brachte die Schlüssel heraus mit der Bemerkung, Čakovec stehe den kaiserlichen Truppen immer offen. Sobald General Spankau und Kapetan Breuner Čakovec betreten hatten, untersuchten sie, wo Zrinski und Frankopan sich aufhalten könnten, denn man glaubte nicht, dass sie nach Wien abgereist wären, sondern dass sie sich irgendwo versteckt hielten. General Spankau ersuchte die Gräfin Katarina, die sich gerade auf eine Reise mit ihrer Tochter Aurelia vorbereitete, in Čakovec zu bleiben, und er drängte weiter nach Kotoriba, während er Kapetan Kanicki mit 100 Mann in Čakovec zurückließ. - Bei der weiteren Niederschlagung dieser kroatischen Bewegung setzten die Leute Zrinski´s einer Übergabe an die kaiserliche Soldateska entschieden Widerstand entgegen und zwar in der Stadt Brod an der Kupa unter dem Kommando des Pfarrers Pipinić, doch sie wurden von allzu starken gegnerischen Kräften am 11.April überwältigt und niedergemacht. Der Aufmarsch der 7.000 kaiserlichen Soldaten in der Lika und in der Primorje brach jeden nennenswerten Widerstand. Gerade erst hatte sich in Bakar der Kapetan Frankulin mit Männern aus Grobnik, aus Bakar selbst und mit einer Kompanie des Ivan Fürsten Starčević aus der Lika in der Festung von Bakar verschanzt und sie bereiteten sich dort auf den Kampf vor. Doch zwischenzeitlich zwang der Aufstand einiger Bürger von Bakar, die Frankulin und Starčević als Köter beschimpften und ihnen mit Waffen drohten, Frankulin zur Aufgabe. Das weitere Vorrücken der kaiserlichen Streitmacht in Kroatien wurde begleitet von Plünderungen; betroffen war alles, was sich nur wegtragen ließ. Von den Kapetanen Petar Zrinski´s entging einer Verhaftung als einziger Franjo Bukovački, der sich in die Türkei absetzte.

 

Plünderung und Pfändung der Zrinski-Frankopan´schen Besitz-tümer

Als König Leopold I. mit der Kundmachung vom 3.April das kroatische Volk wissen ließ, dass Petar Graf Zrinski zu einem „Verräter unserer Krone geworden“ sei und verfügte, dass „alle seine Besitzungen und Reichtümer unserer königlichen Kammer verfallen“, konnte es jedem klar sein, dass der Wiener Hof mit Zrinski drastisch abrechnen würde, und dieses Schicksal würde auch Krsto Frankopan treffen sowie einige andere Anhänger Petars: Stjepan Ivanović, Franjo Ivanović, Peter Oswald, Stjepan Verbelja, Ðuro Malenić, Baltazar Pogledić, Franjo Bukovački, Franjo Berislavić und Gašpar Čolnić.

Mit dem Aufmarsch der kaiserlichen Truppen gegen Zrinski und Frankopan begannen sofort Plünderung, Pfändung und Zerstörung ihrer Besitztümer und die ihrer Anhänger. Dabei taten sich unter den Offizieren Spankaus besonders der General von Karlovac, Johann Graf Herberstein, hervor, der Großkapetan von Žumberak, Johann Ernst Graf Paradaiser, der Vizekapetan von Senj, Gall, der Kapetan von Otok, Franz Lemberger, der Leutnant Friedrich Baron Saurer von Karlovac, der Kapetan von Ivanićgrad Jakob Johann Baron Teuffenbach und der Kapetan von Koprivnica Ferdinand Ernst Graf Breuner. Im Auftrag des Kaisers gab die Kammer von Požun am 26. April bezüglich des Hochverrats ein Dokument heraus über die Konfiszierung der Güter und Besitzungen von Petar Zrinski, Franjo Frankopan, Stjepan und Franjo Ivanović, Peter Oswald, Stjepan Verbelja, Ðure Malenić, Baltazar Pogledić, Franjo Bukovački und Gašpar Čolnić heraus. Die Bevollmächtigten des königlichen Fiskus, Petar Prašinski und Franjo Špoljarić, verzeichneten und konfiszierten die Besitztümer der Angeklagten im Zeitraum vom 19.Mai bis zum 2.August 1670. Im Unterschied zu den Besitzungen Petar Zrinski´s und der übrigen wurde der Besitz der Familie des verstorbenen Nikola Zrinski nach rechtlichen und sachlichen Gesichtspunkten nicht konfisziert, sondern nur geschätzt, um sie von den Besitztümern Petar Zrinski´s absondern zu können, doch wurden auch diese bei der Vereinnahmung durch kaiserliche Truppen ausgeplündert. Bei der Einnahme der Stadt Turopolje brannten die Kaiserlichen in Lomnice das Haus des Kapetans Bukovački nieder. Nachdem General Spankau mit der Streitmacht ohne Widerstand Čakovec besetzte, bemühte sich Katarina Zrinski, die ihn in ihrem Haus wie einen Gast empfing, ihn zu bewirten und sie bediente ihn mit Wildfleisch und Wein. Mittlerweile begannen sie plötzlich mit der Anwendung von Gewalt. Damit sich die Soldaten vom Wein fernhielten, war es nötig, die Fässer zu zerschlagen und den Wein wegzuschütten. In der Folgezeit fingen die Plünderungen an, bei denen die deutschen Offiziere mit Beispiel vorangingen, indem sie immer wieder Hausgeräte wegschleppten, Waffen, kostbares Interieur, Kücheneinrichtungen, Kutschen und Pferde. Laut dem Bericht von Prašinski und Špoljarić schafften die Deutschen unter den kaiserlichen Einheiten und die Walachen des Kapetans von Koprivnica, Breuner, laufend aus der reichen Međimurje ganze Fässer Wein aus den Zrinski´schen Kellern weg. Aus den Speichern trugen sie reichlich Weizen, Hirse, Roggen, Gerste, Hafer, Mischfrucht, Käse (in Čakovec produzierte Zrinski auch Parmesankäse), Speck, Salz, Öl und andere Lebensmittel fort, zahlreiches Rindvieh, Schweine, Schafe, Federvieh und Waffen, sogar auch Glasfenster, Türschlösser und eine Menge anderer Gegenstände. Bei der allgemeinen Plünderung und Ausraubung eignete sich General Spankau selbst zwei Kutschen und sechs Paar Pferde an, drei kostbare Kelim-Teppiche mit einem Schätzwert von 7.000 Talern, goldene Dosen, mit Diamanten besetzt, und ein silbernes Gefäß. Oberst Leslie entwendete eine „kristallene“ Kutsche mit drei Paar Pferden, ein Geschenk der Witwe des Palatins Wesselény an Petar Zrinski. Diese hohen kaiserlichen Offiziere setzten sich in den Besitz etlicher kostbarer Pistolen und Schwerter. Nicht nur, dass sie den Besitz Zrinski´s plünderten und ausraubten, sondern entwendet wurden Viehbestände aus auch seine Leibeigenen wurden beraubt; den Ställen, Getreide aus den Speichern und Wein aus den Kellern. Bei der Aufteilung der beschlagnahmten Beute bediente sich sogar der österreichische Kaiser und kroatisch-ungarische König Leopold I. selbst. Er nahm sich einige Kleidungsstücke Petar Zrinski´s:

 

                                                        Kaiser Leopold (1657-1705)

 

- einen schwarzen Umhang aus Samt, gefüttert mit Brokat, mit sechs goldenen Knöpfen und an jedem Knopf sechs kleinere Diamanten, und unter ihnen eine  größeren in der Mitte;

- einen Sommermantel aus scharlachrotem Samt mit gelbem Futter aus Brokat, wiederum mit sechs Knöpfen und an jedem sieben Rubine;

- einen dunklen Mantel aus Seidentuch mit länglichen geflochtenen Knöpfen;

- einen Sommeranzug aus Goldbrokat mit dreißig goldenen Knöpfen aus Perlmutt, jeder mit einem Rubin in Gold gefasst;

- einen Anzug aus Atlas von himmelblauer Farbe mit neunundzwanzig Knöpfen aus Perlmutter, in jedem Knopf befand sich ein in Gold gefasster Rubin;

- einen Mantel aus Samt mit Futter aus Zobelfell, mit eingenähten goldenen und silbernen Fransen, mit dreißig Goldknöpfen, an denen sich je ein Rubin befand.

Außerdem eignete sich der König kostbaren Waffen an:

- eine Damaszenerklinge, geschätzt auf einen Wert von 6.000 Forinten, mit Scheide aus Jaspis, verziert mit schönen Steinen und überzogen mit gediegenem Gold und mit feinen Edelsteinen übersät;

- einen Damaszenersäbel mit Fortsätzen aus weißem Silber und mit von Blattgold überzogenen Rosen;

- elf kostbare Schwerter mit Überzug aus getriebenem Silber und mit einem Griff, mit schönen Steinen verziert;

- fünf Kurzschwerter - Palasch - mit Fortsätzen und einem Kreuz aus getriebenem Silber;

- zwei Tessiner Langbüchsen, mit Blattgold überzogen und mit Perlmutt;

- eine Florentiner Büchse mit Silberbeschlag;

- drei Musketen aus Breschia und

- einen belgischen Karabiner,

- vierzehn Paar Pistolen, eines davon war von Rákóczy, mit einem goldbeschlagenem Ende.

 

Der König nahm sich auch noch

- fünf teure Pferdeüberwürfe,

- dreißig neue lange Wandbehänge aus rotem Damast, angefertigt auf weißer Leinwand,

- fünf venezianische Seidenteppiche, sogar auch

- eine wertvolle seidene Decke von Petar´s Bett, geschätzt auf 6.000 Forinten,

- etwas Wäsche,

- Jagdausstattung,

- mancherlei Tuche,

- Schmuck,

- 5.497 Forinten Bargeld

und ähnliches mehr. 

 

Die Hälfte der Medimurje, d.h. Petars Teil, beschlagnahmte der König im Jahre 1670. Die andere Hälfte fiel an Adam Zrinski, dem Sohn Nikola Zrinski´s. Als Adam 1691 umkam, fiel angesichts der Tatsache, dass er keine Nachkommen hatte, auch seine Hälfte dem König zu. Den Besitz Božjakovina verwüstete der Kapetan von Ivanićgrad, Johann Jakob Teuffenbach, und nach Ivanićgrad brachte bzw. führte er reichlich Kühe, Ochsen, Kälber, Färsen, Pferde, Schweine, Kapaune, Gänse, Enten, Hühner, Schinken, Wein, viel Getreide, Salz, Bargeld usw. hinweg. Ähnlich erging es den Besitzungen in Rakovac, Zagreb, Šestine und Bresovica.

 

In Karlovac eignete sich der General der kroatischen Grenztruppen, Johann Josef Graf Herberstein, zwei Häuser Petar Zrinski´s an mit der gesamten Einrichtung. Nicht nur, dass er anstelle der Festung Šwarc, im Besitz Zrinski´s und schon am 7.April zerstört, ein Gebäude, in dem sich später die Kadettenschule befand, die Kirche St. Josef sowie ein Schilderhaus und einen Turm über dem Tor zur Stadt Karlovac errichten ließ, sondern es wurde auch sofort nach der Einnahme aus ihr reichlich Wein, Weizen, Hirse, Hafer, Roggen, Mohrenhirse, Rinder, Ziegen, Gänse, Hühner, Enten, Kapaune, Bienenkörbe, Musketen, verschiedene Eisenwaren und mancherlei Hausgerät geplündert.

 

Die Burg Ozalj und der zugehörige Besitz, Eigentum Petar Zrinski´s, nahm der Fähnrich der Besatzung von Karlovac, Friedrich Baron Saurer, in Beschlag und plünderte dieses überaus wichtige Anwesen Zrinski´s. Aus der Schatzkammer von Ozalj wurden sehr wertvoll ausgestattete Pferdegeschirre (eines von ihnen, geschätzt auf 2.000 rheinische Forinten, bestand aus mit Blattgold überzogenem Silber und war gearbeitet mit schönen Steinen: es hatte am Zaum 59 Türkise, 166 Rubine und Smaragde, am Halfter 32 Edelsteine in Form eines Mondes; am Brustteil fanden sich 74 Türkise und 179 Rubine und Smaragde, während der Sattel aus Seide bestand), sehr kostbare Waffen und Kriegsgerät, teures Tafelgeschirr, mengenweise Stoffe, Hausgeräte, medizinische Mittel, Landkarten der Welt, mehrere kunstvolle Gemälde, Bettwäsche, Kleidungsstücke, Wein, reichlich Weizen, Roggen, Hirse, Buchweizen, Dinkel, Rinder, Geflügel, Heu usw. nach Karlovac geschafft. Das Gut Ribnicko (bei Ribnik an der Kupa) plünderten Männer des Generals von Karlovac, Herberstein. Aus den Speichern von Ribnicko schafften sie 700 Scheffel Weizen, 1.300 Scheffel Hirse, 400 Scheffel Hafer und 100 Scheffel Buchweizen hinweg. Aus dem Weinkeller trugen sie 500 Kübel Wein fort, und aus dem Meierhof von Ribnik brachten sie eine große Anzahl Rinder, Färsen, Schweine, Schafe, Lämmer, reichlich Geflügel, eine größere Anzahl Pferde, auch Hausrat und Werkzeug weg. Die Besitzungen Zrinski´s im Bezirk Gorski plünderten Walachen aus Gomirje, Vrbovski und Moravice. Vom Hauptbesitz Zrinski´s im Bereich Gorski, Brod an der Kupa, raubten die Walachen Ochsen, Kühe, Schafe, Lämmer, Getreide, Hausrat, Bauholz, Bretter u. ä. Das Gut Lic plünderte der Kapetan von Žumberak (Sichelburg), Johann Graf Paradaiser mit Soldaten des Königs, indem sie aus dem Haus Zrinski´s alles wegschafften, was sich nur tragen ließ. Vom Bergwerk Čabar, wo 200 Schmiede beschäftigt waren, schaffte der Sichelburger Kapetan Johann Ernst Graf Paradaiser genügend Erzeugnisse beiseite, was er dort vorfand: Nägel, Hufeisen, andere Eisenteile.

 

General Herberstein nahm am 12.April die Stadt Bakar ein, einen überaus wichtigen Hafen Petar Zrinski´s. Aus der Stadt selbst pfändete er aus einer Eisentruhe 200 ungarische Forinten, feines italienisches Tuch, einige andere Stoffe, 42 neue Matratzen, 400 schöne Langmusketen, 2.000 venezianische Barrel Wein, acht seidene Teppiche, 42 Kupferkessel und sogar Türschlösser. Aus den Läden im Hafen von Bakar raubte er Leder im Wert von tausend Silberlingen (Škuda), 300 Gefäße mit gewöhnlichen Nägeln, 80.000 Pfund verschiedener Eisenteile, Segel für zwei Jollen, sechs kleine Schiffskanonen, zwei kleinere Messingkanonen, 210 Scheffel Weizen, dreißig Stück Schinken, Reis und ähnliches. Und aus dem Besitz Grobnik schaffte Kapetan Paradaiser eine große Anzahl Schafe, Widder und Lämmer, Ziegen und Zicklein, drei Pferde, zwei Ochsen, eine Kuh ein Kalb, vier kleine Messingkanonen, 24 italienische Musketen, reichlich Wein, Eisenteile, Nägel, Hausgerät, Gewänder, Tuche usw. beiseite.

Das Vinodol, im Besitz Petar Zrinski´s, raubte der Kapetan von Senj, Gall, aus, der Kapetan aus Otočac, Franz Lemberger, und der Kastelan von Ledenice, Nikolaus Helenach. Aus Drivenik, Grižane, der Burg Bribir, Bakarac, Kraljevica und Hreljin plünderten sie, was sie wegschaffen konnten: Wein, Lebensmittel, Tuche, Waffen, Hausrat, Salz, Essig, Öl, Ochsen, Kühe, Schafe und andere Haustiere sowie Bretter. Der Vizekapetan von Senj, Gall, aus Kraljevica beschlagnahmte nicht nur irgendein Schiff mit Meersalz, sondern sie trugen auch Marmorstatuen hinweg, sogar einen Teil des Marmorfußbodens. Mit der Konfiszierung des Zrinski-Frankopan´schen Besitzes, die die Bevollmächtigten des königlichen Fiskus, Petar Prašinski und Franjo Špoljarić, auflisteten und beschlagnahmten, wurde die königlich-ungarische Kammer der neue Eigentümer.

 

 

 

Die politischen Verhältnisse in Oberungarn im Frühling 1670

 

Im Unterschied zu den politischen Verhältnissen in Kroatien, wo die kroatischen Magnaten Unterhandlungen mit dem Hof zu führen suchten und sich am Ende dem König auf Gnad oder Ungnad auslieferten, endete die Versammlung von Banska Bystrica am 28.März ohne irgendwelche nennenswerten Beschlüsse. Es verbreiteten sich Gerüchte, gegen den König gerichtet; man erzählte sich heimlich, dass Zrinski ein günstiges Abkommen mit dem Sultan geschlossen habe, dass von jetzt an die Türken Freunde der Ungarn und Kroaten sein würden und dass der Glaube respektiert würde, dass statt der Steuer eine Ehrenabgabe zu leisten sei, für einige 12.000 Forint und für die anderen 30.000 Forint, dass der Sultan Zrinski den Titel eines Königs angeboten, dieser aber abgelehnt habe, indem er sich begnügen wolle allein mit dem kroatischen Generalat, und dass derjenige König sein solle, den das Volk erwähle. Rákóczy, über den man sich erzählte, dass er schon in den Fürstenstand erhoben worden sei, machte sich unter dem Einfluss seines Schwiegervaters daran, den Aufstand zu organisieren. Zusammen mit Stjepan Bocskay berief er am 9.April in Sárospatak alle fähigen Männer zu den Waffen und machte ihnen Mitteilung über die Verhandlungen Zrinski´s mit den Türken, was unter den Anwesenden große Begeisterung auslöste. Und als am nächsten Tag die „interesati“ erfuhren, dass am Vortag der Befehlshaber von Tokaj, Rüdiger Graf Starhemberg, mit zehn Offizieren als Gast angekommen war, verhafteten sie diese und setzten sie in Rákoczy´s Stadt Regéc fest. Damit begann eigentlich die Rebellion in Oberungarn, der wegen der Uneinheitlichkeit der Aufständischen keinerlei Erfolg beschieden war, auch wenn die Aufständischen versuchten, Tokaj und Szatmar zu besetzen. Als einziges machten sie im Grenzwald bei Szatmar zwei kaiserliche Kompanien nieder.

 

 

 

Zrinski und Frankopan unter Hausarrest in Wien

 

Auch wenn es am Wiener Hof Meinungsverschiedenheiten über die Art und Weise des Verfahrens gegen Zrinski  und Frankopan gab – sie vor einen Untersuchungsausschuss zu stellen, oder sie milde zu behandeln und so beschwichtigend auf Rákóczy einzuwirken sowie auf die Rebellen in Oberungarn, auf die Zrinski großen Einfluss hatte - , und ihnen sogar erlaubt wurde, Besucher zu empfangen, so fühlten die Inhaftierten doch, was sie erwartete. Lobkovic überredete geschickt Zrinski am 20. April dazu, an Rákóczy und die oberungarischen Unzufriedenen zu schreiben, sie sollten sich versöhnlich zeigen, und Petar schrieb tatsächlich einen Brief an seinen Schwiegersohn Rákóczy, einen an seine Tochter Jelena und an Stjepan Barkoczy, eine einflussreiche Persönlichkeit in Oberungarn, in denen er ihnen riet, nicht auf die Türken zu hoffen, sondern sich dem Kaiser zu öffnen. Diese Ratschläge Petars beeinflussten den Aufstand hin zur Versöhnlichkeit; auf der anderen Seite wurden die gefangenen deutschen Offiziere freigelassen. Während der gleichen Zeit wurde mit Zrinski und Frankopan in jeder Hinsicht strenger verfahren. Persönliche Kontakte wurden unterbunden und als einzigem Ivan Zrinski erlaubt, seinen Vater zu besuchen. Im Mai wurde die Nachricht über eine angebliche Flucht Frankopans verbreitet, woraufhin vor die Tür seines Zimmers Wachen mit gezogenem Säbel postiert wurden. Hierauf geriet Frankopan völlig außer sich und erklärte, er wäre nicht nach Wien gekommen, wenn er sich schuldig gefühlt hätte. Jetzt nahmen sie ihre Säbel ab und übergaben sie den Offizieren, die sie bewachten. Kanzler Hocher kam am 23.April zum Verhör des Stallmeisters des Bans, Rudolf Lahn, der zu Anfang klug auf die gestellten Fragen antwortete und erst nach Androhung von Folter und Strick aussagte, was er wusste über die Verbindungen Zrinski´s und Tattenbachs. Die Häftlinge wurden am 2.Mai vorgeladen, ihre Aussage zu machen. Zrinski erklärte, dass er niemals beabsichtigt habe, ein Bündnis mit den Türken einzugehen; den Briefwechsel hätten ihm Rottal und der König vorgeschlagen, und Bukovački hätte er in die Türkei geschickt, um zu spionieren, und das Gerücht über feindliche Absichten Zrinski´s und Bukovački´s hätte Nikola Graf Erdödy verbreitet, für beide ein langjähriger Intimfeind. Zrinski erläuterte im weiteren: „Als ich die erfundenen Gerüchte über mich hörte, bat ich den Zagreber Bischof, nach Wien zu gehen und getreu die Lage zu schildern, und als er sich als zu langsam erwies, schickte ich darüber hinaus Forstall. Auf ihren Aufenthalt in Wien hin kam Bukovački, von Versprechungen der Türken, er solle das Grenzgebiet beherrschen, verleitet, herbei und tat Dinge, die zu tun ihm nicht erlaubt waren. Ich habe ihn .dessentwegen zu mir gerufen, eigentlich aber, um ihn festzusetzen. Unterdessen mischte sich in diese Angelegenheit der General von Karlovac ein, der nicht nur Bukovački zur Flucht zwang, sondern auch zum Angriff auf mich und meine Besitzungen überging und sie mit Feuer und Schwert verwüstete. Ich sah, dass meine Wiener Sendboten zu spät kamen, ich sah mit offenen Augen, wie mein Untergang immer näher herankam, und nun musste ich wegen dieser Umstände davon ausgehen, dass gegen mich der Sinn des Königs in Wut entbrannt sei und dass er es auf meinen endgültigen Untergang und auf meinen Tod in Schande abgesehen habe. In diesen Gedanken bekräftigte mich die Erfahrung der letzten Zeit; es kam mir in den Sinn, wie oft seit eh und je meine Familie kritisch an den Pranger gestellt worden war, wie sehr mich darüber hinaus Fürst Auersperg bei seiner Jugend hasste, wie für mich alle Spesen und Auslagen vergeblich waren, alle meine getreuen Dienste, die ich für den König auf mich genommen hatte mit Gefahr des Lebens und unter Opferung meines Blutes, denn niemals wurde mir irgendein Privileg oder auch nur eine Vergünstigung zuteil. Schließlich sah ich, wie sich meine Verleumder gegen mich verschworen, sodass ich in Verzweiflung fiel. Dann bat ich meine Schwägerin (Sofia Löbl), sie solle sich von Čakovec aufmachen, aber ich habe ihr entsprechend ans Herz gelegt, sich für meine Sache bei Hofe einzusetzen. Hierauf ließ ich die Kanonen auf den Mauern auffahren, schickte die Wachen zur christlichen (nördlichen) Seite, schrieb an den Pascha von Buda und an den von Kanizsa und schickte Briefe an die ungarischen Herren mit Übertreibungen über das, was Bukovački an Resultaten (bei der Hohen Pforte) erreicht habe, doch in wessen Hände meine Briefe fielen, weiß ich nicht. Mit einem Wort, was ich auch, wie ich nur konnte, unternahm, meine Nöte in den Griff zu bekommen, das häufte sich über meinem Haupte; und obwohl ich leicht Übles hätte tun können, habe ich es dennoch nicht getan, ich habe es sogar verhindert, und zu diesem Zeitpunkt hatte mein Vergehen keine Folgen“. Des weiteren erklärte Zrinski, dass er auf die Versprechungen Lobkovic´s bezüglich einer Begnadigung, die Forstall übermittelt hatte, alle Verbindungen zu den Türken abgebrochen und gedacht habe, „dass ich mich nach dem mir von mehreren Seiten gegebenen Wort in vollständiger Sicherheit befinde, als mich von der einen Seite General Spankau und von der anderern Breuner mit seinen Grenzsoldaten angriff. Leicht hätte ich allen Widerstand leisten können, aber ich wollte nicht gegen den König kämpfen, dessen Milde sie mich so deutlich versichert hatten. Ich sah, wie sie die eroberte Međimurje verwüsteten und plünderten, und aus den abgefangenen Briefen konnte ich entnehmen, dass die deutsche Armee mit Belagerungsgerät gegen mein Čakovec marschierte. Da ich mich der Erniedrigung durch meine Gegner nicht aussetzen wollte, schwang ich mich in der Nacht aufs Pferd, durchschwamm die Mur und kam hierher, um vor Ihrer Hochwohlgeboren auf die Knie zu fallen“. Am Ende, auch als alle ihn verurteilten und er für seine Vergehen zur Rechenschaft gezogen wurde, schloss er diese Erklärung mit den Worten „dass bei alledem dennoch der Name des Herrn gelobt sei! “. Frankopan befand sich in einer noch viel schlimmeren Lage und er gab König Leopold I. vier Erklärungen ab, am zweiten, dritten, vierten und fünften Mai, in denen er angab, er habe von der Delegation Bukovački´s erst erfahren, als der Brief des Kapetans aus Saloniki eingegangen sei; dass er „nur aus Gründen der Politik“ dem Kapetan Čolnić geschrieben habe (am 9.März) und nur aus der Not heraus; und dass er erst in Čakovec Kenntnis bekommen habe von den wahren Absichten des Bans: durch das Bündnis mit den Türken den Hof unter Druck zu setzen und so einige Vergünstigungen für sich selbst zu erwirken, aber dass er Petar empfohlen habe, eine andere Taktik zu verfolgen; dass er mit der Beschlagnahmung der Lebensmittel an der Save nur verhindern wollte, dass diese in die Hände Bukovački´s fielen; und in Hinblick darauf, dass ihm nicht der Sinn nach Kampf stand, habe er sich vor Herberstein nach Čakovec zurückgezogen. Am Ende erklärte Frankopan, dass dies alles die Offiziere des Bans ausgelöst hätten und dass die Sache sich hinzog, und dass, wenn der Ban nicht Abstand genommen hätte von seinen Plänen, sich ihm der größere Teil Kroatiens angeschlossen hätte.

 

Lobkovic täuschte weiterhin die Häftlinge, indem er ihnen Hoffnung machte auf einen guten Ausgang. Zu Zrinski sprach er über den Einfluss seines Briefes auf den Schwiegersohn Rákóczy und er überredete ihn, auch an die Unzufriedenen in den oberungarischen Županien zu schreiben. Und neben diesen Erfolgen und bei den Befürwortungen des päpstlichen Nuntius, Kardinal Barberini, wurden vor der Tür Petars doch doppelte Wachen aufgezogen und er durfte ohne Anwesenheit der Wachen mit niemandem sprechen.

 

 

 

Das Untersuchungsverfahren

 

Das Untersuchungsverfahren gegen Zrinski und Frankopan begann Ende Juni 1670. Der untersuchende Richter Hocher und der Schriftführer Christoph Abele führten Zrinski das erste Mal am 26.Juni um 7 Uhr morgens vor; die Befragung dauerte bis zum Mittag. Der Untersuchungsrichter verhörte Zrinski zu den Angaben, die er in seiner Erklärung vom 2.Mai abgegeben hatte. Auf die Frage des Untersuchungsrichters nach Tattenbachs Freund, Baron Locatelli, sowie seinem Kapetan Caldi, beide damals in Graz inhaftiert, vermied Zrinski belastende Äußerungen. Weitere Fragen standen in Zusammenhang mit Franjo Ivanović und den Gesandschaften zum bosnischen Pascha, dem von Kanizsa und dem von Buda; man stellte Fragen nach den Verbindungen zu Rákóczy, dem Mainzer Erzbischof und zu den Polen. Im großen und ganzen verhielt sich Zrinski bei seinen Antworten reserviert, er betonte, dass ihm immer der Sinn stand nach Frieden und Verständigung. Da Zrinski keine Antwort gab auf die Frage nach der Aussage, die er gemacht hatte im Zusammenhang mit dem Brief, den er am 21.März an Frankopan geschrieben und in dem er ihm zu schnellem Handeln gedrängt hatte, gab er als Ergänzung eine schriftliche Stellungnahme ab - dass er den Brief einzig zu dem Zweck geschrieben habe, um Bukovački aus der Türkei zu locken: „Als ich Bukovački zum ersten Mal geschrieben habe, dass sich alles erfolgreich entwickele, schickte ich, anstatt mich sofort auf die Waffen zu stürzen, den Zagreber Bischof zum König, dass er sich um mich kümmere, und dieses in dem Sinne, dass der König mich nicht fallenlasse. Ich blieb friedlich auch dann, als Bukovački einmal mehr wütend an Frankopan schrieb, warum wir nicht schon mit dem Freundschaftsverhältnis (zu den Türken) begonnen hätten. Diesen Brief schickte mir Frankopan; ich erschrak und schrieb ihm dann jenen geharnischten Brief, er solle bloß nicht revoltieren und Bukovački solle so schnell wie möglich zu mir kommen. Einen Brief ähnlichen Inhalts schickte ich an Bukovački, doch dieser ging daraufhin zu Frankopan, während er zu mir nicht kommen wollte.“ In einem anderen Teil seiner Antwort schob Zrinski Frankopan die Schuld zu, nicht um ihn zu belasten, sondern um sich zu verteidigen.Ein anderer Anlass zu dem Brief war der Wunsch, Bukovački von meiner Aufrichtigkeit gegenüber den Türken zu überzeugen, denn er zweifelte daran, er dachte sogar, dass ich befürchten würde, er würde sich gegen mich wenden mit Frankopan, der sich mit Leib und Seele der Bewegung angeschlossen hatte. Wo wären im weiteren Verlauf jene 5.000 Türken geblieben, wenn ich gerade zu dieser Zeit nach Kanizsa geschickt und gebeten habe, dass man mir Hilfe zuteil werden lasse, als ich sie brauchte, und der Pascha antwortete, er könne ohne eindeutigen Befehl der Hohen Pforte nichts unternehmen.“ Zrinski legte des weiteren zu seiner Verteidigung dar, wie er die Ungarn zum Aufstand aufgerufen habe auf Drängen Frankopans, und „als ich nicht wollte, und wenn, nur im Falle sie mich angegriffen hätten, und als dies Frankopan immer wieder forderte, habe ich so gehandelt, wie ich es schon erklärt habe. Ich hätte dem Pascha von Buda nicht geschrieben, wenn nicht Frankopan gewesen wäre, der seinen Beichtvater Tomasi dorthin geschickt hatte. Außerdem habe ich die Soldaten von drei Kompanien entlassen, und ich hätte sie garnicht aufgestellt, wenn Frankopan nicht meine elende Frau dazu verleitet hätte. Das weiß auch der General von Karlovac und das wissen auch die übrigen. Mit einem Wort, Frankopan war alles in allem krumm, denn ihn begeisterte seine Jugend, sein Feuer und der Ehrgeiz, doch ich hoffe, dass er mit der Zeit zu Verstand kommen und Ihrer Hochwohlgeboren zu dienen wissen wird.

 

Am selben Tag, als Zrinski verhört wurde, dem 26.Juni, begann  auch die Vernehmung Krsto Frankopans um 17 Uhr. In diesem Verhör blieb Frankopan im großen und ganzen im Rahmen seiner schon abgegebenen Aussagen. Das ganze Untersuchungsverfahren war, um leicht zu dem gewünschten Resultat zu kommen, bemüht, die Verdächtigen gegen sich aufzubringen und sie miteinander in Konflikt geraten zu lassen, und in eben diesem Sinne sagte der Untersuchungsrichter Hocher zu Frankopan, dass Zrinski beteuerte, er, nämlich Frankopan, sei an allem schuld. Und zu diesem Zweck bearbeiteten sie ihn auch mit anderem, denn die Häftlinge hatten sich seit Ende April nicht mehr gesehen. Als ihn Hocher damit konfrontierte, wie Zrinski darauf bestand, nichts von Frankopans Aktivitäten im Monat März in Zagreb und in Turopolje gewusst zu haben, antwortete Frankopan, Zrinski habe ihn am 24.März schriftlich ermächtigt, dass alles, was er mit den Magnaten, den Adligen, den Kapetanen und den übrigen Patrioten verabrede, Gültigkeit habe, als ob er es selbst vereinbart hätte, und dass er nichts unternommen habe, was nicht vorher mit Zrinski abgesprochen war. Das Untersuchungsgespräch entlockte Frankopan mit Erfolg einige weitere Bekenntnisse, die Zrinski schwer belasteten: er habe, nachdem er seinen Sohn Ivan nach Wien geschickt, erklärt, er würde sich an Herberstein bitter rächen, er werde zum Islam übertreten, damit die Türken nicht an seiner Aufrichtigkeit zweifelten, er habe Barigigli nach Polen geschickt, um die Eheschließung des polnischen Königs mit der Erzherzogin Eleonore zu verhindern, und anderes. In der Haft quälte Petar besonders, dass er sich freiwillig dem König unterworfen, dass er die Aufständischen Rákóczy´s zur Versöhnung veranlasst hatte, und dass man, anstatt ihn zu belohnen und in Freiheit zu entlassen, ihn weiter in Haft hielt. Das Hauptvergehen Petars waren die Unterhandlungen mit den Türken für ein Bündnis. Petar führte zu seiner Verteidigung an, dass er dies garnicht ernsthaft in Erwägung gezogen habe, denn er habe schon seit Jugendtagen gelernt, die Türken zu hassen, und er habe die Unterhandlungen so begriffen, dass man sich im Krieg den Anschein gibt - man sehe eben nicht auf die Mittel, sondern auf das Ziel. Dass er nicht in die Freiheit entlassen werde, interpretierte er mit der Angst Wiens vor seiner Rache, und er erklärte in einer Denkschrift für den Untersuchungsrichter Hocher und den Kaiser, die er am 24.Juli abgab, dass er bereit sei, vor dem Sakrament des Altars zu schwören, er werde daran niemals denken. In der Denkschrift erwähnte er darüber hinaus, dass Bukovački, wenn er nicht von allen guten Geistern verlassen sei, sicher aus der Türkei zurückkommen werde, nur dass der König ihn begnadigen und entschädigen solle. Im Zusammenhang mit den belastenden Äußerungen Frankopans erklärte er, dass dieser auch früher schon mehrere Male übel gehandelt habe, und er selbst habe ihm nicht vollständig vertrauen können. Zu den Aussagen Frankopans, soweit sie eine Anschuldigung gegen ihn darstellten, sagte er, dieser sei bei seiner Jugend nicht der allergrößte Denker und er sei nichts besonderes, und was das betreffe, brauche man sich über Frankopan nicht zu wundern. Im Verhör vom 24.Juli befragte man am Nachmittag Zrinski zu den Briefen, die er am 10. und am 23.März an Rákóczy geschrieben habe. Er antwortete, er habe nur geschrieben, um Rákóczy auf seine Seite zu ziehen, und das, was er über ein Bündnis mit den Türken und über eine finanzielle Unterstützung geschrieben habe, sei eine Lüge gewesen. Und in der Befragung zum Bündnis mit den Polen versuchte Petar sich herauszuwinden und leugnete, dass er Tattenbach zum Aufstand gegen den Kaiser überredet habe. Jedenfalls bedeutete dieses Verhör für Petar einen schweren Schlag und eine Pein, doch er sprach es aus, dass er nicht daran glaube, dass man ihn weiter so arg und bis zum Jüngsten Tag quälen werde. Und diese Aussage wollte Petar ergänzen und schrieb am 26.Juli an Hocher, Abele möge ihn empfangen, um vor ihm eine ergänzende Aussage machen zu können. Abele weigerte sich, zu Zrinski zu gehen, denn er habe, obwohl er ihn nur ganze zwei Mal gesehen und mit ihm nicht einmal irgendetwas zu besprechen begonnen habe, große Angst vor ihm, doch Hocher führte an diesem Tag um 14 Uhr ein Gespräch mit ihm. Indem der Untersuchungsrichter Hocher Zrinski die angeblichen Äußerungen Frankopans, mit denen dieser ihn belastete, entgegenhielt, leugnete er seine Schuld und beteuerte, Frankopan sei der einzige und ausschließliche Schuldige. Als er sich im Zusammenhang mit dem Untersuchungsverfahren in Kroatien und Ungarn dagegen verwahrte, dass ein deutsches Gericht urteile über kroatische Adlige, da doch hierfür nur der kroatische Sabor zuständig sei, beschleunigte Hocher das Verfahren und verhörte Frankopan weiter am 13.August. Auch bei dieser Befragung blieb Frankopan bei seinen vorherigen Aussagen. Nach diesem Verhör zog Hocher die Schlussfolgerung, dass die Schuld Zrinski´s und Frankopans erwiesen sei - Beleidigung Ihrer Hochwohlgeboren, denn sie hätten mit Türken und Polen verhandelt, sie hätten versucht, einen anderen Herrscher auf den kroatisch-ungarischen Thron zu heben, und sie hätten Schriftstücke verfasst, die gegen den Herrscher gerichtet seien. In dieser Beratung der Wiener Minister - Lobkovic, Schwarzenberg, Montecuccoli, Lamberg und Hocher - kamen sie zum Ende der Ratssitzung am 29.August zu dem Schluss, dass Zrinski und Frankopan auch unter den Krainer und den steirischen Adel einzureihen seien und somit auch unter die österreichische Gerichtsbarkeit fielen, dass sie Offiziere des Militärs seien und somit dem Militärgericht unterlägen, dass sie in Wien über ein Bündnis gesprochen hätten und in der Steiermark mit Tattenbach, und eben deshalb hätten sie sich in Österreich vergangen; dass jeder Mann mehrere zuständige Richter haben könne, und berechtigt zum Urteil sei der, der ihn zuerst verhafte. Auf der Grundlage dieser Beurteilung kamen die Minister zu dem Schluss, dass man den Prozess gegen Zrinski und Frankopan beginnen könne, dass das Verfahren in Wiener Neustadt durchgeführt werden solle, wohin sie zu überführen seien, dass sie getrennt würden und sie, wenn gewünscht, Verteidiger gestellt bekämen. Sie beendeten ihre Beratung mit der Schlussfolgerung, dass es keinen Frieden geben werde, solange Zrinski, Frankopan und die anderen Aufständischen am Leben seien.

 

Während Frankopan nach dem Ende der Verhöre Gedichte schrieb, verfasste Zrinski ein weiteres Memorandum für den König, das er am 5.September dem Baron Ugarte, bei dem er sich in Arrest befand, übergab und in dem er das, was er bereits ausgesagt hatte, wiederholte und in dem er die Zusage der Begnadigung hervorhob, die bei der Vermittlung Forstalls verabredet worden war. Unter diesem Gesichtspunkt legte Zrinski seine Verteidigung dar: „Forstall hatte die Vollmacht von Lobkovic, auf die ich vertrauen musste, und wenn dieser vielleicht ohne Erlaubnis die Grenzen seiner Kompetenz überschritten hat, was ich nicht glaube, dann kann somit sein Fehler nicht zu meinen Lasten angerechnet werden, denn ich habe das ausgeführt, was ich tun musste. Ich habe des weiteren mit Fürst Lobkovic und dem Kanzler Hocher verhandelt sowie mit Staatsbeamten, mit Vertretern des Kaisers und mit seinen wichtigsten Ministern. Deren Wort war demnach für mich das Wort des Kaisers. Die ‚carta biancha‘ bindet nicht nur mich, sondern auch sie, denn dann hat der Kaiser für sie die Bedingungen mit unterschrieben, und nichts anderes, wenn man sich damit nicht zufrieden gibt. ‚Der kaiserliche Adler jagt keine Fliegen‘; das Wort des hochherzigen Königs taugt auch für eine edelmütige Auslegung und nicht für Haarspalterei und Kleinmütigkeit“. Zrinski äußerte den Vorwurf, dass sein Sohn schon sechs Monate in Haft sei, dass ihm ritterliche Ausbildung und Gedeihen vorenthalten werde, und davon habe weder der Kaiser noch der Staat einen Nutzen. Im weiteren setzte er fort: „Wir müssen leiden entgegen dem Recht und gegen das Gesetz unserer Heimat, das ihr der König mit seinem Schwur bestätigt hat, unter anderem, niemanden seiner Freiheit zu berauben, ihn einzusperren, ihm seine Güter zu nehmen und ihn zu bestrafen, bevor er rechtmäßig vor ein Gericht geladen und er nach Anhörung seiner Verteidigung von einem ordentlichen Richter verurteilt worden ist. Unsere Gesetze legen des weiteren fest, dass keine Familie Einbußen an ihrem angestammten Gut erleiden darf wegen des Vergehens eines ihrer Mitglieder, und wir haben inzwischen erfahren müssen, was zu alledem in Gegensatz steht. Bei uns wurde die Pfändung begonnen; die Gesetze, die anderen immer nützlich waren, konnten uns nicht länger gegen die schützen, von denen der Kaiser nicht nur keinen treuen und althergebrachten Dienst erwarten konnte, sondern kaum eine Spur davon, was dem gleich käme. Mögen Ihre Hochwohlgeboren gnädig bedenken, dass sie auf uns nicht die kaiserlichen Gesetze anwenden darf noch die Gesetze anderer Provinzen. Ihre Hochwohlgeboren sind den ungarischen und kroatischen Gesetzen verpflichtet. Unterdessen, dies alles im Auge behaltend, berufe ich mich auf die Gnade des österreichischen Hauses, dem Ihre Hochwohlgeboren gnädigst entsprungen sind, das Haus, das mit großer Gnade entstanden ist und das nicht untergehen kann, einzig dann wenn die Gnade ausstirbt.“ Zrinski fuhr im Memorandum weiter fort, dass es in der Geschichte des Hauses Habsburg kein einziges Beispiel dafür gebe, dass einer hochverdienten Familie fürein gewöhnliches Vergehen, wenn es schon so genannt werden mussnicht Verzeihung gewährt worden wäre. Petar führte noch aus, wieviel Zrinski in der Vergangenheit für das Herrscherhaus geleistet habe, gerade er und sein Bruder Nikola für die Steiermark, für Kärnten und die Krain, und er ersuchte den König, seinen Sohn Ivan in die Freiheit zu entlassen und ihm zu ermöglichen, zu lernen, sowie ihn selbst, nachdem er dieses Memorandum übergeben habe, aus der Haft zu entlassen.

 

 

 

In Wiener Neustadt

 

Am Morgen des Tages nach der Eingabe des Memorandums an den König, am 6. September 1670, wurden Zrinski und Frankopan in speziellen Kutschen und in Begleitung von Kavallerie nach Wiener Neustadt überführt und in der dortigen Burgfestung in besondere Zellen gesperrt. Dem einen als auch dem anderen wurde ein Diener zugestanden: für Zrinski stand sein Diener Đuro Tarrody zur Verfügung, und Frankopan verfügte über Bernhard Werner. Ihre Wache bestand aus einer Hundertschaft Soldaten unter dem Befehl des Kapetans Franz Heinrich Graf Mansfeld.

 

Bei der Vorbereitung des Strafprozesses im Gerichtshof wurde die Aufgabe der Anklage Dr. Georg Frey anvertraut und als außergewöhnliche Schöffen wurden, gemäß dem Grundsatz des „iudicium delegatum“ und zwecks einer angeblichen Unvoreingenommenheit, Personen verschiedener Stände ausgewählt: Gottlieb Graf Windischgrätz, Hanns Heinrich Baron von Herbart, Zdenko Baron Caplir, Joachim Graf Windhag, Baron von Andlern, Julio Bucelini, Justus Bruning, Christoph Abele, Dr. Johann Leopold von Löwenthurm, Dr. Johann Molitor und Dr. Johann Krumbach. Der Staatsanwalt Dr. Georg Frey wurde am 20.September beauftragt, den ordentlichen Prozess gegen Petar Zrinski und Krsto Frankopan in Gang zu bringen.

 

In der Schrift der Anklage, die am 7.November gegen Zrinski und Frankopan erhoben wurde, wurde allgemein das schwere Verbrechen der Beleidigung Ihrer Hochwohlgeboren angeführt und anschließend Zrinski´s Verabredung mit den Türken zu einem Bündnisvertrag, Verabredungen mit ungarischen Magnaten und mit den Polen, sowie Frankopans Teilhaberschaft an einem Hochverrat zusammen mit Zrinski. - Und „in meinem schändlichen Kerker“, wie er seinen Aufenthaltsort in Wiener Neustadt nannte, fand Zrinski keine Ruhe. Obwohl inhaftiert, waren ihm weite Teile des Schicksals seiner Familie gegenwärtig, und er wandte sich wiederum zu seiner Verteidigung am 8.Oktober an den König. Diese Versuche, den König und den Fürsten Lobkovic für sich einzunehmen, sollten sich mehrfach wiederholen. In diesen Bittgesuchen führte er seine Kriegstaten an sowie seine Verdienste. Nach Erhalt der Anklageschrift am 12. November wandte er sich an König und Kanzler Hocher, man solle ihm den Gerichtsprozess erlassen, denn er verstünde es nicht, ein deutsches Schriftstück zu lesen, noch sei er richtig des Deutschen und Ungarischen mächtig, man solle ihn nicht mit Prozessen malträtieren, ihn in Freiheit entlassen, und ähnliches. Mittlerweile machte sich Zrinski daran, seine Verteidigung aufzubauen. Als er zwei Tage daran gearbeitet hatte, schrieb er an den König einen Brief, in dem er seine eigenen Verdienste ansprach sowie die seiner Familie, und bat um Gnade. Die auf der. schon bekannten Basis gegründete Verteidigungsschrift legte er am 27.November beim Eingaberegister vor.

 

Frankopan konnte die Haft und das Schicksal, das ihn getroffen hatte, leichter ertragen. Wie auch immer, er wartete das, was auf ihn zukam, nicht untätig ab. Zu seiner Verteidigung verpflichtete er den Wiener Rechtsanwalt Dr. Johann Eylers, der seine Verteidigungsschrift am 23.Dezember niederschrieb. Und diese Verteidigung war zusammengestellt nach dem Vorbild der vorausgegangenen Verteidigungsschriften mit Aufzählung einer Fülle von Angaben über seine Verdienste und die seiner Vorfahren für das Herrscherhaus und die Christenheit. Beide Verteidigungsschriften nahm der Staatsanwalt Frey am 3.Januar 1671 entgegen. Mit dem Erlass des Hofes vom 31. Dezember war ihnen jeder Besuch verboten, und als Kommandant der Wachtruppen wurde der strenge Kapetan Johann von der Ehr eingesetzt. Über dieses Verfahren beschwerte sich Zrinski, „von allen verlassen, in tiefem Schmerz, und als ein in widerlicher Schande schwimmender und untergehender Sklave“, bei Rottal, dass gerade eben „ein Befehl angekommen ist, uns nirgendwohin mehr zu lassen; und sogar mit anderen zu sprechen, was uns bis jetzt schon kaum möglich war, ist uns jetzt ganz und gar verboten, doch so liege ich nun in diesem grässlichen, finsteren und dunstigen Loch den ganzen Tag über, und ich weiß nicht, wie ich diese ständige Wiederholung meiner furchtbaren Pein begreifen soll“. Und Frankopan beklagte sich, dass er „aus meinem Loch, aus dieser entsetzlichen kalten Höhle, die du nicht einmal heizen darfst“, nicht mehr herauskommen dürfe und er den Tag „ohne Gesellschaft und ohne Trost“ verbringe. Auf diese Klagen hat niemand mehr geantwortet. Auf den Widerspruch gegen die Anklageschrift und auf die Verteidigungsschriften Zrinski´s und Frankopans reagierte der Staatsanwalt Frey am 14.Februar, indem er, natürlich, die Verteidigungsschriften der Beschuldigten nicht zuließ. Das Schreiben über diese Entscheidung wurde den Angeklagten am 15.Februar übergeben. Jetzt ersuchte auch Zrinski um Stellung eines Rechtsanwalts, und der Richter bestimmte den Wiener Rechtsanwalt Dr. Adam Ignaz Strelle zu seinem Verteidiger. Strelle suchte seinen Klienten Ende Februar auf, doch er hatte von seiner Aufgabe eine sehr leichtfertige Auffassung, sodass er seine Verteidigungsschrift dem Richter nicht innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von dreißig Tagen abgab. Frankopans Rechtsanwalt Eylers übte sein Amt gewissenhaft aus und übergab seine Verteidigungsschrift, auf 26 Punkte aufgebaut, am 18.März dem Richter. Diese Schrift in Sachen Frankopan bearbeitete der Richter am 9. und 10.April 1671. Obwohl man sich bei Frankopan in seiner Verteidigung auch auf die Nichtzuständigkeit des österreichischen Richters, ein Urteil über ihn zu fällen, berief sowie sich auf eine Reihe anderer Argumente zu seinen Gunsten stützte, wies der Richter dies alles von sich.

 

 

 

Verurteilt zum Tode

 

Indem sich der Rechtsanwalt Petar Zrinski´s mit dem Widerspruch seines Klienten gegen die erhobene Anklage verspätet hatte, fällte der Richter zuerst das Urteil über Frankopan und zwar auf einer Gerichtssitzung vom 11.April. Der Richter verurteilte ihn zum Tode dafür, dass er das Bündnis Petar Zrinski´s mit der Türkei nicht zur Anzeige gebracht und wegen des Briefes, den er am 9.März 1670 an den Kapetan Čolnić geschrieben habe, und dass er die kaiserlichen Streitkräfte beleidigt habe sowie das ganze deutsche Volk, dass er aufständische Ideen verbreitet, dass er versucht habe, Zagreb für aufständische Ideen zu gewinnen ebenso wie die kroatischen Stände und das Volk der Walachen; wegen Plünderung von Nahrungsmittel, die nach Petrinja unterwegs waren, wegen der Gesandtschaft in die Türkei und wegen Beleidigung des Königs.

 

Der Verteidiger Petar Zrinski´s, Dr. Strelle, reichte seinen Widerspruch am 14.April ein. Seine Verteidigung berief sich auf das Konzept Zrinski´s und auf den Einwand gegen die Zuständigkeit des Richters, wobei man sich auf die Goldene Bulle König Andreas II. aus dem Jahre 1222 bezog und darüber hinaus auf einige kroatisch-ungarische Adelsgesetze, in denen die Macht des Königs im Verhältnis zu den Magnaten beschnitten wurde. Zur Beurteilung der Schuld Petars fand am 18.April ein Treffen mit dem Richter statt. In der Erörterung wurden alle Delikte, dessen der Angeklagte beschuldigt wurde, berührt und man kam zu dem Schluss, dass Zrinski der „hauptsächliche, gefährlichste und schädlichste“ sei und dass er in seinen Absichten das werden wollte, was Ihre Hochwohlgeboren in der Tat  waren - der Herrscher Kroatiens. Am selben Tag wurde für Zrinski die Todesstrafe durch Abtrennung des Kopfes und der linken Hand ausgesprochen.

 

 

 

Die Bestätigung der Todesstrafe für Zrinski und Frankopan

 

Unter welchen Umständen die Vorbereitungen zu dem Urteil stattfanden, kann man aus dem Verhalten des Hof-Geheimrats Christoph Abele ersehen, der schon unter der laufenden Ratssitzung und vor Veröffentlichung des Urteils in seiner Bosheit an den noch lebenden Mann in schwachen lateinischen Distichen schrieb:

Erstaunlich, auf eben diesen Tag (den 18.April) vor einem Tag bist du nach Wien gekommen, und jetzt bist du in dieser Stadt schuldig gesprochen. Vorher pflegtest du zu sagen: ‚Gutes Glück, nichts anderes‘, und jetzt wirst du sagen können: ‚Guter Tod, nichts anderes‘.  Hier lege ins Grab Petar, mit Nachnamen Zrinski, einstens ein Held und jetzt ein Verräter der Heimat. Nicht geziemt es fürderhin Reisenden, den Tag vor dem Abend zu loben; falsch nämlich ist die Regel, dass wer einmal anständig war, dies bis zum Ende bliebe. Immer ist glücklich, wer anständig und fromm ist“.

 

Obwohl die öffentliche Meinung in Europa gegen die Verurteilung Zrinski´s und Frankopans war, da sie sich doch selbst auf gut Glauben gestellt hatten, billigte der Geheime Rat, bestehend aus fünfzehn Mitgliedern, darunter kein Kroate oder Ungar, auf königlichen Befehl und aufgrund der Landgerichtsordung König Ferdinands III. im Palais des leitenden Ministers Fürst Lobkovic auf seiner Ratssitzung vom 21.April 1671 von 7 Uhr bis 13.30 und von 16 bis 21 Uhr das Gerichtsurteil gegen Zrinski und Frankopan vom 11. und 18.April; und der Rat schlug Kaiser Leopold I. vor, das Urteil zu ratifizieren, was dieser am 25.April auch tat. An diesem Tag traf der Geheime Rat Entscheidungen zur Vollstreckung des Urteils und zur Einleitung von Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit im Rahmen der Urteilsvollstreckung und des Schutzes der kaiserlichen Person, denn es ging die Rede davon, dass 40 bis 50 Männer auf Racheaktionen und auf einen Anschlag gegen die kaiserliche Majestät vorbereitet seien. Im Zusammenhang mit dieser möglichen Gefahr führten die kaiserlichen Beauftragten am 27.April von 8 bis 12 Uhr eine Befragung Zrinski´s durch, und von 12 bis 14 Uhr eine Befragung Frankopans. Obwohl Petar das Urteil des Richters noch nicht kannte, brach er im Verlauf des Verhörs mehrmals in Tränen aus. Ansonsten machte er genaue Angaben zu den gestellten Fragen und antwortete bereitwillig. Frankopan richtete nach dem Verhör an die Beauftragten die Bitte, ihn aus der Haft zu entlassen, denn er habe mehr als ein Jahr und somit schon genug leiden müssen. In dem Gespräch mit den kaiserlichen Beauftragten versuchten nach der Mittagsmahlzeit ihre Beichtväter, die Franziskanerpater, sie auf die böse Überraschung, die sie erwartete, vorzubereiten, und sie legten ihnen nahe, sich mit dem Willen Gottes abzufinden. An diesem Tag teilten die kaiserlichen Beauftragten, die durch Aufstellung entsprechender Wachen die Sicherheitsmaßnahmen in Wiener Neustadt veranlassten und im Zeughaus der Stadt zwei Räumlichkeiten für die Verurteilten vorbereiteten, endlich den beiden Delinquenten die Verurteilung zum Tode offiziell mit. Als Zrinski dies hörte, wich jede Farbe aus seinem Gesicht, er zuckte nur mit den Schultern und ohne ein Wort zu sagen, ging er hinüber zum Befehlshaber der 50 Mann starken Wache, die die Aufgabe hatte, die Überführung in einer Kutsche zum städtischen Zeughaus durchzuführen. Auch während der Fahrt schwieg Zrinski und stierte nur düster vor sich hin. Im Anschluss wurde auch Frankopan in gleicher Weise über die Todesstrafe und den Vollzug informiert; als er dies wahrnahm, wollte er etwas sagen, es wurde ihm jedoch untersagt und ihm befohlen, sich für die Überführung bereitzuhalten. Während der Fahrt in der Kusche beklagte sich Frankopan, dass die Zeit bis zum Tode zu kurz sei, als dass man anständig bleiben oder noch beichten noch ein Testament für seine Gattin aufsetzen könne. Da teilte man ihm mit, er sei seines Besitzes ledig, da dieser an den königlichen Fiskus verfalle, und damit brauche er kein Testament zu verfassen. Auf die beharrliche Bitte Frankopans hin suchten ihn um 22.30 Uhr die kaiserlichen Beauftragten Abele und Molitor, die mit dem Vollzug des Urteils beauftragt waren, auf und führten ein Gespräch mit ihm. Er redete zu ihnen über sein Schicksal, von seiner Jugend und über die Verdienste seiner Familie, die, wenn sie ihn nicht begnadigten, mit ihm aussterben werde; er bat, sich schriftlich an den König wenden zu dürfen, und darum, dass der Zeitpunkt des Todes wenigstens aufgeschoben würde. Der Beauftragte Abele sagte zu ihm, der König habe das Urteil schon bestätigt, nachdem das Untersuchungsverfahren erfolgreich abgeschlossen worden sei, und es gebe keine Hoffnung auf Begnadigung. Er versprach ihm, dass er seinen Brief dem König übergeben werde. Die Beauftragten kamen auf Bitte Zrinski´s am 29.April nach Mitternacht, um 0.30 Uhr, auch zu ihm. Als einziger verabschiedete sich von ihm sein Kämmerer Theodor. Der Guardian (Klostervorsteher) der Franziskaner teilte den Beauftragten mit, Petar habe ihm erklärt, er sei bereit, am nächsten Tag zu sterben. Danach legten beide mit ihren Beichtvätern die Beichte ab. Petar war nun ziemlich ruhig. Von da an waren um die Verurteilten sechs Kapuziner um ihre Betreuung bemüht, sie trösteten sie und bereiteten sie auf den Tod vor. Alles dies wurde schriftlich in einem Protokoll vermerkt. Frankopan übergab nochmals eine Denkschrift an den König, in der er ihn beschwor und ihn bat: „..möchte doch Ihre Hochwohlgeboren mit ihren gnädigen Augen Rücksicht nehmen auf meine blühende Jugend, die ich mit einem so frühen Tod beenden muss; betrachtet, o gnädiger Kaiser, dass ich das traurige letzte Mitglied jener Familie bin, die soviel und so viele Jahre dem strahlenden ösrerreichischen Haus gedient hat in makelloser Treue und Ergebenheit“. Etwa um 10 Uhr nahm Petar an der Heiligen Messe teil und empfing die Kommunion. Danach sprach er mit den Beauftragten. Auch Frankopan besuchte am Nachmittag die Heilige Messe und betete. Nach der Messe empfahl er sich bei den Beauftragten seinem Bruder Orfej, dem Kämmerer Bernhard Werner und seiner Gattin Julia, der er zu schreiben wünschte, und er bat um ein Treffen mit seinem Schwager Petar. Im Zusammenhang mit seiner Gattin teilten ihm die Beauftragten mit, dass sie sich in Venedig aufhalte, doch sie als auch Orfej könnten auf die kaiserliche Gnade hoffen.

 

 

 

Der Brief Frankopans an seine Gattin Julia

 

Am 29.April gegen Abend schrieb Frankopan an seine Gattin Julia in italienischer Sprache:„Allerliebste und geliebteste Julia, meine Liebe! Nachdem ich nach dem Willen des Himmels und dem göttlichen Ratschluss aus dieser Welt in eine andere gehe, um so Genugtuung zu leisten für mein Unterfangen der Beleidigung der kaiserlichen Hochwohlgeboren, des allermildesten Herrschers, möchte ich Dich von Herzen mit diesen Worten umarmen und Dir ein letztes Mal mit Gott sagen und Dich bitten, meine herzliebste Julia, dass Du mir bei der göttlichen Milde und mit christlicher Sanftmut verzeihst, dass Du etwa wegen meiner Rücksichtslosigkeit Beleidigung und Drangsal erleiden musstest. Ebenso ersuche ich Dich, liebe Julia, dass Du mir jede und auch die allerkleinste Beleidigung nachsehen möchtest, die ich Dir angetan habe, seit wir verheiratet sind. Ich von meiner Seite verzeihe Dir von ganzem Herzen und mit ganzer Seele und vergesse auf jeden Anlass eines Missverständnisses, das Du mir verursacht hast, aber gerade indem es Folge Deiner klaren und rechten Liebe zu mir war. Ich entschuldige mich bei allen meinen Verwandten und Freunden und empfehle mich Dir für eine Totenmesse zum Heil meiner Seele. Ich erhoffe mir, dass sie zu irgendeiner Stunde den Anblick der Milde und Hilfe Gottes teilhaftig sein wird. Meine liebe Julia! Ich würde mir aus ganzer Seele wünschen, dass Du imstande bist, ein letztes Gedenken an meine tiefen Liebe zu behalten, aber ich bin nackt und ein Bettler. Darum habe ich Ihre Hochwohlgeboren ersucht, sich Dir gegenüber als hochherzig zu erweisen bei seiner angeborenen Güte und Milde, doch an dem zweifle ich nicht, dass Du den Beweis der ruhmreichen Großzügigkeit erfahren wirst. Ich bitte ebenfalls Orfej um Verzeihung und ersuche ihn, mir zu verzeihen, was ich ihm Leides getan habe und ich beschwöre ihn bei der Liebe, die er mir immer bewiesen hat, dass er von Ihren Hochwohlgeboren, dem Kaiser, mit der alleruntertänigsten Bitte Verzeihung erwirkt, dass ich ihn vor Jahr und Tag beleidigt habe, womit ich Anlass bot zu seinem Zorn. Die Tür der Milde möchte ihm nicht verschlossen sein, vielmehr möchte es vielleicht geschehen als Teil der kaiserlichen Wohltat, um die ich Ihre Hochwohlgeboren gebeten habe. Möge er mir nicht verübeln, dass ich ihm kein Andenken hinterlassen kann, denn ich habe nichts, was seiner wert wäre. Damit, meine liebe Julia, Gott befohlen! Ich war in dieser Welt ein treuer Ehemann, und in der anderen werde ich Dein treuester Fürsprecher sein bei Gott. Ich bleibe für immer, meine liebe Julia, Dein allerliebster und allertreuester Mann.

                 Wiener Neustadt, am 29.April 1671

                            Franjo Frankopan

P.S.

Wenn der Diener Bernhard zu Dir kommt, empfehle ich mich ihm bei Dir, meine liebe Julia, bei seiner Liebe zu mir und der Treue, mit der er mir gedient hat.“

 

 

 

Die letzten Wünsche Zrinski´s

 

Als die kaiserlichen Beauftragten in den Nachmittagsstunden des 29.April Petar auf seine Frage hin mitteilten, dass es keine Hoffnung auf Begnadigung gebe, erklärte er ihnen, es tue ihm nicht leid, zu sterben, aber er wünsche sich, dass ihm einige letzte Wünsche erfüllt würden. Daraufhin übergab er ihnen zwei Zettelchen: auf das eine hatte er geschrieben, was man zum Heil seiner Seele tun solle, auf das andere, man möge seinem Sohn Ivan Antun eine bestimmte Pistole überlassen, einst Eigentum des Sultans Suleyman und später des polnischen Königs Stefan Bathory, der sie Petar wegen seines Heldenmuts zum Geschenk gemacht, und einen silbernen Streitkolben, den Petars Großvater Juraj (1598 – 1626) einem türkischen Pascha abgenommen hatte. Darauf setzten die Beauftragten Petar darüber in Kenntnis, dass über sein Eigentum nicht verfügt werden könne, da es konfisziert sei, und auf seine Anfrage, wie die Strafe ausgeführt werden würde, erklärten sie es ihm, und Petar sprach die Bitte aus, ihm das Abhacken der rechten Hand zu erlassen, und gleichzeitig empfahl er sich bei ihnen seinem Sohn Ivan Antun, seiner Gattin Katarina und seiner Tochter Veronika.

 

 

 

Letztes Treffen und Abschiednehmen von Zrinski und Frankopan

 

Als Zrinski den Beauftragten seine letzten Wünsche darlegte, äußerte er auch die Bitte, dass ihm ein Abschied von seinem Schwager zugestanden werde, was auch Frankopan schon erbeten hatte. Nach kurzer Beratung wurde Petar mitgeteilt, dass ihm ein Treffen und die Verabschiedung von seinem Schwager Krsto erlaubt sei, doch sie müssten in ihrer Gegenwart miteinander sprechen im Beisein des Kapetans von der Ehr und in deutscher Sprache. Bei dem Zusammentreffen in Petars Zimmer begann zuerst Frankopan zu reden; er sagte ihm, er sei gekommen, um ihn noch einmal vor dem Tod zu sehen, dass er ihn um Verzeihung bitte für alles, mit dem er ihn gekränkt habe, dass er ihm danke für das, was er schon in der Jugend gelernt habe, sich nicht vor dem Tod zu fürchten, und dass er hoffe, er werde ihm auch jetzt als Lehrer und Schwager ein gutes Beispiel geben. Dann erklärte er, er würde gerne sterben, wenn er damit das Leben Zrinski´s retten könnte, und fügte hinzu: „Bei Gott, ich erhoffe mir, dass wir uns morgen in einer anderen Welt umarmen werden, mit mehr Trost und Frieden als hier“. Zrinski dankte Frankopan ganz einfach und sehr ruhig dafür, dass er ihn besucht habe. Er erklärte, dass er sich nicht fürchte, zu sterben, dass er dies soviel wie den Gang zu einem kriegerischen Scharmützel ansehe, wie er es schon seit langem kenne, aber es tue ihm leid, dass auch er, Frankopan, sterben müsse. Er verzieh ihm alles und bat ihn, dass auch er ihm verzeihe... Danach umarmten und küssten sie sich und wünschten jeder dem andern ein letztes „Mit Gott“. „Also, nur tapfer, wir werden uns morgen in der anderen Welt umarmen“, so beschloss Frankopan dieses Treffen.

 

 

 

Der letzte Brief Petar Zrinski´s an seine Gattin Katarina

 

Versöhnt mit Gott und mit seinem Schwager Krsto, schrieb Zrinski, den Tag des Strafvollzugs vor Augen, seiner Frau Katarina einen Brief, in dem er die schönsten Seiten seiner Person und seiner Seele zum Ausdruck brachte, mit der Überschrift:

 

Meiner allerliebsten Herrin, der sorgsamen, beladenen, an die jetzt verwitwete Herrin       Anna Catharina Gräfin Zrinski,

 

und mit dem Inhalt:

 

Mein liebes Herz! Kränke Dich doch nur nicht über den Anlass dieses Briefes, und nicht aufregen. Zum langsamen gottgewollten Ende werden sie mir morgen um zehn Uhr das Haupt abschlagen und kaum später kommt Dein Bruder dazu. Heute haben wir jeder vom andern glücklich Abschied genommen. Dies beklage ich jetzt vor diesem Blatt und das ewige Valete von Dir, und ich empfehle mich Dir, wo ich Dir mit diesem Unruhe verursacht habe, doch damit habe ich Dir auch Unmut erregt (wie ich wohl weiß); verzeih auch Du mir. Gelobt sei Gott, ich bin auf den Tod wohl vorbereitet, ich fürchte mich nicht, ich vertraue auf den allmächtigen Gott, der mich in dieser Welt erniedrigt hat, um sich meiner nachher zu erbarmen, und ich werde zu ihm beten und ihn um Verzeihung meiner Sünden bitten (was morgen, darauf vertraue ich, geschehen wird), dass er mich versammelt vor seinem  Heiligen Thron zur Ewigen Gemeinschaft in Würde. Mehr weiß ich Dir nicht zu schreiben, auch nicht zu unserem Sohn, noch über die weitere Beendigung unseres Elends, ich habe mich ganz auf den Willen Gottes verlassen.

 

Dražen Budiša, einer der neuesten Rezensenten dieses sehr ergreifenden Dokuments .aus den letzten Augenblicken in Petars Leben, kam zu dem Ergebnis, dass dieseines der erschütterndsten Texte ist, die jemals in kroatischer Sprache verfasst wurden. .Dieses letzte Blatt des Mannes, der seine Frau mit Witwe anspricht, der sich mit dem Schicksal ausgesöhnt hat, für den keine Hoffnung auf Begnadigung mehr bestand und der friedlich und mannhaft auf seine Hinrichtung wartet. Es ist ein Dokument, das den Hauch der Ewigkeit trägt, und solange in den Zeiten ein Empfinden normaler Menschen besteht, wird es immer gleich ergreifend und erschütternd bleiben. Dieser Brief hat für uns auch eine zusätzliche Bedeutung - es ist das Zeugnis der Tragödie einer Familie, an deren Schicksal auch das Schicksal des Volkes zerbrochen ist“.

 

 

 

Die Hinrichtung Zrinski´s und Frankopans

 

Damit der Akt der Hinrichtung Zrinski´s und Frankopans in Sicherheit ausgeführt werden konnte, wurden schon am frühen Morgen des 30.April 1671 die Stadttore von Wiener Neustadt geschlossen; bewaffnete Stadtbewohner versammelten sich unter vier Fahnen auf dem Marktplatz. An diesem Morgen wurden Zrinski und Frankopan von sechs bis acht Uhr zur Messe und zum Gebet geführt. Da Petar drei Tage nichts gegessen hatte, überkam ihn beim Gebet für einen Augenblick ein Schwächeanfall und er verlor das Bewusstsein. Frankopan hatte die ganze Nacht im Gebet verbracht und wohnte dann der Messe bei. Als soweit alles für die Hinrichtung vorbereitet war, kamen die Beauftragten zu Zrinski. Petar übergab ihnen den Brief an seine Frau Katarina mit der Bitte, ihn ihr zu überstellen. Als er vom Regierungsvertreter Georg Domhofer erfuhr, dass er und seine Nachkommen aus dem Adelsregister gestrichen seien, verwandte sich Petar für seinen Sohn. Danach teilten sie dasselbe Frankopan mit.

 

Etwa um neun Uhr nahten sich die kaiserlichen Beauftragten auf dem Weg zum Blutgerüst, wo für sie eine mit wertvollen türkischen Teppichen ausgeschlagene Bank vorbereitet war. Sie führten Zrinski, als alles wohl vorbereitet war, herbei. Zuerst kamen zwei Beauftragte, bei ihnen vier Schützen, mit ihnen Zrinski und sein Beichtvater, alsdann Kapetan von der Ehr

 

                                Petars Gang zum Blutgerüst – C. Meyssens

 

vor seiner Kompanie. Der Stadtrichter trat zu Petar an das Blutgerüst heran und dann verlas der Anwalt des Strafrichters Maximilian Hange das Urteil. Zrinski betete während dieser Zeit, das Kruzifix in der rechten Hand haltend. Nachdem das Urteil verlesen worden war, brach der Stadtrichter den Stab und warf ihn aus dem Gang auf den Platz. Auf Petars Frage, ob vielleicht irgendeine Begnadigung eingegangen sei, wurde ein Brief des Kaisers, geschrieben am 29.April in Laxenburg, verlesen, in dem Kaiser Leopold I. das Abhacken der rechten Hand erließ. Nachdem Petar diesen Gnadenakt vernommen hatte, verneigte er sich vor dem Stadtrichter als Geste der Dankbarkeit.

 

Für die weitere Darstellung eignet sich sehr gut die Beschreibung von Ferdo Šišić aus dem Jahre 1907:

 

„Jetzt öffnete sich auch das Tor zu einem weiteren Hof, und sie führten Petar zum Blutgerüst an eine erhabene Stelle, die mit schwarzem Tuch ausgeschlagen war; als Petar bemerkte, dass ihn die Menschenmenge mit einer gewissen Furcht betrachtete, sprach er zu seinem Beichtvater die tapferen und kennzeichnenden Worte: ‚Diese erschrecken sich vor meinem Tod mehr als ich‘. Zrinski trat auf das schwarze Postament, nahm zugleich das Obergewand herunter und übergab es seinem Kämmerer Theodor; desgleichen entblößte er sich des Unterkleids und zog ein goldgesticktes Tuch heraus für die Augen, die ihm der Kämmerer verband. Während er sein ziemlich langes Haar hob, sprach er kein Wort, fiel auf die Knie und beugte den Nacken. Als die Uhr neun schlug, holte der Henker übungsweise zum Schlag aus, während Petar zu sprechen begann  'In deine Hände, Herr, übergebe ich meine Seele!`.

 

Der Schlag fiel auf den Hals, doch er trennte das Haupt nicht, auch nicht beim zweiten Mal. Eine Viererschaft von Männern trug den Leichnam an die Seite und bedeckte ihn mit schwarzem Tuch. Dann sprach der Pater Guardian, der Seele des Verstorbenen  sei alles vergeben, was er auch immer getan habe.

 

Währenddessen gingen die Beauftragten hinüber zu einem anderen Hof; jetzt führten sie Frankopan herbei unter der gleichen Prozedur, wie sie es bei Petar vollzogen hatten. Das Urteil wurde deutlich verkündet, nämlich dass Franjo ein Mitschuldiger der Verschwörung sei, besonders mit seinem Brief vom 9.März 1670 an den Kapetan Čolnić, der bedeutsam sei, da er mit diesem seinen Hass gegen den Kaiser, die Armee und das deutsche Volk zum Ausdruck gebracht habe. Während der Verlesung des Urteils betete Frankopan laut zu Gott und küsste immer wieder das Kreuz. Er wurde über den Platz zum Blutgerüst geführt und betete wiederum über zwanzig Minuten mit lauter Stimme in lateinischer Sprache. Dabei zog er nur sein Gewand aus und übergab es seinem Diener Bernhard, entblößte seinen Hals und ließ sich die Augenbinde anlegen. Indem er aufschrie: ‚Jesus und Maria‘, empfing er den Schlag noch unglücklicher als sein Schwager, denn der Henker traf ihn an der rechten Schulter und warf ihn dabei mit dem Kopf auf den Boden. Frankopan versuchte aufzustehen, doch ein weiterer Blutrichter hinderte ihn daran, der ihm letztlich den Kopf abschlug. Das Volk mochte diese Qual nicht weiter mit ansehen und rebellierte; sofort wurde der Blutrichter dieser Hinrichtung festgenommen.

 

Die Leichen der niedergeworfenen Edelleute wurden in Särgen geborgen, mit schwarzem Tuch überdeckt, und diese trugen je acht Männer zur Kirche, damit sie beerdigt würden. Bei derselben Hinrichtung und Beerdigung waren mehr als tausend Menschen anwesend.“

 

Im Zusammenhang mit dem Tod Zrinski´s und Frankopans meldete der venezianische Botschafter in Wien nach Venedig: „Dieses war das unglückliche Ende zweier so geachteter Männer, im besonderen war Zrinski sehr gefeiert und angesehen, denn seine Familie hat Kroatien sechzehn berühmte Vizekönige und Bane gegeben.“

 

 

 

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Abrechnung mit den Familien Petar Zrinski´s und Krsto Frankopans. Leidensweg der Gräfin Katarina Zrinski

 

Der Wiener Hof trachtete alle Mitglieder der Familie Zrinski zu vernichten. Am 18. April beauftragte Leopold I. den Kriegsrat in Graz, die Gräfin Katarina Zrinski an einen sicheren Ort zu schaffen und ihre Tochter Zora Veronika in einem Kloster unterzubringen. Am 27. desselben Monats wurde entschieden, dass Gräfin Katarina nach Karlovac, Koprivnica oder einen anderen befestigten Ort gebracht werde. Auf der Grundlage dieser Order wollte der Kriegsrat Gräfin Katarina nach Varašdin schicken, doch als der Oberst Zeis am 2.Mai zu ihr nach Đakovec kam, fand er sie erkrankt an Podagra, einem Leiden, an dem sie schon 15 Jahre zuvor erkrankt war. Indem sie ja ausgeplündert war, nicht nur in der Međimurje, wo die deutschen Streitkräfte - wie es der Ratsherr der innerösterreichischen Hofkammer in Graz, Johann Baron Wildenstein, beschrieb, -aus Čakovec alles mit sich genommen hatten, sodass der erkrankten Gräfin nichts blieb, keine Schüssel, kein Korn“ - , sondern auch der kroatische Anteil der Besitzungen ausgeraubt war, schrieb Katarina am 2.Mai an König Leopold einen Brief in deutscher Sprache, in welchem sie ihre Lage schilderte und um Schutz bat. In Hinblick darauf, dass ihr Schicksal auch weiterhin unbestimmt und unsicher war, schrieb Katarina am 30.Juni an Fürst Lobkovic, in dem sie ihn „bei den fünf Wunden Jesu“ beschwor, ihr, ihrem Mann Petar Zrinski und ihrer Familie zu helfen: Ich weiß noch immer nicht, was der Grund unseres Elends ist. Keinesfalls kann ich gesunden, und ich verfalle lebendigen Leibes. Leider Gottes habe ich keine Lebensmittel für mich und keinerlei Unterstützung bei meiner körperlichen Schwäche. Zu meinem Bedauern musste ich hören, dass es sich wieder darum handelt, mich nach Graz oder Wien zu bringen. Ich habe wahrlich dafür kein Verständnis. Ich würde gehen, wenn meine Schwäche es mir erlauben würde, wenn ich auch wüsste, wohin ich kommen würde, nicht dass man mich hierhin und dorthin bringt zu Spott und Schande, denn obwohl ich alles verloren habe, verlange ich dennoch, dass ich - was meine armselige Person betrifft - als anständige Frau behandelt und nicht in Schande gebracht werde mit meiner unschuldigen Tochter, die sich in diesem Elend bei mir befindet. Wenn mir Eure Fürstliche Gnaden nicht glauben, möge es belieben, einen Fremden zu schicken, sei er ein Priester oder ein Weltlicher, dass er augenscheinlich meinen Verfall überprüfe.“ Des weiteren bat Katarina Fürst Lobkovic, er möge ihr antworten, „denn ich schreibe bei jeder Gelegenheit nach Wien, doch ich werde mit nichts von diesen Herren bedacht, nicht mit wenigstens einer Zeile.“ Auf kaiserliche Anordnung vom 9.Juli 1670 musste Katarina, immer noch krank, mit ihrer Tochter Zora Veronika am 15.Juli um 16 Uhr Đakovec verlassen in Begleitung von 13 Schützen. Erschöpft durch ihr Leiden machten sie Station in Radgoni und Wildon. Über ihre damaligen Schwierigkeiten und Leiden sind ausreichende Zeugnisse erhalten. Über den Zustand, in dem sich die Tochter befand, gibt ein Brief des Kriegsrats in Graz Zeugnis, der Kaiser Leopold in Kenntnis setzte; darin ist die Rede davon, dassallergrößte Notwendigkeit besteht, dass sie (Katarina und Zora) auf Dauer mit anderen und mehreren Kleidungsstücken versorgt werden. Die Tochter zum Beispiel hat nur 4 Hemden, ein einziges Röckchen und eine Jacke, aber auch diese völlig zerschlissen.“ Mit solcher Kleidung sahen sie dem Winter entgegen. In dieser Zeit erhielt Katarina keinerlei Nachricht von ihrem Mann Petar oder ihrem Sohn Ivan Antun. Der Unterhalt der Gefangenen und die Bewachung bereiteten dem Wiener Hof großen Ärger. Für die Gefangenen ergaben sich besondere Schwierigkeiten, als man sie auf Anordnung des Kriegsrats vom 20.Sep-tember ihrer kroatischen Dienerschaft beraubte und ihnen deutsche Diener zuteilte, die gegenüber den Gefangenen nicht ein bisschen Rücksicht noch Achtung zeigten.

Unter welchen Umständen sie leben mussten, bezeugt ein Brief Katarinas, der dem Fürsten Lobkovic am 2.Januar 1671 zur Kenntnis kam, in dem sie schreibt:Ich und meine zehnjährige Tochter befinden uns hier in Graz in einer so strengen Haft, dass man keinen Menschen zu uns lässt außer dem Priester, der die Hl. Messe liest. Ich kann so hier nicht mit ihm sprechen, ihm mein Leid, welches ich aushalten muss, zu offenbaren, ich kümmerliche und sieche Frau. Immer mehr wird es mir bewusst, dass sich Ihre Hochwohlgeboren - unser gnädiger Herr (König Leopold) - über uns jämmerliche Würmchen sehr erzürnen muss, wenn sich nicht einmal unsere besten ehemaligen Freunde trauen, bei ihm ein gutes Wort für uns einzulegen. Jetzt haben die Kleinen und die Großen Macht über uns. Die hiesige glorreiche Hofkammer hat eine Dienstmagd eingestellt, die für uns das Wochengeld ausgibt. Aber diese sagt mir ins Gesicht, dass ich eine ‚Bestie‘ bin und schleudert mir solche Flüche entgegen, dass ich sie hier nicht zu wiederholen wage aus Respekt vor Euch. So könnte ich, ohnehin schon eine jammernswerte und kranke Frau, wegen ihrer Beleidigungen verzweifeln, wo ich doch keinen seelischen Beistand habe. In der Küche herrscht ihretwegen Tag und Nacht großer Lärm. Gnädiger Herr, Oberhofmeister! Mir ist nicht möglich, es mit ihr länger auszuhalten, denn es läuft hier schon vier Monate, dass mich jene so peinigt. Wegen dieser Dienstmagd habe ich keine weiteren Bediensteten, mir zur Hand zu gehen, denn jene ist so grob mit ihnen, dass keiner bei mir in Dienst bleiben mag. Ich habe keinen Kochlöffel, keine Köchin, und für mich kocht die Frau jenes Korporals, der die kaiserlichen Wachen beaufsichtigt, und ihr bleibt auch nicht genügend Zeit, denn sie hat zwei Kinder. Mir ist wahrlich zugestanden, dass ich eine Köchin halte. Aber die Dienstmagd gibt nicht zu, dass ich eine nehme. Zu derjenigen jedoch, die sie haben will, habe ich nicht genügend Vertrauen.“ Am selben Tag schrieb Katarina auch an König Leopold über ihre Lage:Genommen sind mir alle Liegenschaften und alle bewegliche Habe, und hier in Graz bin ich mit meiner zehnjährigen Tochter ohne Kleidung, mehr tot als lebendig.“ Und als sie versuchten, Katarina im Kloster der Clarissen zu Laibach unterzubringen, antwortete ihnen die Äbtissin, Marija Lukančić, sie fürchte sich, Katarina aufzunehmen, weil Kroaten möglicherweise kommen und sie befreien könnten, dennnoch ist der Name Zrinski nicht ausgelöscht“. Ihre Angst begründete sie so: „Zum Markt von Ljubljana kommen viele Kroaten mit Pferden und anderen Dingen. Die Kroaten könnten leicht das Kloster angreifen, und dann mit Hilfe von Leitern über die Mauer eindringen, dann aber nicht nur die Gräfin wegbringen, sondern sogar den übrigen Nonnen Übles antun. Um das Kloster leben neuerdings nur Arbeiter, die nicht bewaffnet sind, und wir können uns nicht verteidigen. Weil wir gerade Bauarbeiten durchführen lassen, muss ich für die Maurer die Klausur aufheben. Die Gräfin könnte des weiteren auch leicht selbst flüchten, gerade zu der Zeit, wenn wir Nonnen uns auf dem Chor aufhalten. Zudem habe ich davon reden gehört, dass die Gräfin krank ist, und bei alldem wäre es nicht willkommen, wenn in unsere Anstalt noch ein Arzt kommen müsste. Wenn die Gräfin das ganze Kaiserreich in Unruhe versetzt, welchen Tumult mag sie leicht in unser stilles Kloster bringen, das sicher ihretwegen seinen guten Ruf verliert“. Und auf erneuten Befehl des Kaisers und des Grazer Kriegsrats wurden die Clarissen der Verpflichtung, die Gräfin Katarina in ihr Kloster aufzunehmen, entbunden. Und als im September 1671 aus Wien wieder der Befehl kam, dass die Tochter Zora von Katarina getrennt werde, übermittelte Katarina dem Kaiser am 24. desselben Monats einen sehr ergreifenden Brief:Möchte Ihre Hochwohlgeboren mir zubilligen, dass meine einzige Tochter Zora Veronika als die Stütze meines kummervollen Alters, als ein Trost der verlassenen Witwe und als Betreuerin meiner Krankheit nicht von mir getrennt werde. Sie wird erzogen werden zu Fleiß und Gedeihen, aber auch zu edlem Benehmen und zur Handarbeit. Am Ende bitte ich, meine arme Person, die ohne sie dem Tod anheimfällt, nicht zur Klausur zu verurteilen, das heißt gefangen im Kloster, wo mich nur Hass begleiten würde, was nur meine Seele in Gefahr brächte und meinen Leib zu vorzeitigem Tod“. Zora wurde von ihrer Mutter im Februar 1672 getrennt und im Kloster der Ursulinerinnen in Celovac aufgenommen, und Katarina wurde im Kloster der Dominikanerinnen in Graz untergebracht. Von den Leiden ihrer Familie gebrochen, siech an Leib und Seele, verstarb Katarina am 16.November 1673; sie wurde in der dortigen Kirche der Dominikanerinnen bestattet. Als die Brüder des kroatischen Drachens (die Brüder des Ritterordens vom Kroatischen Drachen) im Jahre 1944 nach den irdischen Überresten Ivan Antun Zrinski´s in der Pfarrkirche St. Andreas in Graz, der vormaligen Kirche des Dominikanerordens, Forschungen anstellten, stießen sie bei den Gräbern unter der Kapelle zum Hl. Kreuz zwischen sieben Särgen auch auf einen Sarg mit den Gebeinen einer weiblichen Person, eingehüllt in schwarze Seide. Den Überlegungen des leitenden Notars des Ritterordens, Viktor Mohr, der selbst an den Forschungen teilnahm, zufolge ist die schwere schwarze Seide, mit der die sterblichen Überreste dieser Frau im Sarg bedeckt waren, der unwiderlegbare Beweis, dass diese Frau einer der mächtigen Familien des Adels angehört haben muss und dass es sich auf jeden Fall um die Gebeine einer überaus angesehenen und zu jener Zeit zweifelsohne gewichtigengeschichtlichen Persönlichkeit handelte, und dass in diese Grabstelle eines männlichen Dominikanerklosters in Zeiten strenger Vorschriften diese sterblichen Reste nachträglich untergebracht sein könnten. Des weiteren stellte Mohr Überlegungen an, dass diese Gebeine durchaus die Katarina Zrinski´s sein könnten, dorthin überführt in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts, als Kaiser Josef II. (1780 – 1790) viele Männer- und Frauenorden und -klöster aufgehoben hat. In Zusammenhang damit, dass bei dieser Gelegenheit auch das Kloster der Dominikanerschwestern in Graz aufgehoben und das Gebäude an einen Italiener verkauft wurde, und dieser sich der Gräber entledigen musste, veranlasste er wohl, so der Gedankengang Mohrs, dass die Gebeine Ana Katarinas, von denen er wusste, um wen es sich handelte, in die Grabstelle der Dominikanermönche überführt wurden, wo sich auch die Gebeine ihres Sohnes Ivan Antun befanden. Auf jeden Fall bedürfen diese sehr ansprechenden Vermutungen einer Bestätigung durch archivalische Forschungen.  

 

 

                             Ana Katarina Zrinski, geb. Frankopan

Schwarz und Weiß in meinem Herzen

Die Farbe Schwarz hab´ ich mir erkoren,
alle anderen gab ich dafür verloren;
schon seh´ ich´s, kaum Freude hat sie zu bringen,
dass ich bis zum Tode muss mit ihr ringen.
   
Grüne Farbe ist wahrlich aller Freuden voll,      
tiefe Erbauung, Trost und Hoffnung sind grün.-
Doch weiß nicht was Freude mir noch soll,
und muss ich mein Denken in Zweifel zieh´n.
   
Nicht liebreich ist mir die Farbe Rot
und stets wird gebraucht sie allzu kräftig;
und muss ich ertragen nun vielerlei Not,
drum kehrt von ihr ab mein Herz sich heftig.
   
Mir Leibes Farbe zuviel Abscheu bereitet,
sie lässt mein Herz in Flammen hochschlagen,
dass mit ihr man sich bis zum Tode streitet,
im Alter die Haut übers Altern muss klagen.
   
Die Farbe Gelb scheint bei manchen recht neidlich,
die im Herzen heimliche Winkel hüten,
und zeigen sie mir gegenüber auch weidlich,
doch ehrlich´ Gewähr können sie nicht bieten.
   
Granat würd´ ich eher zum Lobe nehmen,
dass wohl insgeheim ich es bei mir trage;
es soll sich mein Herz nicht darum grämen,
dass Erlösung aufs Spiel zu setzen ich wage.
   
Auf die blaue Farbe will ich garnicht eingehen,
und sie stachelt heimlich die Leidenschaft an;
doch davon bei mir ist nichts zu besehen,
mein ganzes Werk man offen antreffen kann.
   
Die weiße Farbe an Schwarz würd´ ich binden,
und meine Erfüllung mit ihr werd ich finden;
mein Herz versenken in lichter Reinheit
und tragen den Leib in schwarzem Grabkleid.

 

   Sammlung der Ana Katarina Zrinski, nach 1671,
   handschriftlich, unveröffentlicht  
 
  

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